Montag, 29. August 2016

Das Wörtchen „wenn“

Die Stimmen unten im Haus machten deutlich, Sechs erhielt eine weitere Lektion in Sachen Ausbildung, bei der ich auf keinen Fall stören wollte, sodass ich schließlich noch das Brennholz am Kamin ordentlich aufstapelte, bis die Kajira schließlich oben bei mir auftauchte. Wie immer fragte ich sie, ob es etwas gibt, das ich wissen sollte, doch wie immer hatte sie nichts, was wichtig genug war, um es mir zu erzählen. Allerdings bot sie an, sich zukünftig selbständig um die Versorgung von Fenris zu kümmern… eine Arbeit, die ich schon seit einiger Zeit sowieso vorhatte ihr zu übertragen, genau wie das Gianni-Sitten. Doch mangels Gelegenheit und vor allem wegen dem äußerst ungewöhnlichen Schlafrhythmus dieser Sklavin, hatte sich dafür noch nicht keine Gelegenheit ergeben.

Schließlich tauchte oben auch die Gnädigste auf und litt anscheinend wieder unter irgendwelchen Hitzewallungen. Wobei ich zugebe, es war wirklich wunderbar warm und daher mein sorgsames Aufschichten des Brennholzes ein ziemlich lächerlicher Versuch, mich um die Unterrichtslektion unten zu drücken. Bedarf an meinen Diensten hatte die Grüne jedoch nicht, sondern strich mir nur sehr sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht und befahl mir dann nach unten zu laufen, weil mein Herr mich benötigte. Damit tat sie mir natürlich einen riesigen Gefallen, denn es gibt nun mal nichts Schöneres für mich, als mit meinem Herrn ohne alle anderen weiblichen Mitglieder seines Haushalts zusammen zu sein.

Ich glaube, mein Herr freute sich über mein Auftauchen, benutzte sogar dieses wundervolle Possessivpronomen und nannte mich mal wieder „meine Dita“. Danach musste ich allerdings schlucken, weil er nämlich fragte, ob ich bereit bin, in den nächsten Tagen mit ihm in den Wald zu gehen. Ohne groß nachzudenken war mir sofort klar, es ging nicht um einen Waldspaziergang mit Picknick und Bad am Wasserfall, sondern um die Jagd. Eigentlich handelte es sich tatsächlich sogar um eine Unternehmung, zu der ich wirklich sehr große Lust hatte, auch wenn es dabei selbstverständlich nicht um den Spaß einer Kajira geht und ich glaube, so ganz ungeschickt stelle ich mich im Wald auch nicht an.

Tja, wenn nur das Wörtchen „wenn“ nicht wäre… wenn mein Herr nämlich nicht von mir erwarten würde, hinterher die Jagdbeute auszuweiden und ihr das Fell abzuziehen. Damit kenne ich mich nämlich kein bisschen aus und weiß überhaupt nicht, was ich zu beachten habe und wie und wo ich das Messer ansetzen muss. Natürlich ist mir klar, dass man einen Braten nicht von den Bäumen pflückt, doch haben sich meine früheren Herren immer selbst ums Ausweiden gekümmert und sahen auch keine Notwendigkeit, mir dies beizubringen. Meine Knie wurden also schon wieder etwas weich und meine Versagensängste schnürten mir fast die Luft ab, als ich meinem Herrn trotzdem bestätigte, für diese Unternehmung bereit zu sein.

Mein Herr hat sehr große und manchmal eben auch zu große Erwartungen an mich, die ich natürlich nicht enttäuschen möchte, mich aber auch nicht in der Lage sehe, sie zu erfüllen, was mich ziemlich quält. Ich durfte es daher einfach nicht länger hinauszögern, endlich mit ihm darüber zu sprechen, wenn ich wieder besser schlafen wollte, zumal mir seine Frage zeigte, er ahnte durchaus, dass bei diesem Thema etwas nicht mit mir stimmte. Nur wusste er eben nicht was mit mir los war, da er nun mal kein Hellseher ist. 


Doch erst einmal bekam ich noch eine weitere Galgenfrist, weil es nun in die Unterstadt gehen sollte. Mein Herr hatte sich nämlich überlegt, dass vielleicht der Brauer Lust hat, ihn mit seiner Kajira auf die Jagd zu begleiten oder vielleicht auch Sancari ohne ihren Herrn, falls der wieder eine doofe Wache erwischt haben sollte. Sancari und ihr Herr waren leider jedoch nirgends zu sehen, allerdings stand die Tür der Brauerei sperrangelweit offen. Während ich nach seinem Befehl nun sogar drinnen nachschaute, erörterte er mit dem Schmied und dem Sattler die merkwürdige Lampenkonstruktion, die seit einiger Zeit über dem Eingang zur Terrasse der Brauerei schwebt. Erst ging es um die Brandgefahr im Falle eines Absturzes, doch dann besprach er mit den Männern seine Überlegungen für ein Fest, bei dem man solch eigenartige Lampen vielleicht einsetzen könnte. 

Schließlich tauchte San aber doch noch aus Richtung Schmiede auf, kaum dass es darum ging, Fenris zu holen und auf ihre Spurensuche anzusetzen. Die beginnenden philosophischen Gedanken zu den Fragen des Bauern, was ein solches Fest denn aussagt und wofür es stehen soll, wurden durch die Erklärung meines Herrn übrigens beendet: „Das Fest besagt, dass Lichter fliegen und dass gesoffen wird.“ Jetzt plötzlich waren sich nämlich alle Männer einig, zum Saufen braucht man gar kein Fest.

Letztendlich fragte mein Herr dann, ob Sancari demnächst Zeit erübrigen kann, ihn in den Wald zur Tabukjagd zu begleiten… wobei ihr Besitzer ebenfalls mitkommen darf. Der Sattler verstand übrigens, falls San Zeit hat, darf der Brauer meinen Herrn begleiten und meinem Herrn wurde klar, dass er wegen der Wärme wohl mit lallender Zunge gesprochen hatte. Während mir nun die Aufgabe zukam, gegen seine trockene Kehle etwas zu tun und ich eilig Richtung Gasthaus davon flitzte, klärte sich das Missverständnis, denn San muss ihrem Herrn natürlich nicht freigeben.

Meinen Herrn zog es wegen der vom Vosk etwas kühler heranwehenden Luft schließlich an den Hafen, wo wir auf Luna trafen, die auf den Feldern vermutlich eine Ewigkeit mit dem Zusammenbau irgendwelcher Muscheln zu einem merkwürdigen Outfit beschäftigt gewesen sein muss. Wobei mir der Fund von Muscheln auf Feldern nicht wirklich klar war. Ach nee, es waren wohl Holzplättchen. Aber egal... meinen Herrn traf es viel schlimmer, da er offensichtlich glaubte, seinen Augen nicht trauen zu können und sich vorsichtshalber bei mir erkundigte, ob das was er sieht, wirklich das ist, was er glaubt zu sehen. Doch Luna war es tatsächlich, denn wie sollte man jemanden mit dermaßen ausladenden Körperdimensionen übersehen? 

Bis auf die wogende, leise klirrende Muschelbekleidung war diese Kajira übrigens wie immer, also genauso frech und unerzogen wie sonst auch, indem sie meinem Herrn oberschlaue, einer Sklavin nicht zustehenden Ratschläge gab, ihn anwies, welche Kajiraarbeiten er zuerst erledigen sollte, bevor sie sich mit einem Vorwand wieder verdrückte. Wie immer kam sie um jede Ermahnung oder Strafe herum und sämtliche Fragen meines Herrn blieben leider unbeantwortet. Doch immerhin ließ sie sich herab, ihrem Herrn zu berichten, sollte der irgendwann von seiner Reise zurück sein, worum es meinem Herrn ging. 

Danach verschwand das ausladend schwabbelnde Hinterteil in der Taverne und ich nutzte die Gelegenheit, meinem Herrn endlich kleinlaut mein Unvermögen beim Ausweiden und Häuten erlegter Jagdbeute zu gestehen und meine Ängste, dass ich seinen Ansprüchen nicht gerecht werde, zumal ja auch nicht zur Ablenkung Ausladendes an mir hin und her wogt. Puhhh... ich gefalle ihm jedoch und zwar trotz fehlender Massen... meine Erleichterung war unbeschreiblich! Außerdem will mein Herr sich bei diesem Jagdausflug die Zeit nehmen, mir endlich zu erklären, was beim Ausweiden eines Tabuks und beim Abziehen des Fells wichtig und zu beachten ist!! Vielleicht hat er inzwischen erkannt, dass eine Sklavin nicht nur Aufsicht, Kontrolle und Härte braucht, indem er sie seine Macht spüren lässt, sondern auch die Führung ihres Herrn!?

Sonntag, 28. August 2016

Niemand ist unersetzlich

…und eine Kajira sowieso nicht.

Nachdem mein Herr einige unfassbare Gedanken wieder verworfen hatte, brauchte er frische Luft. Er hatte doch tatsächlich laut über die nachträgliche Erhöhung des Preises für die vor kurzem von dem Fremden bestellten Kalanafässer nachgedacht! Für mich unfassbar… er wollte im Nachhinein nicht mehr dazu stehen, was er vereinbart hatte und sein Wort brechen? Mich einzumischen stand mir zwar nicht zu, zumal seine Gefährtin merkwürdigerweise keine Meinung zu diesen Überlegungen zu haben schien, doch konnte ich mir meinen entsetzten Hinweis einfach nicht verkneifen. Mein Herr nahm ihn mir zum Glück nicht krumm, sondern schwenkte tatsächlich ein, will jedoch bei nächster Gelegenheit in Sachen Kalanaverkauf ein grundsätzliches Gespräch mit dem leider ständig auf Reisen befindlichen Händler führen.


Danach war also Frischluft angesagt, allerdings ging es nicht wie sonst sofort in die Unterstadt, sondern in die entgegengesetzte Richtung, nämlich zum Brunnen, wo merkwürdige Geräusche zu hören waren... der sich schon länger äußerst wunderlich benehmende Schmied nahm dort ein Bad gegen seinen offensichtlich gewaltigen Alkoholrausch. Aha, anscheinend war diese Diagnose nur für mich offensichtlich, die grüne Kaste erkundigte sich lieber erst einmal bei meinem Herrn, was denn mit dem Schmied los ist. Doch der vermutete breit grinsend ebenfalls Alkohol als Ursache oder alternativ, dass der Tarn dem Schmied am Vortag auf den Kopf gefallen sein muss und dort einen Dachschaden verursacht hatte.

Letztendlich stellte sich heraus, der Herr hatte seinen Sieg über diesen gefährlichen Raubvogel anscheinend ausgiebig gefeiert und war tatsächlich besoffen… eigentlich nicht wirklich etwas Neues. Jedes Hilfsangebot lehnte er jedoch ab und wollte weder Unterstützung von grüner Seite, wobei auf ein solches Angebot vermutlich nach fachkundigem Blick sowieso verzichtet worden war, noch wollte er die kraulenden Hände einer Kajira in Anspruch nehmen. Sechs kam um ihren rotseidenen Einsatz also herum, zumindest vorerst. So verklärt, wie sie den Badenden allerdings musterte und besonders, als er nackt aus dem Brunnen stieg, schien wohl doch sowas wie Sklavenfeuer in ihr zu schwelen, wenn auch auf niedrigster Sparflamme, denn sie erweckt ja ständig den Eindruck, von weißer Seide zu sein.


Leider interessierte mein Herr sich jetzt ernsthaft dafür, ob der Schmied vor dem Besäufnis seinen erlegten Tarn beseitigt hatte und befahl mir nachzuschauen. Ausgerechnet neben dem Haus meines verschollenen Herrn sollte der große Vogel von den Pfeilen getroffen abgestürzt sein. Kein Wunder also, dass ich mit doppelt beklommenem Gefühl dort hinlief. Zum einen, meide ich dieses Haus möglichst, weil immer noch unbeschreibliche Trauer wie eine eisige Hand mein Kajiraherz umschließt, wenn ich mein ehemaliges, leer stehendes Zuhause erblicke, in dem ich eine wirklich wundervolle Zeit meines Lebens auf Gor verbringen durfte.

Außerdem befürchtete ich, dass mein Herr mir unbeabsichtigt ein paar Federn des Tarn geschenkt haben könnte, die zufällig nicht die typische rötliche Färbung von Carolus' Gefieder gehabt hatten und der Schmied womöglich doch den Tarn meines verschollenen Herrn abgeschossen hatte? Meine dritte Befürchtung drehte sich um die Entsorgung des toten Tarn, die sich leider bestätigte. Der besoffene Schmied war inzwischen ebenfalls beim Kadaver aufgetaucht, sodass Sechs die Aufgabe zukam, den Kerl nach Hause zu begleiten, damit er sich nicht noch lächerlicher machte, als es ihm eh schon gelungen war. Inwieweit sie meinem Befehl nachkam ihn zu bezirzen, entzieht sich jedoch meiner Kenntnis.


Ich vermute, der Betrunkene hatte sowieso sämtliche männlichen Körperreaktionen ersäuft, sodass er in seinem Alkoholglimmer eh keine Bedürfnisse mehr hatte, bei deren Befriedigung ihm eine Kajira mit Hingabe und Sklavenfeuer dienen konnte und ihr lediglich blieb, dafür zu sorgen, dass er nicht an seinem Erbrochenem erstickte. Blöd für Sancari war an diesem Tag, leider zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort aufgetaucht zu sein. Sie konnte jetzt zwar mit der Information, dass der Schmied einen Tarn erlegt hatte, ihre Wissbegier stillen, allerdings kam ihr nun zusammen mit mir die entsetzliche Aufgabe zu, uns um das Zerlegen des Tarnkadavers zu kümmern.

Mein Herr wollte nämlich die Innereien für Fenris haben... für mich unverständlich, wie so manches bei der Haltung dieses Tiers sowieso, aber darüber halte ich lieber meine Klappe. Viel, viel schlimmer war, ich erkannte, dass ich an diesem Tag wahrscheinlich etwas tun würde, was mir mein ganzes Leben auf Gor noch nie passiert war. Ich habe mich in meiner goreanischen Vergangenheit wirklich stets sehr bemüht und es mit Anleitung und Geduld irgendwie immer geschafft, meine jeweiligen Besitzer zu erfreuen, indem ich ihre Befehle ausführte, auch wenn sie unbequem waren oder ich glaubte, die gestellte Aufgabe nicht zu schaffen. 

Bei meinem jetzigen Herrn ist es leider jedoch anders. Erstens fordert er Dinge von mir, die wirklich nicht mal ansatzweise meiner Natur entsprechen, die mir außerdem noch nie jemand gezeigt und erklärt hat und die meinen Magen einfach unbeherrschbar rebellieren lassen, ganz abgesehen von meinen gummiartigen Knien.

Schon bei der Jagd seinerzeit und jetzt erneut bei dieser Kadaverentsorgung stellte mein Herr Erwartungen an mich, die ich mangels Kenntnissen und vor allem mangels Eignung einfach nicht erfüllen konnte.

Sancari ging es ähnlich, sodass wir für die Beschaffung des Fasses für die Innereien sowie Seilen und Stangen zum Umdrehen des riesigen Vogels ziemlich viel Zeit benötigten. 

Schließlich traf ich jedoch eine Entscheidung, nach der mir tatsächlich etwas besser wurde, auch wenn sie mit ziemlicher Sicherheit meinen Tod bedeutete... mich meinem Herrn zu widersetzen und in den Vosk zu springen, falls er mich nicht vor Wut gleich auf der Stelle tötete. Ich weiß nicht, ob der Anblick meines ehemaligen Zuhauses dabei eine Rolle spielte oder der fehlende Beistand der Gnädigsten, die nur an sich denkend eilig das Weite suchte, als klar wurde, dass Sancari und ich den riesigen Tarnkadaver zerlegen und entsorgen sollten. Diesen Anblick wollte sie sich nämlich ersparen.

Es war letztendlich aber auch egal, ob es mich gibt oder nicht, denn ich bin nicht unersetzlich und eh nur eine irgendwann aufgesammelte, für meinen Herrn bestimmt nicht so wichtige Kajira. Mein Entschluss stand also fest und damit es schnell geht, hatte ich mir das steile Ufer vor dem früheren Haus des Tischlers ausgesucht, denn nach meinem Sprung von dort in den Vosk würde ich sofort von den Stromschnellen erfasst werden, falls ich nicht bereits unten auf die Felsen prallen und zu Tode kommen sollte. 

Doch es kam anders. Die Kriegertunika meines Herrn sah bei unserer Rückkehr total blutbeschmiert und echt wie Tarsk aus, was bei der roten Farbe aber kaum auffiel. Er hatte den Kadaver nämlich bereits ausgenommen und kippte nicht mich, sondern den Tarn den Hang hinunter in die reißende Strömung des Vosk, bevor er wütend brummte: „Mädchen, ich höre!“

Trotz Räusperns brachte ich nur klägliches Piepsen zustande und erkundigte mich, ob er möchte, dass ich gleich hinterher springe oder ob er sich meiner lieber auf andere Art entledigen will. Ich erwähnte vermutlich auch, dass ich nicht vergessen hatte, mich auf dem Marktplatz von einigen Freien zu verabschieden und dass ich Sechs aufgetragen hatte, meinem Herrn gut zu dienen und Sancaris Herrn zu erzählen, welches Schicksal seine Kajira ereilt hatte.

„Dita… was heißt verabschiedet… du redest undeutlich. Also was ist los, das ist doch nur ein toter Tarn!“ Sancari brach inzwischen vor Erleichterung in hysterisches Gelächter aus, denn sie wollte mit mir springen und ich schaffte es kaum noch gegen meine Tränen anzukämpfen, während auch mir langsam einiges klar wurde. Weil mein Herr den Kadaver inzwischen selbst entsorgt hatte, würde es nicht mehr zu meiner Befehlsverweigerung gekommen!

Naja, oder noch nicht? Hoffentlich enttäusche ich ihn nicht… er will demnächst nämlich im Wald auf die Jagd gehen.

Donnerstag, 25. August 2016

Doch Grasflecken...

...und eine Tarnfeder.

Da an diesem Tag wie jede Hand das übliche Waffentraining stattfinden sollte, beeilte ich mich mit meinen Arbeiten und flitzte zur Wiese. Mein Herr war nämlich schon vorgegangen… ich fragte mich nur warum so früh? Keine Ahnung, vielleicht wollte er sich mental besonders rechtzeitig auf die dortige Situation einstimmen und den Geruch der Wiese schon mal inhalieren oder war es gar nicht so früh? Egal, meine Hoffnung war jedenfalls, vielleicht noch ein wenig Zeit mit ihm alleine zu haben, bevor das Schwertfuchteln losging, denn danach war im Gasthaus bestimmt Ausgleich von Flüssigkeitsdefiziten angesagt, was vermutlich viel Arbeit für mich bedeutete.

Mein Herr hatte Stellung unter dem großen Baum bezogen und grinste mir entgegen, als ich auf ihn zugestürmt kam. Lachend wollte er wissen, ob meine Eile daher rührte, dass ich seine Uniform noch ein paar Ehn ohne Grasflecken betrachten wollte. Kajirae sollten Freien zwar nicht widersprechen, doch in diesem Fall fand ich es angebracht zu behaupten, dass seine Tunika bestimmt rot und fleckenlos bleiben wird. Das war wirklich nicht gelogen, denn mit Blick über die leere Wiese war mir gerade ein Gedanke gekommen. Doch mein Herr durchschaute mich sofort und meinte schmunzelnd: „Hehe.. das passiert nur, wenn das Training ausfällt. Aber Dita, weißt du was gut ist?“ 

Puhhh… selbstverständlich weiß ich viel und vieles, was sogar ganz besonders gut ist, doch bin ich keine Hellseherin und hatte daher keine Ahnung, worauf mein Herr hinaus wollte. „Na Dita, selbst wenn da nach dem Training ganz viele, fiese, grüne Flecken drin sind… eine meiner Kajirae wäscht die wieder aus!“ Na klar, aber erst nach ausgiebigem Einweichen. Nachdem ich meinen Herrn noch kurz über die derzeitige Anzahl an Kriegeruniformen in seiner Truhe informiert hatte, denn ich musste vor kurzem doch gerade erst wieder eine zu Putztüchern verarbeiten, traf der Brauereikrieger ein und somit wurde klar, dass es auch diesmal wohl nicht ohne grüne Flecken gehen würde.

Leider bestätigte sich diese Annahme umgehend, denn das schöne Kriegerrot der Kleidung meines Herrn wurde mit jeder Trainingsrunde grüner… allerdings selbstverständlich nur aus rein taktischen Gründen. Mein Herr ist nämlich nicht nur Hauptmann, sondern auch sehr schlau und will seine Untergebenen mit seiner geschickten Waffenführung natürlich nicht frustrieren, indem er sie ins Gras schickt, sondern macht lieber selbst damit Bekanntschaft. Er trug an diesem Tag übrigens seine extra leichtfüßige Kriegertunika und die wie immer ohne Hose, denn die könnte eh kein Bosk halten, wenn er so richtig loslegen und übers Gras gleiten würde… oder so ähnlich drückte er sich wohl aus.


Merkwürdigerweise tauchte an diesem Tag der Landsitzkrieger nicht zum Training auf, sodass darüber spekuliert wurde, ob sein Weib ihn vielleicht nicht ließ. Pahhh, die Männer hatten wirklich keine Ahnung… es gibt nur wenige Herren, der wirklich nicht unter dem Pantoffel von irgendeinem dieser sich ständig viel zu wichtig nehmenden Weiber stehen, aber der Landsitzkrieger ist eindeutig einer davon. Außerdem wurde seine Gefährtin ohne ihn auf dem Weg zum Hof gesehen, der Herr muss also wegen etwas sehr Wichtigem verhindert gewesen sein… obwohl dieser Krieger eigentlich kaum ein Training auslässt.


Mit dem Eintreffen des Blumenweibs, die wegen dem Klirren von Schwertern ihr Nickerchen im Gasthaus abgebrochen hatte, um ihre Neugier zu befriedigen, war das Training dann auch schon zu Ende. Dem Geplänkel der Frau mit den Männern hörte ich jedoch nicht weiter zu, bis der Brauereikrieger schließlich vorschlug „lasst uns zum weniger anstrengenden Teil des Trainings übergehen und uns im Gasthaus ein Getränk gönnen…“. Damit war gleichzeitig klar, wer zahlen würde und der ganze Trupp Freier verlagerte sich auf die Gasthausterrasse. Ich bekam also wie erwartet reichlich zu tun, weil ich mal wieder die einzige Kajira war und somit das Ganze hatte.


Wobei es mich nicht stört, 6 Freie zu bedienen… es tauchte nämlich noch ein Fremder mit einer Großbestellung an Getränkefässern für ein riesiges Fest auf. Später gesellte sich auch noch der Sattler dazu und das Weib bekam Hunger. Doch es gibt wirklich schlimmere Arbeiten als Servieren und eine schnelle Mahlzeit zu improvisieren, an die ich nicht mal denken mag, ohne dass sich mir der Magen umdreht. Insofern war es gut, dass der offensichtlich weiterhin ungebremste Jagdeifer des Schmieds diesmal einen Tarn traf, der den Herrn anscheinend angegriffen hatte. Doch so ganz genau weiß ich das nicht, denn mir blieb vor Angst um Carolus, den Tarn meines verschollenen Herrn, fast die Luft weg, nachdem klar wurde, mit wem sich der Schmied diesmal angelegt hatte. Da Tarnfleisch jedoch nicht schmeckt, war diesmal sicherlich nicht wieder mein Dienst gefragt und der Schmied würde den großen Vogel hoffentlich schnell im Vosk entsorgen.

Hach… meine Erleichterung war wirklich unbeschreiblich und meine Freude doppelt riesig… die Tarnfeder die mein Herr mir später von dem erlegten Raubvogel schenkte, er war dem Schmied nämlich zu Hilfe geeilt, als dessen Gebrüll immer lauter wurde, hatte eindeutig nicht mal einen Hauch von rötlicher Färbung, obwohl Rot ja schon immer meine Lieblingsfarbe war. Carolus war es also nicht!

Mittwoch, 24. August 2016

Verloren

Da meinen Herrn ein Kajirawunsch nicht interessiert, erteilte er Sechs gerade eine kleine Abfuhr, als sich der Schmied dazu gesellte. Tja, nur irgendwie doof, dass er sich jetzt zwar erinnerte, er wollte den Herrn etwas fragen, nur war ihm der Grund seiner Frage leider entfallen. Erneut zeigte sich, wie wenig es ihm nützt, wenn er mir lediglich das Erinnern aufträgt, jedoch nicht erzählt, worum es geht. Zum Glück fiel ihm dann aber ein, dass er sich nach dem Bestand an Schwertern und Pfeilspitzen erkundigen wollte, weil die Kriegsgefahr immer noch nicht beseitigt ist und der Schmied seit einiger Zeit äußerst merkwürdige Anwandlungen hat und ständig von neuen Aufgaben und dem Sulanbau auf seinem Landsitz spricht.

Nachdem alle Fragen über Waffenvorräte für die rote Kaste und die Fallen zur Tarnjagd geklärt waren, ging es erneut um das Opfer des Schmieds an die Priesterkönige am Vortag und dass er ein totes Tabuk im Gasthaus mit dem Hinweis deponiert hatte, dass die Kajirae sich um die Verarbeitung des Viechs kümmern sollen, damit es nicht vergammelt. Ich fühlte mich damit allerdings nicht angesprochen, da ich eh schon beim Bedienen der kajiraelosen Freien auf der Gasthausterrasse zusammen mit Laya reichlich zu tun hatte und außerdem mein Herr draußen saß, sodass ich annahm, der Schmied sprach von seinen eigenen Kajirae. Eine Sklavin muss zwar Befehle von jedem Freien ausführen, doch wenn ihr Besitzer anwesend ist, sieht das anders aus… dachte ich.

Oha, hätte ich geahnt, was noch auf mich zukommen würde, hätte ich mir die rote Blüte, die der Schmied mir geschenkt und die ich über Nacht ins Wasser gestellt hatte, nicht erneut ins Haar gesteckt und ihn mit Sicherheit auch nicht mehr so dankbar oder vermutlich gar nicht mehr angelächelt. Aber es herrschte sowieso eine merkwürdige Stimmung vor der Taverne. Der sonst eigentlich immer sehr freundliche Brauereibesitzer war irgendwie schlecht gelaunt, obwohl San sich wirklich größte Mühe gab, seine Nackenverspannungen mit sanften Händen zu lösen. Kurz angebunden brummte er genervt, er habe keine Fässer mit Paga zweiter Wahl und bekam er von der Feilscherei meines Herrn angeblich Kopfschmerzen.

Während ich mich inzwischen in der Taverne um etwas zum Knabbern für meinen Herrn kümmerte, was wegen der Dauerabwesenheit des Tavernenpächters und seiner Kajira mangels frischer Lebensmittel ein erst schwieriges Unterfangen war, bis ich schließlich den geräucherten Schinken entdeckte, einigten sich die beiden Männer nach einem letzten mürrischen „zahl ihn oder lass es“ des Brauers doch noch auf den genannten Preis. Mein Herr gab nämlich nach und legte die verlangten Münzen für 6 Fässer Paga mit finsterer Miene auf den Tisch. Wie gut, dass ihm die mundgerecht geschnittenen Schinkenscheiben zusagten und vielleicht das Gebrummel des Brauereikriegers vergessen ließen. Außerdem tauchte Hadi jetzt auf, sodass er bei ihr gleich Nachschub an geräuchertem Schinken bestellte.


Leider fiel dem Schmied beim Anblick des Schinkentellers erneut das Tabuk in der Gasthausküche ein und mein Herr erkundigte sich, ob ich mich darum gekümmert hatte. Wieso ich? Ich fand seine Frage unlogisch… warum sollte ich für Gasthausangelegenheiten zuständig sein, zumal ich ja schon ständig dort beim Servieren aushelfe und mein Magen bei einer solch oberekeligen Arbeit wirklich rebelliert, die mir noch nie jemmand gezeigt hat und die ich auch nicht lernen möchte! Ich bin keine Überkajira, die alles kann und sehe meine Aufgaben vorrangig darin, mich um meinen Herrn und seinen Haushalt zu kümmern, zu dem ja auch seine Viecher gehören. Beim oberfiesen Geruch aus dem Ekelfass mit Fleischvorräten für seinen Sleen bin ich jedes Mal dankbar, dass ich so gut tauchen und wirklich lange die Luft anhalten kann!

Wahrscheinlich erinnerte mein Herr nicht mehr, dass ich vor langer Zeit meinen Mageninhalt der Botanik widmen musste, als er damals seine Kajira im Zerteilen und Ausnehmen eines kleinen, langohrigen Viechs unterrichtete… meine frühere Herrin fand nämlich meine Teilnahme an der Lektion leider wichtig. Wie bereits erwähnt, war für mich beim Tabuk des Schmieds jedoch klar, dass seine Kajirae das Tier verarbeiten würden. „Ich schicke die doch nicht vom Landsitz alleine her… sind doch keine Wandersklavinnen!“ empörte sich der Tabukjäger nun auf meinen Hinweis, sodass mein Herr befahl: „Dita, kümmert euch… nicht dass der Hirsch anfängt zu stinken!“ Na toll, ich hatte verloren.

Um mir nicht anmerken zu lassen, was in mir vorging, holte ich zur Beruhigung noch einmal ganz besonders tief Luft, die ich dann extrem langsam wieder entweichen ließ, bevor ich mit neutralem Tonfall ungläubig nachfragte: "Mein Herr, du wünschst, dass ich mich um das Zerlegen dieses Tiers im Gasthaus kümmere und zwar jetzt sofort?" Seine Antwort wurde von einem weiteren Kopfpatscher begleitet: „Nein Dita, morgen tagsüber. Die Innereien kommen gleich für Fenris ins Fass… und alles was so an Resten da ist.“ Der Schmied behauptete prompt noch besserwisserisch, dass am nächsten Tag das ganze Viech reif fürs Fass sei, doch darauf ging mein Herr nicht weiter ein. 

In meinen Bemühungen, bloß nicht die Beherrschung zu verlieren und mir jegliche Erwiderungen zu verkneifen, die einer Kajira nicht zustehen, versteinerten meine Gesichtszüge zunehmend, sodass ich schnell meinen Kopf senkte, denn nach „erfreuen“ sah ich bestimmt nicht aus und war mir in Sachen Tabuk auch nicht mal ansatzweise zumute. Entsprechend leise bedankte ich mich auch nur, als mein Herr mir nun ein kleines Stückchen Schinken vor den Mund hielt. Um mir nichts anmerken zu lassen aß ich es zwar, Genuss war bei dieser Köstlichkeit jedoch nicht zu spüren, da der Gedanke an das Zerlegen des Tabuks mich fast rückwärts essen ließ. Gleichzeitig puhlte ich mir die schöne Blüte aus dem Haar und drehte sie in meinen Fingern hin und her, denn sie war ja ein Geschenk dieses Freien gewesen, der mir den Sch… mit dem Tabuk eingebrockt hatte.

„Dita, die Blume hat nichts abbekommen… ich kann nämlich patschen, hehe“ machte sich mein Herr nun lustig über mich und verpasste mir gleich den nächsten Kopfditscher, unter dem ich zusammenzuckte und die Blüte endgültig in meiner Hand zerdrückte. Erstaunlicherweise schien er nun zu bemerken, dass irgendetwas mit mir los war, hatte aber anscheinend keinen blassen Schimmer davon, was es mit der Blüte auf sich hatte und erlaubte mir jetzt, mir öfter eine Blüte ins Haar zu stecken, wenn ich mag… allerdings nur solche, die in seinem Garten wachsen. Mit meiner leisen Antwort „ja mein Herr, mach ich gerne… wenn dir das gefällt“ gelang es mir anscheinend ganz gut, erneut nicht zu zeigen, was in mir vorging.

Schließlich verabschiedete sich der Tabukjäger in Richtung seines Landsitzes, sodass ich nun den Zeitpunkt gekommen sah, mir endlich mit der Entsorgung der roten Blüte Luft zu machen. Ich warf sie im hohen Bogen einfach ins Hafenbecken und fühlte mich danach tatsächlich etwas besser, obwohl ich ja ursprünglich ganz verliebt in diese Blume gewesen war, die so schöne Erinnerungen in mir aufkeimen ließ, die allerdings niemanden interessieren. „Dita? Was ist mit der Blume?“ Mist, meinem Herrn war mein Tun natürlich nicht entgangen, sodass ich mich nun beeilte zu stammeln: „Sie… ähmm... sie war… naja, war nichts mehr, mein Herr.“ 

Wie gut, dass Hadi sich ebenfalls eine Blüte ins Haar gesteckt hatte, auf der mein Herr nun probeweise herumpatschte und somit von mir abgelenkt war, bis er schmunzelnd meinte: „Dita, du bist auch ohne Blume meine kleine Dita.“ Damit ließ er das Thema auf sich beruhen und unterhielt sich mit dem Sattler, der wegen seines Würfelpechs anscheinend Aufmunterung brauchte, über lustige Bräuche in der Tahari, die auch mich schließlich etwas auf andere Gedanken brachten und ablenkten… naja, kurzfristig.

Dienstag, 23. August 2016

Schicksal einer Hauptmannkajira

„Na du nacktes Sklavending“, empfing mein Herr mich, sodass ich ihn nicht nur anstrahlte, sondern mich auch noch ein wenig mehr in Positur brachte, indem ich meinen Rücken besonders vorteilhaft durchdrückte und die langen Haare zurück strich. Wenn er mir schon seine Aufmerksamkeit schenkt, wollte ich ihm selbstverständlich einen schönen Anblick der gesamten Nacktheit seines Eigentums bieten. Doch wurde ich nun zwar gründlich, allerdings leider mit fiesem Hauptmannblick gemustert und außerdem tauchte hinter mir ausgerechnet jetzt die Gnädigste auf, sodass mir nichts anderes übrig blieb, als mich in den Hintergrund zu verziehen. 

Mein Herr wandte sich mir schließlich jedoch wieder zu und wollte wissen, was ich an diesem Tag angestellt hatte. Nanu, wieso was angestellt? Ich schluckte meine Irritation herunter und setzte meine Oberunschuldsmiene auf, während ich mich beeilte zu beteuern, überhaupt nichts angestellt zu haben und mir auch kein Missgeschick passiert war, was ja nicht so selbstverständlich ist, wenn ich da an meinen unfreiwilligen Aufenthalt in einer der großen Kisten vor kurzem denke. „So, so… nichts gemacht, sondern faul auf dem Fell herum gelümmelt?“ 

Na toll, manchmal ist mein Herr wirklich ein Schussel und hat kein bisschen Ahnung von nichts! Aber warum sollte ausgerechnet er wissen, wie sehr ich mich jeden Tag ins Zeug lege, wenn schon die Gnädigste nicht wirklich registriert, dass es für mich im Haus dieses Herrn wirklich kein Herumlümmeln gibt und außerdem für eine wohlerzogene, fleißige Kajira wie mich Herumlümmeln sowieso ein Fremdwort ist? Oha, offensichtlich hatte mein Herr viel Zeit am diesem Tag, denn nun wollte er tatsächlich genauer wissen, womit ich mich beschäftigt hatte.

Na klar, ein Mann hat natürlich auch keinerlei Vorstellungen davon, was es zu tun gibt in einem Haushalt, zu dem auch noch eine Gefährtin gehört, zwei reichlich Dreck machenden Viechern, gefühlt 150 in Ordnung zu haltenden Roben, 19 ständig zu waschende und zu reparierende Kriegertuniken, eine hatte ich inzwischen übrigens zu Putztüchern verarbeitet und einer zur Kajira auszubildenden ehemaligen Freien, die zum Glück sehr willig ist. 

Seine Behauptung, die Aufzählung meiner alleine an diesem Tag verrichteten Arbeiten dauert bestimmt nicht lange, konnte ich meinem Herrn übrigens schnell widerlegen, werde mir Näheres darüber hier jedoch verkneifen, damit niemand beim Lesen einschläft und womöglich vom Stuhl fällt. Die Luft im Haus war nach meinem gefühlt ahnlangen, oberspannenden Bericht über meine Heldentaten als Topfsklavin nämlich fast verbraucht, sodass es meinen Herrn nun nach draußen zog und mein arbeitsreicher Tag natürlich noch nicht zu Ende war. Die Gnädigste blieb allerdings zuhause.


Unsere Betrachtung einer merkwürdigen Lampenkonstruktion vor der Brauerei war noch nicht beendet, als die vom Händler adoptierte Freie mit irgendeinem Nordmann auftauchte… der Kerl war nämlich nordmäßig mit total unpraktischer langer Hose bekleidet und trug als Kontrast zum nackten Oberkörper selbstverständlich besonders dicke Stiefel. Damit mir nicht langweilig wurde, durfte ich die beiden im Gasthaus vorm Verdursten retten, denn von der Wirtin war wie immer nichts zu sehen und mein Herr wollte noch einen Baum bewässern. 

Doch was gibt es Schöneres für eine Kajira, als einem Nordmann „für den Süden brauchbaren Met“ zu servieren? Bei diesem Freien war ich übrigens wieder froh, keine Gedanken lesen zu können… aber egal, vermutlich habe ich mich getäuscht und der Kerl war gar nicht so gelangweilt wie er aussah. Viel Zeit, lange darüber nachzudenken war eh nicht, da sich die Terrasse jetzt zunehmend mit weiteren Freien füllte, sodass reichlich zu tun war und ich meinem Amt als Gasthaussklavin ausgiebig frönen durfte, zum Glück aber tatkräftige Hilfe von der Sattlerkajira bekam. 


Im Gegensatz zu anderen Freien, legt mein Herr nämlich nicht allzu viel Wert darauf, mich ständig neben sich zu haben und lässt mich sogar die Qualität der von einer fremden Händlerin zum Verkauf angebotenen, allerdings restlos überteuerten Robe beurteilen, die ursprünglich für eine hochgestellte, dann aber Verstorbene angefertigt wurde… naja, Letzteres war bestimmt nur ein verkaufsfördernder, vor allem aber nicht prüfbarer Hinweis. 

Mein Herr hat übrigens auch kein Problem damit, dass jeder Freie in seinem Beisein wie selbstverständlich über mich verfügt und mir Aufträge erteilt, obwohl es die Höflichkeit mindestens geboten hätte, ihn zu fragen. Doch was soll’s… ich war schon während der ständigen Abwesenheit meiner früheren Herrin Mädchen für alles und wurde wie eine Stadtkajira hin und her gescheucht, warum sollte mein Schicksal als Hautpmannkajira ein anderes sein? 

Zur Sauberkeit der Gasthauszimmer musste ich allerdings passen, denn auch der Tag der Sklavin des Hauptmanns hat nur 20 Ahn. Ich mag in vielen Dingen vielleicht ganz geschickt sein, bin aber keine Überkajira und für umfangreiche Änderungen an den Roben einer freien Frau genauso wenig ausgebildet, wie ich abgesehen von Vulos, nie gelernt habe Tiere zu zerlegen oder zu häuten. Schade, dass mein Herr immer noch nicht erkannt hat, welchem Typ Sklavin er vor über 3 Märkten seinen Kragen umgelegt hat.


Die Gespräche der Freien und um welchen Einsatz der Sattler diesmal mit der fremden Händlerin würfelte, rauschten jedenfalls weitestgehend an mir vorbei. Allerdings bekam ich mit, dass der Schmied sehr tief in seinen Geldbeutel griff, um von einer fremden Blumenverkäuferin vollkommen überteuerte Blüten zu kaufen, von denen ich mir eine aussuchen durfte, um sie mit Erlaubnis meines Herrn in mein Haar zu stecken. Die Farbe war natürlich klar... ich suchte mir eine hübsche rote aus, die mich sofort an eine Dina erinnerte und somit an den schönen Namen, den ich mein ganzes Leben auf Gor immer tragen durfte, der mit meinem Schicksal als Hauptmannkajira leider jedoch begraben worden war.

Es ist wohl nachvollziehbar, dass ich mich vor dem Schlafengehen gar nicht von dieser roten Blüte im Haar trennen mochte, was natürlich auch meinem Herrn auffiel: „Mir scheint, die Blume gefällt dir, Dita.“ Er meinte sogar, sie steht mir, konnte sich aber auch nicht verkneifen zu betonen, dass ich nicht mehr Dina genannt werde, sondern Dita. 

Obwohl ich nie aufhören werde, dem Namen der Sklavenblume hinterher zu trauern und mit dem unschönen, nach meinem Empfinden total unpassenden, nämlich viel zu harten „t“ immer auf Kriegsfuß stehen werde, habe ich selbstverständlich noch nie dagegen gemurrt und werde es auch nicht, denn wer mag schon eine traurige, aufmüpfige Hauptmannkajira?

Montag, 22. August 2016

Besucher

Merkwürdig, die Gefährtin meines Herrn meinte, im Haus roch es anders als sonst, obwohl eigentlich alles wie immer war. Kurz grübelte ich darüber, doch dann fiel mir ein, dass der Geruch frisch gesägten Holzes Ursache für ihre Frage sein konnte, denn ich hatte auch an diesem Tag ausgiebig gelüftet. Die Leute von der städtischen Grünpflege waren nämlich dagewesen und hatten in der Oberstadt nicht nur ein paar Büsche geschnitten, sondern auch einen neben der Bank vorm Fenster befindlichen Baumstumpf so gekürzt, dass man ihn jetzt als Sitz oder Abstellfläche benutzen kann. 

Mein Herr befürchtete sofort, die Gärtner hätten womöglich seinen Garten verhunzt und lief neugierig vor die Tür, während ich mir eilig etwas anzog. Doch sein Garten sah aus wie immer, denn die Stadt kümmert sich natürlich nicht um Privatgärten. Die Frage der vielseitigen Anwendbarkeit des Baumstumpfsitzes… ob mit oder wegen der Möglichkeit zum Abstellen doch lieber ohne zusätzliches Kissen… war offensichtlich keine einfache, sodass mein Herr und seine Gefährtin eine Weile hin und her überlegten, bis ich schließlich anbot, die städtischen Landschaftsgärtner das nächste Mal zu fragen, ob sie den Stumpf nicht komplett wegnehmen können. 

Nun entschied mein Herr jedoch: „Nein Dita, wenn wir im Winter wieder mehr Feuerholz brauchen, dann können wir uns das immer noch überlegen.“ Damit war das Thema erledigt und es ging in die Unterstadt, denn er wollte sich mit dem Brauereikrieger über Giannis beraten und von ihm vielleicht eines ausleihen. Mein Herr will nämlich das verzogene, oberfaule Schoßgianni der Gnädigsten zum Fangen von Urts einsetzen, damit es mehr Bewegung hat und nicht ständig im Haus schläft. Oha, diese Idee fand tatsächlich ihre Zustimmung, kam ja aber auch von ihrem Gefährten, ist außerdem bestens gegen die Langeweile des Viechs geeignet und vor allem artgerechter… in meinen Augen jedenfalls viel sinnvoller als ihr Befehl, das Gianni mit Bespielen bei Laune zu halten, damit es sich nicht langweilt. 

Nach außen um eine neutrale Miene bemüht, musste ich innerlich echt grinsen, da meine dezenten Hinweise an meinen Herrn in Sachen Giannisitten nun bereits erste Früchte trugen. Es passte daher perfekt, dass wir den Brauerei- und Giannibesitzer am Hafen trafen.

Während ich mich um die Getränkebestellungen kümmerte, besprach mein Herr mit ihm sein Vorhaben und erkundigte sich auch wegen einer Gianniklappe, die er zuhause einbauen lassen will. Der Brauer wandte zwar ein, dass in der Oberstadt doch gar kein Bedarf an Urtfängern besteht, weil dort alles wie geleckt ist und Urts vermutlich den Hungertod sterben, konnte davon aber weder meinen Herrn noch seine Gefährtin überzeugen… diese Nager sind nun mal überall.


Das Thema Gianniklappe ja oder nein wurde übrigens fallen gelassen, als ein unerwarteter Besucher eintraf. Juhuuu, es war der Tischler! Der Herr war wohlauf und nicht nur ich freute mich riesig über sein Eintreffen. Mein Herr hatte nämlich schon befürchtet, der Handwerker sei im Wald von einem Larl gefressen worden und der Brauer gab erfreut von sich: „Mann… Torre! Lange nicht gesehen, setz dich zu uns!! Wie ist es dir ergangen, alter Freund?!“ Verständlich, dass nun jede Menge Fragen auf den Heimgekehrten einprasselten, während ich mich um sein Lieblingsgetränk kümmerte. 

Selbstverständlich war es mir wie immer ein Vergnügen, es in der vom Tischler bevorzugten Art zu servieren, bei der es auch dieses Mal in meinem Innern zu glühen anfing und ich von dem Herrn wieder mit einem seiner unbeschreiblichen Küsse belohnt wurde. Eigentlich war sehr deutlich zu merken, dass der Handwerker mit dem Grund seiner langen Abwesenheit nicht herausrücken wollte, zumal er vorgab, nur wegen eines vermissten Hammers vorbeigekommen zu sein. Anscheinend handelte es sich um ein altes Erbstück, das er glaubte in Jorts vergessen zu haben. 

Während für die Gnädigste und den Brauereikrieger bereits seine Unterbringung im Gasthaus fest stand, bohrte mein Herr leider jedoch weiter nach und für mich bestätigte sich letztendlich erneut, warum der Tischler seinerzeit auf Reisen gegangen war.

Schade war nur, dass mein Herr sich in die Situation dieses Handwerkers immer noch nicht hineinversetzen konnte, was leider dazu führte, dass zum Genuss des Getränks offensichtlich ein sehr unschöner Beigeschmack dazu kam.

Der Becher flog wie gewohnt natürlich hinter dem Tischler ins Gebüsch bevor er aufstand, ein paar Münzen auf Fass legte und nach den herzlichen Worten seines Brauereifreundes „Torre… bei mir findest du immer ein warmes Plätzchen und einen guten Schluck“ dann leider schon wieder mit der nächsten Fähre abreiste.

Mist, ich bin mir sehr sicher, dies hatte mein Herr bestimmt nicht beabsichtigt. Doch wie er nun mal ist, musste jetzt ein Sündenbock her und irgendwie war mir klar, dass seine Wahl auf mich fallen würde… angeblich hatte ich den Tischler nicht genug angehimmelt. Doch mit meinem traurigen Kloß im Hals war mir das fast egal und außerdem meinte mein Herr es selbstverständlich nicht ernst. Wäre ich in Ungnade gewesen, hätte er mir nach diesem verkorksten Besuch später bestimmt nicht erlaubt, auf seinem herrlich weichen Fell zu schlafen!

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Gestern war er leider zur Spätwache eingeteilt, sodass ich mich nach Beendigung meiner häuslichen Arbeiten ohne meinen Herrn ins Gasthaus aufmachte, wo die Gnädigste und der Sattler Sitzkissen platt drückten. Auch die angehende Schreiberin stattete Jorts mal wieder einen Besuch ab, denn sie verbringt viel Zeit mit ihrer Ausbildung in einer der Taharioasen bei ihrem Mentor aus der blauen Kaste und macht sich daher ziemlich rar. Übrigens wurde sie auch schon von einem Oasenvorsteher unterrichtet, über den es die lustigsten Gerüchte gibt, über die sich die Freie jedoch sehr bedeckt hielt. Sie erwähnte nur, wie charmant, aber auch angsteinflößend und klug dieser Mann ist. 

Ich hörte nur mit halben Ohr zu, da ich vor unzähligen Märkten eigene Erfahrungen mit diesem Herrn gemacht hatte, an die ich mich gut, aber nicht wirklich gerne erinnere und hing stattdessen lieber den schönen Erinnerungen an die Tahari und der Zeit bei meinem damaligen Herrn nach. Besonders den unbeschreiblichen Sternenhimmel hatte ich vor Augen, der dort nachts zu sehen war, wenn ich eng an ihn geschmiegt, mit meinem Herrn auf einer Sanddüne vor dem Camp saß und von seinen starken Armen gehalten wurde.


Schade, dass mit dem Eintreffen einer weiteren Besucherin diese schönen Bilder abrupt endeten. Es war eine aus dem Norden stammende, merkwürdigerweise allein reisende Freie, die mit Luxusgütern handelte. Lustig fand ich, dass es dem Weib zu vorgerückter Ahn tatsächlich gelang, geschickt die Leidenschaft des Sattlers für Würfel auszunutzen, obwohl der Herr doch sogar schon seine Kajira beim Spiel verloren hatte und seitdem eigentlich seine Finger vom Würfeln lassen wollte.

Die Freie schaffte es tatsächlich, ihn nach einigem Hin und Her zu überreden. Laya hatte allerdings Glück, obwohl die Würfel ihrem Herrn nicht wohlgesonnen waren. Doch diesmal ging es nicht um seine Kajira, sondern nur um die Bezahlung der Übernachtung im Gasthaus im Einzelzimmer inklusive Frühstück oder eine Botha Kalana aus Halin. Die Frau gewann also und ich zeigte ihr zu vorgerückter Ahn schließlich das Zimmer.


Danach traf übrigens noch ein weiterer Besucher ein. Es war der Schmied, der auf der Suche nach einem neuen Wirkungskreis seit einiger Zeit auf dem Land Suls schmiedet und seitdem immer nur für seiner kurze Stippvisiten in Jorts ist. Jetzt überlegt er sogar, sich ganz vom Schmieden zurückzuziehen. Ich fand natürlich, dass er dafür mindestens 497 oder vielleicht auch 498 Jahre zu jung ist und erfuhr, er hat den Priesterkönigen sei Dank erst 378 auf dem Buckel. Außerdem gab ich zu Bedenken, dass das Gesicht meines Herrn womöglich die Farbe seiner Kriegertunika annehmen wird, wenn ich ihm von den nur alle vier Hand geplanten Besuchen des Schmieds berichte. 

Wie gut, dass der Herr darüber noch schlafen will… vielleicht haben die Einwände der angehenden Blauen und meine ja tatsächlich etwas bewirkt? Das Gesicht meines Herrn nahm jedenfalls nicht seine Kastenfarbe an, als ich ihm nach seiner Rückkehr von der Wache davon erzählte. Im Gegenteil, dank meiner Hingabe und Fürsorge ging er zwar sehr spät, dafür jedoch besonders entspannt in seine Felle. ;-)

Donnerstag, 18. August 2016

Spekulationen

Ich nahm den Weg durchs Nebentor und flitzte an der Stadtmauer entlang. Es war nämlich Mitte der Hand und die Ahn des Waffentrainings nahte. Auf Höhe des großen Stadttors stutzte ich jedoch, weil Stimmen zu hören waren, darunter auch die meines Herrn. Er beratschlagte sich anscheinend gerade mit dem Brauereikrieger über einen Reisekajirus, gab „gute Nachricht“… also einem seiner bei der Sklavenhändlerin abgelieferten Fundstücke… dann aber die Anweisung, sich zu kümmern. Die beiden Krieger hatten es jetzt eilig, mit ihrem Training zu beginnen. Mein Herr stellte mir übrigens frei, mich der Kajira beim Kümmern anzuschließen, doch da sie plötzlich an mir vorbeistürmte, lief ich lieber meinem davon stampfenden Herrn hinterher.

Vielleicht brachte ich ihm beim Schwerttraining mehr Glück als beim Kartenspiel? Der Beginn lief jedenfalls super für ihn und ich gab mich der Hoffnung hin, dass die Nachwehen meines Knutschflecks auf dem Oberschenkel des Brauereikriegers den Herrn vielleicht etwas behindern. Mist, meine Hoffnung verpuffte, als der Rarius nach einigen Runden richtig auf Touren war und meinen Herrn mehrfach ins Gras schickte. Vielleicht war es also ganz gut, dass plötzlich zwei Nordmänner und ein Weib mit Sprachfehler eintrafen. Die Freie verhaspelte sich nämlich beim Grüßen und brachte nur sowas wie „konchichini…“ oder so ähnlich zustande. Womöglich litt die Ärmste aber auch unter Heuschnupfen und musste niesen? 

Egal, die Besucher sorgten für eine Unterbrechung des Trainings. Ob die meinem Herrn allerdings gegen das geschickt geschwungene Schwert des Brauereikriegers half, bekam ich nicht mehr mit, da ich nun die Aufgabe erhielt, die Fremden in die Oberstadt zur Sklavenhändlerin zu führen. Unterwegs trafen wir übrigens erneut auf „gute Nachricht“, sodass es für mich naheliegend war, ihr die Besucher zu übergeben, damit sie sie zu ihrer Herrin bringt. Doch obwohl ich einige Ehn wartete, blieb diese offensichtlich schon wieder in Gedanken erstarrte Sklavin vollkommen regungslos, sodass ich dann doch lieber selbst den Anführer der Fremden zum Händlerhaus führte, während seine Begleiter bei der Kajira zurückblieben. 

Wie immer war mir unklar, an welche der Haustüren dieses riesigen Hauses ich zuerst klopfen sollte, sodass ich mich mit System von unten nach oben hocharbeitete, leider war offensichtlich jedoch niemand zuhause. Der Nordmann nahm es gelassen und wusste zumindest jetzt, wo die Sklavenhändlerin wohnt. Kaum war er allerdings die Treppen wieder hinuntergestiegen, hörte ich eigenartige Geräusche, die mich veranlassten, noch einmal umzudrehen. In der geöffneten Haustür stand jetzt gefährlich schwankend, grüne Leichenblässe im Gesicht, der Händler und erkundigte er sich mit klebriger Zunge: „Was willst du denn hier?“

Oha, mindestens der letzte von wahrscheinlich sehr reichlich konsumiertem Paga muss schlecht gewesen sein. Ich fasste mich daher nicht nur kurz, sondern wappnete mich auch für einen Rettungssprung, sollte der Alkoholisierte seinen Brechreiz nicht mehr unterdrücken können. Entsprechend erleichtert war ich dann, dass mein Hilfsangebot zwar gefährlich rülpsend, aber noch mit voller Körperbeherrschung abgelehnt wurde. Als sein Mageninhalt dann offensichtlich aber doch den Weg nach oben nahm und der Herr würgend ins Hausinnere stürzte, beeilte ich mich seinen einzigen Wunsch zu erfüllen und machte mich auf die Suche nach einer der Kajirae seiner Gefährtin. 

Dies stellte sich als sehr einfach heraus, da „gute Nachricht“ immer noch mit den Nordleuten zusammenstand und sich nicht fortbewegt hatte. Auf meinen Hinweis, dass ihr Herr sie zuhause braucht, stammelte sie erstaunlicherweise irgendwann sogar: „Ich weiß nicht… natürlich…“ Damit war mein Auftrag erledigt und ich echt froh, den Anführer nun zum Hafen begleiten zu können, den das Rumgemache seines Begleiters mit dieser merkwürdigen Sklavin anscheinend langweilte… doch vielleicht habe ich mich auch getäuscht. 

Da das Waffentraining nun eh weitestgehend gelaufen war, erschien mir der Besuch beim Sattler sinnvoll. Mein Herr hatte mir nämlich aufgetragen, ihm den Entwurf des Vertrags mit der roten Kaste über Wartungsarbeiten auszuhändigen und Mitte der Hand die Sandalen abzuholen, die tatsächlich bereits fertig waren. Vom Sattler kam zwar erst einmal brummend "kann man denn nie in Ruhe essen?", doch winkte er mich mit seinem Brot in der Luft herumfuchtelnd hinein und ließ sich von mir bei seiner Mahlzeit genauso wenig stören, wie ihn die fettigen Abdrücke seiner Finger auf dem Vertragsentwurf interessierten. Richtig toll fand ich übrigens, dass der Herr sich meine Abneigung gegen Schuhe gemerkt und deswegen meine Sandalen aus herrlich weichem Tabukleder und ganz dünnen Riemchen gefertigt hatte. Wow… die waren beim Tragen fast wie barfuß laufen und kaum zu merken!


Nachdem ich noch eine Weile als Beiwerk zum Sattleressen und Quelle für die eine oder andere Information dienen durfte, war das Klirren der Schwerter auf der Wiese inzwischen verstummt, sodass ich darum bat, mich um meinen Herrn und seinen Flüssigkeitsbedarf kümmern zu dürfen, denn ich wollte ja nicht, dass er verdurstet. Vor der Hafentaverne angekommen, wohin es nun auch den Sattler zog, stellte ich mit Erleichterung fest, Hadi hatte sich bereits um meinen Herrn und seine Gefährtin gekümmert. Mit meinem Aushändigen des Vertragsentwurfs an den Sattler war er jedenfalls sehr zufrieden und dass ich die Sandalen für Sechs und mich abgeholt hatte, erfreute ihn natürlich auch.

Übrigens schaute nicht nur ich neugierig zum Sattler bei seiner Frage an die Gefährtin meines Herrn, ob er etwas Fachliches fragen kann, was sie ihm natürlich gestattete. Tja, so wie er nun herumdruckste, war es ihm plötzlich wohl doch peinlich: „Also... äähhhmmmm… meinst du, dass es möglich ist… naja… also können sich kleine Krabbeltiere in einer Sklavin... du weißt schon wo... ansiedeln?“ „Hmm… möglich ist das... aber auch beidseitig…“, ließ Laya betreten zu Boden schauen, meinen Herrn breit grinsend etwas mit seinem Sitzfass vom Sattlerstuhl wegrutschen und Hadi riss genau wie ich erschrocken die Augen auf, während ihr Herr „oh Scheiße“ von sich gab.

Laya wurde nun aufgefordert, sich hinzustellen und ihr Herr erklärte, dass er sie vor kurzem testweise in das Sklavenloch des Schmieds gesteckt hatte. Danach war ihm aufgefallen, dass sie ununterbrochen zappelt. „Schau mal Irina… jetzt schon wieder.“ Es stimmte tatsächlich, sie zappelte. 

Oh oh, die Gnädigste zog sich mit Laya in die Krankenstation für eine Untersuchung des Mädchens zurück und die Spekulationen begannen… fingen an bei ekeligen Bädern in Sklaventunke, Hummeln im Allerwertesten und endeten mit den Befürchtungen der vollkommen entsetzten Männer um ihr bestes Stück wegen möglicherweise hinein gekrabbelter, stechender und beißender Viecher.

Ohje… und dann kamen die beiden zurück… wortlos. Die Gnädigste setzte sich mit tiefernstem Gesichtsausdruck, atmete tief ein und trank erst einmal einen Schluck von ihrem Kalana. Laya kniete sich stumm, mit todtraurig gesenktem Blick neben ihren Herrn, der nun natürlich wissen wollte, ob seine Kajira noch zu retten ist. „Ich glaube, das werde ich dir besser später unter 4 Augen mitteilen“, war nicht wirklich tröstlich und erforderte offensichtlich einen weiteren großen Schluck vom Kalana, so als ob der Wein eine sehr schlechte Diagnose fortspülen sollte. Ups, sooo schlimm war es also? Der Blick des Sattlers auf seine Kajira wurde obermisstrauisch, mein Herr brachte nur ein sichtlich erschrockenes „ohhhh“ zustande und sofort wurde wieder wild spekuliert.


Hadi befürchtete, ebenfalls befallen zu sein, da sie dem Sattler nach jenem Test hatte dienen dürfen… ihr Herr war also auch betroffen und entsprechend begeistert darüber. Sklaventunke würde vermutlich nicht reichen, womöglich musste sogar eine Quarantäne über der Stadt verhängt werden? Doch nach einem Blick zwischen Laya und der Grünen klärte Letztere schließlich auf: „Also, bevor hier allgemeine Panik ausbricht... bei Laya ist alles in Ordnung, sie ist gesund. Das Zappeln hat scheinbar andere Ursachen, die mir jedoch nicht bekannt sind.“ Die Diagnose „Hummeln im Arsch“ von Hadis Herrn, war also vermutlich richtig. ;-)

Mittwoch, 17. August 2016

Rotseidene Insektenplage

Ich gebe zu, sehr eilig hatte ich es nicht, hinter meinem Herrn hinterher zu kommen, nachdem er mit Sechs bereits Richtung Unterstadt aufgebrochen war, obwohl ich mich ohne ihn wie immer total doof fühlte. Doch was soll’s, um einige Arbeiten werde ich mich auch weiterhin lieber selbst kümmern, da sich mein Vertrauen in die Fähigkeiten dieser erst vor kurzem angespülten Kajira noch arg in Grenzen hält, weil ich sie noch nicht prüfen konnte. Insgeheim erhoffte ich mir natürlich, dass mein Herr seinen Überschuss an Patschern vielleicht auf dem Kopf von Sechs vor meinem Eintreffen bereits abreagiert und sie sich mit dem Servieren von Getränken nützlich gemacht hatte.

Letzteres klärte sich gerade als ich dazu kam. Das Mädchen hatte offensichtlich wohl ganz vergessen, sich nach den Wünschen meines Herrn und des Brauereikriegers zu erkundigen und erinnerte sich anscheinend nicht mehr an meine Lektion über Hierarchien. Na toll, mindestens eine Ahn lang hatte ich mir also umsonst Fusseln an den Mund gesabbelt. Der in mir keimende Frust war jedoch sofort vergessen, als mein Herr mich jetzt nicht nur mit „meine Dita“ anredete, sondern seinen Paga von mir serviert haben wollte und nicht von Sechs. Als die beiden Männer sich schließlich zu einem Kartenspiel entschlossen, dufte ich auch neben ihm knien… seine Neue sollte sich um den Brauereibesitzer kümmern.

Außerdem befahl mein Herr ihr, damit für ihn das Gewinnen einfacher wird, sollte sie seinem Spielgegner unter den Kilt krabbeln, damit der abgelenkt ist. Oha, mir war ja schon mehrfach aufgefallen, dass Sechs zu viel dachte… diesmal bleibt sie dabei allerdings nicht stumm: „Ich denke, du brauchst diese Methoden nicht, um zu gewinnen, mein Herr.“ „Rita, sag mir nicht, was ich brauche, sondern mach, was ich dir sage!“ kam umgehend die gefährlich klingende Ansage meines Herrn, die deutlicher kaum hätte sein können, nach der jedoch immer noch nichts passierte, außer dass mein Herr mehrere Runden verlor und die Kajira erneut aufforderte: „Rita, streng dich mehr an… wenn das so weiter geht, muss ich draufzahlen!“

Leider schien das Mädchen es mit den Ohren zu haben und blieb weiter untätig, sodass mein Herr sie schließlich nach Hause schickte, wohin sie sich nach einer Verabschiedung vom Brauer ohne ein weiteres Wort zu meinem Herrn schnell verdrückte. Begleitet von den nicht gerade begeisterten Worten meines Herrn „…so eine Sleenpisse… das Mischen der Karten klappt wirklich nicht… ich will auch endlich mal gute Karten haben… boar du Sleen… Dita, meinst du er pufft oder wie das heißt?“ setzten die beiden Männer ihr Spiel fort. Irgendein Puffen war übrigens nicht zu hören gewesen und mein Herr befahl mir schließlich, mich um den Brauer zu kümmern, sodass ich erst zu ihm hinüber rutschte, um dann unter den Tisch zu krabbeln und mich mit geöffneten Schenkeln über einen Fuß des Herrn zu knien.


Fast glaubte ich schon, ich hätte es geschafft, dass sich das Blatt für meinen Herrn jetzt endlich wendet, nachdem ich eine Hand unter den Kilt des Brauers geschoben hatte, die streichelnd höher und höher wanderte, bis sie sein bestes Stück sanft umschloss. Selbstverständlich kamen danach auch noch meine Lippen zum Einsatz und zu meiner Freude gewann mein Herr erneut: „Dita, weiter so… du lenkst ihn gut ab!“ Doch dann gewann der Brauereikrieger die nächste Runde, sodass ich meine Behandlungsmethode spontan abänderte und ihn einfach biss… aber selbstverständlich nur leicht. Sein „autsch... verdammt, Mücken!“ war nicht schlecht fand ich, allerdings gewann er schon wieder.

Da ein altes Hausrezept bei Mückenstichen Spucke ist, schleckte ich zum Ausgleich möglichen Juckreizes selbstverständlich umgehend mit meiner flachen Zunge eine nasse Spur auf den vermeintlichen Mückenstich und steigerte meine rotseidene Ablenkung noch weiter… doch leider ohne Erfolg. Unter dem Kilt des Herrn regte sich einfach nichts, obwohl mir von meinen früheren Diensten in seinen Fellen ganz anderes bekannt ist. Mein Herr verlor weitere Runden, sodass ich mich gezwungen sah, erneut meine Methode zu ändern und dem Brauer einen dicken Knutschfleck auf den Oberschenkel verpasste. „Hola, schon wieder eine Mücke!“ zeigte immerhin, dass nicht sämtliche Konzentration des Herrn bei seinen Karten war, allerdings war schnelles Ausweichen angesagt, weil er gleichzeitig mit seiner Hand nach dem vermeintlichen Stechinsekt patschte.

Mist, nachdem ich als Rotseidene bereits versagt hatte und nun als Insekt schon wieder, denn mein Herr verlor weiter, entschloss ich mich, mein Dasein als Mücke unter dem Spieltisch aufzugeben. Stattdessen versuchte ich mich als Käfer mit dem Ziel, in die Sandalen dieses Dauergewinners zu gelangen. Doch kitzelig war der Brauer leider auch nicht, obwohl ich beide Zeigefinger seitlich in seine Sandalen bohrte. Er zog lediglich seinen Fuß weg und fragte: „Sag mal… was machst da Dita?“ Tja, konzentriert auf das Spiel wie er war, erwartete er bestimmt nicht wirklich eine Antwort von mir… ich druckste also nur ein wenig herum und widmete mich mit verfeinerter Technik dann seinem anderen Fuß. Doch als die beiden Herren schließlich ihr Kartenspiel beendeten, war letztendlich klar, alle meine Versuche waren kläglich gescheitert und mein Herr haushoher Verlierer.

Da der sichtlich zufriedene Brauer zu den sehr frühen Aufstehern gehört, riefen zu dieser inzwischen vorgerückten Ahn bereits seine Felle und Kissen laut nach ihm: „So, ich werde mich aufs Ohr hauen… ein volles Säckel ist ein gutes Ruhekissen.“ Meinem Herrn blieb daher nur der Hinweis, dass er gelegentlich auf eine Revanche hofft, was ihm breit grinsend auch gewährt wurde. Selbstverständlich lächelte ich den Gewinner bei meiner Verabschiedung noch einmal besonders bezirzend an, fühlte mich in Sorge um ihn jedoch verpflichtet, darauf hinzuweisen, dass eine anschmiegsame Kajira nicht so hart wäre wie sein Geldbeutel. Meinem Herrn kam übrigens ein ähnlicher Gedanke: „Pass nur auf, dass du nicht zu hart liegst, weil das Säckel zu groß ist!“


Bevor es schließlich auch meinen Herrn nach Hause zog, passte es perfekt, dass der Schmied doch noch auftauchte und mein Herr sich mit ihm über die geplanten Fallen für die Locktiere bei der Tarnjagd beraten konnte. Übrigens fand ich den Vorschlag des Handwerkers ganz logisch, anstelle von Verrs oder Tabuks freie Weiber zum Anlocken der Raubvögel einzufangen. Mir war zwar klar, dass es ihm dabei besonders um eine Freie ging, doch ist allseits bekannt, wie laut Mitglieder dieser Spezies kreischen und zetern können, also grundsätzlich bestens geeignet sind, um den einen oder anderen hungrigen Tarn anzulocken. Doch dabei mein Herr wollte nicht mitziehen… bestenfalls Talunas könne er sich auf der Köderliste vorstellen, die vom Schmied bevorzugten Weiber in blauen Roben jedoch nicht.

Nach ausgiebiger Erörterung des Plan C meines Herrn… einer Treibjagd in Richtung eines trichterförmig gebauten Gatters, falls es mit den Fallen nicht klappen sollte und die jortsschen Kajirae Bedarf an Bewegung haben… und einigem Hin und Her darüber, erklärte sich der Metallhandwerker bereit, ein paar Fallen zusammen zu zimmern, die mein Herr dann ausleihen kann. Die Leihgebühr blieb vorerst allerdings noch unklar, da es den Schmied nun in den Wald zog, wo er sich nach passendem Holz umsehen wollte, und meinen Herrn wie schon erwähnt nach Hause. :-)

Dienstag, 16. August 2016

Geeigneter Platz gefunden

Unheilvolles Brummen war von unten zu hören, begleitet von der Frage meines Herrn: „Rita, willst du mir Konkurrenz machen?“ Selbstverständlich lag es mir fern zu lauschen, trotzdem erfuhr ich bei der Erledigung meiner Arbeiten, dass Sechs sich als Sammlerin betätigt hatte… anscheinend ungewollt… ihr Fundstück von meinem Herrn inzwischen aber bei der Sklavenhändlerin abgeliefert worden war. Als mein Herr erwähnte, dass auch Sechs nichts anderes als angespülte Ware ist und ich ihre Antworten hörte, kam mir der Gedanke, anscheinend sieht sie immer noch nicht ein, welch schlimmen Vergehens sie sich schuldig gemacht hatte, indem sie ihrem vorherigen Herrn weggelaufen war.

Danach verwickelte sie sich in merkwürdige Widersprüche und gab äußerst Seltsames von sich, sodass ich darüber nachdachte, ob es womöglich genau ihre Absicht gewesen war, sich ausgerechnet von meinem Herrn einfangen zu lassen? Egal, momentan trägt sie seinen Kragen und zeigt sich bemüht… aber mal abwarten. Vielleicht lernt sie tatsächlich, dass es für die Kajirae meines Herrn kein „wünsch dir was“ gibt und Vergünstigungen verdient werden müssen… das gilt selbstverständlich auch für mich. Sie wird bei mir vorerst jedenfalls nur eine weitere Nummer bleiben, auch wenn mein Herr ihr bereits diverse Zugeständnisse gemacht hat, über die ich mir jedoch kein Urteil erlauben werde. 

Wie unberechenbar er ist, zeigte sich übrigens auch an diesem Tag. Froh darüber, mit meinen Arbeiten endlich fertig zu sein, hüpfte ich die Treppe herunter, erhielt unten jedoch gleich einen Dämpfer. Sein Kopfpatscher war zwar nicht schlimm, aber eben auch kein sanftes Haare durchwuscheln, doch dann kam: „Ahh, meine Dita beehrt uns mit ihrer Anwesenheit.“ Dass ich danach erst einmal schluckte und unsicher wurde, ist wohl verständlich. Meine Befürchtungen wurden allerdings genauso schlagartig wieder weggeblasen, wie sie gekommen waren: „Kleine Dita, ich habe dich schon vermisst!“ Meine Ängstlichkeit schwenkte umgehend in Sorge um das Wohlergehen meines Herrn um… hatte er sich geärgert oder Sechs womöglich erneut den Unmut eines Freien auf sich gezogen? Weder noch… mein Herr mag mich einfach bei sich haben!!!

Schnell waren noch ein paar Dinge in Sachen „Vertragsentwurf zum Sattler bringen“ und „Mitte der Hand die Sandalen abholen“ geklärt und ich erinnerte meinen Herrn daran, dass er mit der angehenden Schreiberin sprechen will. Schade, den Grund dafür hatte er mir jedoch nicht gesagt und der war ihm inzwischen leider entfallen… es kann also eigentlich nichts Wichtiges gewesen sein. Auch das Stückchen noch nicht für neue Waffenputztücher zerrissener Stoff, an dem Sechs demnächst vielleicht ihre Nähkünste für eine schlichte Tunika zeigen darf, war selbstverständlich unwichtig, denn jetzt stand ein Stadtrundgang an, der mangels Vorkommnissen schnell in erste Sondierungen der näheren Umgebung von Jorts für die geplante Tarnjagd überging.

Der merkwürdige Kaufinteressent aus Belnend war zwar nicht wieder aufgetaucht, dennoch beschäftigt meinen Herrn das Thema junge Tarne fangen immer wieder. Da ich früher manchmal meinen verschollenen Herrn auf seinen Patrouillenflügen mit seinem Tarn Carolus in die nähere Umgebung begleiten durfte, hatte natürlich auch ich ein paar Überlegungen im Kopf, hielt mich mit meinem Vorschlag aber lieber erst einmal zurück, weil ich ja nur eine Kajira bin. Wie erwartet stellte sich übrigens heraus, ein geeigneter Platz für die geplante Tarnfalle war gar nicht so leicht zu finden. Das andere Voskufer schied als erstes aus… zu viel Wald bedeutet nicht nur viele Bäume und schlechte Sicht, sondern vielleicht auch wilde Sleens und Larls.

Auch das an die letzten Häuser der Unterstadt angrenzende Sumpfgebiet gegenüber dem Leuchtturm ist wegen Unwegsamkeit und vor allem viel zu viel Matsch ohne festen Boden vollkommen ungeeignet, mal abgesehen von fiesem Getier mit rasierklingenscharfen Sägezähnen… angefressene Beine sehen nämlich echt doof aus und Holzbeine sind kein bisschen kleidsam, sondern oberhässlich. Hinzu kommt, dass Tarne ungerne bis gar nicht über Wasser fliegen mögen und zwischen den morastigen Bereichen des Sumpfs sind ab und an offene Wasserflächen.

Die große Wiese, auf der die Krieger jede Hand ihr Waffentraining abhalten, liegt zu nahe hinter der Stadt und somit ist dort eine erfolgreiche Jagd auf Tarne eher höchst unwahrscheinlich, zumal diese riesigen Vögel dort bislang auch nicht gesichtet wurden. Außerdem berichtete der Sattler… er dachte übrigens, mein Herr will auf Drängen der Gnädigsten endlich ein neues Haus bauen und sucht nach einem geeigneten Bauplatz… sein Verrbock Balduin habe noch nie auf dem Speiseplan dieser großen Raubvögel gestanden. Aber ok, wenn ich Tarn wäre, würde mich Balduin auch nicht interessieren, der hat nämlich viel zu wenig auf den Rippen.


Nachdem mein Herr dem Sattler zugesichert hatte, später noch auf einen Paga in die Taverne zu kommen und Sechs nach Hause schickte, da sie im Gegensatz zu mir noch nicht alle ihr übertragenen Aufgaben erledigt hatte, ging es schließlich Richtung Wasserfall weiter… ein Ziel, an das ich viele wunderschöne, und vor allem mir sehr nahe gehende Erinnerungen habe, sodass mein Kajiraherz ziemlich wild klopfte. Außerdem befindet sich dort hinter dem großen Felsentor ein langgestrecktes Tal, das mir in Sachen Tarnjagd schon seit einiger Zeit im Kopf herumspukt, weil ich es mit meinem verschollenen Herrn unzählige Male überflogen hatte und es für die geplante Jagd ein möglicherweise geeigneter Platz war.


Ich erzählte meinem Herrn nun von meiner Vermutung, dass sich hinter diesem Felsentor womöglich ein beliebtes Jagdrevier dieser großen Raubvögel befinden könnte… einen Beweis dafür hatte ich allerdings nicht. Puhhh… er lachte mich nicht aus, sondern musterte das Gelände jetzt mit geübtem Kriegerblick, schaute hin und her und brummte dabei etwas über „mehr Platz… von da anfliegen… kann funktionieren“, sprach komischerweise plötzlich jedoch wieder vom Anketten der Locksklaven und suchte dafür gleich einen geeigneten Baum aus. Zum Glück stellte sich später Zuhause heraus, seine Planung wilde Verrs, Tabuks oder in der Stadt streunende Giannis zum Anlocken der Raubvögel zu nehmen, war immer noch aktuell.

Ich hoffe jedenfalls, dass ich tatsächlich etwas Kontruktives beisteuern konnte bei den Überlegungen meines Herrn für die geplante Falle und den vielen „wenn, wenn, wenn“. Selbstverständlich vergaß ich auch nicht, mich zu bedanken, dass ich nun schon über 3 Märkte die Kajira meines Herrn sein durfte. Doch das war natürlich überflüssig und mein Leben nicht in Gefahr… er hatte nur Spaß gemacht und war nicht verrückt zu glauben, mal eben „zack, zack, zack“ mit Würgegriff ohne Netz einen Tarn fangen zu können, der in mir lediglich ein Vorspeisehäppchen sieht, in ihm allerdings den Hauptgang.


Unser Ausflug war jedenfalls erfolgreich, denn nach einem Paga lechzend, verkündete mein Herr dem Hofkrieger und dem Sattler vor der Taverne: „Ich hab ihn gefunden… einen Platz für die Tarnjagd!“ Die Jagd, Erfahrungen mit ekelhafter Fischsuppe, diese und jene Neuigkeit und die unerklärliche Veranlagung eines Kerls in Enkara, der sich merkwürdigerweise zwei Gefährtinnen zugelegt hatte… also ein Mann, der nicht auf heiße rotseidene Hingabe, sondern auf Gezeter von Trockenpflaumen steht… wurden noch eine Weile erörtert, bis dem Bauern kalt wurde. Da inzwischen keine weiblichen Roben mehr in Sicht waren, forderte er Luna auf, seine Beine mit ihren ausladenden, gigantischen Brüsten zu wärmen.


Ok, der Blick an mir herunter auf meine recht kleine Oberweite war natürlich überflüssig, trotzdem wollte auch ich selbstverständlich nicht, dass mein Herr womöglich friert und ihn an dem inzwischen unter seinen Berührungen heiß in mir lodernden Sklavenfeuer teilhaben lassen. Kurzerhand krabbelte ich nun einfach auf seinen Schoß und………... tja, ich bin mir ziemlich sicher, mein Herr fror tatsächlich nicht! ;-)

Montag, 15. August 2016

Konkurrenz verdrahtet

Mein Herr wartete bereits vor der Tür, doch ließ sich leider nicht vermeiden, noch etwas Grundlegendes zu klären, bevor ich zu ihm konnte. Neben der Spüle lag nämlich ein benutztes Tuch, mit dem Sechs sich zuvor Schweiß und ich weiß nicht was noch alles nach einigen wahrscheinlich sehr deutlichen Erklärungen meines Herrn im Tarnturm abgewischt hatte. Zum Glück war sie wie immer sehr einsichtig bei meinen Hinweisen. Zukünftig wird daher sichergestellt sein, dass solche Ekeltücher nicht aus Versehen zum Abtrocknen für den Pagabecher meines Herrn oder sonstigen Geschirrs benutzt werden. Allerdings bleibt abzuwarten, ob es tatsächlich klappt, denn mit dem Merken von Regeln hat sie es manchmal leider nicht so.

Wegen des beim Sattler vereinbarten Termins, überreichte ich meinem Herrn draußen als erstes den Draht, den ich zwei Tage zuvor in einer seiner Kisten gefunden und der mir bei meinem Problemchen mit dem Käfigschloss wirklich super geholfen hatte. Leider fragte mein Herr jetzt, wieso ich den dort überhaupt gehabt hatte und war im Nachhinein so gar nicht begeistert von meiner genialen Eingebung, die sich als Vorsehung herausgestellt hatte. Schnell beteuerte ich daher, den Draht vor einigen Tagen doch nur im Käfig deponiert zu haben, um das Vorzeigen nicht zu vergessen, sobald mein Herr von der frühen Wache zurück war. Sollte das Teil nämlich nicht seinen Vorstellungen entsprechen, wäre noch genug Zeit gewesen, vom Schmied einen anderen zu besorgen.

„Draht hat nichts in Sklavenkäfigen verloren… egal ob rausgelegt und vorbereitet oder nicht. Habt ihr das verstanden?“ Diese klare Ansage, die zusätzlich mit einem unangenehmen Patscher auf meinen Kopf und sehr gefährlich klingendem Brummen kombiniert wurde, veranlasste mich natürlich zu einer eiligen Bestätigung mit „ja mein Herr“, während ich bedrupst meinen Blick senkte und auf die Antwort von Sechs wartete, denn mit „ihr“ war natürlich auch sie gemeint. Doch merkwürdigerweise blieb sie stumm, sodass mein Herr schließlich  laut wurde und in ziemlich scharfem Tonfall wissen wollte: „Rita! Was machst du da?“

Kaum zu glauben, aber Sechs hatte echt nicht zugehört und sah Zuhören offensichtlich auch nicht als erforderlich an, wenn mein Herr sich nicht direkt mit ihr beschäftigt. Ich traute meinen Augen kaum, denn es sah so aus, als ob sie ihre Aufmerksamkeit lieber irgendwelchen Studien der Botanik und dort herumkrabbelnden Kleinstlebewesen widmete, anstatt den Erklärungen meines Herrn zu lauschen. Vermutlich ganz gut, dass weder mein Herr noch ich Gedanken lesen können und es nun in die Unterstadt gehen sollte, andernfalls hätte diese Kajira die von ihm bereits angedrohte Übernachtung an einem unbequemen Ort bestimmt sofort für eine ganze Weile gebucht.

Bereits vor dem Stadttor war übrigens lautes Gebrüll „…eine Kajira ins Gasthaus!“ von der Sklavenhändlerin zu hören, worüber mein Herr aber nur belustigt grinste und sich auch nicht sonderlich beeilte, dorthin zu kommen. Offensichtlich hatte das Weib nicht so ganz auf der Reihe, wo ihre eigenen Mädchen steckten, denn sie ergänzte mit weiterem Gebrüll noch „...welche auch immer!“ Oha, der Blick über die Mauer der Gasthausterrasse zeigte dort am ersten Tisch insgesamt vier Freie und nicht eine einzige Kajira… das Gebrüll der Frau war also nicht weiter verwunderlich, da sie Gefahr lief, selbst bedienen müssen. Kurz nach uns tauchte übrigens auch das Kajirageschenk meines Herrn an die Sklavenhändlerin auf.

Bis zum Termin in der Sattlerei war noch etwas Zeit, die mein Herr mit einem Kalana zu überbrücken gedachte, sodass er Sechs und mir auftrug, der Kajira beim Servieren zu helfen. Während ich mich nun selbstverständlich erst einmal um sein Getränk kümmerte, erkundigte sich Sechs wie von mir befohlen nach den Wünschen der anderen Freien. Die mir unbekannte Kajira bediente zwar nur den Nordmann und Sechs tat sich reichlich schwer mit dem jortsschen Händler, doch verdursten musste letztendlich niemand. Die Gespräche der Freien über Geschäfte gingen daher weitestgehend an mir vorbei und interessierten mich auch nicht wirklich.


Allerdings entging mir ebenfalls, warum sich plötzlich alle vier Freien wohin auch immer zurückzogen, sodass am Nebentisch schon gemunkelt wurde, der sich in diesem Moment zusammen mit dem netten Bootsbauer aus Vakur dazu gesellende Brauereibesitzer habe sich nicht gewaschen… was aber natürlich nur Spaß gewesen war. Beide Männer waren am hinteren Tisch selbstverständlich willkommen, wo mein Herr sich inzwischen mit dem Krieger vom Hof über den geplanten Vertrag der roten Kaste von Jorts Fähre mit dem Lederarbeiter austauschte, bis es schließlich hinüber in die Sattlerei ging… jedoch nicht nur wegen Vertragsangelegenheiten.


Mein Herr wollte Sechs nämlich ein Loch in die Nase stanzen lassen. Als Platzhalter für einen späteren Nasenring befand er allerdings erst einmal ein Stückchen von dem bereits erwähnten Draht als ausreichend, weil Sechs sich ein Nasenschmuckstück, wie ich es tragen darf, noch nicht verdient hat und er diesmal außerdem noch etwas länger abwarten will, ob die Prieserkönige womöglich auch dieses Fundstück wieder verpuffen lassen… aufgrund diverser schlechter Erfahrungen mit minderwertiger Ware scheint mein Herr jetzt tatsächlich vorsichtiger geworden zu sein. Doch Sechs verpuffte nicht.

Leise etwas Unverständliches grummelnd erweckte sie jedoch einen ziemlich ungehaltenen Eindruck und war sich offensichtlich kein bisschen der Ehre bewusst, was demnächst ihre Nasen zieren soll… naja, vielleicht zieren soll. Der Sattler sah übrigens eine Vorsichtsmaßnahme als erforderlich an: „Dita... binde deiner Kettenschwester mal die Hände auf den Rücken, nicht dass sie noch damit herumfuchtelt!“ Oh Mist… mir war ein ganz blöder Fehler passiert! Erst in dieser Ehn fiel mir wieder ein, ich hatte nach der vielen Bedienerei im Gasthaus total vergessen, was mein Herr mir am Vorabend doch extra aufgetragen hatte!! Kurz gab ich mich noch der Hoffnung hin, vielleicht würde ihm mein Versäumnis nicht auffallen… leider blieb es jedoch bei kurz.

Mit seiner überflüssigen Frage… ich vermute nämlich, es interessiert meinen Herrn gar nicht wirklich und muss es selbstverständlich auch nicht, ob ich seine Neue mag… und seiner Feststellung, dass die Konkurrenz zwar nicht verpufft ist, vorerst aber nur ein Stück Draht in der Nase hat, war die Frist nämlich schon halb abgelaufen. Zweimal Maß nehmen für zwei Paar Sandalen später… mein Herr hatte spontan beschlossen, nicht nur welche für Sechs anfertigen zu lassen, sondern für mich noch ein zusätzliches Paar… nach dem interessanten Gespräch der beiden Männer über die Nichtabsichten des Sattlers ein „heimsteinloses, kastenloses, auf dem hohen Thalarion sitzendes, überhebliches“ Weib zur Gefährtin zu nehmen, ging es dann nach Hause, wo ich zur Rede gestellt wurde.

„Dita hatte ich nicht gesagt, wie Sechs vorbereitet wird, bevor wir zum Sattler gehen?“ Args… mein Herr, der sich so viel nicht merken will, sondern mich ständig als Merker benutzt, erinnerte sich jetzt sehr genau daran, dass ich ihr nicht wie befohlen die Hände hinter dem Rücken gefesselt hatte, bevor wir in die Sattlerei gelaufen waren. Doch er war sehr milde gestimmt. Während ich meine Lippen um Verzeihung bettelnd auf seine Fußrücken drückte, beließ er es bei einem vergleichsweise sanften Kopfpatscher und der Ermahnung: „Dita, nicht nachlässig werden. Was ich sage gilt und das ohne Ausnahme. Wenn du nachlässig wirst, motiviere ich dich auf Hauptmannsart!“

Ich gestehe, nach der Hauptmannsart in dieser Nacht ist meine Motivation wirklich gigantisch… ich durfte nämlich wieder auf dem schönen weichen Fell bei meinem Herrn schlafen und wurde nicht in den verhassten Sklavenkäfig gesperrt. Nach solcher Hauptmannsart fällt es wirklich leicht, mir zukünftig noch mehr Mühe über mein Oberallerbestes hinaus zu geben, um meinen Herrn zu erfreuen. Außerdem wird die Konkurrenz vermutlich nicht ewig mit verdrahteter Nase herumlaufen und ihr Verpuffen ist wohl auch nicht zu erwarten. ;-)