Donnerstag, 15. September 2016

Als Glücksbringerin versagt

„ Dita bist du bereit… kann ich an dir rubbeln, um Trainingsglück zu bekommen?“ wollte mein Herr plötzlich wissen, als die Ahn des Waffentrainings nahte. Hmmm… eigentlich eine überflüssige Frage, denn ich muss natürlich immer für alles bereit sein, was ihm in den Sinn kommt, weil ich doch nur eine Kajira ohne Rechte bin. Wobei ich trotzdem bei seinen Kopfpatschern à la Hauptmann meistens ziemlich zusammenzucke, es nicht mag, in den verhassten Sklavenkäfig weggesperrt zu werden, in leichte Panik gerate oder kurz vorm Umfallen bin, weil ich ein erlegtes Beutetier ausnehmen soll und, und, und. 

Was ist dagegen das bisschen Rubbeln an meinen Ohren? Genau, fast nichts! Entsprechend still hielt ich, als sich mein Herr erst an einem und dann am anderen Ohr zu schaffen machte, neigte sogar leicht meinen Kopf, um ihm meine Ohren besser darzubieten, gab mich aber gleichzeitig ein paar sehr interessanteren Rubbel-Fantasien hin, bei denen mir zwar warm wurde, doch darüber ließ ich lieber nichts verlauten. Übrigens kam ich auch noch in den Genuss, meine Haare auf sehr sanfte Art durchgewuschelt zu bekommen, bis es schließlich an der Zeit war, zur Trainingswiese aufzubrechen.

Da mein Herr und ich uns am letzten Abend Gedanken über die wechselnden Farben des über dem Eingang zur Brauerei hängenden Ballons gemacht hatten, allerdings zu keinem Ergebnis gekommen waren, ob Rot nun bedeutet, dass der Brauereikrieger wütend ist oder ein Zeichen für die gute Laune des Herrn, womöglich sogar für Spendierlaune, nutzte ich das Eintreffen des Rarius an der Wiese gleich vor dem Trainingsbeginn noch zur Klärung unserer Farbüberlegungen. 

Lächelnd wurden wir aufgeklärt, dass das Wechseln der Ballonschirme immer eine Mordsarbeit ist, die der Brauer deswegen nicht jeden Tag, sondern nur gelegentlich macht. Als ich noch nachhakte, ob der rote Ballon vielleicht mit einer Lampe im Fenster gleichzusetzen ist, was ja traditionell ein Zeichen dafür ist, wenn ein Herr mit seiner Kajira in den Fellen nicht gestört werden möchte, informierte er uns lachend, die jeweilige Farbe bedeutet meistens, dass sie ihm gerade am besten gefällt. Diese Begründung fand ich nachvollziehbar, zumal Rot ja eine supertolle Farbe ist.


Schade nur, dass ich beim Rubbeln offensichtlich versagte und das herrliche Rot der Kriegertunika meines Herrn nach und nach grüner und grüner wurde… ein Umstand, der mir überhaupt nicht gefiel, wo er doch schon eine grüne Gefährtin hat. Schnell wurde mir klar, er hatte nicht zu wenig und auch nicht viiieeeeel zu wenig gerubbelt, sondern meine Ohren waren zu klein… ich hatte kläglich versagt als Rubbel-Glücksbringerin! Mein Herr versuchte es in einer Trainingspause zwar noch mit ausgiebigem Nachschlag im Rubbeln, den er sogar noch auf meine Nase ausdehnte, doch das und gründliches Haare Wuscheln half alles nichts. Der Landsitzkrieger brachte es sehr gut auf den Punkt: „Hauptmann, du solltest mehr üben, das bringt mehr Glück!“ 

Während mein Herr sein Waffentraining trotz meines Versagens selbstverständlich nicht gleich aufgab, unterhielten sich die zuschauenden freien Frauen über Frisuren und die Gnädigste lobte mich für meine geschickten Finger, mit denen ich ihr beim Hochstecken ihrer Haare geholfen hatte. Dafür war ich ihr total dankbar, denn eine Kajira kann nicht erwarten, dass eine solche Selbstverständlichkeit überhaupt bemerkt und sogar lobend erwähnt wird. Allerdings muss ich gestehen, ich habe den Weibern nur halb zugehört.

Dies hatte aber nichts mit meinen Ohren zu tun, sondern weil ich meinen mit dem Schwert fuchtelnden Herrn beobachtete. Gleichzeitig genoss ich die wundervollen Berührungen des Landsitzkriegers in meinem Nacken, bevor der Herr mit erstaunlich sanftem Kriegerfinger die Konturen meines Gesichts nachmalte. Leider kam jedoch viel zu schnell der Moment, in dem er meine Haare behutsam mit der Hand zusammenfasste, sie langsam durch seine Finger gleiten ließ und dann wieder so drapierte wie sie vorher waren, um sich in die nächste Trainingsrunde zu stürzen.

Übrigens verstand mein Herr den Vorschlag des Landsitzkriegers nach etlichen Trainingsrunden „Hauptmann… lass uns aufhören, es wird zu windig“ lustig falsch. Er glaubte nämlich, dem Rarius sei vom Schwerttraining mit ihm schwindelig geworden, doch der Herr korrigierte umgehend: „Nicht von dir, Hauptmann… das liegt ausschließlich an den Brüsten deiner Kajira!“ Da dieser Tag eh ein Tag meiner Ohren war, kündigte mein Herr prompt an, sie mir lang zu ziehen, wenn ich Krieger zu müde zum Waffentraining mache. 

Irgendwie klar, dass sowas von ihm kommen würde, es hielt mich aber nicht davon ab, meine Haare schnell zurück zu streichen, damit der Rarius einen schönen, nämlich freien Blick auf meine Vorderseite und meine entblößte Brust erhielt. Nach kurzem Fachsimpeln über die richtige Strategie anstatt „immer geradeaus… drauf und druff“, war das Training der Krieger dann beendet und der Brauereikrieger musste leider zurück an seine Kessel. Er gab meinem Herrn aber trotzdem eine Runde Paga aus, weil der Ballon über seiner Brauerei doch die rote Spendierfarbe hatte.

Der Landsitzkrieger entschwand nach einem „diene mit mehr als deinen Ohren Dita… deine Brüste sind besser geeignet“ zum Hof, um vielleicht noch rechtzeitig den Einkaufswahn seines Weibs zu dämpfen und meinen Herrn zog es zur Taverne. Wegen der Gnädigsten nahm er allerdings draußen Platz, wo wir Luna trafen, die seit Tagen anscheinend nichts anderes zu tun hat, als sich mit irgendwelchen Schildern zu beschäftigen… diesmal war es ein riesiges, das sie in der Botanik hinter den Sitzplätzen eingebuddelt hatte. 

Da ihr das Brett mit den Tavernenpreisen wichtiger war, als sich mit Servieren nützlich zu machen, kümmerte ich mich darum, meinen Herrn und seine Gefährtin nicht verdursten zu lassen und erntete überschwänglichen Dank von Luna: „Oh, sehr nett Dita, dass du die Güte hast, deine Herrschaften selbst zu bedienen!“ 

Naja… egal und außerdem verdrückte sie sich Richtung Gasthaus, um dort weitere Schilder aufzustellen oder anzuhängen. Den Befehl meines Herrn, dabei nicht herumzutrödeln nahm sie allerdings nicht sonderlich ernst und er hätte sich sparen können, bei ihr einen Imbiss zu bestellen… wahrscheinlich wäre er verhungert, wenn ich mich darum nicht gekümmert hätte.

Mein Herr gab plötzlich übrigens merkwürdig Rätselhaftes von sich: „Irina wir müssen aufhören mit Dita.“ Genau wie ich verstand die Gnädigste allerdings nicht, was er ihr sagen wollte und auf ihre Nachfrage wiederholte er nur: „Aufhören, ganz wichtig, Irina.“ Ich bin mir sicher, seine Gefährtin verstand immer noch nichts, fragte merkwürdigerweise aber auch nicht weiter nach, sondern nickte nur bestätigend. Na toll… ich platzte fast vor Wissbegier, denn neugierig bin ich ja nicht, und mein Herr war sichtlich zufrieden, dass sein Weib wie immer seiner Meinung war und verkündete, nun gleich anzufangen. 

Wahhh… wie konnte es angehen, dass diese komplett ahnungslose Freie nun von sich gab „Du entscheidest wie immer, mein Gefährte“ und mich damit inzwischen auf glühenden Kohlen knien ließ?! Naja, freie Frauen habe ich noch nie verstanden und werde ich wohl auch nie. Letztendlich stellte sich heraus, mein Herr will zukünftig keine Abmachungen mehr treffen, mich auf die Felder zu schicken, weil er es sehr lästig findet, wenn ich nicht zuhause bin. Tja… jedoch erst das nächste Mal will er eine Ersatzsklavin schicken und kommt diesmal wohl nicht drum herum, zwei Hand auf mich zu verzichten... ein Krieger steht natürlich zu seinem Wort. ;-)

Mittwoch, 14. September 2016

Empfangsdienst

Mein Herr war zu einem Rundgang Richtung Unterstadt aufgebrochen. Da am Hafen jedoch alles ruhig war und niemand zu sehen, lief ich zum Marktplatz weiter, weil ich dort den Händler entdeckte. Ich vermute, ein Krieger hätte mein Herannahen trotz meiner leisen Schritte gehört, doch dieser Herr war bei meinem Gruß offensichtlich sehr überrascht: „Huch Dina, wo kommst du denn auf einmal her?“ Zum Glück nahm er mir mein fast lautloses Annähern nicht krumm und teilte mir mit, mein Herr sei mit Fremden auf der Gasthausterrasse und komme seiner Aufgabe als Empfangsdienst für Besucher nach, was ja gelegentlich zu den Pflichten eines Kriegers gehört.

Da der Händler offensichtlich keine Lust verspürte, sich dazu zu gesellen oder vielleicht seinen Paga nicht bei der Konkurrenz trinken wollte, sondern lieber in der von ihm gepachteten Hafentaverne, beeilte ich mich, zu meinem Herrn zu kommen und ihn beim Empfangen der Gäste zu unterstützen. Die Wirtin war nämlich wieder unsichtbar, sodass es möglicherweise Bedarf an Bedienung gab, obwohl die Fremden eine Kajira dabei hatten. Bei meinem Eintreffen lehnte mein Herr übrigens gerade das von dem fremden Mädchen angebotene Wasser ab und bestellte stattdessen lieber bei mir einen Kalana, den ich ihm im bevorzugten Mischungsverhältnis aus 100% Kalana und 0 % Wasser eilig servierte.


Übrigens vermute ich, sein Hinweis an die Sklavin „Wasser ist viel zu gesund“, war nur vorgeschoben… die Kajira bot ihm nämlich kein frisches aus den Tiefen der jortsschen Brunnen an, sondern von den Wasservorräten, die die Fremden auf ihrer Reise mitführten. Nach ihrer Begründung, sie kenne sich im Gasthaus nicht aus und bedaure ihm daher nichts anderes anbieten zu können, wurde sie dann auch gleich von ihrem Herrn zurückgepfiffen… klar, woran soll eine fremde Kajira in unbekannter Umgebung auch ein Paga- oder Kalanafass erkennen? Ich war also genau zum richtigen Zeitpunkt aufgetaucht und mein Herr musste nicht dursten.

Die Besucher hatten übrigens keinerlei Anliegen, wollten offensichtlich nur kurz die Sitzkissen im jortsschen Gasthaus platt sitzen und erzählten, ihr Besuch habe sich auf der Reise ganz zufällig ergeben. Woher die Fremden stammten, bekam ich allerdings nicht mit. Mein Herr hatte den Namen ihres Dorfes mit „E“ vor meinem Eintreffen zwar erfahren, aber sofort auch wieder vergessen, da er es mit Namen nun mal nicht so hat. Vermutlich den Anstrengungen der Reise geschuldet, verlief das Gespräch etwas schleppend, dennoch erfuhren wir, dass es sich um eine Pilgerreise der Frau handelte und der Mann nicht ihr Gefährte war, sondern ihr Bewacher.

Natürlich war es bedauerlich, dass kein Gesuch für ein Handels- oder Schutzabkommen der Anlass für den Zwischenstopp war, aber was nicht ist kann ja noch werden. Mit einigem Nachpuhlen war noch zu erfahren, das Besondere an der Stadt mit „E“ ist anscheinend die Gemütlichkeit dort, der Markt und dass Kalanatrauben nicht gestampft, sondern gepresst werden, weil zum Stampfen wohl nicht genügend Sklaven zur Verfügung stehen. Letztendlich brachen Fremden aber beizeiten wieder auf, weil die Freie in einem Dorf namens Halin eine Heilerin besuchen wollte und ihr Bewacher irgendwelchen Waldweibern anscheinend eine Eisenlieferung zugesagt hatte.

Puhhh, erst nach dem Verabschieden dieser offensichtlich ziemlich erschöpften und daher vermutlich so wortkargen Besucher wurde mir klar, welch peinlicher Fehler mir passiert war… ich hatte zuvor nämlich nicht mitbekommen, dass es sich bei der Freien um eine Tatrix handelte oder sie von ihrem Bewacher zumindest so genannt wurde, und beim Grüßen nicht die gebotene Hierarchie eingehalten. Doch dem Weib war das zum Glück nicht aufgestoßen und mein Herr sah es als unwichtig an, mich darauf hinzuweisen… und nur das zählte natürlich für mich. 

Wie gut, dass man Reisende nicht aufhalten soll… einem herrlichen Abend, eng an meinen Herrn geschmiegt, stand nun also nichts mehr im Wege. Ich ja sowieso nicht, aber auch mein Herr fand es nicht schlimm, dass keine weiteren Gäste mehr eintrafen und er die Ruhe genießen konnte, um sich von den Besuchern zu erholen. Dabei zog er mich mit seinem starken Kriegerarm wundervoll eng an sich und meinte: „Anschmiegen ist niemals verkehrt, Dita, wärmt so auch viel besser“. Schade nur, dass wir nicht zuhause oder in der Taverne waren, sondern auf der Gasthausterrasse, ich mich also freie Frauen schicklich benehmen musste, da ein Mitglied dieser Spezies leider jederzeit noch auftauchen konnte.

Ich erinnere nicht mehr, wie wir darauf kamen, uns über Strandgut zu unterhalten, Im Finden angeschwemmter, noch brauchbarer Sachen bin ich jedenfalls nicht ganz ungeschickt und habe auf Samanu seinerzeit ja sogar mal eine Massagebank gefunden. Obwohl dies inzwischen sehr viele Märkte her ist, fiel mir beim Erwähnen dieses hölzernen Fundstücks prompt wieder ein, wie schnell ich mich trotz… oder nee… wegen meiner sanft massierenden Hände damals plötzlich im Hafenkennel wiederfand. Ich werde wohl nie vergessen, dass meine damalige, stets auf ihren guten Ruf bedachte, oberehrbare, superzüchtige Herrin in ihrer Wut über mein Benehmen total vergaß, sich anzukleiden… hat außer mir aber niemand gesehen. ;-))

Dienstag, 13. September 2016

In der Kürze

…liegt nicht die Würze, wenn ich von einem Jagdausflug erzählen soll, bei dem ich fast Auge in Auge mit einem gefährlichen Monster gewesen bin und vermutlich kurz davor, auf den Speiseplan dieses Kolosses von Tarsk-Eber zu geraten, denn ich neige manchmal zum Abschweifen, wenn ich mich erst einmal in Fahrt gesabbelt habe. So ein Tag war gestern jedenfalls, obwohl ich mich eigentlich lieber schnell verdrücken wollte, weil mein Herr sich mit seiner Gefährtin über mein heldenhaftes Zerlegen des Ungetüms unterhielt und behauptete, ich hätte mir dabei vor Angst fast in die Tunika gemacht. Komisch, das erinnerte ich nicht mehr… ok, oder vielleicht doch noch ein bisschen, denn Dinge, die mir sehr zuwider sind, versuche ich lieber möglichst schnell zu vergessen.

Die beiden entdeckten mich jedoch, bevor ich mich leise die Treppe herunterschleichen konnte und mein Herr forderte mich auf: „Dita, beschreibe mal das Tarsk, das wir auf unserem Jagdausflug erwischt haben!“ Args… nur das Monster beschreiben und nicht, was ich hinterher noch Ekeliges mit dem Biest machen musste?! So ganz mochte ich daran nicht glauben und entschloss mich daher, zur Ablenkung weiter auszuholen und vor dem fiesen Finale noch ein wenig Zeit zu schinden. Vielleicht kamen zwischendurch ja sogar Gelüste zu einem Spaziergang auf und ich um eine Schilderung der Verarbeitung der Beute herum? 

Entsprechend tief holte ich also Luft und erzählte von der Schwerstarbeit im Wald, dieses Eber-Viech überhaupt zu finden… wie lange wir kreuz und quer durch den Wald geschlichen sind… geduckt, ich als Spürkajira immer vorweg mit gespitzten Ohren… die Augen links und rechts in der Hoffnung, eine mögliche Beute zu entdecken, bevor sie uns aufspürt. Ich gestand der Gnädigsten aber auch, wie gefrustet ich irgendwann war, nachdem mir die Sucherei schließlich immer aussichtsloser schien und weil es mir einfach nicht gelang, meinen Herrn von seinem Jagdeifer abzubringen… weder mit dem Hinweis auf die tief im Wald irgendwo entdeckten hübschen Blumen, noch mit aufreizendem Herausstrecken und Wackeln meines Hinterteils direkt vor seinen Augen. 

Ok, mein Ablenkungsmanöver mit der über den Po hochgerutschten Tunika hätte ich nicht erwähnen brauchen… sowas kann eine freie Frau eh nicht nachvollziehen, zumal mein Herr ja leider total auf die Jagd gepolt gewesen war und stur sonst wo hinschaute, um vielleicht ein Tabuk oder Tarsk zu entdecken, aber nicht auf meinen Allerwertesten. Irgendwann hatte ich mich richtig in Fahrt gesabbelt, kam aber trotz diverser Ausschmückungen zum Höhepunkt meiner Geschichte: „…und dann, meine Herrin, auf einmal… knack... ein Schnaufen... und noch ein Knacken war zu hören! Wir blieben stehen und schauten uns um… sahen schließlich den furchterregenden Koloss von Tarsk!!“

So gebannt wie die Gnädigste bei meinem Bericht an meinen Lippen hing, konnte ich mir übrigens abschminken, dass sie in absehbarer Zeit Gelüste zum Auslüften bekam, sodass ich weiter erzählte: „Also zack… schnell, aber lautlos und selbstverständlich tief geduckt, um nicht von dem Ungeheuer entdeckt zu werden, sind wir erst mal hinter einen Baum… das Biest von gigantischem Ausmaß hatte uns tatsächlich noch nicht bemerkt!!“ Zur Verdeutlichung fuchtelte ich selbstverständlich ausladend mit meinen Armen herum, damit die Frau wenigstens ansatzweise eine Vorstellung von der gewaltigen Größe des gefährlichen Monsters bekam, seinen wie Kornbüschel am Rücken hochstehenden Fellborsten und den riesigen Hauern, die aus seinem wütend schnaubenden Maul heraus ragten. 

Die danach folgende Schilderung der Heldentat meines Herrn, als der Bolzen seiner Armbrust nach sirrendem Zissschhhhhhhh wie ein Zahnstocher in dem Tarsk stecken blieb und wie er das auf uns zustürmende Biest dann mit seinem Speer erlegte, verkneife ich mir jetzt aber, denn darüber habe ich mich hier schon an anderer Stelle ausgelassen. 

Nachdem ich mich nach meinen Schilderungen wieder einigermaßen beruhigt hatte… erschauernd hatte ich beim Erzählen die Gefahr nämlich erneut durchlebt und mein Körper war komplett mit einer Vulohaut überzogen… sprach die Gnädigste leider doch noch das Zerlegen der Beute an, doch das tat ich mit wenigen Sätzen einfach ab und erwähnte statt weiterer Details, wie es mir letztendlich gelungen war, meinen Herrn davon zu überzeugen, das noch warme, blutige Herz des Tarsks nicht essen zu müssen. Meine Vermutung bestätigte sich umgehend… die Grüne schüttelte sich jetzt angeekelt und sah meinen Herrn äußerst pikiert an. Glück bringen und Tradition hin oder her, das Jagdthema war danach endlich durch und es ging vor die Tür.


Fast alle Bewohner waren an diesem Tag offensichtlich jedoch zuhause geblieben. Am Hafen trafen wir allerdings den Händler, der vor unserem Eintreffen anscheinend schon kurz davor gewesen war, sich bei der Wache zu erkundigen, ob irgendein Notstand ausgerufen wurde, den er nicht mitbekommen hatte. Das großzügige Fleischgeschenk meines Herrn an die Taverne hatte er jedoch mitbekommen und gegen einen Paga hatte er selbstverständlich sowieso nichts einzuwenden, allerdings musste es einer im Stehen sein, weil sich Hinsetzen wegen der vorgerückten Ahn angeblich nicht mehr lohnte. Um ein wenig Frust loszuwerden und zum Dozieren reichte die Zeit aber dennoch.

Während ich zwei Paga ohne Berg, dafür so voll geschenkt, wie es Trinkschale und Becher zuließen, zusammen mit dem Wasser für die Gnädigste nach draußen balancierte, erwähnte der Händler irgendwelches Gemecker über verschwundene Bewohner, eine angebliche Blumenhändlerin und eine Möchtegernschreiberin. Oha, jetzt wurde die Gnädigste aktiv und hinterfragte die Formulierung „angebliche Blumenhändlerin“, ahnte dabei aber bestimmt nicht, dass der Händler nun über gärtnernde Blumenverkäufer dozieren würde, die in seiner Händlerkaste nichts zu suchen haben. „Wir Händler würden nie, wirklich niemals, Dinge herstellen, um sie zu verkaufen! Wir kaufen und verkaufen, aber wir produzieren nicht. Das ist gegen den Kodex!“

Hmmm, das leuchtete mir ein. Bei dem nun folgenden Gespräch über den Unterschied zwischen Fischern und Fischhändlern oder dass ein Mann nicht zum Krieger wird, nur weil er ein Schwert trägt, habe ich selbstverständlich meine Klappe gehalten, aber auch sehr bedauert, dass nicht zur Sprache kam, wie dieser den Händlerkodex so gut beherrschende Herr es denn sieht, wenn eine Angehörige des Heimsteins… ich glaube, sie ist sogar Mitglied der Händlerkaste von Jorts Fähre… sich Händlerin nennt, obwohl sie Badeöle, Seifen, Kerzen und was weiß ich noch herstellt. Aber egal, das alles geht eine Kajira natürlich nichts an und war für mich daher auch vollkommen bedeutungslos. 

Eine sehr große Bedeutung für mich hatte jedoch, dass mein Herr später zuhause seine Zufriedenheit über meine Schilderung unseres Jagdausflugs äußerte: „Na, Dita... Geschichten erzählen kannst du gut.“ Seine Worte haben mich echt riesig gefreut, obwohl mein Bericht ja nichts mit Kreativität zu tun hatte, die mir nun mal leider gänzlich fehlt. ;-)

Montag, 12. September 2016

Improvisierte Lösung

…mit ein wenig rotseidener Zuhilfenahme.

Noch mehr als sonst beeilte ich mich mit meinen Arbeiten, weil mein Herr an diesem Tag mit dem Tarn von einer Reise zurückkehren wollte, auf die er mich leider nicht hatte mitnehmen können. Aber meine wachsamen Augen zuhause waren bestimmt auch nicht verkehrt. Außerdem musste ich mich um die Verarbeitung des erlegten Tarsk kümmern, d.h. einen geeigneten Ort zum Abhängen der großen Bratenstücke finden, nachdem mein Herr das meiste Fleisch zum Glück ja verschenkt hatte. Ich wollte ihm nämlich zeigen, dass ich sein Lob wert war. Menno, wie hatten es denn seine früheren Kajirae mit erlegter Jagdbeute gehalten? Keine Ahnung, in seinem Haus gibt es jedenfalls keinerlei Möglichkeit… es war also Kreativität und Improvisation gefragt.

Erstaunlich schnell fand ich tatsächlich einen perfekten Platz und gegen ein wenig rotseidene Zuhilfenahme erhielt ich nicht nur die Genehmigung, sondern nach Beendigung seiner Wache sogar Hilfe von einem der Krieger, die zur Patrouille auf der Stadtmauer eingeteilt waren. Ich musste also nicht die Leiter vom Larmabaum auf die Mauer schleppen, um an die Balken zu kommen… der Herr hob mich mit seinen starken Kriegerarmen einfach hoch, damit ich die großen, nicht verschenkten Tarskstücke direkt hinter dem Haus meines Herrn unter dem Dach der Stadtmauer an einem der Holzbalken anbinden konnte. Das Fleisch des alten Tarsk-Ebers muss nämlich eine ganze Weile abhängen und reifen, damit die sicherlich äußerst zähen, festen Muskelfasern des Viechs schön zart werden und mein Herr nicht auf trockenem Bratenfleisch herumkauen muss.

Um die Heimkehr meines Herrn nicht zu verpassen, hatte ich eigentlich vor, im Tarnturm auf ihn zu warten, entschloss mich kurzfristig dann aber doch für den Hafen, weil man dort schon von weitem einen anfliegenden Tarn sehen kann. Gut gelaunt eine kleine Melodie summend, die wie immer wohl ziemlich schräge ausfiel, lief ich zum Anleger hinunter, wo ich den Brauer, den Händler und das Blumenweib entdeckte. Die Frau wirkte allerdings leicht eingeschnappt, da der Händler ihr gerade sein Desinteresse am Handel mit ihrem blühenden Gemüse klarmachte und mir achtlos eine lila Schnittblume zuwarf, die er zuvor anscheinend von der Freien erhalten hatte.

Selbstverständlich bedankte ich mich wie es sich gehört, bekam jedoch leicht unwirsch zu hören: „Jaja, schon gut Dina… pass auf, dass Fenris die nicht frisst!“ Hach, wie jedes Mal wurde mir auch diesmal wieder ganz warm um mein Kajiraherz! Ja, selbstverständlich auch wegen des hübschen Geschenks, aber vor allem, weil der Händler mich wie immer „Dina“ genannt hatte. Nach meinem Hinweis, dass der Sleen meines Herrn weder Vegetarier ist, noch auf Lila steht, wurde meiner Bitte stattgegeben, die Blume schnell nach Hause bringen zu dürfen, um sie dort ins Wasser zu stellen. Vorher erhielt ich vom Händler aber noch den Tipp, lieber Paga zu nehmen, damit sie länger hält. 

Hmmm… über „Paga oder doch lieber Wasser?“ grübelnd, betrachtete ich auf dem Heimweg nachdenklich die Blume in meiner Hand und lief fast meinen Herrn über den Haufen, der plötzlich vor mir auftauchte und zwar zu Fuß und ohne Tarn. Mist, ich hatte in die falsche Richtung geschaut… also nicht auf meinem Heimweg, sondern zuvor unten am Hafen schon! Sein Tarn war nämlich über die Stadt eingeflogen, sodass ich ihn vom Anleger gar nicht hatte sehen können. 

Das blühende Ding in meiner Hand neugierig betrachtend, wollte mein Herr als erstes natürlich sofort wissen „Warum schenkt dir wer eine Blume… hast du etwas richtig gemacht, Dita?“ Merkwürdigerweise spekulierte er nach meinem Hinweis auf den Händler, dass der Herr vielleicht heimlich in mich verliebt ist, denn warum sollte er sonst mir und nicht Luna ein Geschenk machen? Hmmm… ok, in Luna würde ich mich auch nicht verlieben, denn ich bin ja kein Mann! Ich vermutete allerdings, der Herr hatte wahrscheinlich einfach keine Lust mehr gehabt, die Blume noch länger zu halten und von Luna war nun mal weit und breit nichts in Sicht gewesen. Egal, die Beweggründe für dieses Geschenk blieben unklar, aber ich durfte die Blume zu behalten, sodass ich mich spontan gegen Paga entschloss und sie nun eilig zuhause in Wasser stellte.

Nach meiner Rückkehr stand mein Herr immer noch an der gleichen Stelle in der Gasse, die zum großen Stadttor führt, inzwischen allerdings zusammen mit dem Schmied. Der Herr… er war übrigens nüchtern und hielt kein Methorn in der Hand… erzählte von seiner Reise zu einem Sandhaufen mit Palmwedeln in der Tahari, wo Ende letzter Hand diese bombastische Feier wegen zweier Unterschriften auf einen Gefährtenschaftvertrag stattgefunden hatte. Für Jorts war das Fest wegen der Lieferung diverser Kalana-Fässer ein gutes Geschäft gewesen und für das Blumenweib auch, obwohl jetzt irgendein Dorf beleidigt zu sein scheint, das wohl normalerweise den Kalana zu diesen Palmwedeln liefert. Doch das interessierte meinen Herrn natürlich nicht.

Für ihn war es auch unwichtig, dass der Oasenvorsteher anscheinend wie ein Wasserfall geredet hat oder als ob er dafür bezahlt bekam. Darin wird sich dieser Emir wahrscheinlich nicht mehr ändern, denn auch bei Besuchen meiner früheren Herren oder Herrin frönte dieser Freie schon vor vielen Märkten gerne sehr ausgiebig seinem verbalen Mitteilungsbedürfnis. Letztendlich hat der Schmied das Fest wohl relativ zeitig wieder verlassen, allerdings weniger wegen dem Redeschwall des Pluderhosenträgers, sondern weil er sich wegen einiger klettenartiger Kajirae wohl nicht anders zu retten wusste.

Die beiden Herren unterhielten sich noch eine Weile über diese Sorte Sklavinnen und Weiber, die wie Furunkel am Hintern kleben, bis der Schmied sich Richtung Unterstadt verabschiedete. Danach genoss ich es sehr, dass mein Herr mich wie so oft aufforderte offen zu sprechen, nachdem ich erwähnt hatte, er sei anders als andere Herren.

Puhhh, es fing an bei den für ihn so typischen, manchmal unangenehmen Kopfpatschern und endete bei seiner Vorliebe, mich über Nacht oft in diesem grässlichen Sklavenkäfig wegzusperren.

Dazwischen drehte sich unser Gespräch aber auch kurz um seine Gefährtin, die Jagd, sein schönes weiches Fell, auf dem er mir manchmal erlaubt zu schlafen, eine meiner schlechten Erfahrungen mit der grünen Kaste, unehrliche und minderwertige Kajirae und warum mein Herr es mag, mich als Sklavin zu haben.

Die richtigen Worte zu finden, war wirklich nicht ganz einfach, denn es lag mir selbstverständlich vollkommen fern, über meinen Herrn ein Urteil zu fällen, weil ich schließlich weiß, was sich für eine Kajira gehört und was eben nicht. Doch es muss mir wohl ganz gut gelungen sein, meine Rolle zu bewahren. Zuletzt wollte mein Herr natürlich noch sehen, welche Lösung ich für das Abhängen des Tarsk-Fleisches gefunden hatte, sodass es nun auf die Stadtmauer ging. Ich denke, meine improvisierte Idee gefiel ihm ganz gut, allerdings glaubte er, ich hätte die Hilfe des Kriegers zum Aufhängen des Fleisches nur bekommen, weil dieser beim Hochheben die gute Sicht auf meinen Allerwertesten genießen wollte.


Ehrlich wie ich nun mal bin, gestand ich selbstverständlich ein, dass der Rarius etwas anderes eingefordert hatte, bei dem allerdings nicht mein Hinterteil zum Einsatz gekommen war, weil ich doch vor dem Krieger kniete. „Zeig mal, Dita!“ veranlasste mich natürlich umgehend, ganz dicht vor meinen Herrn zu rutschen und ihm mit meinem Mund und jeder Menge Hingabe den Weg zu zeigen, den ich zuvor angedeutet hatte. Sehen konnte ich ihn mit dem Kopf unter seinem Uniformrock zwar nicht mehr, doch das Brummen meines Herrn klang nach den ersten Berührungen meiner weichen Lippen äußerst zufrieden: „Soso… mach weiter, Dita!“ ;-)

Freitag, 9. September 2016

Jagdausflug

Mein Herr brummte und scharrte schon voller Ungeduld mit den Sandalen, offensichtlich darauf wartend, dass endlich die Vorbereitungen für die Jagd fertig waren. 

Doch bevor es schließlich losging und ich mir die Tasche mit dem Proviant über die Schulter warf, mein zweiter Keksbackversuch hatte übrigens bestens geklappt, löcherte er mich noch mit diversen überflüssigen Fragen… ob ich auch fleißig gewesen war und alles für unseren Jagdausflug bereit ist. Zusätzlich wollte er noch wissen, ob mit Gejammer zu rechnen ist, wenn er ein Beutetier erlegt, was ich natürlich sehr nachdrücklich verneinte, denn mir war klar, dass seine Laune dann sofort obermies werden würde und was danach auf mich zukam, mochte ich mir nicht ausmalen.

Außerdem hatte mein Herr erst vor kurzem versprochen, mir bei der Jagd zu zeigen, wie man größere Beutetiere zerlegt und worauf es dabei ankommt. Ich bin zwar die Kajira eines Kriegers aber keine Superkajira, die über Nacht ganz von alleine alles kann, auch wenn ich mir in der ziemlich langen Zeit meines zweiten Lebens auf diesem Planeten Gor mangels Unterricht vieles abgeschaut habe und selbst aneignen musste. Das Verarbeiten von Beutetieren gehörte bislang jedenfalls nie dazu, da meine früheren Herren sich dies entweder nicht nehmen ließen oder als Aufgabe der Topfmädchen ansahen.

Natürlich hatte ich ungefähre Vorstellungen davon, was auf mich zukommen würde und daher in Anbetracht meines übersensiblen Magens an diesem Tag vorsorglich auf jegliche Nahrungsaufnahme verzichtet. Figur hin oder her, meine entspricht eh nicht dem Schönheitsideal mancher Goreaner, die auf wogende, schaukelnde Massen stehen. Sklavenbrei ist für mich sowieso nicht geeignet, um dicker zu werden, da ich von dem ekeligen Zeugs immer nur eine Miniportion herunter bekomme. Um bloß nicht rückwärts zu essen, erschien es mir also schlau, lieber gar nichts im Magen zu haben und die Gefahr dünner zu werden war zweitrangig.

Lustig fand ich, dass mein Herr die Kekse als Nervennahrung für mich ansah, weil im Gegensatz zu mir, ein gestandener Krieger wie er, selbstverständlich kein bisschen nervös war. Zum Glück ging es aber erst einmal nur bis zum Brunnen in der Unterstadt, wo mein Herr noch ein paar Ehn warten wollte, ob sich der Brauereikrieger oder der Bauer ihm vielleicht anschließen wollten. Dass Sancari lieber kesseln und ohne ihren Herrn vermutlich nicht mitkommen würde, war mir irgendwie klar und genauso ahnte ich, dass Luna höchstwahrscheinlich kneifen würde. 


Wobei ich mir auch nicht wirklich vorstellen konnte, ob Letztere sich überhaupt zum lautlosen Anpirschen eignete und mit ihrer weißen Haut das Wild womöglich schon von weitem blendete, bevor wir auch nur den Hauch einer Chance hätten, es aufzuspüren. Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, während mein Herr einen kleinen Plausch mit der Blumenfrau und dem seit Tagen Met in sich hinein schüttenden Schmied hielt, den er zu überzeugen versuchte, mit der Sauferei aufzuhören, weil das Gehirn von zu viel Met wohl matschig werden kann. Doch der Schmied behauptete einfach, diese Gefahr besteht nur bei Südgoreanern und er stammt ja aus dem Norden.

Schließlich wurde klar, niemand wollte sich dem Jagdausflug anschließen und mein Herr drängte zum Aufbruch. Zuvor vereinbarte er mit dem Blumenweib noch, dass sie von der Beute ein Stück Fleisch ihrer Wahl abbekommt, wenn sie auf den Schmied aufpasst, was der Saufbold natürlich empört von sich wies. Wie die beiden sich dann einigten, bekam ich nicht mehr mit, da mein Herr mir nun befahl vor ihm zu gehen und das Wild aufzuspüren. Ich gestehe, meine Knie waren vor Aufregung ein wenig gummiartig und mein Herz klopfte ganz wild, während ich die Wiese überquerte, um dann im Wald langsam einen Wildpfad mit gespitzten Ohren, mit den Augen aufmerksam das Gelände rechts und links musternd, entlang zu schleichen.

Mein Herr hielt seine Armbrust schussbereit, falls wir ein Tabuk oder Tarsk aufspüren sollten… naja, oder so ein Viech uns. Immer wieder blieb ich konzentriert horchend stehen und versuchte das Unterholz mit Blicken zu durchdringen, doch außer hübschen Blumen entdeckte ich nichts Interessantes, mit denen ich meinen Herrn übrigens genauso wenig von seinem Vorhaben abbringen konnte, wie durch mein aufreizend heraus gerecktes Hinterteil, während ich tief geduckt durch den Wald und das mehr oder weniger dichte Unterholz schlich. 

Leicht frustriert flüsterte ich schließlich, dass der Zeitpunkt vielleicht ungünstig war und die Viecher irgendwo schliefen, erhielt jedoch zur Antwort: „Dita, die schlafen nicht… sind nur nicht leicht zu finden… weiter Ausschau halten!“ 

Tja, nach einer Ewigkeit und gefühlt mindestens 100 Pasang Fußmarsch durch den Wald, hörte plötzlich hangaufwärts ein Knacken und bedrohliches Schnaufen. Erschrocken blieb ich stehen, legte meinen Zeigefinger auf die Lippen und gab meinem Herrn ein Zeichen, aus welcher Richtung ich etwas gehört hatte. 


Tief geduckt schlichen wir im Schneckentempo weiter, hinter einem dicken Baum Deckung zu suchen. Ganz vorsichtig zog ich dort ein paar Ranken auseinander und entdeckte ein Ungeheuer mit wilder Mähne und gigantischen Hauern, dass sich seinen Rücken an einem dicken Baumstamm schubberte… wir hatten einen Tarsk-Eber aufgespürt!


Ich hatte erst einmal nur Augen für das gefährliche Tier und machte mich so klein und sichtbar wie ich konnte, allerdings auch startklar zum Weglaufen. Ein kurzer Blick dann zu meinem Herrn zeigte mir, dass er seine Armbrust langsam hob, noch einmal tief ein- und ausatmete und vorsichtig den Abzug durchzog. Wow… ein wirklich toller Treffer! Doch das Tarsk fiel nicht um. Im Gegenteil, offensichtlich nur mäßig beeindruckt von dem Bolzen drehte sich das Ungeheuer und rannte wutschnaubend auf uns zu! Doch mein Herr hatte die Armbrust schon längst fallen lassen und seinen Speer gezogen, um ihn auf das heranstürmende vor Wut schnaubende Tarsk zu richten, sodass das Viech sich selbst aufspießte und tot umfiel.


„Na Dita… was für eine Jagd, hehe… hast ein prächtiges Tier gefunden!“ ließ mich erleichtert endlich wieder Luft holen, die ich vor Spannung nämlich angehalten hatte. Dann kam leider der oberschwerere Teil, zumindest für mich und das im wahrsten Sinne des Wortes, ich mit Hilfe meines Herrn erstaunlicherweise aber hinbekam. Schon mein Versuch, den Beutekoloss an den Hinterbeinen hochzuziehen scheiterte nämlich. 

Breit grinsend verfrachtete mein Herr den Brocken dann aber irgendwie auf meine Schultern und ich schaffte es tatsächlich bis zum Wasserfall, wo dann eine ziemliche Tarskerei begann, nachdem mein Herr mir seinen Dolch gegeben hatte: „Lass dein Käsemesser weg, Dita… nimm was Ordentliches!“ 

Details über wo wie tief ansetzen und so, lasse ich mal weg und auch, was mein Herr eigentlich mit dem Herz des Tarsk vorhatte. Vor Entsetzen vermutlich kreidebleich konnte ich ihn nämlich davon überzeugen, dass das mit dem Glück bestimmt nur für den Jäger gilt und nicht für die Aufspürerin einer Beute. 

Wirklich Leben kam vermutlich erst wieder in mich bei dem Befehl „Dita, wasch dich am Wasser… du bist dreckig“, den ich mir nicht zweimal sagen ließ, allerdings so tat, als hätte er statt „am…“ „im Wasser“ gesagt. Das Bad war herrlich und ersetzte jedes Badehaus… fand ich jedenfalls, dann aber doch irgendwie nicht mehr, denn mein Herr blieb einfach stur oberhalb dersteilen Uferböschung stehen und tat so, als interessiere ihn sein nacktes, sich im glasklaren Wasser aalendes Eigentum nicht.


„Ich bevorzuge Badehäuser, Dita“ veranlasste mich, das herrliche Bad im See des Wasserfalls zwar sauber, jedoch leicht enttäuscht und vor allem viel zu schnell zu beenden. Manchmal verstehe ich meinen Herrn wirklich nicht, doch so ist er nun mal.

Viel wichtiger war natürlich, nun zur Taverne zu laufen, um das viele Fleisch an die eh meistens an nichts anderes als ans Essen denkende Luna zu verteilen und dem Blumenweib hatte mein Herr für die Bewachung des Met saufenden Schmieds doch sogar ein Versprechen gegeben, zu dem er selbstverständlich stand. 

Als ich schließlich zuhause in den verhassten Sklavenkäfig krabbelte, war ich nach dem Lob meines Herrn übrigens nicht nur dankbar, sondern auch ein klitzekleines bisschen stolz auf mich: „Dita, das hast du heute gar nicht schlecht gemacht… und du hast nicht gemault oder gekotzt, was noch besser ist.“

Donnerstag, 8. September 2016

Glücksbringer mit Pech

Mein Herr und seine Gefährtin waren zeitig zur Wiese aufgebrochen. Wie immer Mitte der Hand, wenn er nicht zum Wachdienst eingeteilt war, wollte mein Herr natürlich am Waffentraining der Krieger teilnehmen. Diesmal lief ich jedoch nicht gleich mit, sondern wollte nachkommen, weil ich noch ein paar wichtige Arbeiten zu erledigen hatte, die nicht aufgeschoben werden konnten. Mein Herr musste also vorerst auf mich als Glücksbringer verzichten und mit der Gnädigsten Vorlieb nehmen, obwohl er mich eigentlich immer gerne dabei hat, wenn er den anderen Kriegern blaue Flecke verpasst. Ich freute mich echt, dass nähere Details zu meiner recht vagen Information über die unaufschiebbaren Arbeiten nicht weiter interessierten und meine geplante Überraschung tatsächlich eine blieb.

Kaum waren mein Herr und die Gnädigste fort, legte ich mich gewaltig ins Zeug, denn ich wollte für die am nächsten Tag geplante Jagd eine süße Aufbesserung des Proviants in Form von leckeren Keksen backen, die sicherlich auch zur Beruhigung der Nerven meines Herrn nicht verkehrt waren, falls ich oder eigentlich mein Magen es nicht schaffen sollte, seinen Ansprüchen bei gewissen fiesen Tätigkeiten nach dem Erlegen der Beute gerecht zu werden. Tja, eigentlich klappte auch alles ganz gut… der Teig gelang mir wirklich oberperfekt und war äußerst schmackhaft, mein Bauch tat mir trotz ausgiebigen Probierens nicht weh und der Ofen bollerte in der richtigen Backtemperatur… glaubte ich jedenfalls.

Alles lief also bestens, nur kam mir zwischendurch leider spontan in den Sinn, draußen mal nachzuschauen, ob der Sleen meines Herrn gut versorgt war… darum kümmert sich nämlich Sechs seit einigen Tagen eigenständig. Meine Kontrolle stellte sich allerdings als überflüssig heraus, dennoch schien Fenris über meinen Anblick hocherfreut zu sein, sodass ich ihm noch ein Weilchen Gesellschaft leistete. Ein wenig Kontaktpflege mit dem gefährlichen Stinker war sicher nicht verkehrt, denn wer weiß, ob ich nicht mal auf ihn angewiesen bin. Tja, leider roch es plötzlich jedoch sehr merkwürdig und zwar in einer Mischung aus Sleen und noch etwas anderem.

Voller Entsetzen wurde mir klar, mir stieg Brandgeruch in die Nase und dann fielen mir auch der Ofen und das Backblech mit der Überraschung wieder ein. Oh Mist verdammter… Flammen waren zwar keine zu sehen, aber hinter der vorsichtig geöffneten Haustür stand Qualm wie eine zusätzliche Wand… das Gianni der Gnädigsten flitzte panisch quietschend an mir vorbei aus der Tür hinaus, nachdem es bei seiner Flucht den Kerzenhalter vom Tisch gestoßen hatte, der mit lautem Gepolter auf den Boden knallte und… naja… und als die Sicht Richtung Küchenecke dank ausgiebiger Lüftung endlich etwas besser geworden war, blieb mir leider nur noch festzustellen, die herrlichen Kekse waren zu schwarzen, holzkohleartigen Bröckchen verkokelt.

Ich denke, ich muss nicht genauer beschreiben, was nun an Arbeit für mich anfiel, bis nichts mehr zu riechen war, der Ofen gründlich entrußt, alles wieder blitzblank, das Gianni eingefangen und schließlich alle abfärbenden schwarzen Spuren von mir entfernt waren. Das Waffentraining war jedenfalls lange vorbei, als ich schließlich auf die Gasthausterrasse stürmte und mich neben meinen Herrn kniete, dem natürlich sofort auffiel, dass meine Haare noch leicht feucht waren. Dem scharfen Kriegerblick des Landsitzkriegers entging dies übrigens ebenfalls nicht, denn er begrüßte mich mit „tal, nasses Gianni“. 

Mist, was sollte ich bloß auf die Frage meines Herrn antworten, ob ich gebadet hatte, wo ich doch immer ehrlich bin, ohne mein Pech mit der geplanten Überraschung zu verraten, weil sie dann ja keine mehr wäre? Verlegen druckste ich daher: „Ähmmm... nein… also ja… eigentlich doch, mein Herr… aber es war sozusagen ein Notbad und kein Vergnügungsbad... wirklich nicht!" Wie befürchtet stellte ihn diese Antwort leider nicht zufrieden. „Was beim Kur ist ein Notbad… hast du dir in die Tunika gemacht vor Vorfreude, mir als Glücksbringer beim Training zuzusehen?“ 

Na toll, ich weiß ja nicht, woran der Landsitzkrieger dachte oder welch ein Bild er womöglich vor Augen hatte, als sich sein Gesicht jetzt zu einem breiten Grinsen verzog, während ich keinen anderen Ausweg mehr sah, als von meinem Pech mit den Holzkohlekeksen zu erzählen. „Naja… also nee, hab ich nicht, mein Herr… es war... wie soll ich sagen... die Priesterkönige haben heute einen ungeschickten Tag für mich vorgesehen... aber ich steh zu meinen Fehlern und gebe den hohen Herren ganz gestimmt nicht die Schuld dafür... also wirklich nicht! Ich war sozusagen nur zum falschen Zeitpunkt mit was Falschem beschäftigt, mein Herr. Aber es ist alles wieder bereinigt und sieht aus wie sonst immer… man riecht auch nichts mehr… also keine Sorge!“

Keine Ahnung, warum der immer noch schmunzelnde Rarius nun vorschlug, dass man mich als Beraterin des hohen Rates anstellen sollte, denn nach meinem Erklärungsschwall hielt ich jetzt tunlichst meine Klappe. Außerdem meinte der Händler, dass ich meinen Herrn ja sowieso schon berate und das reicht eigentlich... oder so ähnlich drückte er sich jedenfalls aus. Während der Krieger nun Richtung Landsitz aufbrach, müssen die Priesterkönige inzwischen wohl ein Einsehen mit mir gehabt haben, denn mein Herr meinte gutmütig schmunzelnd: „Soso, du hast Tarskerei gemacht, Dita. Na, dann sei froh, dass ich dich nicht dabei erwischt habe!“ 


Danach war das Thema für meinen Herrn erst einmal beendet und während er nun seinen starken Kriegerarm um mich schlang, um mich wunderbar dicht an sich heran zu ziehen, kündigte er schon mal an, dass er mit mir als Glücksbringer dem Brauereikrieger in der nächsten Hand beim Training eine Menge grüner und blauer Flecken verpassen will. Später zuhause schnüffelte er natürlich erst mal sehr kritisch, war aber offensichtlich zufrieden mit dem Ergebnis und dass sein Haus nicht abgebrannt war, sodass ich ihm selbstverständlich noch genauer erzählte, welches Missgeschick mir passiert war. 

Ich durfte übrigens trotzdem wieder auf seinem schönen weichen Fell schlafen… ok, diesmal allerdings geknebelt und gefesselt! :-)))

Mittwoch, 7. September 2016

Schönreden oder doch eine ehrliche Meinung?

Nach einem unangenehmen Patscher meines Herrn auf meinen Kopf, leider von der typischen Sorte à la Hauptmann, unter denen ich immer zusammenzucke, fiel mein Blick auf die Gnädigste. Ich hatte sie tagelang nicht gesehen, weil sie wegen was weiß ich auf Reisen gewesen war. Ihre Rückkehr allerdings war nicht der Grund für meine Reaktion aus ungläubigem Erstaunen, sondern ihr neues Kleid, das mich mangels Schneiderin in Jorts Fähre nun zu der Frage veranlasste: „Mein Herr, ist die Diebin tatsächlich noch einmal zurückgekehrt und hat die Robe geliefert?“ 

Die neue Errungenschaft in Grün konnte zwar auch sonst wo gekauft worden sein, doch mein Herr bestätigte meine Vermutung: „Ja Dita, ist sie tatsächlich. Ich war sehr überrascht, dass die Diebin nicht nur das Kleid brachte, sondern mir außerdem auch das Geld aus dem Becher zurückgegeben hat.“ Die Gnädigste interessierte sich allerdings weniger für die Diebin, sondern ob meinem Herrn das neue Kleidungsstück an ihr denn gefällt, erhielt allerdings nur eine für mich verständliche Antwort, er sei froh, dass es passt und er sich nicht zwecks Umtausch auf die Suche nach der Händlerin machen muss. Männer bevorzugen nun mal den Anblick ihrer nackten oder mit einem sehr knappen fast Nichts bekleideten Sklavin.

Tja, leider war es mit der Anrede „meine Dita“ jetzt vorbei und aus sanftem Haare wuscheln wurde ein äußerst unangenehmer Kopfpatscher der oberfiesen Sorte „wütender Hauptmann“, nachdem mein Herr sich erkundigte: „Dita, was sagst du dazu?“ Nach ausgiebiger Musterung formulierte ich zuerst allerdings noch vorsichtig: „Naja… viel Grün und kein Rot, mein Herr, und sehr lang... aber scheint ansonsten ja zu passen, würde ich sagen.“ Soweit war also alles noch ok.

Davon ausgehend, dass ich offen sprechen durfte und Schönreden von mir nicht erwartet wurde, ergänzte ich wegen der jortsschen Moralapostel meine Beurteilung zum Sitz der neuen Robe jedoch mit: „…wenn dich die nackte Schulter deiner Gefährtin und auch ihre Haut nicht stört, die durch die Spitzenärmel hindurch scheint, mein Herr.“ Args… diese Offenheit stellte sich leider als Fehler heraus.

„Ich habe ja keine Burka an, Dita… bedeckt ist bedeckt“, belehrte mich die Gnädigste und mein Herr grinste, dieses Kleid ist in Ordnung, der jortssche Obermoralapostel könne nichts dazu sagen. Boah, ich traute meinen Ohren kaum, hatte jedoch richtig gehört… hier wurde mit zweierlei Maß gemessen, denn die Grüne hatte in eigener Sache offensichtlich ihre Meinung geändert, obwohl sie noch vor nicht allzu langer Zeit ein Damenkränzchen für Benimm und Anstand einberufen hatte, um einem zugezogenen Weib u.a. klar zu machen, wie unpassend sie es findet, wenn ein Oberteil Hautfarbe hat und man erst beim zweiten Hinschauen bemerkt, dass doch alle Haut bedeckt ist!

Ok, ich gebe zu, meine Antwort auf ihr „bedeckt ist bedeckt“ war unklug und ich hätte besser meine Klappe gehalten, anstatt zu erwidern: „Ja meine Herrin… und Schulter ist Schulter… und Haut eben Haut.“ Leider brachten mich auch das empörte „wie bitte?“ dieser Frau und eine weitere Kopfnuss noch nicht auf den Boden meines Daseins als Kajira eines Herrn mit Gefährtin zurück, der nun beschloss: „Wir sagen einfach, darunter ist hautfarbener Stoff.“ Wirklich dumm von mir, doch irgendwie schaffte ich es nicht, mir den Hinweis auf jenes Benimm-Anstand-Tribunal aus freien Frauen unter dem Vorsitz dieses Weibs zu verkneifen, das jetzt in grüner Robe mit sichtbarer nackter Haut vor mir stand. 

Die Begeisterung der Gnädigsten über den Vorschlag meines Herrn schlug prompt in einen giftgrünen, wütenden Blick in meine Richtung um, den ich zwar bemerkte, doch erschien es mir angebrachter, nun lieber so zu tun, als hätte ich nichts davon mitbekommen. Während die beiden Gefährten über was wichtig ist und worauf es ankommt herumsülzten, stellte ich meine Ohren auf Durchzug und hüllte mich in Schweigen, zumal für mich eh nicht nachvollziehbar war, warum ein goreanischer Mann überhaupt ein Urteil über eine grüne Robe fällen sollte… aber egal. Viel wichtiger war für mich, eine Gelegenheit abzupassen, um noch etwas für mich sehr Wichtiges grundsätzlich zu klären.

Zurück auf dem Boden meines Kajiradaseins formulierte ich schließlich um Höflichkeit bemüht, die Grüne allerdings komplett ignorierend: „Verzeihung mein Herr… ich nahm an, dass meine ehrliche Meinung gefragt war. Mir war nicht klar, dass ich gar nichts dazu sagen sollte, werde es mir aber merken und in Zukunft nur noch das sagen, was du hören möchtest, mein Herr.“ Es folgte leider ein weiterer Kopfpatscher, bevor ich allerdings erfuhr, dass mein Herr tatsächlich meine ehrliche Meinung hatte hören wollen. Er beendete das Thema dann aber und erkundigte sich, woran ich ihn an diesem Tag erinnern sollte… Schinken auf dem Hof abholen und Besuch beim Sattler. „Wir kümmern uns zusammen darum. Dita, draußen antreten… harta!“ war ein Befehl, den ich selbstverständlich eiligst ausführte, um nicht noch tiefer in Ungnade zu fallen. 


Vor der Tür musste ich mich jedoch noch einige Ehn in Geduld üben, da sich die Gnädigste noch umzog, bis mein Herr mich grob am Kragen packte, um mich an die Kette zu nehmen und nach einem barschen „komm Sklavin!“ ging es zum Hof. Irritiert stellte er dort fest: „Jetzt hab ich Irina abgehängt… so was aber auch.“ Puhh… wie gut, ich hatte mein Mundwerk inzwischen wieder im Griff und bestätigte diese Feststellung lediglich mit einem neutralen „ja mein Herr“, gab also keinerlei Auskunft über mein innerliches Grinsen. Selbstverständlich lag mir sehr daran, meinen Abstieg von „meine Dita“ zu „komm Sklavin“ aufzuhalten und nicht durch eine weitere unbedachte Äußerung über dieses Weib noch mehr in Ungnade zu fallen. 

Mein Herr löste jetzt zwar die Kette von meinem Kragen, dennoch hütete ich mich, nach der Begrüßung des Bauern und seiner Kajira ungefragt irgendetwas von mir zu geben, sondern wartete stumm einfach ab, bis mein Herr mir Geld zuwarf und mir befahl, mich um die Bestellung zu kümmern. 

Bei den Schinken zeigte Hadi übrigens wie versprochen auf einen wirklich schönen, den sie für meinen Herrn ausgesucht hatte und in ein großes Reptuch einwickelte. In der Hoffnung, vielleicht doch noch einen kleinen Preisnachlass zu erhalten, erzählte ich ihr leise, dass mein Herr nicht allzu gut auf mich zu sprechen war und war wirklich sehr froh, dass sie sofort erkannte, in welcher Kopfnussgefahr ich schwebte.

Hadi hatte Verständnis für mich und gestand mir noch einen halben Kupfer Nachlass zu, mehr war wegen der Gefahr, auch ihr Herr könnte schlechte Laune bekommen, allerdings nicht drin. Das Tollste aber war, sie hatte mir wie angekündigt vom See am Wasserfall eine kleine blaue Blüte mitgebracht, die mich an Verminium erinnerte, auch wenn sie von einer anderen, mir unbekannten Blume stammte. Aufgrund der nicht zu unterschätzenden Gefahr, dass diese hübsche Blüte einer Kopfnuss zum Opfer fiel oder verwuschelt wurde, wagte ich sie jedoch nicht in mein Haar zu stecken, sondern deponierte sie erst einmal unter dem Reptuch beim Schinken… eine Entscheidung, die wohl nicht verkehrt war.

So wie die Gnädigste mich mit ihren zusammengezogenen Augenbrauen schweigend anschaute, war sie jedenfalls immer noch schlecht auf mich zu sprechen. 

Mein Herr war von der gesparten halben Kupfermünze jedoch sehr angetan, denn seine Hand patschte plötzlich erstaunlich sanft, sodass ich mich auf dem Weg nach Hause, wo ich vor dem Besuch des Sattlers schnell noch den Schinken abliefern wollte, doch dazu entschloss, die Blüte in mein Herr zu stecken…. vielleicht missfiel sie meinem Herrn und vielleicht war sie am Ende des Tages hinüber, obwohl ich sie eigentlich mit heißem Wachs haltbar machen wollte? 

Juhuuu… sie gefiel ihm und wurde weder verpatscht noch verwuschelt, denn er legte während unseres Besuchs beim Sattler wieder ganz sanft seine Hand auf meinem Kopf ab und erlaubte mir später sogar auf seinem schönen weichen Fell zu schlafen! :-)))

Dienstag, 6. September 2016

Erfreuen

…der größte Wunsch einer Sklavin.

Irgendeinen Fehler hatte die Brauereikajira begangen, doch womit sie den sichtlich angesäuerten Schmied nicht erfreut hatte, mit dem sich mein Herr am Hafen unterhielt, bekam ich nicht mehr heraus. Sich keines Fehlers bewusst, beteuerte Sancari mehrfach, nichts getan zu haben, anstelle einer Erklärung erhielt sie jedoch lediglich das Verbot, weiter zu widersprechen. Übrigens bezifferte mein Herr den beim Brauereikrieger in Rechnung zu stellenden Schaden für das Vergehen seines Mädchens mit 20 Silber, während der Schmied laut darüber nachdachte, San zur Strafe lieber solange Süßigkeiten essen zu lassen, bis nichts mehr in sie hinein geht oder ihre Figur ähnlich ausladende Dimensionen angenommen hat wie die der Kajira der Sklavenhändlerin.

Da meine Meinung dazu selbstverständlich nicht gefragt war und eine Sklavin nun mal jederzeit mit der Willkür von anderen Freien rechnen muss, wenn ihr Herr nicht anwesend ist, verkniff ich mir bei dem Hin und Her über den Gehorsam einer Kajira kontra Sancaris Einwand, keine stumpfsinnige Jasagerin zu sein, selbstverständlich jeden Kommentar. Außerdem wollte ich auf keinen Fall den Genuss der sanft mein Hinterteil knetenden Hand meines Herrn schmälern, nachdem er mich herrlich besitzergreifend an sich herangezogen hatte, zumal ich seit seiner Begrüßung mit „meine Dita“ sowieso förmlich dahin schmolz und mich wie eine zweite Haut an ihn anschmiegte.


Erneut bestätigten sich übrigens meine seit einigen „Ereignissen“ den Schmied betreffenden Befürchtungen, als dieser irgendetwas über „…können alle keinen Spaß ab“ brummte und dann ankündigte, angeln gehen zu wollen, stattdessen jedoch mitsamt Stiefeln, langer Hose, Schwert, Pfeilköcher und Bogen auf dem Rücken ins Hafenbecken sprang, um dort eine Runde zu schwimmen. Breit grinsend stellte mein Herr danach einfach nur fest, dass man normalerweise nicht komplett angezogen badet, denn alles andere erübrigte sich wohl. Meinen Hinweis, der Schmied tue dies auch normalerweise nackt, bezog er jedoch auf das Bad des Herrn im Brunnen der Oberstadt vor kurzem. 

Ich hatte dabei zwar eigentlich ganz andere, vor allem viel schönere Badestellen im Sinn, doch ließ ich die jetzt lieber unerwähnt, da mein Herr es eh nicht mit dem Baden in freier Natur hat und außerdem Sancari nun den Befehl erteilte, sich um Tücher zum Abtrocken und den Schmied sowieso zu kümmern. Selbstverständlich sprintete sie gleich los, um das Gewünschte zu holen und lief dann eilig der nassen Spur des vor Nässe triefenden Herrn hinterher, der es inzwischen beleidigt abgelehnt hatte, sich von ihr mit einer Nackenmassage erfreuen zu lassen und mit quietschenden Stiefeln Richtung Schmiede davon gestampft war. Ich vermute allerdings, dass Sancari den Herrn mindestens mit ihren sanften Händen doch noch erfreuen durfte.

Mein Herr kam übrigens kurz noch auf die geplante Jagd zu sprechen und stellte dabei mit Bedauern fest, sich mit der Herstellung von Blutwurst nicht auszukennen. Puhhh, alleine schon bei dem Gedanken an diese Wurst und besonders an die vermutlich mit ihrer Herstellung einhergehenden, ekeligen Gerüche beim Kochen einer großen Blutmenge, drehte sich mir der Magen um und mein Hals schnürte sich zu. Nach meinem Hinweis, dass auch ich keine Ahnung von der Herstellung habe, mir aber bekannt ist, dass diese Wurst auf jeden Fall reichlich Fett enthält, kündigte mein Herr zum Glück an, mir davon keine großen Portionen abzugeben, damit ich nicht unnötig zunehme und ich gestand ihm lieber gleich, davon vermutlich sowieso nichts herunter zu bekommen.

„Ach, du würdest nicht essen, was ich dir gebe, Dita?“ veranlasste mich schnell zu beteuern, wie dankbar ich für sämtliches Essen bin, das mein Herr mir gibt und zu ergänzen, diese mehr im Kopf angesiedelte Dankbarkeit hätte sehr wahrscheinlich keinerlei Einfluss auf zu befürchtende, komplett eigenständige Aktivitäten meines Magens und meines Halses, die sich höchstwahrscheinlich so eng zusammenziehen würden, dass ich sozusagen trotz überschäumender Dankbarkeit echt nichts von dieser Wurst herunter bekäme. „Hmmm, es wäre also Verschwendung, dir davon zu geben… dann gebe ich dir lieber was auf den Hintern, Dita!“ 

Zack, diese Schlussfolgerung wurde umgehend auf meinem Allerwertesten veranschaulicht, sodass ich erschrocken, aber auch unendlich erleichtert einen kleinen Hüpfer vorwärts machte. Schmunzelnd teilte mein Herr mir mit: „Dita, ich werde schon anderes Leckeres für mich finden, von dem mit Glück auch ein paar kleine Reste für dich abfallen.“ Den Priesterkönigen sei Dank, damit war für ihn das Thema erledigt, denn er sah wohl tatsächlich ein, dass gewisse Dinge doch lieber dem Bauern überlassen bleiben sollten. Außerdem wurden gerade die Sitze vor der Taverne von einigen Freien besetzt, unter denen auch die angehende Schreiberin war, die sich seit Beginn ihrer Ausbildung kaum noch in der Stadt sehen lässt.

An diesem Tag legte sie sich jedoch mächtig dafür ins Zeug, damit sich der Sattler endlich mit meinem Herrn über einen Vertragsentwurf für Wartungsarbeiten an sämtlichem Lederzeug der roten Kaste einigte, den sie dem Handwerker offensichtlich vor einiger Zeit vorgelesen hatte. Der Sattler kann wie die meisten Goreaner ja nicht lesen und schreiben, muss aber ein ausgezeichnetes Gedächtnis haben. Seinen bisherigen, mit dem ehemaligen Zeugmeister geschlossenen Vertrag erstaunlich genau erinnernd, wies er nämlich darauf hin, dass die Vergütung seiner Arbeiten im zu verhandelnden Entwurf nicht wie angekündigt aufgerundet, sondern fast halbiert worden war. Mein Herr hatte versehentlich anstelle 83 Kupfer 38 gelesen und diese großzügig auf 40 aufgerundet… an einer Korrektur auf 85 Kupfer im neuen Vertrag hatte der Sattler dann aber selbstverständlich nichts mehr auszusetzen. 

Interessant war übrigens, dass die angehende Schreiberin die Gelegenheit nutzte, ihre hinter der Gesichtsgardine verborgenen Haare auf den Zähnen zu zeigen. Nein, sie lupfte nicht ihren Schleier, sondern kündigte meinem Herrn ein Gespräch über eine Lohnerhöhung nach ihrer Schreiberprüfung an.

Oder nee, vielleicht habe ich beim Servieren der Getränke auch etwas falsch verstanden und der Frau ist die lange Zeit inzwischen unangenehm, die sie als mittel- und besitzloses Weib ohne Kaste und Heimstein nun schon auf Kosten der Stadt lebt, die ihr nicht nur ein kleines Haus zur Verfügung stellt, sondern auch die Ausbildung ermöglicht und ihr damit eine Chance eröffnet hat, in die blaue Kaste aufgenommen zu werden?

Egal und außerdem war es selbstverständlich eine große Ehre für mich, dieses meinen Herrn und den Bauern inzwischen äußerst missmutig ansehende schreibkundige Weib genau im richtigen Moment zu bedienen und als Opfer für ihr ungehaltenes Schnauben herhalten zu dürfen, nachdem der Bauer in seiner Funktion als Ratsmitglied den Wunsch geäußert hatte, bei diesem Gespräch dabei zu sein. Wie gut, dass ich es inzwischen bestens drauf habe, mir meine Gedanken nicht anmerken zu lassen, wenn mein Herr meine Dienste zur Verfügung stellt und ich somit das Vergnügen erhalte, erst ignoriert und dann angeschnauzt zu werden, denn selbstverständlich zählt für eine Sklavin einzig, Freie zu erfreuen… egal wie, womit und überhaupt. ;-)

Freitag, 2. September 2016

Arbeit für die grüne Kaste?

Mein Herr war zur Wache aufgebrochen und seine Gefährtin mit irgendwelchen Studien beschäftigt, sodass ich in Sachen Informationsbeschaffung, was so in der Stadt los war und ob es interessante Neuigkeiten gab, mich auf den Weg in die Unterstadt machte. Schon vor dem großen Stadttor stieg mir ein eigenartiger Geruch in die Nase und an einem der Stände am Hafen bemerkte ich eine kleine Menschenansammlung. Es waren der Brauereikrieger mit Sancari, der Schmied und der Sattler sowie eine mir unbekannte Freie mit einem Fischstand, wo anscheinend irgendetwas gebraten wurde. 

Während ich mich dazu gesellte und beeilte, die Freien wie es sich gehört zu grüßen, gab der Schmied gerade etwas von „Haare auf den Zähnen“ über die Fremde von sich, die ihn allerdings nicht weiter beachtete, da sie für den Sattler, der vor ihrem Stand die Fischauslage musterte, gerade eine Sondervorstellung zu geben schien. Sie drückte ihre Finger nämlich in die Kiemen eines Fischs, den sie ihrem Kunden danach direkt vor die Nase hielt und tat so, als ob der Fisch sprechen würde. Während das Fischmaul auf und zu ging, murmelte das Weib nämlich gleichzeitig: "Heute morgen wurde ich gefangen!" 

Die Männer waren sichtlich begeistert von dieser verkaufsfördernd gedachten Einlage… der Sattler lachte das Fischweib an: "Du hast ja noch ganz andere Talente, als nur Fische zu verkaufen!" und der Schmied überlegte grinsend, ob nach einer Mund zu Mund Beatmung das Flossentier vielleicht sogar wieder schwimmt. Von der Qualität und Fastnochlebendigkeit des Fischs überzeugt, entschloss sich der Sattler dann tatsächlich zum Kauf… außer meinem verschollenen Herrn gibt es eben noch andere Männer, die Fisch mögen, mein jetziger Herr gehört allerdings nicht dazu.

Merkwürdigerweise erhielt ich vom Brauereikrieger nun den Auftrag, der Gefährtin meines Herrn auszurichten, dass sie sich das Fischweib „mal ansehen soll“ und der Schmied ergänzte noch „aber bloß nicht mit dem Weib über Fische streiten.“ Worin sich dieses „mal ansehen“ begründete und warum sich ein Krieger um eine Begutachtung dieser Fremden seitens der grünen Kaste kümmerte und nicht die Frau einfach selbst in der Krankenstation vorsprach, erschloss sich mir nicht, da das Weib in diesem Moment gerade das böse „D-Wort“ benutzte und Jorts Fähre als Dorf bezeichnete.

Sämtliche Anwesenden, ich eingeschlossen, erbleichten darauf nämlich, denn Jorts Fähre, die Perle am Vosk, ist schließlich eine Stadt und nicht nur irgendein Dorf. Ich war jedenfalls froh, dass mein Herr Wache hatte, da seine Gesichtsfarbe bei diesem Wort sicherlich die Farbe seiner Kriegertunika angenommen hätte. Nachdem dies geklärt war, machte der Sattler der Fischerin als nächstes klar, dass sie ihre Wucherpreise um einiges herunterschrauben muss, wenn sie verkaufen will. Oder nein, er versuchte es, denn der Schmied mischte dabei aus dem Hintergrund mit, sodass der Sattler ihn schließlich genervt anfunkelte: „Ich verhandele hier… halt dich da raus, Schmied!“


Nachdem sich die beiden Freien schließlich über Fisch gegen zwei Ale einig geworden waren, zog es den Sattler nach ein paar letzten guten Tipps des Weibs darüber, wie zu verfahren ist, sollte der Fisch zu vorlaut sein, logischerweise nach Hause… vermutlich wollte er alles weitere seiner Kajira überlassen, damit das Viech trotz seiner Frische nicht doch noch anfing zu stinken. Übrigens glaube ich, das Fischweib hat es noch weniger mit Namen als mein Herr, denn anscheinend kannte sie nicht mal ihren eigenen. Aber vielleicht habe ich bei den durcheinander redenden Freien etwas falsch verstanden, nachdem sich nun auch noch die Blumenfrau mit irgendeiner blühenden Lieferung für die Fischerin dazu gesellt hatte.

Da der Schmied nun seine drollige Tour bekam und merkwürdige Geräusche von sich gebend wie ein Vulo herumflatterte, bat ich darum mich zurückziehen zu dürfen. Mein Hinweis, zuhause noch etwas zu tun zu haben, war zwar nicht wirklich falsch, aber trotzdem ein wenig vorgeschoben. Ich hatte nämlich keinen Nerv darauf, womöglich noch Erste Hilfe leisten zu müssen, falls der schmiedende Gockel sich nicht wieder einkriegte, zumal er jetzt auch noch davon herumtönte, Krieger zu werden. Auch der Brauereikrieger glaubte anscheinend falsch gehört zu haben und erhielt auf seine Nachfrage die Auskunft: „Dann muss ich nicht mehr arbeiten und bekomme Sold… kann mir dann Streit suchen und mit wem ich will.“ 

Tja, San und ich schauten in einer Mischung aus Unglauben und Irritation über das Gehörte, die schnell in Verzweiflung überging, zwischen den Freien hin und her, während der Brauer nur kurz lachte, um dann wieder zu verstummen… vielleicht sah er anderes als sinnlos an? Die herumalbernden Weiber durchblickten diese Ungeheuerlichkeit gegenüber der Kriegerkaste entweder nicht oder machten sich lustig darüber. Sancari flüsterte mir jedenfalls sehr treffend zu: „Dita, ich glaube, die grüne Kaste von Jorts bekommt viel Arbeit.“ Nach meiner geflüsterten Erwiderung „das Kümmern der Grünen lohnt bei hoffnungslosen Fällen wohl nicht“, beeilte ich mich dann aber wirklich, nach Hause zu kommen… war womöglich ich diejenige, dir nichts kapiert hatte? Egal, muss ich auch nicht und über Freie zu urteilen, steht eine Unfreien eh nicht zu... nur die Gedanken einer Kajira sind frei. ;-)

Donnerstag, 1. September 2016

Diebstähle

Das Waffentraining war in dieser Hand ganz gut besucht, allerdings wurde den zahlreich zuschauenden Weibern wenig geboten, da der Kampfgeist des Brauers und des Landsitzkriegers eher lahm bis nicht vorhanden war und beide bei den Frauen herumlungerten… ähhmmm… den Frauen am Rand der Wiese Gesellschaft leisteten, während mein Herr mit dem Bauern trainierte. Für mich war die Gelegenheit natürlich perfekt, den Blicken der kampflahmen Männer als Alternative zu drei verschleierten, keinerlei Haut zeigenden Herrinnen etwas zu bieten, indem ich meinen Po aufreizend heraus reckte, damit das fast Nichts an knappem Stoff auf meinem Allerwertesten noch ein bisschen tiefer herunter rutschte und mehr Haut zu sehen war. 

Leider habe ich hinten ja keine Augen und bin mir daher unsicher, wohin der Landsitzkriegers sah und ob sein anerkennend klingender Pfiff vielleicht mir galt? Die Trainingsleistungen meines Herrn veranlassten den Rarius jedenfalls wohl eher nicht zum Pfeifen, zumindest nicht auf diese Art… er war nämlich wieder sehr darum bemüht, das herrliche Rot seiner Kriegerkleidung dem Grün der Gnädigsten anzupassen, die übrigens im hohen Gras unter dem großen Baum ziemlich getarnt hockte. Aber vielleicht habe ich mich auch getäuscht, zumal ich meine Ohren spitzte, um mitzubekommen, worüber sich die Frauen unterhielten.

Hauptthema der drei Weiber war anscheinend eine Anzeige wegen Diebstahl, weil sich irgendwelches Gesindel bei der Mühle herumgetrieben und offensichtlich die Blumenfrau beklaut hatte. Die Freie hatte sogar Anzeige erstattet und war anscheinend mehr als froh über das Angebot des Bauern, ihr einen Wachsleen auszuleihen. Wenn sie das Viech vor ihrer Haustür ankettet, müsste sie nämlich relativ sicher sein und ihre Blumen auch, denn Sleens sind ja bekanntlich keine Vegetarier.

Für mich nicht so ganz nachvollziehbar ist aber sowieso, warum diese alleinstehende Freie in die abseits gelegene Mühle eingezogen ist und nicht lieber in eine kleine Unterkunft in der Oberstadt, mit dem Schutz der auf der Stadtmauer patrouillierenden Wachen. Blumen hin oder her, ein am Waldrand gelegenes Haus der Unterstadt, kann natürlich leicht zum Ziel für Gesindel werden. Wobei die Frau wohl auf einen ganz alten Trick hereingefallen ist und sich von einer Freien ablenken ließ, während deren Sklavin zum Klauen nur ihre Unachtsamkeit abwartete.

Ziemlicher Mist war, dass es plötzlich so aussah, als ob ich leider mal wieder das Los des Sündenbocks gezogen hatte. Nein, nicht für den Diebstahl… mein Herr gab mir die Schuld am Motivationsmangel der Krieger. „Dita, kaum bist du da, hört das Training auf“, behauptete er nämlich, nahm mir das zu meiner großen Erleichterung aber anscheinend doch nicht krumm. Offensichtlich schien ihm meine Nähe zu gefallen, denn er wuschelte nicht nur herrlich sanft durch meine Haare, sondern benutzte auch wieder die schöne Bezeichnung „meine Sklavin“ für mich. 

Mangels anhaltendem Trainingsgeist wurde das Schwertfuchteln an diesem Tag letztendlich recht schnell beendet und ging in Sauftraining über, bei dem mein Herr sich selbstverständlich aber gewaltig zurück hielt, da er leider wieder eine doofe Nachtwache erwischt hatte. Auf seine Frage an die Krieger, ob vielleicht jemand die Wache mit ihm tauschen möchte, herrschte logischerweise erst einmal ausgiebiges Schweigen. Der Bauer und der eh meistens stumme Brauereikrieger blieben auch schweigsam, doch der Landsitzkrieger erklärte sich bereit, die Wache zu teilen: „Ich übernehme die Hälfte deiner Nachtwache... also die Nacht. Die Wache kannst du dann behalten.“ Na toll, nicht wirklich hilfreich, aber trotzdem ein Angebot, das mein Herr jedoch nicht annahm.


Bevor er zum Wachdienst aufbrechen musste, war übrigens das Benehmen der würfelnden Händlerin Gesprächsthema, die mir ihrer großen Bestellung von Waren reichlich Unmut wegen Unzuverlässigkeit auf sich gezogen hatte. Der Bauer hatte wohl alles am nächsten Tag auf einen Karren geladen und zum Hafen transportiert, doch anscheinend war das Weib inzwischen  verschwunden, obwohl sie im Gasthaus übernachten wollte und ständig von ihrem Einzelzimmer gesprochen hatte. Der Karren mit sämtlichen aufgeladenen Säcken musste jedenfalls wieder retour zum Hof. Der Bauer war verständlicherweise darüber ziemlich sauer, sodass er den Allerwertesten der Frau Bekanntschaft mit seiner Peitsche machen lassen will, sollte sie in Jorts noch mal auftauchen… wobei die Idee des Landsitzkriegers, die Händlerin auf dem Hof Tarskscheiße schaufeln zu lassen, auch nicht schlecht war.

Der eigentliche Grund, warum das Weib das Weite gesucht hatte, muss ihr Diebstahl gewesen sein. Mit meinem Herrn schließlich über den Kaufpreis der Robe einig geworden, hatte er wie immer zur Bezahlung seines Getränks Münzen auf den Tisch gelegt, bevor wir nach Hause aufgebrochen waren, an denen sich das Weib später vergriffen hatte. 

Entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten war das Trinkgefäß meines Herrn diesmal nämlich nicht von mir abgeräumt worden und ich hatte die Tarskbit auch nicht in der Gasthausküche deponiert. Vielleicht verständlich, dass ich zu dieser späten Ahn einfach zu müde dafür gewesen war, nachdem ich den ganzen Abend hin und her sausen musste, um alle Gäste mit Getränken zu versorgen. 

Außerdem kam Luna beim Aufbruch gerade mit einem Nordmann angewackelt. Da die Blumenfrau und der Fremde die Straftat bezeugen können, ist die Gefahr einer Bestrafung wegen Diebstahls und möglicherweise sogar Verlust einer Hand groß, sollte die Händlerin noch einmal in Jorts auftauchen. Luna faselte auch noch irgendetwas davon, nicht auf ihrem Recht bestanden zu haben, weil die Diebin damit drohte, sie zu töten und die Münzen einfach behielt. 

Doch irgendetwas muss ich falsch verstanden haben… für eine Sklavin gibt es kein Recht und auf etwas bestehen kann eine Kajira auch nicht. Ok, Luna vielleicht… aber das ist ein anderes Thema und geht mich auch nichts an. Außerdem gab es an den guten Absichten des Mädchens wirklich nichts auszusetzen und ihre Hinweise waren zum Besten der Frau gedacht gewesen. 

Als es gestern leider schon recht früh Zeit zum Aufbruch für meinen Herrn war, weil er vor der Nachtwache noch sein Proviantpaket zuhause abholen musste, habe ich seinen leeren Kelch jedenfalls wieder wie immer in die Gasthausküche gebracht und die darin befindlichen Münzen an den dafür bestimmten Platz gelegt.