Mittwoch, 24. Mai 2017

Regelmäßiges Erinnern

„Arya, genug herumgelegen!“ begrüßte mein Herr mich und patschte gleichzeitig auf mein Hinterteil. Merkwürdigerweise schien er vergessen zu haben, dass ich gefesselt wie ich war, meinen Aufgaben nicht nachgehen konnte und das monströse, in meinen Augen sowieso vollkommen überflüssige Lager, an dem er die zu meinem Kragen führende Kette angeschlossen hatte, schaffte ich nun mal nicht hinter mir her zu ziehen. Mist, anscheinend war seine Laune nicht die beste, denn meinen vorsichtigen Hinweis auf die Ketten, die er nun löste, bezeichnete er als Ausrede, obwohl meine Fesseln eine offensichtliche Tatsache waren.

Hach, so wie mein Herr kurz darauf schmunzelte, glaubte ich nach meinen innigen Küssen auf seine Sandalen jedoch, mich in seiner Stimmung getäuscht zu haben: „Arya, du bist sehr gut darin, die passenden Momente zu finden, um mir deine Demut zu zeigen!“ Leider lag ich dennoch daneben. Schlecht gelaunt war er zwar nicht wirklich, stattdessen aber in der Stimmung mir zu verdeutlichen, dass er das Sagen hat und ich sein Besitz bin. „Ich gebe dich nicht her, Arya, dein nackter Sklavenhintern gehört mir. Ich denke, ich werde dir mal wieder zeigen, dass du meinen Kragen trägst und keinen anderen!“

Mit aufkeimender Angst fragte ich meinen Herrn erschrocken, ob er womöglich glaubt, ich könnte vergessen, dass ich sein Besitz bin… wo mein Platz ist, ist mir nämlich in jeder der 20 Ahn eines jeden Tages klar. „Nein, aber trotzdem ist regelmäßiges Erinnern daran gut, kleine Arya. Alles hat seinen Platz unter dem Zentralfeuer und du deinen bei mir.“ Meine Reaktionen auf seine Worte und vor allem auf seine Berührungen, die wie immer sofort mein Sklavenfeuer zum Lodern brachten und mich ganz verrückt machten, ließen ihn zufrieden brummen: „Ja… du bist williges Sklavenfleisch in meinen Händen, Arya.“

Ich konnte mir einfach nichts anderes vorstellen, als dass jede Kajira in den Händen ihres Besitzers bestimmt zu Wachs wird, doch mein Herr erwiderte: „Meinst du… es gibt aber auch viele Herrchen, die sich von ihren Mädchen auf der Nase herum tanzen lassen.“ Danach packte er meine Haare und zog mich hinter sich her die Treppe hinunter, nahm unten seine Gerte vom Brett, an dem die Sklavenhaken befestigt sind, und hielt sie mir brummend vor die Nase: „Meine Sklaven tanzen nicht auf Nasen, meine Sklaven tanzen, um zu gefallen!“ Wie gut, dass mein Herr weiß, mir liegt nichts ferner, als jemals auf seiner Nase zu tanzen!


Ich werde mich wirklich hüten, auch nur ansatzweise über solch ein Unding nachzudenken… mein Herr ist nun wirklich kein Herrchen und ich auch keine 99er. Trotzdem folgte nun das von ihm zuvor schon angekündigte „regelmäßige Erinnern“. Leider passierte mir dabei gleich zu Beginn ein Fehler… ich meinte es nämlich zu gut mit meinem Besitzer und führte seinen Befehl nicht 1:1 aus. Darüber war er bedauerlicherweise nicht wie von mir geplant hocherfreut, sondern ließ stattdessen seine Gerte fies auf meiner Haut tanzen. Doch schließlich setzte er sich mit seinem Pagabecher auf ein Kissen und befahl mir zu tanzen. 

Ohje, wie immer stieg leichte Panik in mir auf zu versagen und wurde bei der Drohung natürlich auch nicht besser: „Arya anstrengen oder ich schwinge erneut die Gerte. Wenn ich mit dir unzufrieden bin, wird dir niemand helfen!“ Die Angst, meinen Herrn nicht zu erfreuen, ließ mein Kajiraherz wild klopfen und auch sein undefinierbares Brummen zu Beginn meiner Darbietung beruhigte mich nicht. Kurz sehnte ich mich danach ein Tarn zu sein… mit Blick zur Tür steckte ich tanzend ein Bein grazil nach hinten aus, beugte mich gleichzeitig vor und ahmte mit beiden Armen das Flügelschlagen dieses großen Raubvogels nach.

„Nein Arya, wegfliegen kannst du auch nicht“, kommentierte mein Herr schmunzelnd meinen Tanz, ließ dann aber seine Blicke so intensiv über meinen nackten Sklavenkörper wandern, dass ich sie fast körperlich zu spüren glaubte und es in meinem Innern heiß zu kribbeln begann. Sämtliche Ängste wurden vom erregenden Gefühl des verzehrend in mir brennenden Sklavenfeuer vertrieben, während ich mich weiter im Rhythmus unhörbarer Klänge nun sehr aufreizend bewegte, bis ich schließlich vor meinem Herrn zu Boden sank. Er befahl mir, meine Nasenspitze auf den Teppich zu drücken, damit er seinen Pagabecher auf meinem Rücken abstellen konnte.

Das Erinnern daran, wer das Sagen hat, setzte mein Herr noch eine Weile auf eine sehr eindringliche, wirklich tiefgehende Art fort, die ihn schließlich immer schwerer atmen ließ, während ich glaubte zu verglühen. Oh ja, später tiefenentspannt im Sklavenkäfig liegend war mein letzter Gedanke vor dem Einschlafen, dass mein Herr wie immer Recht gehabt hatte… manche Erinnerungen müssen einfach regelmäßig wiederholt werden!! :-)))

Montag, 22. Mai 2017

Glückstag

Mein Herr hatte mich mit einer Aufgabe betraut, mit der ich mich ziemlich schwer tat. Ich musste den Entwurf für ein Schreiben anfertigen, das er als Grundlage für ein Gespräch nehmen wollte. Die Inhalte waren mir durchaus klar, da wir uns schon vor einiger Zeit darüber unterhalten hatten, doch ich bin nun mal keine Schreiberkajira und eine Schreiberin selbstverständlich auch nicht. Es ist eben ein Unterschied, mit meinem Herrn unter 4 Augen zu sprechen oder darüber ein Dokument zu verfassen. Sehr ungünstig kam noch die mir unerklärliche Anziehungskraft von Tinte auf mich hinzu, die merkwürdigerweise bei solch einer Tätigkeit immer wieder nicht nur den Weg auf meine Finger findet, sondern manchmal auch in meinen Mund.

Um dieses Phänomen zu umgehen, war ich logischerweise ganz besonders hochkonzentriert und bekam daher überhaupt nicht mit, dass mein Herr die Treppe hinauf kam. Mist, ich hatte zwar gerade meinen Entwurf fertig, doch erwischte er mich trotzdem quasi auf dem falschen Fuß. Nicht wegen seinem Schreibtisch, den ich für mein Werk ungefragt benutzt hatte, denn dagegen hatte er wohl nichts einzuwenden, sondern wegen der sich darunter türmenden, zerknüllten Fehlentwürfe. Außerdem hatte ich erst beim Verschließen des Tintenfasses bemerkt, welche Anziehungskraft sein Inhalt leider wieder gehabt hatte... meine Finger waren total verschmiert und wie ich um den Mund herum aussah, mochte ich mir lieber gar nicht erst vorstellen.

Offensichtlich hatte mein Herr mich eine Weile beobachtet, zu meiner Erleichterung schmunzelte er allerdings gutmütig: “Arya, du wirktest eben sehr konzentriert.“ Umgehend wanderten meine Finger hinter meinen Rücken, während ich vor ihm auf die Knie sank, denn wegen der Höhe des Schreibtisches hatte ich zuvor vornübergebeugt gestanden. In der Hoffnung, er würde die zerknüllten Papiere unter dem Tisch vielleicht nicht bemerken, versuchte ich mich möglichst günstig zu platzieren und setzte meine kein-Wässerchen-trüben-Oberunschuldsmiene auf. Zusätzlich beteuerte ich zur Ablenkung, dass noch ganz viel Tinte im Fass ist und streckte ihm den Entwurf entgegen. Tja, meine Idee war offensichtlich ziemlich dumm und ging leider nach hinten los… sie machte ihn nämlich hellhörig: „Was ist mit der Tinte Arya?“

„Und was liegt dort alles auf dem Boden?“ wollte er auch noch wissen, denn Kriegeraugen entgeht nun mal nichts. Während mein Herr nun meine Finger musterte, beteuerte ich schnell, wie viel Supermühe ich mir bei dieser oberschweren Aufgabe gegeben hatte. Danach las er ausgiebig brummend das Schreiben, was nichts Gutes verhieß, sodass ich mit wild klopfendem Herzen vor Spannung den Atem anhielt, bis sein Urteil auf mich nieder ging: “Arya, das mit der Abwesenheit wirst du netter formulieren… morgen komme ich eine überarbeitete Version!“ Args… was für ein Vulomist… warum erkannte er nicht, dass ich bereits oberfreundlich formuliert hatte! „Mein Herr, wie kann ich netter beschreiben, wenn jemand ständig entweder auf Reisen ist oder auf den Feldern oder in seinen Fellen!?“ 

„Arya, willst du etwa deine Probleme zu meinen machen?“ Das wollte ich natürlich nicht und versuchte es nun mit ganz besonders liebem Plinkern: „Nein mein Herr... aber wenn ich ratlos bin, darf ich doch bestimmt meinen schlauen Herrn um Rat fragen oder nicht?“ Puhhh, ich hatte anscheinend einen Glückstag… er formulierte nämlich „vorbildliches, intensives Kümmern, das viel Zeit in Anspruch nimmt“. Danach kam er leider erneut auf meine tintenverschmierten Finger zu sprechen und die unter dem Tisch liegenden, noch um Einiges schlechteren Varianten für „ständig abwesend“, ließ meine Erklärungen dazu jedoch gelten und befahl mir, mich zu reinigen und mir etwas Ordentliches anzuziehen.

So ganz klar waren mir seine Vorstellungen von etwas Ordentlichem zwar nicht, doch offensichtlich traf ich genau ins Schwarze… es war tatsächlich mein Glückstag! Nach meinem Geschmack trug ich zwar ein bisschen viel Stoff und der war auch nicht besonders fein, mein Herr brummte bei meinem bekleideten Anblick jedoch zufrieden: „Das ist mehr als gut, Arya… manchmal ist viel Stoff genau richtig, weil du dann mehr ausziehen kannst!“ Nachdem auch die Kontrolle meiner Hände trotz ausgiebigem hin und her Drehen keine Beanstandungen ergab, wurde ich wundervoll besitzergreifend Richtung Hafen auf ein Schiff gezogen, das dann sofort ablegte. 

Es ging nach Belnend… mein Herr wollte nach den Problemen des dortigen Kommandanten mit den Nordleuten mal nach ihm schauen. Oha, der Krieger war tatsächlich wohlbehalten zurück an seinem Heimstein und begrüßte uns sichtlich erfreut: „Tal und willkommen Hauptmann Kintradim!!! Tal auch Dina, Rote-Kasten-Sklavin.” Über diese Anrede mit meinem alten Namen, unter dem mich der Herr seit inzwischen unzähligen Märkten kennt, freute ich mich natürlich sehr... wie es sich gehört, genoss ich allerdings stumm und schaute mich um, denn die Bewohner tafelten auf dem Marktplatz.


Belnend hatte offensichtlich sehr gute Beute im Norden gemacht und nutzte das eingesackte Gold anscheinend gleich für den Umbau ihres Gasthauses, bevor es wieder geklaut werden konnte. Leider ging die Frage meines Herrn in der Vortstellungsrunde unter, ob mit dem Goldreichtum nun die ganze Stadt umgebaut werden soll. Viel wichtiger war allerdings auch zu hören, wie es dem belnendschen Kommandanten während seiner Gefangenschaft im Norden ergangen war: „Ja, ich kann sagen… nicht oft kommt es vor, dass ich denke, mein Ende sei gekommen. Nach einer gewissen Weile hätte ich keinen Kupfertarsk mehr auf mein Leben gewettet, sie machten wirklich ernst… aber dann kam das Südheer gerade noch zur rechten Zeit!“ 


Mein Herr interessierte sich logischerweise auch dafür, was aus seiner Gefangenen geworden ist, musste sich leider jedoch mit der Erklärung zufrieden geben, dass das Weib auf wundersame Weise aus dem Kennel von Enkara verschwunden war… sehr merkwürdig. Aber egal und viel interessanter als die Gefährtin irgendeines Dorfvorstehers fand ich den Optimismus des Kommandanten, der anscheinend glaubt, dass nun sicher eine Phase der Ruhe eintreten wird, nachdem der Norden das Südheer kennengelernt hat. Die Krieger stimmten übrigens alle mit meinem Herrn überein, jenes F-Dorf vorerst lieber zu meiden. 

Selbstverständlich tat ich so, als würde ich nicht zuhören. Außerdem war das Meiste eh ziemlich langweilig, da genoss ich lieber die sanften Berührungen meines Herrn, nachdem ich meinen Kopf auf sein Bein legen durfte… es war ja mein Glückstag, wäre ich ein Gianni gewesen, hätte ich bestimmt geschnurrt! ;-)

Dienstag, 16. Mai 2017

Denkzettel verpasst

So wirklich bequem war die Bank, auf der wir in Enkara übernachteten letztendlich doch nicht, was aber den Vorteil hatte, dass wir am Morgen früh wieder auf den Beinen waren. In der Stadt war noch alles ruhig. Die Allianz des Südens hatte Fensalir einen Denkzettel verpasst, gut funktioniert und war wichtig, jedoch nicht um jeden Preis, sodass mein Herr und der Brauereikrieger sich entschlossen, die Verhandlungen über Gefangenenaustausch und Co. anderen Kriegern zu überlassen. Außerdem wurde in Enkara genau wie in Fensalir jegliche Art körperlicher Aktivität von heftigem Wind mit der Tendenz zunehmend erschwert, was im Kampf sogar dazu geführt hatte, dass teilweise Seile zum Fesseln fortflogen.

Obwohl er ungerne in luftigen Höhen reist, entschied mein Herr, auch für den Heimweg wieder einen Tarn zu nehmen, der uns wohlbehalten und schnell nach Hause brachte. 

Selbstverständlich war auch an diesem Tag Hauptthema der Sieg des Südheers mit etlichen Gefangenen, darunter auch die von meinem Herrn einkassierte Gefährtin des Dorfjarls, die sicher einiges wert war. Dass der von mir gefesselte Gefangene des Brauereikriegers anscheinend ein Abkommen mit Belnend gehabt hatte und entsprechend sauer war, konnte man ja nicht riechen, dafür war es hinterher umso lauter zu hören. 

Wobei ich mich frage, warum der Mann sich auf der Seite von Fensalir in den Kampf eingemischt hatte und nicht neutral geblieben war. Egal, ich bin nur eine Kajira, die manche Kriegerangelegenheiten vermutlich nicht richtig durchblickt. 

Außerdem zählte für mich nur, wie zufrieden mein Herr und auch der Brauereikrieger mit mir waren, weil ich einigen Kriegern des Südheers zurück auf die Füße geholfen hatte. „Hauptmann, da siehst du, wie wichtig das Training für die Kajirae ist… Binden und Entfesseln muss gekonnt sein, das ist die halbe Miete“, betonte der rothaarige Brauereikrieger und lobte mein eifriges Herumwuseln und die Hilfe im Kampf. Es war wirklich ein schönes Gefühl zu hören, dass er mich im Auge behalten hatte. Mein Herr entschied jedenfalls, obwohl es ganz gut geklappt hatte, dass es trotzdem nicht verkehrt ist, mit uns Kajirae immer mal wieder zu üben.

Da Kalana, Paga und Ale auf dem kleinen Feldzug leider viel zu kurz gekommen waren, außer einem einzigen Stehpaga im Kenneltrakt von Enkara hatte mein Herr nämlich nur Wasser getrunken, zog es ihn und den Brauer schließlich zur jortsschen Taverne. 

Wir trafen dort den Sattler, der ebenfalls einem Getränk nicht abgeneigt war. Bei einem Paga war der Herr aber vor allem daran interessiert, Näheres über den Ausgang des Scharmützels zwischen dem siegreichen Südheer und Fensalir zu erfahren, während zur gleichen Zeit andere Nordler anscheinend schon wieder Belnend überfallen und den Kommandanten geklaut hatten. 

Trotz des tollen Erfolgs in Fensalir war jedoch schade, dass mein Herr den Befehl zum Abrücken recht früh gegeben hatte und somit keine Zeit mehr zum Plündern gewesen war. Er stimmte mit dem Brauereibesitzer nämlich überein, dass geklaute Sachen nicht meckern… im Gegensatz zu Gefangenen, die meistens nichts taugen und nichts als Ärger machen. Aber man konnte natürlich nicht wissen, wann die aus Belnend zurückkehrenden Nordleute in Fensalir eintreffen würden und mit herunter gelassenen Hosen erwischt zu werden, kam selbstverständlich nicht in Frage.


Spannend wird noch sein, ob es gelungen ist, endlich dem Norden mal einen länger anhaltenden Denkzettel zu verpassen oder ob die Nordler nun erst richtig aufgestachelt wurden und ob der Kommandant von Belnend durch eine Befreiungsaktion oder Gefangenenaustausch wieder frei kommt. Wobei der Dorfjarl von Fensalir vielleicht ganz froh ist, sein arrogantes, aufsässiges Weib losgeworden zu sein und der belnendsche Kommandant liebt es ja gefangen zu werden, hat auch reichlich Übung darin. Er soll übrigens glitschig wie ein Fisch sein und wird über kurz oder lang sicherlich wieder an seinem Heimstein auftauchen.

Eine nicht unwichtige Sache ist jetzt auf jeden Fall die Verbesserung der Verteidigung von Jorts Fähre. Belnend wird bei Angriffen des Nordens zwar weiterhin den Vogel abschießen, trotzdem ist eine gute Vorbereitung selbstverständlich nie verkehrt. Mein Herr hat hierzu jedenfalls schon Diverses überlegt, doch darüber bewahrt eine Hauptmannkajira natürlich Stillschweigen. ;-)

Montag, 15. Mai 2017

Das Südheer schlägt zu

Ich gestehe, ich war ein wenig aufgeregt. Mein Herr hatte nämlich erneut seine Beteiligung an einer Aktion des Südheers zugesagt, dem Verbund aus inzwischen etlichen Städten des Süden Gors. Offensichtlich hatte irgendjemand seine Klappe nicht halten können und dem Norden von den Plänen der Allianz erzählt. Man tat deswegen einfach so, als hätte der Süden kalte Füße bekommen und ließ den Feind sich eine Weile in Sicherheit wiegen. Die Zeit des Abwartens war vorbei, als schließlich ein Bote mit einer Nachricht eintraf. „Arya, bereit machen zum Abmarsch… es geht mit dem Tarn nach Fensalir!“ befahl mein Herr mir in größter Eile und auch der Brauereikrieger sprang sofort auf. 

Nur wenige Ehn nach unserem Eintreffen im Norden begann der Angriff des Südheers, der diesmal übrigens nicht vom belnendschen Kommandanten befehligt wurde. Um Deckung bemüht, ließ ich mich etwas zurückfallen, verlor im Kampfgetümmel irgendwann leider jedoch meinen Herrn aus den Augen, als ich bei einem Krieger aus Belnend eine kleine Verletzung verband und einem Ohnmächtigen auf die Füße half. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich übrigens noch nicht, wie wichtig sich dieser Krieger noch nehmen würde. Einzig wichtig für mich war, schließlich den laut durchs Dorf gebrüllten Befehl meines Herrn zu hören, denn nun wusste ich, es ging ihm gut: „Gefangene fesseln und bereit machen zum Abrücken!!!“

Auf der Suche nach ihm, lief ich dem ebenfalls unverletzten jortsschen Brauereikrieger über den Weg, der gerade einen Nordmann überwältigt hatte: „Arya, fessel diesen Mann hier mal… mein Seil ist anscheinend zu kurz.“ Nichts leichter als das. Der Kerl knurrte zwar leise, war wegen einer Platzwunde am Kopf ansonsten aber so benommen, dass er sich anstandslos verschnüren ließ. Inzwischen trieb mein Herr zu großer Eile an und da die Wunde nicht gerade schön aussah, aber auch nicht unbedingt lebensbedrohlich, verzichtete ich vorerst auf das weitere Verarzten des Gefangenen… später war noch Zeit genug dafür.

Ich sah also zu, mit dem leise vor sich hin fluchenden Nordmann aufs Schiff zu kommen, nachdem er wieder einigermaßen stehen und gehen konnte. Die Gefangenen sollten diesmal nach Enkara gebracht werden. Ich war übrigens heilfroh, mich nicht um die Frau kümmern zu müssen, die mein Herr hinter sich her zog. So wie sie ihn angiftete war ich den Priesterkönigen unendlich dankbar, dass ich die Gedanken des Weibs nicht lesen konnte! Merkwürdigerweise schien sie meinem Herrn jedoch zu gefallen. „Wir gehen auf Reisen, schöne Nordfrau.“ Damit schubbste er das Blondchen aufs Schiff.

Mir fiel ein großer Stein von meinem Kajiraherzen, dass sich meine Befürchtungen, die Frau könnte Nummer 90 an seiner Kette werden, zum Glück nicht bewahrheiteten. Kurz sah es nämlich so aus, als überlege mein Herr, nach der Nummer mit roten Haaren sich nun auch noch eine blonde Sklavin zuzulegen. Doch später stellte sich heraus, das arrogante, sehr von sich eingenommene Weib war die Gefährtin des Dorfjarls, mit dem der Kommandant von Belnend noch eine Rechnung offen hatte… sie war ohne Kragen vermutlich wertvoller.

Das Gewusel im Hafen von Enkara war groß, als wir mit sämtlichen Gefangenen das Schiff nach einer ereignislosen Reise verließen, bis schließlich einer der heimischen Krieger vorweg lief und uns den verwirrenden Weg zu den unterirdischen Verließen zeigte. Ich war übrigens nicht die Einzige, die sich Gedanken über den Rückweg machte, mein Herr brummte nämlich: „Hehe… hier kann man sich ja richtig verlaufen!“ Irgendwo schnappte ich noch ein paar Wortfetzen auf, Belnend sei überfallen worden, bekam Näheres darüber jedoch nicht mehr heraus, weil ich viel zu sehr damit beschäftigt war, meinen Gefangenen in einem der Kennel los zu werden.


Wieso sich der nicht mehr ohnmächtige belnendsche Krieger dann vor den Gitterstäben aufbaute und dem Nordmann zuflüsterte: „Sigurd, es wird dir nichts passieren“, erschloss sich mir auch nicht. Aber vielleicht habe ich sein Flüstern auch nicht richtig verstanden, die voller Wut gebrüllte Antwort dafür umso besser: "Ihr habt ein verdammtes Heer in den Norden geführt... das werde ich nicht vergessen, Janus. Das kannst du deinem Kommandanten ausrichten und auch, dass unsere Übereinkunft hinfällig ist. Sein Wort hat kein Gewicht mehr für mich!" 

Da dieser Gefangene eigentlich der des Brauereikriegers war, der inzwischen jedoch an der frischen Luft die Stellung hielt, sah ich mich schließlich als nicht mehr zuständig für den Nordmann an und gesellte mich zu meinem Herrn, der vor dem Nachbarkennel immer noch darüber rätselte, woher ihm das hinter Gittern befindliche Weib so bekannt vorkam. 

Leider zog sich das Gesülze mit seiner sich oberwichtig nehmenden Gefangenen noch eine ganze Weile hin. Müde wie ich war, ging das allerdings weitestgehend an mir vorbei, bis schließlich klar wurde, um wessen Weib es sich handelte und dass mein Herr sie seinerzeit in Belnend getroffen hatte, als er dort ohne mich auf dem Markt gewesen war. 


Puhhh, was war ich froh, als mein Herr danach ankündigte: „Arya, wir werden uns jetzt ein Zimmer für die Nacht suchen.“ Es wurde zwar nur eine ruhige Bank zum Schlafen, doch durfte ich mich an ihn kuscheln und schlief sofort ein. ;-)

Dienstag, 9. Mai 2017

Unterricht

Leise hörte ich die Stimme meines Herrn, der bereits draußen vor der Haustür war und sich dort mit 89 über irgendetwas unterhielt. Offensichtlich hatte sie ihre Aufgaben bereits erledigt, sodass ich mich nun noch mehr beeilte als vorher schon. Mit Erleichterung registrierte ich schließlich in der geöffneten Haustür stehend, dass sie diesmal nicht ihre üppigen Rundungen an ihn drückte, sondern kniete. „89… was für ein Tag ist heute? Es ist sehr wichtig, das zu wissen“, fragte mein Herr gerade, sodass ich gespannt auf ihre Antwort kurz inne hielt. „Da müsste ich nachschauen, mein Herr“, kam von der Kajira jedoch nur vage und ich fragte mich, wo sie bitte schön nachschauen wollte???

Egal… außerdem hatte mein Herr mich inzwischen bemerkt, sodass ich nun eilig neben ihm niederkniete und mit wundervollem Wuschelnd meiner Haare belohnt wurde. "Weißt du denn, was für ein Tag heute ist, Arya?“ stellte er seine Frage nun mir. Na klar wusste ich das: „Ja mein Herr, es ist dein freier Tag, der letzte vor deiner Spätwache und der erste Tag der neuen Hand und… puhhh… ich muss noch mal überlegen…“ „Ja, weiter Arya, da fehlt noch etwas“, forderte mein Herr mich noch auf, allerdings mischte sich 89 dann ein: „Es ist der zweite Monat, Hesius in Ar, die fünfte Hand, der vierte Tag, mein Herr… ist mir gerade wieder eingefallen.“ Hmmm... ob das stimmte?

Gut war in diesem Moment die patschende Hand meines Herrn auf meinem Kopf zu spüren… ich vermute, nur dadurch wurde wahrscheinlich mein peinlicher Ausruf „häähhh?!“ verhindert, denn das Mädchen konnte viel erzählen... sie ist doch nur eine Sklavin, keine Schreiberin! „89, das ist schön lang, aber nicht das, was ich hören wollte… heute ist der Tag, an dem wir zum Hof gehen und schauen, ob wir den Bauern antreffen. Vielleicht könnt ihr bei der Gelegenheit noch ein oder zwei Boskhörner absägen“, löste mein Herr die Rätselei lachend auf und ignorierte den oberschlauen Hinweis seiner Neuen. Ich ahnte langsam, was er vermutlich vorhatte.


Wegen ihrer Herkunft legte ich als Kettenerste dann einfach fest: „Das Sägen übernimmt 89, mein Herr… mit ihren Erfahrungen als Taluna müsste sie das gut hinbekommen.“ Während mein Herr nun ein Brummen der Sorte „belustigt“ von sich gab, klärte ich die Kajira noch schnell auf, wo sie im Kriegerhaus eine Säge findet und welches Haus das ist. Es dauerte zwar einen Moment, aber letztendlich hatte sie das Werkzeug gefunden. Zufrieden mit der Ausführung meines Befehls sah ich daher den richtigen Zeitpunkt für ein kleines Lob gekommen: „Gut gemacht 89… der Bauer wird erfreut sein, dass wir eigenes Werkzeug mitbringen!“ Mein Herr sagte dazu zwar nichts, doch war das auch nicht erforderlich, da er breit grinsend Richtung Stadttor davon stampfte.

Am Hof angekommen klärte mein Herr seine Neue kurz auf: „Der Hof gehört dem Bauernkrieger und seiner Gefährtin." Danach bestätigte sich meine Vermutung über ein wenig Unterricht mit seiner Frage: „Denkst du es ist eine gute Idee, den Bosk die Hörner abzusägen, 89?“ Ihre Antwort war schon mal ganz gut, allerdings auch nicht sehr ausführlich: „Nein mein Herr, das ist keine gute Idee.“ In Anbetracht des mit äußerster Vorsicht zu genießenden Hofbesitzers sah ich es daher als erforderlich an, noch ein wenig nachzubohren: „89, was würdest du machen, wenn ein Freier unbedingt aus einem Horn zu trinken wünscht, es im Gasthaus aber keins gibt und er dir trotzdem befiehlt, ihm eines zu holen?“

Obwohl sie immer noch die Säge in der Hand hielt, konnte die Rothaarige natürlich nicht ahnen, worauf ich hinaus wollte. Zeit schindend druckste sie eine Weile herum… sie hätte noch nie einen Wirt gesehen, der Met nicht im Trinkhorn ausschenkt… bei den Wagenvölkern könne man sie in Massen kaufen. Da ich natürlich nicht locker ließ, brachte sie es letztendlich aber doch noch auf den Punkt: „Ich würde einen Becher nehmen. Losgehen und einem Bosk das Horn absägen, käme nicht in Frage... es würde zu lange dauern, bis der Herr seinen Met bekommt und außerdem leiden die Tiere darunter.“


„Hätte man tatsächlich solch einen Wunsch zu erfüllen, vielleicht sogar unter Androhung von Strafe, kann man als Kajira nur verlieren, wenn der eigene Herr nicht anwesend ist und sich vor einen stellt. Es bleibt also nur, Becher, Schale oder Kelch anzubieten, denn ein Trinkhorn kann niemand herbeizaubern. Sollte man jedoch auf die verrückte Idee kommen, in diesem Fall am Hof einem Bosk das Horn abzusägen, dann ist man hinterher tot“, dozierte ich im Wissen um den Jähzorn des Bauern und seine Unbeherrrschbarkeit, denn es war mir sehr wichtig, dies der Neuen meines Herrn sehr deutlich klar zu machen.

„Der Bauernkrieger war das letzte Mal sehr, sehr sauer, als eine Sklavin einem seiner Bosk das Horn abgesägt hat, aber es hat seinerzeit nur Geld gekostet. Ich denke, die nächste Kajira lernt Vielfrass kennen“, verdeutlichte mein Herr zusätzlich meine Worte noch. Auch meine Anweisung „…bis zur Brücke und nicht weiter, von dort rufen, ob jemand anwesend ist und notfalls umdrehen, aber niemals ohne unseren Herrn den Hof betreten!“ bestätigte er: „Ja 89… der Hof ist tabu. Sein Besitzer mag es nicht, wenn man hier einfach so herumläuft.“

Da der Bauer auch sehr charmant sein kann und wie jeder goreanische Mann den Diensten einer Kajira natürlich nicht abgeneigt ist, war jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, 89 gleich noch darüber zu informieren, wie mein Herrn grundsätzlich über die Benutzung seiner Mädchen denkt. Kaum war alles Wichtige dazu gesagt, traf übrigens der Sattler mit seiner Kajira ein und wunderte sich, meinen Herrn auf dem Hof zu finden. Anscheinend hatte er uns von seinem Haus aus gesehen. „Sattler, ich mach einen Ausflug zu Unterrichtszwecken und erkläre 89 ein paar Dinge… ich will nicht, dass sie auf den Hof rennt und anfängt ein Horn abzusägen, wenn jemand nach einem verlangt.“


Lachend erinnerte sich der Lederarbeiter mit ein wenig Nachhilfe an den Ärger, den der Schmied aufgrund seiner sägefreudigen Kajira mit dem Bauern gehabt hatte, erkundigte sich aber schließlich: „Ich will deinen Unterricht nicht stören, Hauptmann, doch was hälst du davon, wenn wir heute mit den Mädchen das Fesseln üben?“ Ich sowieso, denn es war ewig lange her, dass ich im alten Jorts darin eine Einführung bekommen hatte, aber auch mein Herr war sehr dafür, zumal der Sattler vor einigen Tagen schon mit ihm darüber gesprochen hatte. „Ja, gute Idee… gehen wir auf die Wiese. 89, vergiss die Säge nicht, sonst kommt der Bauer doch noch auf dumme Ideen.“

Übrigens… sie dachte nicht nur an die Säge, sondern brachte aus ihrer Zeit bei einem Talunastamm auch jede Menge Erfahrungen mit. Für ihre Tipps, die 89 Laya und mir sehr hilfsbereit gab, hat sie von mir jedenfalls ein großes Plus bekommen… aber selbstverständlich nur ein vollkommen lautloses, denn ich muss doch auf meinen Ruf achten! ;-)

Montag, 8. Mai 2017

Noch mal davon gekommen

Ich war fast fertig mit Abwaschen, als ich plötzlich hinter mir das wohlbekannte Brummen meines Herrn hörte, sodass ich mich beeilte ihn freudig zu begrüßen. Ich wurde mit Haare wuscheln, begleitet von einem nun sehr zufrieden klingenden Brummen belohnt. Offensichtlich hatte auch die Gnädigste seine Heimkehr bemerkt und ihr Buch zur Seite gelegt, da sie nun die Treppe hinunter kam. „Tal zusammen… Arya, wie ich gehört habe warst du hier unten fleißig.“ Ohje, hatte ich mit dem Geschirr womöglich zu laut geklappert und sie beim Lesen gestört? Erschrocken fragte ich nach. „Nein Arya, alles gut“, lächelte sie jedoch und mein Herr ergänzte schmunzelnd: „Wenn du zu laut gewesen wärst, hätte meine Gefährtin dich schon zur Ordnung gerufen, Arya.“ 


Puhhh… ich war erleichtert, aber auch ein bisschen Stolz über das unerwartete Lob der Frau, da es doch eine Selbstverständlichkeit ist und nicht erwähnenswert, dass ich mich um den Haushalt ihres Gefährten kümmere. Leider ergänzte mein Herr noch, dass die Gnädigste sicher andere Methoden hat mir zu zeigen, wenn ihr etwas nicht gefällt: „Ich hörte, sie hat immer eine Spritze in der Tasche… die mit der dicken Nadel, Arya!“ Das war mir nicht bekannt, was ja aber nichts heißen sollte. Wie gut, dass die Grüne leicht ihren Kopf schüttelnd mir nun zuzwinkerte und erklärte: „Nur in der Arzttasche habe ich Spritzen… in der Rocktasche transportiert würde ich mich eventuell selber pieken.“ 

Bemüht um einen möglichst neutralen Gesichtsausdruck bedankte ich mich selbstverständlich, weil ich wieder etwas dazu gelernt hatte und hoffte gleichzeitig, dass für meinen Herrn das Thema Spritzen damit erledigt war. Mist, war es leider nicht. „Arya scheint deine Spritzen nicht zu mögen… braucht sie nicht mal wieder eine mit Vitaminen?“ erkundigte er sich unter dem Deckmantel des um die Gesundheit seines Eigentums besorgten Herrn, obwohl er genau weiß, dass es mir seit dem Abschwellen der Beule auf meinem Kopf aus Fensalir bestens geht und dass ich grüne Behandlungen jeglicher Art tunlichst vermeide, weil ich auf Kriegsfuß mit ihnen stehe.

Wie gut, dass die Gnädigste mich erst einmal fragte, ob ich mich schlapp fühle, was natürlich nicht der Fall war. Sie sah daher bei mir keine Behandlung erforderlich an. Geschickt lenkte ich nun von mir ab, denn die Gesundheit meines Herrn ist mir natürlich sehr wichtig: „Wenn ich das so sagen darf, denn ich will mich natürlich nicht einmischen… aber… naja… mein Herr hatte einen gesundheitlichen Grund, der ihn am Kämpfen im Norden hinderte… also ich glaube, er könnte vielleicht eine Untersuchung gebrauchen.“ Es klappte! Ich kam um eine Behandlung herum, denn sämtliche prüfenden, grünen Blicke richteten sich nun auf meinen Herrn: „Mein Gefährte, verheimlichst du mir etwas?!“

Ok… das Brummen klang äußerst drohend, mit dem mein Herr mich nun bedachte, sodass ich ihn besonders lieb und vor allem oberunschuldig anplinkerte. Doch letztendlich erzählte er der Grünen von seinen Problemen mit den Augen und da er es zuvor ja schon mit den Vitaminen gehabt hatte, schlug er nun vor, er könne sowas ja vielleicht einnehmen… allerdings in Tablettenform! Interessant… offensichtlich mag mein Herr Spritzen genauso wenig wie ich??? Zeit darüber nachzudenken hatte ich jedoch nicht, da die Gnädigste meinem Herrn nun mitteilte: „Ich geh mal rüber in die Krankenstation und stell dir etwas zusammen… das kann Arya dann in Wasser auflösen.“ 

Danach lief sie sofort los und mein Herr zog missbilligend seine Augenbrauen hoch, bevor er sich erkundigte, ob mir auch aufgefallen war, dass sein Weib ihre Gesichtsgardine vergessen hatte. Mir blieb nichts anderes übrig, als seine Beobachtung zu bestätigen. Doch die Frau hatte Glück… mein Herr fand meine Erklärung anscheinend nachvollziehbar, dass dies nur auf ihre Besorgnis um seine Gesundheit zurückzuführen sein konnte. Sichtlich zufrieden nach meinem Hinweis, sie habe außerdem immer einen Schleier in der Rocktasche, befahl er mir: „Arya… husch, husch ihr nach zum Erinnern, damit sie ihn anlegt!“ Natürlich beeilte ich mich und sauste so wie ich war hinüber zur Krankenstation.

So ganz sah die Gnädigste den Wunsch meines Herrn allerdings nicht ein: „Wieso? Ich hatte gedacht, für den kleinen Weg kann ich darauf verzichten!“ Mir blieb nur höflich darauf hinzuweisen, wie wichtig meinem Herrn ihr Verschleiern ist und letztendlich verhüllte sie ihr Gesicht dann doch, bevor es mit einem Beutelchen zusammengemischter Kräuter nach draußen ging. Wie von mir befürchtet behagte es meinem Herrn tatsächlich nicht, dass er diese Kräutermischung nicht in Paga gerührt einnehmen durfte und auch nicht mit Kalana, sondern mit Wasser und die Einnahme über 4 Tage fand er auch viel zu lang. 


Zuletzt ließ er sich aber auf eine erste Verabreichung des gesund riechenden Zeugs ein und kippte es nach kurzem misstrauischen Zögern mit entsprechendem Bramborium schließlich mit Todesverachtung auf ex hinunter. „Brrr… das schmeckt sehr gesund… ich werde jetzt Gesundes nachtrinken und denke dabei an Kalana!“ Es ging zum Marktplatz, diesmal allerdings nur bis zur Bank vor der Gasthausterrasse. Die Gesundheit meines Herrn war übrigens immer noch Thema, nachdem sich der Brauereikrieger und der Sattler dazu gesellten und nach seinem „Arya hat gepetzt“ erfuhren, warum das Nachtrinken gesunden Kalanas ein Muss für ihn war.


Die einvernehmlichen Gespräche drehten sich selbstverständlich auch um die Allianz des Südens und die weitere Vorgehensweise. Merkwürdigerweise wurde der Ton mit dem Eintreffen der Zeugmeisterin etwas schärfer. Die Frau fand nämlich die Worte „übereilt, zu hastig, nicht strategisch gut genug ausgefeilt“ irgendeines Stadtobersten nachvollziehbar, die mein Herr und der Brauereikrieger jedoch als unsinnig abtaten… warum sollte der Norden solange auf seine Forderungen verzichten und still halten, bis der Süden zu Ende überlegt und diskutiert hat? Ich kenne mich als Kajira mit Kriegerangelegenheiten natürlich nicht aus, dieses Weib aber anscheinend auch nicht… wobei sie letztendlich einsah, dass die Allianz doch wohl ganz gut aufgestellt ist. ;-)

Sonntag, 7. Mai 2017

Schmuck für den Hauptmann?

Ich platzte fast vor Wissbegier, denn neugierig bin ich ja nicht. Nein, ich brannte darauf zu erfahren, was bei der Besprechung mit den Befehlshabern der anderen Gorstädte des Südens herausgekommen war. Trotzdem war das Aufräumen für mich selbstverständlich erst einmal vorrangig. Die Trinkgefäße und leeren Früchteteller mussten vom großen Tisch im Ratssaal geräumt und die Geschirrberge im Gasthaus abgewaschen werden. Damit war ich eine ganze Weile beschäftigt, während mein Herr bereits auf der Wiese hinter dem Hof seinen Schwertarm trainierte... das Waffentraining war wegen der Versammlung nämlich um einen Tag verschoben worden. Irgendwann endlich fertig damit, flitzte ich eilig los, kam aber leider zu spät, um meinen Herrn beim Schwertfuchteln noch zu bewundern.

Die Männer hatten ihr Training bereits beendet, sodass ich quer über die Wiese hinüber zu ihnen sauste. Der Brauer fachsimpelte mit meinem Herrn inzwischen nämlich über die Handhabung des Bogens, wovon ich aber nichts verstand, weil ich solch eine Waffe noch nie benutzt hatte. Der Zeitpunkt meines Eintreffens passte übrigens perfekt, denn mein Herr berichtete nun von der Versammlung: „Das Treffen gestern lief sehr gut… wir sind uns einig, dass wir zusammenhalten und den Norden treten werden. Die Nordleute haben Belnend ein Ultimatum gestellt und verlangen Tribut, andernfalls werden sie Sklaven und freie Frauen stehlen und sich nehmen, was sie wollen. Einzig Lydius zaudert wohl noch.“


Als nächstes soll in Oasen und Dörfern mit guten Worten, notfalls auch mit Gold oder charmanten Drohungen Werbung für die Allianz gemacht und auch Söldner angeworben werden. Auf Männer, die ihre Fahne in den Wind hängen, ist zwar nicht immer Verlass, doch wenig Verlass ist natürlich besser als gar keiner, wenn sie nämlich für die Gegenseite kämpfen. Falls die Zeugmeisterin diese Aufgabe übertragen bekommt, wird ihr selbstverständlich der Rahmen abgesteckt werden, da sie ja wissen muss, wie weit sie gehen kann. Leider sind die kämpfenden Weiber des Nordens sind ein Problem... die Bewaffnung von Frauen an sich ist schon ein Unding, aber mit der Schleierpflicht absolut unvereinbar und somit ein echter Nachteil für Jorts Fähre. Insofern ist es gut, dass das primäre Angriffsziel des Nordens wahrscheinlich Belnend bleiben wird.

Da der jortssche Stadtrat außer meinem Herrn aus einem dauerhaft abwesenden Händler und einem Bauernkrieger besteht, der seinen Hof bestenfalls für wenige Ehn mal kurz verlässt... ich vermute ja, er will nicht, dass seine Felle kalt werden... hat mein Herr die Entscheidungsfreiheiten eines Administrators, denn wer nicht da ist, kann auch nicht widersprechen. Er dachte übrigens laut darüber nach, wie sehr ihn der Titel „Administrator und Hauptmann“ schmücken würde, doch hat er meiner Meinung nach gar keinen Schmuck nötig. Wobei eine Stadt mit Administrator nichts Ungewöhnliches ist und die Überlegung meines Herrn, ob ihm mit diesem Doppeltitel nicht auch doppelter Sold zusteht, fand ich durchaus logisch und gerechtfertigt.


Auf der Gasthausterrasse bei Kalana und Ale oder Paga war die Versammlung selbstverständlich weiter das ganz große Thema, da sich auch der Sattler für die Ergebnisse und den geschmiedeten Plan interessierte, mit dem das auf der Nase Herumtanzen des Nordens hoffentlich ein Ende haben wird. Doch über Details dazu bewahre ich selbstverständlich Stillschweigen, wie es sich für eine wohlerzogene Kajira wie mich gehört. Leider stellte sich bei den Gesprächen heraus, die Sattlerkajira kennt sich wohl nicht allzu gut mit dem Fesseln aus, sodass ein wenig Nachhilfeunterricht darüber ansteht, bei dem mein Herr mir erlaubte zu helfen. 

Die Männer unterhielten sich außerdem noch über Dies und Das, doch dabei hörte ich nicht mehr wirklich zu, war ich doch viel zu sehr damit beschäftigt, meine Gedanken über meine nicht dem goreanischen Ideal entsprechende Figur zu verdrängen. Hach, meine Angst war wieder total überflüssig! Trotzdem tat es richtig gut zu hören, dass mein Herr mich mag wie ich bin und mit mir zufrieden ist, obwohl ich nur eine halbe Portion bin und weder Schenkel habe, die dicken Baumstämmen Konkurrenz machen können, noch Riesenbrüste, die das Euter einer Boskkuh in den Schatten stellen. ;-)

Donnerstag, 4. Mai 2017

Selbstverständlich kein Tee!

Die Beule an meinem Kopf war am nächsten Tag deutlich besser und eine grüne Untersuchung wirklich nicht mehr erforderlich. Nachdem mein Herr aufgebrochen war, um mit dem Brauereikrieger ein paar zusätzliche Trainingsrunden Schwertkampf zu absolvieren, lief ich zum Kriegerhaus, um dem Sattler wie befohlen Ersatz für seine Waffen zu bringen, die ihm im Kampf in Fensalir abgenommenen worden waren. Da auf mein Klopfen niemand öffnete, deponierte ich Schwert, Bogen und Pfeile einfach neben seiner Haustür und lief dann weiter zur Wiese, um noch bis zum Ende des Trainings den beiden Männern zuzuschauen.

„Arya, du bekommst eine Spezialaufgabe“, eröffnete mein Herr mir schließlich und berichtete, dass Kafal in dieser Hand mittrainieren will. Aha, ja und die Aufgabe? Er machte es spannend, doch letztendlich bekam ich heraus, es sollen nach dem Waffentraining nicht nur Flüssigkeitsdefizite ausgeglichen, sondern auch die Mägen mit Essbarem gefüllt werden. Da mit der Wirtin eigentlich nie zu rechnen ist und auch auf die Lebensmittellieferungen des Hofes kein Verlass, kam mir der rechtzeitige Hinweis sehr gelegen und meine Gedanken begannen sofort um die Vorbereitungen zu kreisen: „Gut wäre, wenn heute noch ein paar Vulos dran glauben könnten, mein Herr.“

„Da hörst du es, gleich gibt es wieder Arbeit für uns“, grinste mein Herr den Brauereikrieger an. Beide Männer zogen ihre Bögen, während ich mit Berserkergebrüll zum Nest am Rand der Wiese sauste, um die Flatterviecher aufzuscheuchen, sodass unter ihnen eine mittelprächtige Panik ausbrach. Während die Vulos in alle Richtungen auseinander flogen, schmiss ich mich platt auf den Boden und blieb dort liegen, damit ich nicht in der Wolke aus Federn versehentlich einen Pfeil abbekam, bis mein Herr schließlich brüllte: „ARYA… DAS SIND GENUG!!!“ Ohja, die beiden Krieger hatten wirklich viele erlegt. Nur knapp konnte ich alle gerade noch tragen und brachte sie gleich nach Hause, damit 89 schon mal mit dem Rupfen und Ausnehmen anfangen konnte.


Anschließend war natürlich Kalana und Ale vor der Hafentaverne angesagt und der Brauer erkundigte sich, ob die rotkastige Freie tatsächlich wieder als Zeugmeisterin im Dienst der Stadt tätig ist. Hauptthema nach dem Eintreffen des Sattlers war aber natürlich die Aktion in Fensalir, bei der uns zum Glück außer einigen blauen Flecken und der Beule an meinem Kopf nichts weiter passiert war. Nun stellte sich auch heraus, warum als einziger aus Jorts Fähre nur der Sattler so heldenhaft gekämpft hatte… mein Herr war nämlich gleich beim ersten Sturm zu Boden gegangen und hatte sich total benommen zurück aufs Schiff geschleppt.

Auch mit dem Brauereikrieger hatten die Priesterkönige anderes als Kämpfen im Sinn gehabt, da sie seinen Bosk Klaus-Bärbel seinen Wagen bis über die Achsnaben in ein Schlammloch ziehen ließen, sodass er festsaß. Schade, schade… das wäre mit einer vorweg laufenden Sklavin vermutlich nicht passiert. Tja, wer im Schlammloch sitzt, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Natürlich erübrigte es sich darüber zu spekulieren, ob Belnend vielleicht keine erneute Schlappe gegen den Norden eingesteckt hätte, wenn eine größere Anzahl Krieger aus Jorts Fähre dabei gewesen wären. 

Der Ausgang dieser Racheaktion war mir übrigens nicht so ganz klar, aber es geht mich auch nichts an wieviele Gefangene Belnend oder Fensalir nach unserer Abreise noch gemacht hatten. Trotzdem platzte ich immer noch fast vor Stolz, dass es mir gelungen war, einen Nordmann nach Belnend zu verfrachten. Natürlich war jetzt auch der richtige Zeitpunkt, um im Nachhinein ein paar Dinge zu besprechen, die man hätte besser machen können, denn hinterher ist man immer schlauer. Darüber verging die Zeit wie im Flug und den Brauer riefen schließlich nicht nur seine Kessel, sondern auch seine Felle brauchten Zuwendung.


Der von ihm angewärmte Stuhl wurde jedoch nicht kalt, da der Sattler den Platz wechselte, als kurze Zeit später die Zeugmeisterin auftauchte und sich erkundigte, ob die Herren in Laune für Ergebnisse sind. Es war ihr nämlich gelungen, den Kommandanten von Belnend, den Prätor aus Lydius und den Administrator von Enkara für diese Hand einzuladen. Kafal war leider ausgestorben gewesen, allerdings hatten sich die Dörfler zum Waffentraining angekündigt… vielleicht nahm der redegewandte Dorfoberste es ja gelassen, dass er unter falschen Voraussetzungen kommt und aus demTraining eine Versammlung wird?

Mist, warum nur hatte die Frau die Versammlung derart kurzfristig angesetzt und mit so extrem frühem Beginn? Wie gut, dass ich mit meinen weichen Knien bereits kniete… ich stand vor sämtlichen Vorbereitungen nämlich alleine, wie sich bei der Frage der Zeugmeisterin herausstellte: „Hauptmann, hat deine Gefährtin eigentlich die Planungen für das Bankett angeleiert?“ Mein Herr verneinte… er habe mich beauftragt, da sein Weib wegen was auch immer nicht abkömmlich ist. Na toll… von dem konkreten Termin wusste ich doch gerade jetzt erst, zog es im Gegensatz zu der echauffierten Frau aber vor, lieber meinen Mund zu halten: „Wiebitte Hauptmann, du überlässt die Organisation deiner Sklavin?!“

„Die Vulos haben wir schon erlegt und wenn Arya sich nicht ordentlich kümmert, zieh ich ihr die Ohren lang“, damit war für meinen Herrn das Thema erledigt. Der Zeugmeisterin mal ordentlich auf die Füße zu treten, warum sie eine dermaßen kurzfristige Einladung für so einen wichtigen Termin ausspricht, dafür sah er keine Veranlassung. „Arya, du wirst dich morgen bei mir melden und wir werden sehen, was noch zu retten ist“, befahl das Weib mir und ergänzte mit zuckersüßem Tonfall: „Aber ich warne dich vor, du wirst mich kennenlernen, wenn nicht alles reibungslos läuft… und ich ziehe nicht nur die Ohren lang, ich benutze auch die Kurt, dass wir uns da gleich verstehen!“

Es kam der Tag der Versammlung und damit wurde es richtig schlimm für mich… ich war tatsächlich die einzige Kajira und hatte das Ganze. Immerhin brannte das Essen nicht an, war auch pünktlich fertig und auf dem großen Tisch im Ratssaal standen Getränke und Früchteteller… nicht Tee und Wasser, wie von der besserwisserischen Zeugmeisterin meinem Herrn angedroht. Warum sie ihn damit unter Druck setzen wollte, erinnere ich nicht mehr, denn mein Herr lässt sich von einer Frau nichts vorschreiben. Außerdem hätte die Wichtigtuerin den Tee selbst kochen müssen… ihre Kurt hin oder her, ich hätte niemals zugelassen, dass mein Herr zum Gespött wird, weil er den Befehlshabern der wichtigsten Städte des Südens Tee anbietet!


Leider waren die beiden Gasthaustische noch nicht komplett fertig eingedeckt, als die Eingeladenen bereits von der Fähre strömten… alle Besprechungsteilnehmer mit meinem Herrn in den Ratssaal und sämtliche Dorfbewohner aus Kafal ins Gasthaus. Zum Glück hatte der Musikant seine hilfsbereite Kajira dabei. Sie half fleißig beim Bedienen, während ich noch Becher, Kelche und Krüge mit Getränken heran schleppte. Todmüde und gefühlt kurz vor dem Umfallen, da ich in Sachen Vorbereitungen den ganzen Tag auf den Beinen gewesen war, deckte ich zuletzt noch den zweiten Tisch auf der Terrasse für die Versammlungsteilnehmer, die nach ihrer langen Besprechung bestimmt hungrig sein würden. 

Von der Zeugmeisterin war übrigens nicht mal ein Rockzipfel zu sehen, also keine Spur von ihrem „wir kümmern uns“. Allerdings hatte sie sich am Vortag wie angekündigt tatsächlich davon überzeugt, dass ich alles auf einen guten Weg brachte und ich denke, den Landsitzkrieger wird es freuen, dass das Weib nicht schon wieder von seinem weißen Kalana trank. Ich war jedenfalls froh, von dieser mit Vorsicht zu genießenden Frau nicht wieder angeblubbert zu werden, weil ich ihr den Wein im gleichen Mischungsverhältnis mit 1/3 Wasser wie für den Krieger serviert hatte.


Ich denke es ist verständlich, dass ich bei dem auf der Gasthausterrasse herrschenden Stimmengewirr nicht mitbekam, worüber sich die vielen Freien am Tisch unterhielten und was im Ratssaal besprochen wurde, entging mir ja leider sowieso. Schön war jedoch, dass allen Anwesenden das Essen offensichtlich schmeckte und sie ordentlich zulangten. Ganz besonders schön war für mich aber, dass ich den Rücken des Brauereikriegers stützen und mich eng an ihn schmiegen durfte. Der Ärmste hatte nämlich ein arg durchgesessenes Sitzkissen erwischt und deswegen einen gefährlichen Hang, hinten über zu kippen. :-)

Dienstag, 2. Mai 2017

Racheaktion in Fensalir

Die Zweisamkeit mit meinem Herrn war leider viel zu schnell vorbei. Kaum war 89 nämlich mit dem Proviant eingetroffen, ging es aufs Schiff nach Belnend. Dort am Stadttor stand bereits ein kleiner Pulk Bewaffneter, darunter auch einige Kajirae. Einer der Krieger stellte gerade die Frage, worum es überhaupt ging und der belnendsche Kommandant erklärte: „Ich denke, wir wagen es nun… unser Ziel ist Fensalir. Dort am Hafen werden wir uns für einige Ehn ruhig verhalten und dann losstürmen. Wir sollten uns nicht großartig trennen. Ziel ist es, Gefangene zu machen.Die Sklavinnnen müssen möglichst das Fesseln übernehmen und ziehen dann mit ihnen hinter uns her.“

Der Kommandant nannte die Namen von zwei Personen, denen er besonders gerne habhaft werden wollte, hatte aber auch nichts dagegen, alle sonstigen von Interesse gefangen zu nehmen. Mein Herr erwähnte noch, wie schnell der Marktwert gefangener Nordleute sinkt, sollte es Fensalir gelingen Gefangene zu machen. Nachdem schließlich auch der jortssche Sattler eingetroffen war, bei dessen Ankunft der Kommandant erfreut ausrief, er sei das Zünglein an der Waage, denn nun gäbe es am Sieg wirklich keinen Zweifel mehr, ging es Richtung Hafen und kurz darauf hieß es „Leinen los!“. 


Nichts gegen den Sattler und alle anderen Bewaffneten, die keine Krieger waren, darunter übrigens auch etliche Frauen… doch anscheinend war nicht nur mir nicht so ganz wohl in meiner Haut. Ich hörte nämlich einen der Männer murmeln: "Hoffentlich nimmt das Unternehmen ein gutes Ende. Ich bin Händler und kein Haudrauf!" Zum Glück verlief die Reise zu diesem Kaff namens Fensalir irgendwo im Norden ohne Probleme und Zwischenfälle. Kaum dort angekommen legte unser Schiff allerdings sofort wieder ab und verschwand schnell um Dunst. 

Das Dorf wirkte ausgestorben, was aber auch täuschen konnte. Wie vom Kommandanten befohlen, harrten wir noch einen kleinen Momant am Anleger aus, während er einige letzte Anweisungen gab und vor allem darauf hinwies, dass viele Nordweiber bewaffnet sind, also höchste Vorsicht geboten ist. Alle waren aufs höchste angespannt, doch nach dem Hinweis einer der Kajirae wandelte sich zumindest kurzfristig die allgemeine Nervosität in Belustigung: „Da… seht euch das Plakat an! Pffftt, als könnten die hier lesen!!“ Das Lachen war noch nicht verklungen und Zeit zum Lesen blieb auch nicht mehr, denn nun brüllte der Kommandant: „Loooooos!!! AAAAnnngriiiifff!!!!!“


Die Kämpfer stürmten davon und wir Kajirae hinterher. Von irgendeiner Nordfrau hörte ich noch die Worte: "Ich glaube nicht, dass die zum Essen kommen." Danach gab es nur noch Kampfgetümmel, gebrüllte Befehle und aus allen Richtungen das Sirren abgeschossener Pfeile. Mich möglichst klein machend und neben den Häusern Deckung suchend, nutzte ich jede sich mir bietende Gelegenheit zu helfen, zu verbinden oder zu Boden gegangene Nordleute zu fesseln. Leider kam auch ich nicht schadlos davon und wachte mit brummendem Schädel ein paar Mal im Staub auf… keine Ahnung, was oder wer mich getroffen hatte. 

Außer einigen Schrammen und einer dicken Beule am Kopf passierte mir zum Glück nichts… allerdings machte ich mir große Sorgen um meinen Herrn, da ich ihn im Getümmel der Kämpfer sehr schnell aus den Augen verloren hatte. Ich erinnere nicht mehr, wie viele Nordmänner ich schon gefesselt hatte, als ich den Befehl einer Frau hörte: „Bringt die Gefangenen nach Belnend!“ Puhhh, es war wirklich ein hartes Stück Arbeit, aber irgendwie schaffte ich den zuletzt von mir mit Seilen verschnürten Kerl tatsächlich aufs Schiff… knapp, aber trotzdem gerade noch rechtzeitig vor dem Ablegen.

Wie gut, dass ich von den letzten Auseinandersetzungen Belnends mit dem Norden noch ungefähr wusste, wo sich einer der Stadtkennel befindet, weil Jorts Fähre seinen Bündnispartner seinerzeit unterstützt hatte. Am besten aber war, dass Ewa, eine der Kajirae aus Belnend dort ihren gefangenen Nordmann unterbrachte und für die Gittertür einen Schlüssel besaß. Andernfalls hätte ich mein verschnürtes Paket irgendwo festgebunden und eine Art Seilmumie aus ihm machen müssen, damit er nicht abhauen konnte. Der Kerl schlug übrigens vor, ich soll ihn losbinden und dann einfach so tun, als hätte ich ihn nicht gesehen… pffftttt.

Selbstverständlich fehlte auch empörtes Gemecker nicht… „nicht bei dem da… zu wenig Platz!“… „die Stricke könnte man abnehmen, wenn ich in so einem Gitterdings hocken muss!“ und noch diverse Nettigkeiten, die ich aber von mir abprallen ließ. Auch das durch die Gitterstäbe gereichte Wasser platschte ungetrunken zu Boden, als mein Nordmann breit grinsend versuchte mein Handgelenk zu packen. Tja, Pech gehabt… ich hatte damit gerechnet und nasse Füße waren bestimmt angenehm. "Man sieht sich in der Freiheit wieder, Sklavin… dann wirst du meine Stiefel schön putzen dürfen", drohte er mir, während ich ihn frech anlachte und schließlich meine Lippen zu einem Kussmund formte.

Die Getränkewünsche der beiden Männer erfüllten wir natürlich nicht, da ihr Luxusappartement nur mit Wasser gebucht worden war. Sämtliche sonstigen Getränkewünsche der beiden wurden übrigens von einer Söldnerin unterbrochen, die sich seufzend, mit abfällig verzogenem Mund über die magere Ausbeute äußerte: „Sind das alle? Kajirae, ihr solltet in naher Zukunft schauen, ob ihr Unrat heim segelt oder etwas Wertvolles.“ Na toll, was erlaubte sich das Weib?! Sie selbst hatte im Gegensatz zu Ewa und mir nämlich keinen Gefangenen nach Belnend gebracht! Naja, Besserwisserei von einer bewaffneten, sich wichtig tuenden Freien in Hosen, lässt eine schlaue Kajira einfach von sich abprallen.


Außerdem tauchte jetzt nicht nur der Sattler auf, sondern in der nächsten Ehn auch mein Herr… mir fiel ein riesengroßer Stein vom Herzen. Sehr schade war nur, dass ich in Fensalir nicht meinen Gefangenen gegen den des Sattlers ausgetauscht hatte. Im Nachhinein stellte sich nämlich heraus, dass es der Dorfjarl gewesen war, der leider kurz danach wieder befreit wurde, nachdem der Sattler ihn gefesselt am Anleger zurücklassen musste, weil ein Hilferuf ihn noch einmal zurück ins Kampfgeschehen holte. Na gut, hinterher ist man immer schlauer und auch Ewa hatte das genau wie ich nicht mitbekommen, während wir uns mit unseren Gefangenen schwer abrackerten, um sie irgendwie aufs Schiff nach Belnend zu bekommen.

Mein Herr gab das Zeichen zum Aufbruch, nachdem noch ein Krieger eintraf... der Ausgang der Aktion war jedoch weiter restlos unklar: „Wir reisen ab, für uns gibt es hier nichts mehr zu tun. Wenn der Kommandant Hilfe braucht, wird er sich schon melden.“ Sämtliche Geschehnisse wurden auf unserer Rückreise natürlich noch erörtert und sich ausgiebig über Weiber mit Waffen lustig gemacht. Während ich vor allem total froh war, dass alle aus Jorts Fähre den Angriff heil überstanden hatten, stand für meinen Herrn fest: „Kämpfen ist noch genauso nervig, wie ich es in Erinnerung hatte.“ 


Meine Musterung meiner Kratzer und vor allem, dass ich die Beule an meinem Kopf vorsichtig betastete, entging meinem besorgten Herrn zwar nicht, doch eine grüne Behandlung mit der von ihm vorgeschlagenen Schutz-vor-Nordleute-Spritze konnte ich zum Glück verhindern. Das kühlende, feuchte Tuch war in der Nacht wirklich angenehm auf meinem pochenden Kopf und ganz besonders, dass ich normal liegen durfte. „Damit dir nicht schwindelig oder so wird...“, meinte mein Herr, während er das nasse Ding mit einem zweiten Tuch an meinem Kopf fixierte und breit grinsend unter meinem Kinn verknotete: „Das steht dir Arya!“ Hmmm…ehrlich gesagt fand ich das nicht, daher war es gut, dass es nachts dunkel ist und ich diese Konstruktion am nächsten Morgen abnehmen durfte. ;-)

Montag, 1. Mai 2017

Eine Aktion nimmt Gestalt an

„Tal meine kleine Arya… 89 hat sich etwas genäht… wie findest du das?“ empfing mein Herr mich und deutete auf etwas Rotes an seiner Neuen. Oha, viel Stoff war es nicht, mit dem sie ihre üppigen Massen zu bedecken versuchte. Vage äußerte ich, dass letztendlich doch nur zählt, ob sie meinem Herrn darin gefällt. Offensichtlich war das die richtige Antwort, denn er erwiderte: „Das muss erst mal reichen für den Anfang. Wir werden jetzt zum Hafen gehen, um den Sattler und die Zeugmeisterin zu verabschieden… zieh dir etwas an, Arya.“ 

Im Schnelldurchgang fasste mein Herr den Stand der Dinge über das Vorhaben des belnendschen Kommandanten zusammen, dass er sich Kämpfer aus Kafal erhoffte und erklärte ihr, wann und wo sie sich einfinden sollten. Das Problem war nämlich, die Dörfler wussten noch nichts von dem konkreten Termin, da mein Herr nicht mit ihnen hatte sprechen können, weil sie zum Waffentraining nicht aufgetaucht waren. „Am besten, ihr wendet euch an einen Krieger oder den Fischer“, schlug er vor, bevor nach einigem Hin und Her klar war, dass zusätzlich auch der Brauereikrieger mitreiste.


Merkwürdigerweise kam die Zeugmeisterin irgendwann alleine zurück und überreichte mir mit spitzen Fingern ihren Umhang: "Sieh zu, was du noch retten kannst... er stinkt nach Fisch, als ob ich darin gebadet hätte!" Hmmm... ich roch zwar nichts, aber da diese Freie mit Vorsicht zu genießen ist, setzte ich meine hilfsbereite Miene auf und nahm das Kleidungsstück entgegen, um es zum Lüften an die Wäscheleine zu klammern. Dagegen hatte sie zum Glück nichts auszusetzen und war inzwischen auch damit beschäftigt, meinen Herrn über ihre Reise in dieses Dorf am Laurius zu informieren, in dem gerade ein Fischerfest gefeiert wurde, mit dem Erfolg, dass der Brauer und der Sattler noch irgendwo ihren Rausch ausschlafen mussten. 

Die Frau berichtete weiter, der Fischer hätte keine Notwendigkeit gesehen, Belnend bei dieser Racheaktion zu unterstützen, da er auch zuvor nicht um Hilfe gebeten worden war. Anscheinend hatte er aber vorgeschlagen, sich beizeiten zusammenzusetzen, um über eine große Allianz zu sprechen. Diese Absage war leider nicht, was mein Herr sich erhofft hatte, aber nach den Worten des Fischers bei unserem Besuch vor einiger Zeit eigentlich auch nicht weiter verwunderlich. Erneut zeigte sich übrigens, dass die Zeugmeisterin mitdachte. 

"Hauptmann, du könntest nach der Racheaktion Kafal, Enkara, Lydius, Belnend und wen man noch so findet nach Jorts Fähre einladen, damit ihr euch an einen Tisch setzt und in Ruhe alles besprecht... natürlich in Verbindung mit einem guten Mahl und die Gefährtinnen der Besprechungsteilnehmer werden natürlich ebenfalls eingeladen", schlug sie ihm vor und die Antwort meines breit grinsenden Herrn ließ nicht lange auf sich warten: "Herzlichen Glückwunsch zu deiner Aufgabe, Zeugmeisterin... meine Gefährtin wird dir helfen."

Während ich wenig begeistert meine Nase kräuselte, weil die Gnädigste nun von einem offiziellen Schreiben mit Siegel sprach und nicht von mündlicher Übermittlung... ich habe mich aus solchen Gesprächen ja herauszuhalten... dachte die Rotkastige ähnlich: "Nun... vielleicht könnte deine Gefährtin sich um das Mahl kümmern… genug Vorräte müssen da sein… einkaufen, was noch fehlt. Ich werde die Kommandanten für Vieraugengespräche aufsuchen... dann hören sie am Besten zu." Ein wirklich guterVorschlag, der die Zustimmung meines Herrn fand, bei dem mir aber auch sofort klar war, wer sich um die Planungen für dieses Essen kümmern wird... doch mal abwarten.

Toll an der letzten Nacht vor der Aktion gegen den Norden war übrigens dieAnsage meines Herrn: "Arya, du schläfst bis auf weiteres hier auf meinem Fell! Sobald 89 einen Namen bekommen hat, wird sie imSklavenkäfig übernachten!" Hach, ich kann gar nicht sagen, wie glücklich ich nach diesen Worten war, zumal er die Kajira zuvor in der Küchenecke trotz seiner ganzen Aufmerksamkeit der letzten Tage nicht weiter beachtet hatte. Ich schlief jedenfalls fantastisch und etwas länger, da mein Herr mich beim Aufstehen nicht geweckt hatte, packte wegen der bevorstehenden Kämpfe schnell noch diverses Verbandszeug zusammen, Seile und was sonst noch gebraucht wurde und machte mich dann auf die Suche nach meinem Herrn.

Ich traf ihn vor dem großen Stadttor. "Ahh... tal Arya!" begrüßte er mich lächelnd, während mir sofort schreckliche Eifersucht wie ein dicker Kloß in den Hals kroch, weil 89 ihre großen Brüste an ihn drückte. Mehr als nur einen knappen Gruß brachte ich einfach nicht zustande, ergänzte unsicher dann aber: "...wenn du mit 89 fertig bist, mein Herr, und sie sich mit ihrem dicken Busen nicht mehr dich lehnt, würde ich gerne deine Füße küssen, falls du dies dann noch wünschst." Natürlich ist es mir wichtig, meinen Herrn zu erfreuen, doch es tat echt weh zu sehen, dass das rothaarige Miststück ihn erfreuen durfte, die er jetzt aber zur Seite schob.

Schnell drückte ich nun doch meine Lippen auf seine Sandalen... allerdings deutlich kürzer als sonst. Doch das war ihm offensichtlich egal. Mit Genugtuung bemerkte ich, dass er seine Neue brummend mit eindeutigem Fingerzeig auf ihren Platz hinter mir verwies. Meine Angst, meinen Herrn bei der belnendschen Aktion womöglich nicht begleiten zu dürfen, war übrigens überflüssig. "Arya, gerade du als meine Kettenerste musst mit!" Das gab mir weiteren Auftrieb und außerdem disqualifizierte sich das rothaarige Ding gerade selbst... mitdenken war anscheinend nicht ihre Sache. 

Angeblich hatte sie bei einem Talunastamm gelebt, aber keine Ahnung, dass man Reiseproviant braucht? Um Fenris hatte sie sich entgegen meiner Anweisung am Vortag auch nicht gekümmert… sie hatte es wohl vornehmlich als ihre Aufgabe angesehen dafür zu sorgen, dass mein Herr sich am Stadttor nicht langweilte. Allerdings befolgte sie meine Befehle nun eilig und sehr bemüht. Kaum war sie weg, wollte mein Herr jedoch wissen: „Arya, bist du etwa eifersüchtig auf 89?“ Ich bejahte seine Frage, denn es stimmte und ich bin immer ehrlich. 

Hach, es war einfach wundervoll von starken Kriegerarmen so herrlich besitzergreifend und eng an meinen schmunzelnden Herrn gezogen zu werden. Bei seinen Worten bekam ich ganz weiche Knie: „Du bist meine Arya, meine Kettenerste… und bleibst es.“ Doch viel zu schnell war dieser schöne Moment leider vorbei… 89 tauchte nämlich mit dem Reiseproviant auf und die Abreise zu dieser belnendschen Racheaktion drängte.