Sonntag, 27. Januar 2013

Schlechte Laune

…hatte mein Leihherr am nächsten Morgen beim Aufwachen… angeblich wegen kalter Füße. Schuld dafür bekam natürlich ich, was aber selbstverständlich überhaupt nicht sein konnte! Denn wenn ich bei meiner Körpergröße noch Luft bekommen, d.h. oben meine Nase unter dem Fell hervor strecken wollte, so musste ich so weit hochrutschen, dass sich meine Füße bestenfalls auf Höhe der Waden meines vorübergehenden Herrn befanden. Ich kam also überhaupt nicht in dem Bereich an, wo er vermutlich selbst das Fell von seinen Füßen weggestrampelt hatte!! Außerdem mag ich es, meine Füße gegen seine Unterschenkel zu stellen, damit sie schön warm bleiben und rühr mit ihnen also bestimmt nicht herum. Aber egal, eine Sklavin muss auch mit Willkür umzugehen lernen. Leider gab es an diesem Morgen deswegen jedoch keine Frühstücks-Vorspeise in den Fellen.^^

Trotzdem besserte sich seine Laune auch ohne zum Glück ziemlich schnell, denn er wurde unten im Schankraum der Herberge von den Anwesenden Freien an ihren Tisch gebeten und musste sich nicht wieder aus Höflichkeit separat setzen. Vielleicht gefiel ihm auch, dass die Zeugmeisterin von Jorts seinen Namen sehr klangvoll fand oder weil sie ihn mit ihren schönen Augen lächelnd voller Interesse danach fragte, wie er denn meine Herrin dazu gebracht hatte, sich von mir zu trennen. Diese Frage war natürlich eine große Ehre für mich, denn die Herrin tat damit kund, dass sie sich an mich als Eigentum meiner Herrin erinnerte! Wobei das bestimmt ein Zufall war und prominent bin ich sowieso nicht, auch wenn mein vorübergehender Herr dies im Spaß erwähnte, während er der Herrin erläuterte, warum ich zurzeit in seinem Besitz bin.

Ich hatte einfach nur mal wieder Glück gehabt, dass seine Wahl auf mich gefallen war. Immer wenn er im Auftrag meiner Herrin unterwegs ist, bedient er sich nämlich an ihrer Kette… nur zur Reiseunterhaltung und in diesen kalten Regionen besonders als Heizung in den Fellen.^^ Ich war also lediglich ein Teil der Bezahlung meiner Herrin an ihn, liebe es aber natürlich seine Reiseunterhaltung und Fellheizung zu sein… insbesondere nach der unendlich langen Zeit in der Einsamkeit auf dem Landsitz meiner Herrin. Nur schade, dass er nicht viel öfter für sie unterwegs ist bzw. mich nicht immer mitnimmt. Aber ich will nicht undankbar sein… auch nicht, wenn ich als Kaltefüßeverursacherin beschuldigt werde! ;-)

Während ich dann für alle Freien warme Getränke bereiten musste, bekam ich logischerweise nur Bruchstücke davon mit, was so alles besprochen wurde. Es ging wohl um den Zuwachs an freien Frauen in Jorts seit dem letzten Besuch meines Leihherrn vor etlichen Monden. Wobei es nach meinem Geschmack gerne mehr Herren sein könnten… aber dafür interessierte selbstverständlich niemand. Die Herrschaften besprachen auch, ob und von wem die neue Heilerin Ärztin genannt werden darf, denn sie favorisiert anscheinend, als Heilerin bezeichnet zu werden. Jedenfalls hat sie sich sehr diplomatisch aus der Affäre gezogen und niemanden brüskiert.

Wobei der Herr Hauptmann offensichtlich die Nase voll von Diplomatie hat… insbesondere von einer ganz bestimmten Diplomatin bzw. unfähigen Schreiberin, die ihm mit ihrem fehlenden Wissen über Militärangelegenheiten wohl ziemlich auf den Geist gegangen war und dann auch noch gefordert hatte, wie sie ihren Tee gerührt haben möchte. Ich schien daher tatsächlich bei ihm gepunktet zu haben, als ich der Schreiberin von Jorts ihren Tee mit Honig servierte… oder bekam die neue Heilerin-Ärztin den Tee? Egal, wichtig für den Hauptmann war dabei jedenfalls, dass ich nicht erwähnt hatte, in welche Richtung ich das heiße Getränk umgerührt hatte. Falls es links rum gewesen wäre, hätte er wohl mit Gegenständen um sich geschmissen… zumindest drohte er sowas an.^^

Leider erinnerte sich mein Leihherr bei der Diskussion über einen Sleen und meinen Überlegungen, wie ich verhindern wollte, in der Nacht von ihm gefressen zu werden daran, dass der dritte Tag unseres Aufenthalts von Jorts fast zu Ende war. Er meinte, dass ich mir auf dem Schiff keine Sorgen mehr über Sleens zu machen brauche und wollte also tatsächlich abreisen. Mir blieb daher leider nichts übrig, als unsere wenigen Sachen zu packen und die dicken Sachen wieder anzuziehen… einschließlich der klobigen Stiefel, bevor es wieder hinaus in die Kälte mit dem grässlichen Schnee ging. Ganz besonders achtete ich natürlich auf das kleine Schmuckstück, für das ich mich bei meinem Leihherrn selbstverständlich zwar sofort ganz lieb bedankt hatte, aber mangels passender Gelegenheit immer noch nicht so „richtig“. Die Gelegenheit dafür gab es dann aber auf dem Schiff! ;-)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen