Dienstag, 29. Januar 2013

Zwischenstopp in Lydius

Nun ging es doch nicht gleich zum Landsitz meiner Herrin. Nein, mein vorübergehender Herr machte noch einen kurzen Abstecher nach Lydius. Als wir das Vosk-Delta verlassen hatten und das Schiff nordwestlichen Kurs aufnahm, schwante mir eigentlich schon das Schlimmste… nämlich weitere Kälte und womöglich noch mehr Schnee als in Jorts Fähre. Denn von früheren Besuchen in Lydius wusste ich noch gut, wie weit diese Hafenstadt im Norden liegt… am Rand der nördlichen Wälder, dort wo der Laurius in die Thassa mündet. Glücklicherweise verlief die Schiffsreise dorthin über das offene Meer wenigstens ohne weitere Zwischenfälle und vor allem bei wenig Seegang, sodass ich von Seekrankheit verschont blieb. 
 
Mit freudiger Überraschung registrierte ich, wie erstaunlich milde das Klima in Lydius trotz seiner nördlichen Lage war… nicht eine Schneeflocke zu sehen und von Schnee keine Spur… im Gegenteil, alles war grün! Nach der Seereise immer noch recht winterlich und warm gekleidet kam ich daher in meinem dicken Umhang, den grässlichen Stiefeln und den liebestötenden langen Unterhosen bald ins Schwitzen. Doch mein Leihherr hatte schnell ein Einsehen mit mir. Gleich nachdem wir im Gasthaus angekommen waren, streifte er selbst ebenfalls seinen warmen Umhang von den Schultern und erlaubte auch mir, meine dicken Sachen auszuziehen… sogar die Stiefel, die ich ja nicht nur wegen der Kälte, sondern auch aus erzieherischen Gründen hatte tragen müssen.Zur besseren Lüftung stellte ich sie vorsorglich lieber vor! die Tür des Hauses. ;-)
 
 
Erstaunlich fand ich irgendwie, dass mein Leihherr bei diesen warmen Temperaturen wie immer Kalda, also sein Lieblingsgetränk bestellte, das ich ihm nach einer kurzen freundlichen Einweisung durch den örtlichen Sklavenhändler in der Küche des Gasthauses sogar selbst zubereiten durfte. Schon im zweiten Anlauf fand ich dann auch einen passablen Becher für den heißen, verdünnten Wein. Sicherheitshalber wusch ich das Trinkgefäß aber trotzdem noch kurz ab… man weiß ja nie!^^ Den ersten Becher, der mir in dieser unbekannten Küche in die Finger kam, hatte ich nämlich mangels hygienischer Eignung einfach zur Seite geschoben, da er meiner kritischen Begutachtung nicht standgehalten hatte. Doch das war von niemandem weiter registriert worden, auch nicht, dass ich mich im Gegensatz zu den örtlichen Kajirae, nicht mit langen komplizierten Gefäßprüfungen aufgehalten habe, sondern mich dabei einfach auf meine guten Augen verlassen habe, sodass mein Herr recht schnell in den Genuss seines Kaldas kam.
 
Bei der Zubereitung keimte mir dann ein Gedanke, warum er möglicherweise ein heißes Getränk bevorzugte. Vielleicht hatte er sich auf der doch ein wenig unkomfortablen Schiffsreise einige Schulter- und Nackenverspannungen zugezogen, die er nun mit innerer Wärme zu lösen gedachte… zumal er ja am gleichen Abend noch weiterreisen wollte? Egal, dachte ich bei mir, gekochter Kalda hin oder her, eine Rotseidene braucht keinen weiteren Grund, um ihren Herrn ein wenig zu verwöhnen und von möglichen Verspannungen zu befreien. Ich rutschte daher ohne lange zu fragen einfach dicht hinter ihn, um mit meinen sanften Händen zart seine Schultern zu massieren. Während er sich dabei angeregt mit dem Herrn Sklavenhändler unterhielt, konnte ich recht schnell seinen zufriedenen Äußerungen mir gegenüber entnehmen, wie sehr ihm mein Tun zusagte. :-))
 
Die Erfolge des Herrn aus Lydius in der Ausbildung und Erziehung von Sklavinnen, insbesondere Barbarinnen waren übrigens sehr erstaunlich… 99iger waren ihm anscheinend noch nie untergekommen und er betonte, nur Ware von ausgezeichneter Qualität zu verkaufen. Die Äußerungen meines Leihherrn über die viele minderwertige Ware, die meiner Herrin in der Vergangenheit schon verkauft worden und bestenfalls als Sleen-, Tarn- oder Fischfutter zu verwenden gewesen war, aber nicht mal ansatzweise als Qualitätsware, konnte er überhaupt nicht nachvollziehen. Da meine Herrin diesen erfolgreichen Freien während ihres Aufenthaltes vor einigen Monden in Lydius nie angetroffen hatte, wird sie an solchen Informationen bestimmt sehr interessiert sein… da bin ich mir ziemlich sicher.
 
Doch erst einmal mussten wir natürlich zu ihr zurückreisen. Die Abfahrtszeit unseres Schiffes hatte mein vorübergehender Herr bereits beim Kapitän erfragt, sodass es recht frühzeitig am Abend zum Hafen ging. Meine Schuhe standen erstaunlicherweise immer noch vor dem Gasthaus… es hatte sich (leider)^^ niemand irrtümlich an ihnen vergriffen. Doch diesmal musste ich sie nicht wieder anziehen und nahm sie zusammen mit dem hineingestopften Liebestöter nur in die Hand, denn die Abendluft in Lydius war ebenfalls recht milde. ;-)

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