Freitag, 8. Februar 2013

In Ungnade

Als meine Herrin sich nach einem kleinen Spaziergang zu dem Herrn Hauptmann gesellte, bewachte dieser anscheinend schon wieder den Marktplatz… plauderte aber nebenbei mit seiner Kajira darüber, normalem Badewasser doch den Vorzug vor Sklaventunke zu geben. Das war das Stichwort für meine Herrin, ihn schmunzelnd darauf hinzuweisen, dass manchmal die Tunke besser ist, weil sie nämlich von „gewissen Problemen“ befreit… z.B. wenn man zu lange auf einem Schiff unterwegs war. Ich ließ mir mein Erstaunen über ihre Worte und ihre Kenntnisse über „gewisse Probleme“ natürlich nicht anmerken, dachte mir aber meinen Teil, denn sie ist ja auf ihren vielen Reisen sehr oft auf Schiffen. ;-)
 
Noch erstaunlicher war dann jedoch, dass der Hauptmann meiner Herrin das fast saubere Badewasser anpries, dem er offensichtlich gerade entstiegen war. Für mich klang es so, als ob er meiner Herrin sein Badewasser quasi als zweiten Gang anbot, da er ja angeblich nur leicht schmutzig gewesen war. Na, das konnte ich mir ehrlich gesagt nicht ganz vorstellen, denn er hatte zuvor am Waffentraining der Rarii teilgenommen! Außerdem nahm ich an, dass da jede Menge kleine Kintradims drin herumschwimmen würden. Zumindest kenn ich das so von allen Herren, denen ich schon im Bad dienen durfte. Doch Asma stellte natürlich schnell klar, dass sie selbstverständlich das Wasser abgelassen hatte.
 
Zum Thema Ungeziefer tat der Hauptmann noch kund, dass es ihm nicht genehm wäre, wenn Asmas Haare geschoren werden müssten, weil er da so gerne durchwuschelt. Und das Argument meiner Herrin, notfalls könne er sich ja andere Haare zum Wuscheln suchen, war für ihn absolut keine Alternative. Er hatte nämlich schon einmal sehr schlechte Erfahrungen mit der Kajira eines anderen Herrn gemacht… allerdings nicht mit dem Mädchen, sondern mit ihrem Besitzer. Der hatte doch tatsächlich nicht gestattet, dass seine Sklavin den Herrn Hauptmann mit Suppe bediente. Von anderen Diensten war gar nicht die Rede gewesen. Dieser Herr schien sein Eigentum wie eine Glucke zu bewachen. :-(
 
Wie gut, dass meine Herrin da eine andere Auffassung vertritt, denn sonst wäre ich nach den vielen Jahren in ihrem Besitz vermutlich schon so vertrocknet wie sie.^^ Wobei sie selbst sich auch nicht zu schade ist, notfalls Speisen und Getränke zu servieren, wenn mal keine Kajira zur Verfügung steht. Sie bot dem Hauptmann daher an, er darf ihr gerne Bescheid geben, wenn er mal wieder Suppe und einen Löffel brauchen sollte, aber leider die Hände voll hat. Sie würde ihm dann sogar das Wasser reichen und nicht nur die Suppe. :-) Irgendwie bin ich mir sehr sicher, dieses Angebot wird er sich gut merken!
 
Es ergab sich noch eine kleine Hausbesichtigung, falls meine Herrin sich in Jorts niederlassen würde. Wobei sie diesbezüglich erst einmal abegwunken hat und keine Umstände machen wollte. Ich merkte ihr sofort an, wie beschämt sie war und schnell jedes weitere Gespräch über ihren Heimstein abwimmelte. Sie war einfach noch zu sehr verletzt und die bereits angeforderten genaueren Informationen hatten sie noch nicht erreicht. Außerdem ist sie in dem Gästehaus ja sehr gut untergebracht und ich mag einfach die gelbe Laterne über dem Eingang. So weiß ich immer, dass es die richtige Haustür ist.^^ Leider verlaufe ich mich nämlich nach wie vor leicht in den engen Gassen von Jorts mit den vielen gleich aussehenden Häusern.
 
Als das Gespräch dann auf Belnend kam und die Gerüchte über diesen Ort wegen der doch recht häufigen Überfälle, verplapperte ich mich leider etwas… aber mit keinerlei bösen oder ehrenrührigen Absichten. Ehrlich wie ich ja immer bin, gab ich nämlich von mir, dass es dort nicht so schlimm gewesen war, wie von dem Herrn Händler vorher angekündigt und meine Herrin nur ein einziges Mal in Fesseln auf dem Marktplatz gelegen hatte. Grrrrr… meine Herrin wurde ziemlich sauer auf mich.
 
Die nächste Nacht muss ich deswegen nun unten vor der Haustür schlafen... wegen der kalten Nächte allerdings zum Glück innen. Ohne ein weiteres Widerwort, denn das hätte alles nur noch schlimmer gemacht, zog ich es vor, mich bei ihr für ihr Einsehen auf welcher Seite der Tür mein Schlafplatz liegen durfte zu bedanken und verkrümmelte mich schnell nach unten, nachdem ich ihr eine angenehme Nacht gewünscht hatte. Mit dem Grummeln darüber fing ich schlauerweise auch lieber erst an, als ich außer Hörweite war und mich unten bereits in eines der weichen Felle eingerollt hatte, die zum Glück vor der Tür liegen. :-)

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