Freitag, 15. Februar 2013

Pfeffer

Nun hat sie sich doch wieder breitschlagen lassen! Damit meine ich meine Herrin, die seit ihren Reisen immer wieder bekundet hat, derzeit absolut kein Interesse an neuen Kajirae zu haben, was ja wirklich auch wenig Sinn machen würde. Viel lieber würde sie ihren vielen Hobbies frönen und vielleicht Blumen züchten. Doch der Händler von Jorts hat ihr nach ahnlanger Honigumdenbartschmiererei letztendlich doch wieder eine aufs Auge gedrückt. Meine Herrin ist einfach zu gutmütig. Und dann ausgerechnet auch noch eine Entlaufene!
 
Na gut, falls ihr Herr noch auftauchen sollte, erübrigen sich weitere Ausbildung und Erziehung, denn Ware mit durchschnittenen Sehnen ist eh nur noch als Fischfutter zu gebrauchen. Mal sehn, wie sie sich macht. Zumindest für die Nachrichten, die meine Herrin zurzeit besonders interessieren, war sie schon mal nicht zu gebrauchen und auch sonst bin ich eher skeptisch bei der. Aber vielleicht irre ich mich auch und wir entdecken noch Qualitäten in ihr?
 
Wenigstens brauchte meine Herrin nicht lange zu warten, bis sie dann doch die schreckliche Bestätigung ihrer schlimmsten Befürchtungen erfuhr, da der Herr Hauptmann von Kasra, neuerdings Kommandant, höchstpersönlich Jorts einen Besuch abstattete, um irgendwelche Schieflagen wieder gerade zu rücken, die im Zusammenhang mit kriegerischen Machenschaften im Voskdelta entstanden waren.
 
Reden konnte er ja schon immer und ein Charmeur ist er auch immer noch, so wie er meine Herrin diesmal wieder begrüßte, die sich wegen ihrer schlimmen Vorahnungen ein Lächeln ins Gesicht zwingen musste, um wenigstens die Form bei der höflichen Begrüßung zu wahren. Ich glaube, sie ahnte schon, dass sich die unfassbaren Gerüchte aus Kasra bestätigen würden. Ziemlich blass um die Nase hüllte sie sich lieber erst einmal in Schweigen und ließ andere reden. Außer der Zeugmeisterin waren nämlich nur Rari zugegen und darunter etliche aus Kasra wegen der vorgenannten Schieflagen.
 
 
Leider verfehlte der Extralöffel Honig in die Milch meiner Herrin, mit dem ich ihre traurigen Gedanken und schrecklichen Vorahnungen vertreiben wollte, seine beabsichtigte Wirkung bei ihr, denn ich erntete dafür nur einen warnenden Blick. Dem jetzigen Kommandanten von Kasra gegenüber zu sitzen, war für meine Herrin jedenfalls nicht einfach. Wobei eine Information zumindest für ein klitzekleines Zwischenhoch bei ihr sorgte. Kasra hatte inzwischen immerhin kapiert, wie gut man beraten ist, gewisse weibliche, diplomatische Exemplare vom Heimstein zu entfernen und als zukünftige Verhandlungspartner strikt abzulehnen.
 
Das Thema Frauen in wichtigen Positionen war dann für die Zeugmeisterin das Stichwort, sich nun doch nach der Richtigkeit des seltsamen Gerüchts zu erkundigen, das mittlerweile auch in Jorts kursierte und das nach ihrer Auffassung wider die natürliche Ordnung ging. Ich glaube, für meine Herrin war dies zu einer Art Alptraum geworden. Kasra soll nämlich angeblich eine Regentin auf Lebenszeit haben.
 
Erstaunlicherweise bestätigte der Kommandant jedoch das Schreckliche mit dem Erfolg, dass ich befürchtete, meine Herrin würde in Ohnmacht fallen oder sich gleich einen Finger brechen, so sehr wie sie sich verkrampfte und dabei in ihrem Entsetzen auch noch ihre Milch verschüttete. Doch was ist schon ein Milchfleck gegen eine solch unfassbare Wahrheit!
 
Hinter dem Ganzen steckte der Rat, d.h. die Bürger Kasras. Ein Rat, der sich auf Antrag der blauen Kaste selbst abgesetzt hatte, um einer Frau die alleinige Herrschaft zu übertragen und das auch noch auf Lebenszeit. Eine Ernennung, die mit der einer Ubara nicht zu vergleichen ist, die man nach Beendigung des Kriegszustands wieder loswerden kann… absolut unfassbar für meine arme Herrin!!! Ich denke, das Zusammenkommen dieser Marionettentruppe von Rat zu besonderen Zwecken ist da doch eher als eine Alibi-Seifenblase einzustufen, die schneller verpufft als man sie sehen kann.
 
Leider wurde es dann noch viel unglaublicher, als der oberste Krieger Kasras mit Schulterzucken auch noch kundtat, dass die Wahl dieser Frau von Wissenden gesegnet worden war!!! Wobei er dazu noch ergänzte, er wisse nicht, was die höchste aller Kasten dafür bekommen hatte. Doch Kasras Männer scheinen sich mit diesem Zustand arrangiert zu haben. Allen voran der Kommandant, der seinerzeit noch sehr massiv gegen die Wahl dieser Regentin mobil gemacht hatte und zum Umsturz bereit gewesen war.
 
Nun war er zufrieden mit dem Umstand, den Gefährten dieser Herrscherin auf Lebenszeit zu befehligen und bildete sich tatsächlich ein, er hätte damit Einfluss auf die hohe Lady. Hoffentlich ist ihm klar, dass eine Gefährtenschaft nicht auf Lebenszeit gilt. Welch ein Glück für mich, dass meine gemurmelten Gedanken über goreanisches Urgestein, das zu Staub verpufft ist, außer meiner Herrin niemand gehört hat. Das hätte andernfalls sehr böse für mich enden können. Aber egal, was hat mich der Kommandant von Kasra zu interessieren, der ja nur zu seinem Schwur auf den Heimstein dieser Stadt steht?
 
Zumindest hatte er Verständnis für die Erschütterung meiner Herrin, die immer noch einem Heimstein angehört, der nicht mehr zu ihrem goreanischen Weltbild passt. Er weiß, welch eine große Verfechterin der Demokratie und des Ratswesens sie immer gewesen war und noch ist und verabschiedete sich mit dem Hinweis, Erschütterungen sind am besten aufrecht stehend hinzunehmen, damit man sie besser ausgleichen kann.
 
Er hat jedenfalls seine Wahl getroffen, nämlich den Willen der Bürger Kasras hinzunehmen und sich damit zu arrangieren. Andernfalls hätte er da bleiben müssen, wo der Pfeffer wächst, meinte er. Welch ein eigenartiger Entschluss für einen Rarius in den Augen der Zeugmeisterin, die sehr nachdenklich anmerkte, dass er zuvor noch gegen die Machenschaften eines Mannes am Vosk gewettert hatte, jedoch sang und klanglos die Diktatur einer Frau hinnimmt. Er ist wohl auch nur ein Krieger, der nur seine Arbeit macht.
 
Meine arme Herrin! Ich hoffe zutiefst, sie verkraftet diesen schweren Schicksalsschlag! Merkwürdigerweise sprach sie erst vor einigen Tagen davon, dass sie nicht nur Blumen züchten möchte, sondern auch Pfeffer aussäen will.

Kommentare:

  1. Luc sagt:

    Bröselurgestein ist immerhin noch viiiieeel besser als Bröselkeks!

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  2. ...grinst frech und zwinkert dem Bröselurgestein mal zu ;-))

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