Dienstag, 12. Februar 2013

Verspekuliert?

Ich muss zugeben, dass ich vor der Tür nicht schlecht geschlafen habe und vor allem sehr lange. Das Fell, in dem ich mich eingerollt hatte, war wirklich schön warm und kuschelig gewesen, auch wenn es bei weitem natürlich nicht so gemütlich war, wie wenn ich mich nachts an meine Herrin oder noch besser an einen Herrn schmiegen darf. Doch solche Privilegien sind für mich natürlich eher ein Seltenheit… leider!^^ Dennoch hatte ich fantastisch geschlafen und konnte mich auch nur schwer aus meinem wundervollen Traum herauswuseln, als mein Unterbewusstsein Schritte registrierte, kombiniert mit dem leisen Rascheln kostbarer Roben.
 
Zuerst noch leicht irritiert, dann jedoch etwas erschrocken schlug ich meine Augen auf und erblickte genau vor meiner Nase die grässlichen, altmodischen Treter meiner Herrin, die sie immer so absolut zeitlos und modeneutral findet. Ohje, ich hatte verschlafen! Schnell warf ich das Fell von mir, um meine Herrin angemessen zu begrüßen, denn ich wollte sie ja nicht schon wieder verärgern und trotz weichem Fell möglichst keine weitere Nacht vor der Tür verbringen. Daher erzählte ich ihr auch lieber keine Einzelheiten meines erregenden Traums… solche Details interessieren sie sowieso nicht und würde sie vermutlich auch gar nicht verstehen ;-), als ehrbare Freie ohne Gefährten und jegliche Erfahrung in den Fellen!!
 
Es war für mich also erst einmal „Schönwetter machen“ bei meiner Herrin angesagt. Was bot sich da besser an als ihre geliebte heiße Milch mit Honig? Wobei ich mir über die Honigmenge noch nicht ganz schlüssig war, denn die variiere ich gelegentlich, je nachdem wie gut oder schlecht meine Herrin drauf ist oder ob ich sie besonders milde stimmen möchte. Die Honigdosierung hat also sehr oft etwas mit Eigennutz zu tun. Gestern jedoch hatte ich mich diesbezüglich noch gar nicht entschlossen, als meine Herrin die Gaststube bereits wieder verließ.
 
Sie hatte nämlich noch nicht einmal Platz genommen und ich die anwesenden Herrschaften noch nicht gegrüßt wie es sich gehört, als sie bereits von dem jortsschen Händler angesprochen wurde. Er machte einen leicht gestressten Eindruck auf mich. Aber da täuschte ich mich womöglich. Vielleicht fehlte ihm einfach nur eine Rückenlehne, denn Shani, die ihm ja von hinten immer ziemlich auf die Pelle rückt, war nirgends zu sehen!^^
 
Nein, das war natürlich Quatsch. Es stellte sich heraus, dass er unter typischen Symptomen der „Reisekajiraeundkeinslaveristdakrankheit“ litt. Offensichtlich hatte er ständig irgendwelche entlaufenen Kajirae an den Hacken, bei denen die Eigentumsverhältnisse nicht geklärt waren. Komisch, ich hatte schon mal Gerüchte gehört, dass er früher ganz anders gewesen sein soll und sich nicht ungerne um solche Ware gekümmert hat. Aber das waren nur Gerüchte… oder kommt der Herr Händler etwa in die Jahre? Auf jeden Fall schien ihn der Umstand mit den vielen Reisekajirae nun zu belasten, denn der Sklavenhändler von Jorts ist wohl schon einige Zeit in Geschäften unterwegs und daher nicht an seinem Heimstein.
 
Aus diesem Grund bat der Händler meine Herrin um ein Gespräch, das wegen etwas mehr Ungestörtheit auf dem Marktplatz stattfand. Ich folgte ihr selbstverständlich nach draußen und vertagte die Milchkochpläne daher bis auf weiteres, damit sie keine kalte Milch trinken musste. In Anbetracht des verwaisten Sklavenhauses fragte der Herr nun meine Herrin, ob sie während ihres Aufenthaltes in Jorts bereit wäre, sich um die Stadtkette zu kümmern. Meine Herrin war darüber natürlich sehr erstaunt. Auf ihre vorsichtige Rückfrage stellte sich dann jedoch schnell heraus, dass dies noch nichts Offizielles, sondern ein anscheinend recht spontaner Entschluss des Händlers gewesen war, den er vorher weder mit dem ortsansässigen Sklavenhändler noch mit dem Rat abgestimmt hatte.
 
Meine Herrin wurde daher natürlich vorsichtiger in ihren Äußerungen, da es für sie mit Sicherheit das Allerletzte wäre, einem ortsansässigen Kastenbruder in seine Geschäfte hinein zu pfuschen, wobei von pfuschen natürlich auch keine Rede war. Besonders auf diesen Sklavenhändler hält sie nämlich sehr große Stücke, da sie ihn schon seit vielen Jahren kennt und wirklich schätzt. Seit einiger Zeit bin ich mir allerdings nicht mehr sicher, ob meine Herrin wirklich noch Interesse am Sklavengeschäft hat… während ihrer Reisen zumindest definitiv nicht. Sie hat außerdem so viel Geld damit in der Vergangenheit verdient, dass die Vermutung durchaus naheliegt, sie könnte es sich auch leisten, sich nur noch ihren diversen Hobbies zu widmen… und damit meine ich jetzt nicht, heiße Milch mit Honig zu trinken!^^
 
Doch dem Händler schien die Stadtkettenangelegenheit wirklich wichtig zu sein, denn er schickte mich nun in die Herberge, um die Gefährtin des Sklavenhändlers zu dieser Unterredung hinzu zu bitten. Ich vermutete, er erhoffte sich von der Herrin Näheres über die Rückkehr ihres Gefährten zu erfahren. Damit lag ich tatsächlich richtig, denn die Herrin teilte mit, sie erwarte ihren Gefährten noch innerhalb dieser Hand zurück. Mit dieser Auskunft nahm ich eigentlich an, dass nun der richtige Zeitpunkt gekommen sei, um meiner Herrin ihre Milch zu kochen, doch der Herr Händler war mit dem Thema anscheinend noch nicht durch, sondern fragte die Herrin nun noch, ob ihr Gefährte gedenke, nach seiner Rückkehr die Verantwortung für die Stadtsklaven wieder zu übernehmen.
 
 
Ich traute meinen Ohren kaum und glaubte nicht richtig gehört zu haben. Die Herrin kam mir auch ziemlich pikiert vor über diese doch recht anmaßende Frage. Sie entgegnete jedenfalls mit finsterem Blick lediglich, wenn der Herr Händler ein Problem mit dem Sklavenhändler habe, möge er ihn selbst ansprechen. Er sei nur ihr Gefährte und nicht ihr Eigentum! Oho, da hatte sich wohl jemand etwas verspekuliert, denn ich glaube mit einer solchen Antwort hatte der Händler wohl nicht gerechnet.;-) Im Gegenteil, ich vermute er wollte für den Fall der Fälle vorbereitet sein und spontan in Erfahrung bringen, ob meine Herrin möglicherweise überhaupt bereit wäre, die Stadtkette zu übernehmen… vielleicht ein wenig zu spontan?
 
Meiner Herrin war die ganze Situation natürlich äußerst unangenehm, denn sie verabschiedete sich recht schnell von den Herrschaften ((sie musste leider off :-()), allerdings nicht ohne den dezenten Hinweis auf eine stadtinterne Klärung zu geben, ob überhaupt ein Problem vorliegt. Selbstverständlich wird sie dieses Gespräch einfach erst einmal vergessen! :-)

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