Dienstag, 12. März 2013

Die vertrocknete Turmsklavin

Eigentlich fing der Tag gar nicht so schlecht an. Damit meine Herrin es nach dem Aufstehen schön warm hatte, musste ich allerdings das Feuer selber schüren, denn Lora war nirgends zu sehen. Ein neugieriger Blick durchs Fenster zeigte mir, dass die Blumen meiner Herrin bestens wuchsen und gediehen. Sie hatten unsere kurze Abwesenheit schadlos überstanden und waren nicht wieder irgendwelchem Vandalismus zum Opfer gefallen. Mir fielen jedoch ungewöhnliche Geräusche auf, die sich in das übliche Vogelgezwitscher mischten und mich veranlassten, vor die Tür zu gehen. Mit großer Freude stellte ich fest, die Viecher des Bauern waren auf den benachbarten Hof zurück getrieben worden und das offensichtlich ohne eine einzige Blume anzuknabbern oder gar platt zu trampeln. ;-)
 
Meine Herrin war ebenfalls sehr zufrieden, insbesondere weil nun bei Bedarf auch frischer Dünger zur Verfügung steht. Wobei ich zum Düngen vorerst keine Notwendigkeit sehe, so gut wie alles derzeit wächst. Besonders auffällig finde ich übrigens die Ranken an der Hauswand, denen man beim Sprießen fast zuschauen kann. Nur wissen wir immer noch nicht, was das für ein Zeugs ist… Unkraut, Kalana oder etwas ganz anderes? Es bleibt also spannend, auch wenn meine Herrin mich in Gedanken schon in einem Fass beim Stampfen von Kalana-Trauben sieht. Komisch, ich hatte da eher Überlegungen, die Trauben zum Essen zu ernten und nicht mit meinen Füßen zu zermatschen, sondern lieber zwischen meinen Zähnen^^. Aber wie gesagt, noch bleibt abzuwarten, was da überhaupt wächst.
 
 
Ich machte auf dem Weg zur Herberge noch einen kleinen Umweg, um in meiner Funktion als Brauereiaushilfskajira bei den Schätzchen des Brauers nach dem Rechten zu sehen. Das war schnell erledigt, denn die Kupferkessel blitzten mich in ihrer ganzen Pracht an, warteten nur leider immer noch auf die Rückkehr ihres Besitzers. Während ich mich dann mit der Zubereitung und dem Servieren der Honigmilch für meine Herrin in der wieder gut besuchten Gaststube nützlich machte, lauschte ich auf die Gespräche der Freien über Bäder, Zwangstunken, unter- und wieder auftauchende Städte, Heimsteine, ob es sich im Bett von Goldtarns umrahmt besser stirbt als mit dem Schwert in der Hand auf dem Schlachtfeld und, und, und.
 
Der Lederarbeiter scheint sich tatsächlich zum Bleiben entschlossen zu haben und hat offensichtlich sogar schon ein Haus angemietet. Allerdings kann er seinem Handwerk wohl noch nicht nachgehen, da ihm bislang niemand die angebotene Werkstatt in der Feste gezeigt hat. Der Hauptmann machte zwar erneut Andeutungen darüber, bekam jedoch seinen Hintern wieder nicht hoch. Wobei es den Lederhandwerker zurzeit aber wohl sowieso nicht nach Arbeit gelüstet, sondern eher nach Freizeit und demnächst anscheinend nach einem Bad. Er schien von dem Angebot der Kriegerbauernkajira ihm beim Baden behilflich zu sein jedenfalls äußerst angetan und ermahnte sie sogar noch zwinkernd, es nicht zu vergessen, als sie mit ihrem Herrn die Gaststube verließ.
 
 
Da meine Herrin sich irgendwann von Shani ausführlich berichten ließ, wie recht oder schlecht Lora sich die letzten Tage geschlagen hatte und auf welche dämliche Idee ein Freier gekommen war, indem er ausgerechnet ein Mädchen von weißer Seide zum Tanzen aufforderte :-((, war es dann an mir, für Paganachschub im Becher des Lederarbeiters zu sorgen. Das Gedächtnis dieses Herrn scheint übrigens nicht gerade das Beste zu sein. Vielleicht war es aber auch bereits von Paga umnebelt? Denn er erkundigte sich tatsächlich erneut nach meinem Namen, hatte mich allerdings aber auch einige Tage nicht gesehen, während meine Herrin auf ihrem Landsitz weilte.
 
Nun gut, sich Namen zu merken ist für manche Menschen vielleicht nicht einfach, aber sich an mich dann als „die vertrocknete Turmsklavin“ zu erinnern, nach einer so wilden Nacht mit mir in der letzten Hand im Schlafsaal der Herberge, machte mich dann echt sauer. Ich und vertrocknet? Natürlich nicht, da bin ich mir gaaaaanz sicher!^^ Der Mistkerl wollte mich auf den Arm nehmen!! Pahh, auch wenn ich ihn durchschaut hatte und eine Kajira mit der Willkür Freier leben muss, konnte mir dennoch nicht verkneifen, ihn ziemlich empört anzufunkeln und leicht schnippisch zu fragen, ob er lieber von einer weniger vertrockneten Kajira bedient werden möchte. Dann hätte er nämlich sehr lange auf sein Getränk warten müssen, da keine andere zur Verfügung stand.;-)
 
Anscheinend fürchtete er nun aber wirklich um seinen nächsten Paga, denn er schwenkte auf einmal ein und behauptete anzüglich schmunzelnd das Gegenteil. Sehr schlau von ihm, so kam er doch noch in den Genuss eines weiteren Pagas mit rotseidenem Serve und ich eine kleine Kostprobe seiner sanften Finger, da die Aufmerksamkeit meiner Herrin immer noch der Stadtkettensklavin galt.

1 Kommentar:

  1. das mit der "vertrockneten Turmsklavin" kann ich auch nicht verstehen!



    Wieso Turmsklavin ?

    /me grinst und duckt sich schnell

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