Mittwoch, 27. März 2013

Quasselstrippe

Meine Herrin war leider immer noch unpässlich und ich glaube, das Einquartieren der Schätzware unten in ihrem Haus war ihr noch überhaupt nicht aufgefallen. Aber wie hätte das auch geschehen sollen, wenn sie ihre Felle nicht verließ. Trotzdem war es einfach an der Zeit, meiner Herrin zumindest eine kleine Zwischeninfo darüber zu geben. Doch vorher sauste ich schnell noch nach unten, um die Neue an ihre Aufgabe bei dem Lederarbeiter zu erinnern. Ich hatte nämlich die Befürchtung, ihre Schüchternheit könnte wieder Oberhand gewinnen und lag damit auch wohl nicht so ganz verkehrt.^^
 
Nachdem ich meine Herrin einigermaßen über mein Tun informiert hatte, bemerkte ich, dass ihr schon wieder die Augen zufielen und schlich mich daher ganz leise aus dem Haus, um sie nicht weiter zu stören. Ich wollte vor allem den Händler darüber unterrichten, dass aus seiner Besprechung mit meiner Herrin vorerst nichts werden würde. Doch ich war noch nicht mal den Hügel zum Marktplatz halb hinauf, als ich von weitem einen stattlichen Herrn mit herrlich roten Haaren in die Gasse vor der Herberge abbiegen sah. Das konnte nur der Herr Brauereibesitzer gewesen sein! Nix wie hin, denn ich musste ihm doch noch von meinen Verkäufen erzählen, insbesondere von dem Verkauf des Ladenhütermets und mich auch erkundigen, ob meine Pflege seiner Schätzchen zu seiner vollsten Zufriedenheit gewesen ist.
 
Vor seiner Tür angekommen, kamen mir dann doch ein paar Zweifel an meinem Tun. Vielleicht war er müde nach der Reise und hatte gar keinen Nerv darauf, meine Erlebnisse als Brauereiaushilfskajira mit den verkauften Fässern zu hören? Dementsprechend zaghaft fiel auch mein Anklopfen aus und dem Erfolg, nichts rührte sich. Meine Zweifel wurden logischerweise zwar größer, aber ich klopfte trotzdem noch einmal… diesmal sogar etwas lauter. Wenn der Herr keine Zeit für meinen Bericht hätte, würde er mir das bestimmt sagen. Sagte er dann aber nicht, nachdem er nun doch seine Haustür geöffnet hatte und kam sogar heraus.
 
 
Wow… was für ein stattlicher Herr! Wobei ich gar nicht soooo klein bin, denn er schummelte ein wenig mit seiner Länge und stellte sich für mich ungünstig einfach seitlich vom Weg auf die erhöhte Rasenfläche, um meinen Bericht anzuhören. Nebeneffekt war jedoch, dass ich mir das Knien sparen konnte, denn ich reichte mit meiner Nase sowieso nur bis zu seinem Bauch und musste meinen Kopf ziemlich in den Nacken legen, um den Herrn ansehen zu können… besonders seine roten Haare hatten es mir ja schon vor seiner Reise bei seinem Besuch im Haus meiner Herrin angetan. Aber damals trug er einen Umhang mit Kapuze und lange Ärmel glaube ich, sodass weder seine interessanten Haare so richtig zu sehen waren, noch die Bemalungen seiner Haut.
 
Selbstverständlich versuchte ich den Herrn vor mir nicht die ganze Zeit fasziniert anzustarren und begann daher zur Ablenkung schnell mit meinem Brauereiaushilfskajirabericht. Ok… ich gebe zu, ich habe ihn weiter in Augenschein genommen, aber möglichst unauffällig, und ihm gleichzeitig fast ein Ohr abgequatscht mit meiner Sabbelei, die ihm aber anscheinend zu gefallen schien, so wie er immer wieder schmunzelte. Besonders erfreut war er natürlich, sein Ladenhüterfass losgeworden zu sein, denn wer trinkt schon Met in Jorts…niemand! Leider musste ich ihm auch erzählen, dass der Wirt Jorts inzwischen verlassen hatte und dass ich nicht wusste, ob der Herr vor seiner recht überstürzten Abreise das Geld für die verkauften Fässer in die Stadtkasse gezahlt hatte.
 
Meine Erleichterung war einigermaßen groß, dass den Brauereibesitzer dieser Umstand nicht weiter zu stören schien, denn ihm waren bereits Gerüchte darüber zu Ohren gekommen, wo sich der Wirt inzwischen niedergelassen hat. Sein Geld war also wohl noch nicht wirklich weg, wenn es nicht in der Kasse von Jorts war. Ich gestehe, auch wenn Eitelkeit keiner Kajira gut zu Gesicht steht, ging mir die Zufriedenheit des Herrn über meine Dienste runter wie Öl, besonders als er mir ankündigte, mich vielleicht gelegentlich erneut ausleihen zu wollen… vor allem zum Fassrollen, da er manchmal mit seinem Rücken zu tun hat und sich dann nicht so bücken kann. Klar, kein Wunder eigentlich bei der Länge des Herrn… da ist Bücken schon etwas anstrengender als aus meiner Höhe... aber Fassrollen??? Ich versuchte mir meine "Begeisterung" nicht anmerken zu lassen. Mir kam natürlich sogleich eine ganz andere Idee, wie ich ihn seinen Rücken vergessen lassen könnte und gleichzeitig in Erfahrung bringe, ob seine Haut am ganzen Körper so bemalt ist. Aber gut, das musste erst einmal warten.^^
 
Leider musste ich meine Quasselei eh einstellen, da der Herr sich nun endgültig seiner Arbeit zuwenden wollte. Außerdem stand immer noch die Information des Händlers über die verschobene Besprechung mit meiner Herrin an. Zum Glück fand ich ihn bei einem Paga auf der Terrasse und konnte mein Anliegen sogleich vortragen. Besonders begeistert schien er nicht darüber zu sein, vor allem weil kurz darauf der Herr von der Schätzware eintraf... übrigens war die Haut dieses Herrn ebenfalls bemalt.^^ Leider konnte der Fremde jedoch wegen der Unpässlichkeit meiner Herrin noch nichts Näheres über den Wert seiner Sklavin erfahren, war aber merkwürdigerweise sehr angetan, als der Herr Händler die ungewöhnlich große Schüchternheit der Schätzware erwähnte. Er meinte merkwürdigerweise sogar, dies würde ihren Wert noch steigern… aber ich muss ja nicht alle Gedankengänge eines Freien verstehen. ;-)
 
 

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