Mittwoch, 20. März 2013

Weitere Überfälle

Nee…diesmal tatsächlich Besucher!
 
Der Schreck von dem Überfall und dem scharfen Schwert an meinem Hals steckte mir immer noch in den Knochen. Sämtliche guten Vorsätze, immer zuerst durchs Küchenfenster zu schauen, bevor ich die Tür öffne, zerplatzten wie eine Seifenblase, als es unten schon wieder an der Tür klopfte und ließen mich ängstlich stammeln: „Oh je, ich geh nicht nach unten!“
 
Meine Herrin war da weitaus abgebrühter… tat so als sei das überhaupt kein Problem. Aber sie hatte ja auch nicht den kalten Stahl an ihrer Kehle spüren müssen und öffnete diesmal tatsächlich selbst die Tür. Allerdings grummelte sie mich vorher noch an, ich solle mir gut überlegen, wie ich klar kommen will, wenn sie entführt wird. Zu diesen Überlegungen hatte ich jedoch überhaupt keine Zeit, da ich damit beschäftigt war, mich unter ihrem dicken Schlaffell zu verstecken. Eine doofe Idee, denn ich bekam so nicht mal mit, wer unten geklopft hatte und ob meine Herrin inzwischen entführt worden oder noch da war. Ich krabbelte also schließlich aus meinem Versteck wieder hervor, um zu lauschen, ob mit ihr noch alles in Ordnung ist.
 
War es anscheinend, denn ich hörte den freundlichen Plauderton meiner Herrin und eine nicht weniger freundliche, mir vage bekannte, tiefere Stimme von unten, die irgendeine Nachricht überbrachte. Logisch also, dass ich vorsichtig näher an die Treppenöffnung rutschte, um nähere Informationen über den Besucher zu erhalten. Leider schob ich mich, um besser verstehen zu können, offensichtlich zu nahe heran. Ohne dass ich wusste wie mir geschah, rutschte ich plötzlich die steilen Stufen hinab und landete ziemlich unwirsch auf meinem Po. Na toll, ausgerechnet wenn meine Herrin mal netten Besuch von einem Herrn bekommt, bin ich erstens nicht gleich zum Öffnen an der Tür und tauche zweitens dann auch noch auf diese überaus peinliche, total unelegante Art und Weise in seinem Blickfeld auf.
 
Wenigstens hatte ich mir nichts gebrochen und die blauen Flecke würden wenn überhaupt hoffentlich erst am nächsten Tag sichtbar werden. Dass dieser Sturz wehgetan hatte, verkniff ich mir vorsorglich zu erwähnen, denn so wie meine Herrin mich anschaute, erwartete ich von ihr sowieso kein Bedauern und erntete auch nur einen abfälligen Kommentar über meine Angst und dass ich als Beschützerin nicht geeignet bin. Klar, warum sollte sie mich auch bemitleiden? Leider konnte sich der Herr eine leicht abfällige Bemerkung über mein reichlich ungewöhnliches Auftauchen ebenfalls nicht verkneifen. Tja, es war echt nicht einfach, sich den Schmerz zu verkneifen, gleichzeitig zuckersüß zu lächeln und mich dem Herrn ein wenig zu präsentieren.
 
Trotzdem schien er von mir angetan zu sein und meinte sogar, eine solche Beschützerin wie ich fehle ihm. Das Verleihangebot meiner Herrin kam ihm daher sehr entgegen, denn das war eigentlich sein Hauptgrund für den Besuch bei meiner Herrin gewesen. Er benötigt allerdings keinen Schutz, sondern als Schreibunkundiger Hilfe für irgendwelche Einkaufslisten und das Malen eines Türschilds. Irgendwie fühlte ich mich geschmeichelt, dass er dafür ausgerechnet zu meiner Herrin kam… allerdings nur kurz. Anscheinend hatte er wohl ursprünglich Hilfe von anderer Seite in Erwägung gezogen, tat diesen Plan jedoch auf die erstaunte Rückfrage meiner Herrin mit der Äußerung ab, dass er Männer, die ihre Sklavin auf Händen tragen, nicht ein zweites Mal fragt.
 
Einzig die Bemerkung meiner Herrin über meinen Tintenverbrauch irritierte ihn noch ein wenig, denn er fürchtete wohl um seinen Geldbeutel wenn ich auch noch Tinte nasche. Pah, ich nasche doch keine Tinte! Leider gab meine Herrin peinlicherweise bereitwillig Auskunft. Ich wäre am liebsten im Boden versunken, denn es war mir tatsächlich passiert, aber nur EIN EINZIGES MAL, dass ich mich beim Schreiben eines sehr verhassten Protokolls irgendwie mit Tinte beschmiert hatte. Sozusagen von alleine oder vor Konzentration hatte ich mir ganz in Gedanken die Feder in den Mund gesteckt… mit dem Erfolg einer gruselig verfärbten Zunge. Aber gut, dieses kleine Missgeschick war dann letztendlich doch kein Hinderungsgrund, mich am nächsten Tag für ein bis zwei Ahn auszuleihen.
 
Leider konnte ich mich dem Herrn dann gar nicht so richtig widmen wie ich wollte… mit dem Rücken zu meiner Herrin gibt es ja durchaus die eine oder andere Möglichkeit ein wenig Sklavenfeuer zu zeigen… als ich von ihr auch schon ermahnt wurde, dass ich nur servieren soll und sonst nichts. Sie wollte mich nämlich nach draußen scheuchen, weil dort angeblich schon wieder jemand an ihrem Fenster vorbeigelaufen war. Ich glaube sie äußerte etwas von „Kopf gerade rücken“ oder „Ängste abbauen“ oder so. Immerhin konnte ich dem Herrn noch einen kleinen Ausblick auf meinen Po bieten, den ich besonders weit hervor streckte, weil ich erst mal aus dem Küchenfenster schauen wollte und dafür auf die Kommode krabbeln musste… allerdings bin ich mir nicht sicher, ob er diese Möglichkeit überhaupt wahrgenommen hat.
 
Vor der Tür stellte ich dann fest, dass meine Herrin tatsächlich recht hatte mit weiteren Überfällen… ähmm… weiteren Besuchern. Ein Kartograph und seine Fastgefährtin wünschten meine Herrin zu sprechen. Wobei meine Herrin zumindest anfangs wohl eher den Eindruck hatte, der Herr wollte sie verhören, belehren und sich in ihre Kastenarbeit eimischen. Doch das lag dem freundlichen, allerdings leicht tüdeligen Herrn wirklich fern. Er war anscheinend reichlich durcheinander wegen der in wenigen Tagen bevorstehenden Gefährtenschaft mit seiner Begleiterin und verwechselte sogar seinen Herkunftsort Turia mit Ar.
 
 
Nun gut, sein Vorhaben war bestimmt nett gemeint. Es ging den Herrschaften irgendwie um die Stadtkettensklavin, maximale Gewinne, physische und psychische Probleme, Heilerbesuche, Landsitzaufenthalte, Ausbildung, unterschiedliches Verhalten, vermeintlich interessante Beobachtungen mit oder ohne Bestätigung durch eine Kajira… eigentlich aber um sehr wenig wirklich Konkretes… zumindest hörte ich das nicht heraus. Wobei sich die Herrschaften ja auch mit meiner Herrin unterhielten, die immerhin die Besitz- und sonstigen Verhältnisse klarstellen konnte… hoffe ich jedenfalls^^… und dass sie nicht erst seit gestern Sklavenhändlerin ist. ;-)

Kommentare:

  1. Soso, nur EINMAL ist dir das mit der Tinte passiert.
    Ich habe da ja Gerüchte gehört das du häufiger mal mit Tinte beschmiert herum läufst wenn du Protokolle schreiben solltest.

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    1. hmmm.... kann ich mich gar nicht dran erinnern. Aber ich habe ja auch ALLES verdrängt, was mit deinem früheren Wohnort zu tun hatte meine liebe Herrin ;-)

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