Freitag, 12. April 2013

Powärmer

Meine Herrin hatte noch einige Dinge im Haus zu tun, bei denen ich ihr nicht helfen konnte, sodass ich mich als Vorhut schon mal Richtung Marktplatz aufmachte und mir außerdem in Ruhe auch noch den Baufortschritt der neuen Häuser anschauen konnte. Mit meiner Herrin zusammen klappt das meistens nicht, da sie es ja immer sehr eilig hat und ich zusehen muss, hinterher zu kommen. Die Handwerker waren in den letzten Tagen wieder ziemlich fleißig gewesen, denn die Neubauten sahen aus, als wären sie demnächst sogar schon bezugsfertig. Ich bin daher immer gespannter, wer dort einziehen wird.
 
Nach meiner Baubesichtigung schlenderte ich langsam weiter. Im Gegensatz zu dem Lederarbeiter, der mir vor dem Haus des Hauptmanns mit forschen Schritten auf dem Weg zur Fähre entgegen kam, hatte ich es nicht besonders eilig, da die Milchgelüste meiner Herrin bestimmt noch etwas auf sich warten lassen würden, so beschäftigt wie sie war. Mit Erstaunen und auch ein wenig Enttäuschung sah ich, dass er einen großen Rucksack auf den Schultern hatte. Mir kamen sofort Befürchtungen, er würde Jorts nach dem Streit mit dem arroganten Schmied den Rücken kehren wollen, doch zu meiner Erleichterung ging es nur um das Schwert, das er sich jetzt woanders beschaffen musste. Mir blieb leider nur, ihm eine gute Reise mit gesunder Rückkehr zu wünschen und ihm dann ein wenig wehmütig hinterherzuschauen.
 
Auf dem Markt kam ich dann schnell von meinen leicht trübsinnigen Gedanken ab, da der Händler gerade dabei war, die passenden Fliesen für seine Kajira auszusuchen. Der Baumeister hatte dafür diverse Muster vor der Brüstung der Terrasse zur Ansicht ausgestellt. Wobei ich das ganze Tamtam das der Händler da veranstaltete, anfangs überhaupt nicht verstand. Warum müssen die Fliesen zu seiner Kajira passen? Welcher normal veranlagte goreanische Mann hat noch Augen für Kacheln, wenn ihm eine heißblütige Rotseidene beim Baden dient und das ganze Drumherum vergessen lässt, denn auf ihre Rundungen wollte er die Fliesen ja wohl nicht kleben? Egal, ein weiteres Mal kam ich zu dem Schluss, dass ich nicht alles verstehen muss und sprang schnell zur Seite, als der Herr bei seinen ganzen Peilungen mir mit seinen riesigen, bestimmt 15 Hort^^ langen Sandalen fast auf die Füße trat und dann die Sicht versperrte… also die auf die Kacheln, denn seinen Rücken hatte ich in Großformat. ;-)
 
Ich wurde aufgeklärt, dass es sich um eine Fliesenauswahl für das Bad handelte, da anscheinend doch noch keine endgültige Entscheidung für rote gefallen war. Die Kajira des Baumeisters belehrte mich dann freundlich, dass das Umfeld im Bad nicht unbedeutend ist und eine Sklavin nur wenig nützt, wenn das Bad ungemütlich und kalt ist. Aha, wieder etwas gelernt, aber man lernt sowieso nie aus, denn ich erfuhr auch noch, was man außerdem mit den Fliesen machen konnte… allerdings konnte ich mir den Fachausdruck dafür nicht merken. Es war etwas mit Hypo und Sturm und hatte mit warmer Luft von einem Feuer zu tun, wodurch der Boden erwärmt wird, sodass derjenige der unten liegt keinen kalten Po und Rücken bekommt, wenn aus dem Badevergnügen irgendwelche anderen Sachen entstehen… also wenn die Kacheln doch nicht so wichtig sind und so. Ich denke „Powärmer“ drückt diese baumeisterliche Höchstleistung eigentlich ziemlich gut aus.
 
 
Mittlerweile war meine Herrin ebenfalls aufgetaucht, die allerdings wie nicht anders zu erwarten die Musterkacheln nicht mal gesehen hatte und gleich weiter auf die Terrasse geprescht war, sodass ich ihr natürlich meine neuesten Erkenntnisse brühwarm erzählen musste. Zum Glück half der Baumeister mit einer qualifizierten Erklärung und nannte auch den Fachausdruck Hypokaustum... mein Goreanisch ist leider immer noch nicht gut genug für solche Kompliziertheiten.^^ Wobei es mich enorm beruhigte, dass meine Herrin davon auch noch nie gehört hatte und prompt noch einmal nachfragte „Hypowie?“, da sie kein auch nur ähnliches Wort kannte… und sie ist immerhin Goreanerin!
 
Komischerweise dachte meine Herrin nach der freundlichen Erklärung des Baumeisters über Hohlräume unter Fliesen, die mit heißer Luft von einer Feuerstelle beheizt werden, damit der Boden nicht kalt ist, an warme Füße!! Naja, sie ist eben eine ehrbare Trockenpf… ähmm… freie Frau! :-))
 

1 Kommentar:

  1. Zugegebenermaßen ist ein Hypokaustum keine Erfindung goreanischer Baumeister, sondern die römischer.
    Falls Interesse an der Geschichte/Technik der Powärmer besteht:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hypokaustum

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