Sonntag, 7. April 2013

Vor langer Zeit auf Gor (2)

Ein schlimmer Fehler
Der Kommandant von Samanu war ein wirklich beeindruckender Rarius, der mich mit seiner goreanischen Art sofort in seinen Bann zog. Einen solchen Mann hatte ich zuvor noch nie kennengelernt. Er war äußerst streng und anspruchsvoll, schaffte es aber ganz schnell mein Kajiraherz wild klopfen zu lassen, wenn ich ihn nur sah und ließ mich alle meine Fluchtgedanken komplett vergessen. Ich konnte mein Glück kaum fassen, als er mit mir eines Tages den weiten Weg in die Tahari auf sich nahm, denn ich gefiel ihm so sehr, dass er mich besitzen wollte. Mein ganzes Flehen und Betteln hätte meinen Vorbesitzer bestimmt nicht erweicht, denn warum sollte ein Goreaner auf seine unbedeutende Kajira hören und sie verkaufen? Doch die unheimlich hohe Summe von mehreren Gold konnte er dann nicht ablehnen. So wurde ich Eigentum des Kommandanten, einem Krieger, bei dem mein Sklavenfeuer jeden Tag noch heller loderte als je zuvor. Leider geschah jedoch nach wenigen Monden ein ganz furchtbares Unglück.
Nachdem ich eines Morgens sehr früh zum Markt von Samanu aufgebrochen war, um als Kettenerste für den recht großen Haushalt meines Herrn Nachschub an frischen Lebensmittel einzukaufen, brach in seinem Haus ein grässliches Feuer aus. Ich bekam bei meinen Einkäufen davon zuerst gar nichts mit und konnte selbst dann auch kaum glauben, was geschehen war, als alle Einwohner Samanus zum Löschen gerufen wurden. Der schreckliche Brand muss sich so rasant ausgebreitet haben, dass leider niemand der Hausinsassen überlebte. Mein Herr, sein Sohn und meine beiden Kettenschwestern wurden vermutlich von den giftigen Rauchgasen im Schlaf überrascht und müssen ohnmächtig geworden sein, sodass alle erstickten und einen grauenvollen Flammentod starben. Niemand der vielen, leider viel zu spät herbeigeeilten Helfer konnte noch verhindern, dass das Haus des Kommandanten von Samanu komplett herunterbrannte.
Mit diesem Unglück war mein Schicksal erneut besiegelt. Nur durch einen Zufall hatte ich als Einzige diese schreckliche Brandkatastrophe überlebt und wäre wieder an der Stadtkette gelandet, wenn ich nicht das furchtbare Ereignis ohne lange zu überlegen tatsächlich zur Flucht von dieser Insel genutzt hätte. Ich wollte nur noch weg von diesem grausigen Planeten, auf dem ich schon so viel Leid erfahren hatte. Für mich war meine Gorwelt endgültig zusammengebrochen. In panischer Kopflosigkeit und Verzweiflung erinnerte ich mich nun an ein Schiff im Hafen, das mir während meines Marktbesuches aufgefallen war. Aus dem emsigen Beladen mit allerlei Waren hatte ich geschlossen, dass es demnächst vermutlich auslaufen würde. Zusätzlich hatte ich Wortfetzen eines Gesprächs zwischen dem Kapitän und einem der Händler aufschnappen können, die mir im Nachhinein meine Vermutung bestätigten. Diesem Schiff galt jetzt mein ganzes Augenmerk.
Ohne noch lange zu zögern ließ ich meine Einkäufe an der Brandstelle einfach stehen und sauste unbemerkt zurück zum Hafen. In dem durch das Unglück verursachten Gewusel achtete einfach niemand auf eine einzelne Sklavin. Es liefen nämlich immer noch alle aufgeregt durcheinander und versuchten die qualmenden Überreste meines Zuhauses zu löschen, auch wenn es eigentlich nichts mehr zu löschen gab. Mein Plan war nun, zuerst einmal Samanu zu verlassen, um vor allem der strengen Slaverin und ihrer Stadtkette zu entkommen. Alles Weitere würde sich danach schon ergeben... dachte ich jedenfalls. Wobei ich mir inzwischen sehr sicher bin, dass ich überhaupt nicht gedacht habe und es vermutlich auch nicht konnte, so geschockt wie ich war. Immerhin war ich aber schlau genug, eine Weile hinter den gestapelten Warenkisten eines großen Verkaufsstands auszuharren, um das Schiff mit wild klopfendem Herzen erst einmal ausgiebig und zum Glück unerkannt zu beobachten.
Trotz meiner Kopflosigkeit war mir durchaus klar, wie wichtig es ist, einen geeigneten Moment abzupassen, um mich heimlich an Bord zu schleichen. Als die Seeleute dann vor dem Auslaufen offensichtlich noch ein letztes Mal die Taverne aufsuchten, nutzte ich diese perfekte Chance. Immer wieder schaute ich mich nervös um und rechnete jederzeit mit Entdeckung, hatte mir aber nicht einmal eine passende Ausrede für diesen Fall zurechtgelegt. Soweit hatte ich wiederum nicht geplant. Doch ich hatte Glück und es gelang mir tatsächlich unbemerkt an Bord zu gelangen. Ich schlüpfte durch die noch offen stehende Ladeluke und suchte mir tief unten in der letzten Ecke des dunklen Laderaums zwischen Kisten und Säcken ein einigermaßen sicheres Versteck. Dort wartete ich mit vor Angst fast zerspringendem Herzen auf das Auslaufen des Schiffes und weinte mich nach den schrecklichen Erlebnissen dieses ereignisreichen Tages schließlich in einen tiefen Schlaf der Erschöpfung.
Ohne jedes Zeitgefühl wurde ich irgendwann von heftigsten Schiffsbewegungen geweckt. Das Schiff knarzte und ächzte bei jeder stampfenden Bewegung. Zusätzlich hörte ich ein unheimliches Heulen und Jaulen aus der Takelage, das nicht gerade zum Abbau der in mir aufsteigenden Angst beitrug, auch wenn ich solche Geräusche vom Segeln auf der Erde durchaus einzuordnen wusste. Zusätzlich war es so stockfinster in dem jetzt muffig riechenden Laderaum, dass ich nicht einmal die Hand vor meinen Augen erkennen konnte. So gewaltig wie die offensichtlich sehr hohen Wellen mit dem Schiff zukehr gingen, mussten wir anscheinend inzwischen nicht nur die offene Thassa erreicht haben, sondern zusätzlich auch noch in einen heftigen Sturm geraten sein.
Ängstlich kauerte ich weiter in meinem Versteck und versuchte durch tiefes Ein- und Ausatmen tapfer gegen die aufkommende Übelkeit anzukämpfen. Da ich wusste, dass die Psyche bei Seekrankheit eine ganz erhebliche Rolle spielt, versuchte ich mich damit zu beruhigen, dass Kapitän und Steuermann bestimmt genau wissen was zu tun ist. Gleichzeitig bemühte ich mich zur Ablenkung gegen meinen revoltierenden Magen an etwas Schönes zu denken, was mir jedoch überhaupt nicht gelingen wollte. Meine inzwischen wieder ununterbrochen um das schreckliche Unglück kreisenden Erinnerungen und meine Verzweiflung über die erneute Herrenlosigkeit waren so übermächtig und allgegenwärtig, dass ich meine traurigen Gedanken einfach nicht in den Griff bekam und meine Tränen nun wieder in Strömen fließen ließ.
Leider hatte ich bei meiner überstürzten Flucht total versäumt, mir auch nur einen einzigen Gedanken um Proviant und vor allem Wasser zu machen. Alle Einkäufe hatte ich in meiner Panik schusseligerweise einfach an der Brandstelle stehen lassen. Aber seekrank wie ich war, war Hunger sowieso kein Problem. Und selbst wenn, ich hätte meinen knurrenden Magen noch eine Weile problemlos ertragen können und mich danach einfach aus den Sa-Tarna-Säcken verpflegt, hinter denen ich mich versteckte, denn der ekelige, allerdings nahrhafte Sklavenbrei wird aus nichts anderem gemacht. Nein, mein Problem war Durst, ganz schrecklicher Durst… so wie damals, als ich nach einem Überfall auf meinen Herrn schwer verletzt in der Tahari zusammengebrochen war und fast gestorben wäre, wenn mich die Sklavenhändlerin von Sand Sleen nicht zufällig am nächsten Tag gefunden und gerettet hätte.
Meine Gedanken kreisten daher ununterbrochen um Wasser und ließen mich nicht mehr los, zumal es auf einem Schiff logischerweise auch noch ständig gluckst. Das einzige Wasser im Laderaum stammte jedoch leider aus der Bilge und schmeckte nicht nur ekelhaft moderig, sondern vor allem ziemlich salzig und war damit absolut ungenießbar. Mir blieb nichts anderes übrig, als gegen meine Seekrankheit ankämpfend schließlich bei heftigsten Schiffsbewegungen durch den dunklen Schiffsbauch zur Ladeluke zu krabbeln. Auch wenn ich natürlich versuchte mich fest zu halten, kassierte ich dabei etliche blaue Flecke. Doch das war mir egal, ebenso wie meine gequetschten Finger, die mir als Krönung dieser Aktion dann die schwere Luke noch verpasste. Ich musste einfach etwas zu trinken auftreiben.
Ich hatte nämlich den Laderaumdeckel gerade mühsam einen kleinen Spalt geöffnet, um vorsichtig hinaus zu schauen, als das Schiff genau in dem Moment so stark rollte, dass der schwere Deckel wieder zuschlug und dabei leider meine Hand traf. Mit einem schmerzhaften Aufschrei fiel ich prompt den Niedergang wieder hinunter und konnte in meiner Panik nun endgültig meinen Mageninhalt nicht mehr bei mir behalten. Danach wurde mein Durst natürlich leider noch größer. Aber immerhin hatte ich bei meinem gescheiterten ersten Versuch wenigstens einen kurzen Moment hinausschauen können und wusste daher, die Gelegenheit zur Trinkwasserbeschaffung war verhältnismäßig günstig. Draußen herrschte nämlich stockfinstere Nacht. Ich hatte weder die drei Monde sehen können, noch einen einzigen Stern. Der Himmel war wolkenverhangen und es schüttete zusätzlich wie aus Eimern, sodass sich auf der Ladung an Deck bestimmt die eine oder andere Pfütze gebildet hatte, aus der ich meinen schrecklichen Durst löschen konnte.
Um nicht noch weitere Blessuren zu kassieren, war ich bei meinem zweiten Versuch den Laderaum zu verlassen entsprechend vorsichtiger und es gelang mir trotz des heftigen Seegangs tatsächlich hinaus zu schlüpfen. Auf der Hut vor Entdeckung kauerte ich mich erst einmal ganz klein zusammen und ließ meine Blicke neugierig und vor allem sehr vorsichtig übers Deck schweifen. Leider war ich wieder nicht vorsichtig genug, denn das Schiff holte im nächsten Moment so heftig über und pflügte dermaßen durch die aufgewühlte See, dass nicht nur gewaltige Wassermassen übers gesamte Deck gespült wurden, sondern ich leider mit ihnen. Ohne jeglichen Halt zu finden, schlitterte ich panisch nach Luft schnappend mitsamt einer riesigen Welle über die Planken und wurde schließlich über Bord gespült, wo ich tief in der aufgewühlten See untertauchte.
Zum Glück kann ich sehr gut schwimmen, sodass ich nach einer gefühlten Ewigkeit wieder an die Oberfläche gelangte und dort japsend nach Atem rang. Bei dem wilden Seegang und der umherfliegenden Gischt dauerte es einen Moment bis ich alles geschluckte Wasser ausgespuckt hatte und sich meine gequälten Lungen soweit erholt hatten, damit ich laut um Hilfe rufen konnte. Zusätzlich fuchtelte ich wild mit den Armen. Ich begann um mein Leben zu schwimmen, auch wenn mir sehr schnell klar wurde, dass ich verloren war, nachdem das Schiff ohne Kursänderung einfach weiter gesegelt war. Denn wer sollte mich in dieser finsteren, tosenden Sturmnacht hören oder sehen?
Leider niemand! Alles Winken und Rufen half nichts. Keiner der Seeleute hörte oder sah mich, bei den tosenden Elementen in dem Sturm eigentlich auch kein Wunder, zumal ja sowieso niemand bemerkt hatte, dass ich als blinder Passagier heimlich an Bord geschlichen war. Außerdem hatte der Steuermann vermutlich selbst genug damit zu tun, nicht ebenfalls über Bord gespült zu werden und zusätzlich auch noch das Schiff vor dem Wind zu halten. Nachdem meine schwimmende Rettung sehr schnell kleiner und kleiner geworden war, bis ich sie endgültig aus den Augen verloren hatte, wurde mir bewusst, ich war verloren und würde über kurz oder lang sterben.
Restlos entmutigt wurde mir schließlich alles egal, ich hatte mich aufgegeben und verlor ich jegliches Gefühl für Zeit. Ich erinnere auch nur noch ganz verschwommen, mich vollkommen erschöpft an ein zufällig vorbeitreibendes, großes Stück Holz geklammert zu haben, bevor mein Denken ausgesetzt haben muss. Wann der Sturm letztendlich vorüber war und wie lange ich überhaupt im Wasser um mein Leben geschwommen war, weiß ich wirklich nicht mehr. Fest an das Treibholz geklammert muss ich vor Erschöpfung schließlich wohl eingeschlafen oder sogar ohnmächtig geworden sein.
Doch die Priesterkönige hatten anscheinend ein Einsehen mit mir und ließen mich nicht sterben, denn ich kam irgendwann wieder zu mir und registrierte benommen, dass es inzwischen hell geworden war und die Sonne warm auf meinen Rücken schien. Ich schwamm nicht mehr! Mein zweiter Gedanke war immer noch Durst und galt dem Fremdkörper in meinem ausgetrockneten Mund, der offensichtlich meine Zunge war, die dick und geschwollen an meinem Gaumen festzuklebte. Leise stöhnend schlug ich nun meine salzverklebten Augen auf und bemerkte mit ungläubigem Erstaunen, dass ich an einem weißen Sandstrand angespült worden war. Das Meer hatte sich inzwischen beruhigt, sanfte Wellen plätscherten friedlich um mich herum ans Ufer. Schlagartig kamen meine Lebensgeister zurück.
Ich schaute mich fassungslos um und stellte fest, dass ich neben einer halb ins Meer gebauten Hütte angespült worden war und der Strand von einer üppigen Vegetation gesäumt wurde. Nun erst wurde mir wirklich bewusst, ich hatte tatsächlich überlebt! Aber ich musste etwas zu trinken finden. Der Gedanke an Trinken ließ mich aufstehen, denn würden Pflanzen hier so üppig wachsen können, wenn es nicht irgendwo Wasser gäbe? Hoffnung keimte in mir auf, meine Erschöpfung war auf einmal wie weggeblasen. In der Hütte fand ich leider nur allerlei Gerätschaften zum Fischfang und davor eine alte Feuerstelle. Doch etwas abseits vom Strand entdeckte ich eine kleine Süßwasserquelle, die einen schmalen Bach speiste. Eigentlich war es mehr ein Rinnsal, doch es reichte, um an Bäumen und Büschen diverse leckere Früchte und Beeren wachsen zu lassen. Mein großer Durst und auch der erste Hunger konnten also schnell gestillt werden.
Leider war meine Freude nicht von allzu langer Dauer. Ich war nämlich auf einer unbewohnten Insel gestrandet. Einzig die kleine Hütte gab mir ein wenig Hoffnung, dass hier vielleicht gelegentlich Fischer vorbeikommen. Ein Boot fand ich jedoch leider nicht. Es wurde ein sehr einsames Leben auf dieser kleiner Insel mit unendlich viel Zeit zum Nachdenken. Ich litt zwar keinen Hunger oder Durst, war aber Tag um Tag alleine. Immer wieder lief ich zum Strand, umrundete die Insel ein ums andere Mal und suchte voller Hoffnung den Horizont nach Schiffen ab, leider immer vergeblich. Vorausschauend sammelte ich jede Menge Treibholz und anderes Holz und schichtete es zu einem großen Haufen auf, um es anzuzünden, damit vorbeifahrende Fischerboote und andere Schiffe auf mich aufmerksam werden. Doch es kam einfach nicht zum Einsatz. Meine Verzweiflung wurde mit jedem einsamen Tag größer und ich immer mutloser.
Zum Glück fand ich in der Hütte auch etwas Kleidung. Es waren zwar Männerklamotten, vermutlich die eines Fischers, doch Hemd und Hose passten mir sogar einigermaßen und taten sehr gut ihren Dienst, nachdem sich meine zerschlissene Tunika allmählich in Wohlgefallen aufgelöst hatte. Tagsüber schützten sie mich gegen die sengende Sonne, abends und vor allem in den Nächten gegen die teilweise sehr empfindliche Kälte. Ich liebte es besonders, lange nach den wunderschönen Sonnenuntergängen noch einsam und alleine am Strand zu sitzen und dem sanften Plätschern der Wellen zu lauschen, während ich mich ganz schrecklich nach meinem Zuhause sehnte und weiter den Horizont nach rettenden Schiffen absuchte… leider jedoch vergeblich, bis eines Abends etwas geschah.

1 Kommentar:

  1. Spannend, Interessant und ich freu mich schon zu lesen wie es weitergeht.
    Gruss Talia

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