Freitag, 5. April 2013

Vor langer Zeit auf Gor (1)

Für meine Herrin, die es nach fast fünf Jahren immer noch mit mir und meinen Macken aushält und mir sogar die große Ehre zuteilwerden lässt, mich mit ihren geliebten, oberhässlichen, altmodischen Schuhen zu vergleichen! ;-)))
Hin- und hergerissen
Über ein Jahr war schon vergangen, dass ich auf diesem fremden Planten Gor lebte, mir allerdings immer noch nicht erklären konnte, wie ich dort hingekommen war, da mein Erinnerungsvermögen einfach für eine bestimmte Zeit ausgesetzt hatte und einfach stur ein dunkles, unerklärbares Nichts blieb. Aber ich hatte mich trotzdem inzwischen mit meinem mysteriösen Schicksal arrangiert und dachte kaum noch an die Erde zurück, wo ich mir als emanzipierte, beruflich recht erfolgreiche junge Frau solch ein Abenteuer nicht einmal in meinen kühnsten Fantasien hätte vorstellen können. Aus mir war auf Gor ziemlich schnell eine Sklavin geworden, denn ich hatte in dieser so fremden Welt nicht nur meine devote Veranlagung, sondern einfach meine wahre Bestimmung entdeckt. Es galt allerdings noch viel zu lernen… vor allem erst einmal die fremde goreanische Sprache.
Auf mein anfängliches Entsetzen darüber, in was für einer schrecklichen Welt ich mich so abrupt und unerklärlich auf einmal befand, folgte eine Zeit des Lernens mit jeder Menge emotionaler Wechselbäder durch meine ersten Herrschaften. Eigentlich war ich mir schnell sicher gewesen, bereits in Ketora bei meinem ersten Herrn ein neues, sehr schönes Zuhause gefunden zu haben. Doch ich hatte nicht mit Eifersucht und Desinteresse gerechnet und auch nicht mit unverschuldeten Umständen, sodass ich erst innerhalb Ketoras und schließlich in die Oase der vier Palmen verschenkt wurde, bis ich schließlich zu einem Nomadenkrieger, meinem zweiten Herrn in die Tahari kam. Bei ihm blühte ich förmlich auf und glaubte innerhalb kürzester Zeit die glücklichste Sklavin auf ganz Gor zu sein, denn ich hatte mich ganz schrecklich in meinen Besitzer verliebt.
Ich fühlte mich wirklich wohl bei meinem Herrn und seinem Wüstenstamm. Sonne und Hitze machten mir nicht allzu viel aus, da es mir auch auf der Erde schon eigentlich nie warm genug hatte sein können. Besonders die Abende am Lagerfeuer waren jedoch einfach unvergleichliche Erlebnisse für mich, denn ich liebte es den Erzählungen der stolzen Männer über ihre Kämpfe und Beutezüge zu lauschen, während ich Speisen und Getränke servierte. Noch mehr genoss ich es jedoch für meinen Herrn und die anderen Krieger im Schein der flackernden Feuer zu tanzen. Ich liebte das erotische Kribbeln und meinte die gierigen Blicke der Männer auf meiner nackten Haut fast körperlich zu spüren, während ich mich zum Rhythmus der Trommeln sinnlich und zugleich aufreizend vor meinem Herrn bewegte, der mich dabei mit seinen dunklen Augen fast verschlang.
Ich genoss aber auch die ahnlangen Gespräche mit meinem Liebesherrn oder einfach nur stumm hinter ihm auf einer Sanddüne oberhalb des Lagers zu knien… mit ihm gemeinsam den über der dunklen Tahariwüste wunderschön funkelnden Sternenhimmel mit den drei Monden zu betrachten… mich zärtlich an ihn zu schmiegen oder seinen verspannten Nacken mit meinen sanften Händen ein wenig durchzukneten. Eine ganz besonders große Ehre wurde es für mich, als er mich schließlich sogar zu seinem ersten Mädchen ernannte, nachdem er eine weitere Kajira an seine Kette genommen hatte, die übrigens eine ganz liebe war und sehr schnell zu meiner besten Freundin wurde.
Leider endete diese wundervolle Zeit schlagartig, nachdem mein Herr eine freie Frau kennengelernt hatte, die er zur Gefährtin nehmen wollte. Ich konnte mir überhaupt nicht erklären, warum er sich durch diese Freie so stark veränderte… alle Vertrautheit mit ihm war wie weggeblasen, als wäre ein heftiger Wüstensturm durch seine Gefühle für mich gefegt… wobei es meiner Kettenschwester nicht anders erging. Es war auch nicht mein Herr, der mir von seiner geplanten Gefährtenschaft erzählte, nein, ich glaube der ganze Nomadenstamm wusste bereits davon, nur meine Kettenschwester und ich wurden erst als Allerletzte davon in Kenntnis gesetzt und das auch nur durch einen Zufall. Natürlich war ich nur Besitz, ein Nichts, eine Kajira ohne Rechte… trotzdem brach für mich jetzt meine Gor-Welt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Es tat mir unendlich weh, meinem geliebten Herrn offensichtlich so egal oder vielmehr nur noch Luft für ihn zu sein.
Natürlich hätte ich mich darüber freuen müssen, wenn es meinem Besitzer gut geht und er glücklich und zufrieden ist. Dem war in meinem Fall aber nicht so. Ich wurde schlagartig nicht nur zur unglücklichsten, sondern auch zur eifersüchtigsten Sklavin auf ganz Gor und weinte mir tagelang meine Seele aus dem Leib, bis ich keine Tränen mehr hatte. Meine Verzweiflung wurde immer schmerzhafter und meine Eifersucht machte mir das Leben zur Hölle, quälte mich auch in der Nacht und ließ mich nur noch sehr schlecht und vor allem viel zu wenig schlafen. Eine Folge davon war, dass ich mich kaum mehr auf die mir übertragenen Aufgaben konzentrieren konnte und nur noch mit hängenden Schultern durch das Lager schlurfte, als wäre mir eine viel zu schwere Last aufgebürdet worden.
Ich lebte in meinem großen Leid fast wie in Trance und bereite die Mahlzeiten nur noch äußerst lieblos zu. Das Essen war zwar so gerade eben noch genießbar, also nicht komplett verkohlt, zerkocht oder versalzen, aber einfach nicht mehr so schmackhaft gewürzt und schon gar nicht so liebevoll zubereitet wie sonst. Es war wohl einfach ein Spiegel meiner gequälten Seele, was meinem Herrn natürlich überhaupt nicht gefiel, vor allem nicht, wenn er Gäste hatte. Ich machte ihm mit meinem Benehmen nicht gerade Ehre. Kein Wunder also, dass er mich angeblich zur weiteren Ausbildung, ich denke aber vor allem zur Strafe und damit ich ihm und seiner Gefährtin aus den Augen und aus dem Weg war, schließlich in ein sehr strenges Sklavenhaus nach Samanu schickte, einer kleinen Insel in der Thassa vor Port Kar.
Meine ersten Tage auf Samanu waren genau so schrecklich wie meine ersten in dieser fremden Gorwelt. Ich litt erneut unter furchtbarem Heimweh nach der Erde, hatte gleichzeitig aber auch wahnsinnige Sehnsucht nach meinem Herrn im Wechsel mit einer gehörigen Portion Wut auf ihn und vor allem auf seine Gefährtin. Irgendwann blieben dann allerdings von diesen aufwühlenden, zermürbenden Gefühlen nur noch Frustration und grenzenlose Wut übrig. Ich war mittlerweile obersauer auf meinen ungerechten Herrn und überhaupt genervt von dieser merkwürdigen Gegenerde. Deswegen sah ich auch eine Flucht zurück zur Erde als einzige passable Lösung für mich an. Genau wie in meiner Anfangszeit begann ich mich wieder intensiv damit zu befassen, ob ich diesen Planeten nicht doch verlassen könnte.
Meine Gedanken kreisten daher nun weniger um meinen Herrn, dafür aber fast ununterbrochen um irgendwelche abenteuerlichen Pläne und vor allem um mein Zuhause auf der Erde. Besonders schlimm wurde mein Heimweh, wenn ich wie in der Tahari abends in den Sternenhimmel zu den drei Monden schaute und mir nichts sehnlicher wünschte, als nur einen Mond zu sehen. Meine Sehnsucht nach der Erde war besonders groß, wenn ich oft auf mich alleine gestellt war, denn die Bewohner dieser kleinen Insel ließen sich nur wenig bis fast gar nicht sehen und hielten sich einschließlich ihrer Kajirae überwiegend in ihren Häusern auf. Die zwar sehr freundliche, aber äußerst strenge Sklavenhändlerin in deren Obhut ich mich befand, war mit wohlüberlegter Vorsicht zu genießen, meistens aber schwer beschäftigt und hatte daher nur wenig Zeit für mich.
Sobald ich die von ihr oder ihrer Ersten übertragenen Aufgaben erledigt hatte, nutzte ich daher jede Gelegenheit, um ausgiebig über die Insel zu streifen und für meine Flucht alles genau zu erkunden. Meine Überlegungen und Forschungen gaben meinem Gefühlsleben wieder ein wenig Auftrieb, auch wenn mir einfach kein wirklich guter Plan einfallen wollte, der einigermaßen Aussicht auf Erfolg hatte. Sämtliche Gerüchte über irgendwelche mysteriösen Raumschiffe der Priesterkönige waren einfach zu diffus, um etwas Konkretes in Angriff nehmen zu können. Dennoch setzte ich von einer inneren Unruhe getrieben, meine Streifzüge über die Insel fort. Ein Haus hatte es mir aufgrund seiner abgelegenen Lage und seines Gartens übrigens besonders angetan, sodass mich meine Wege immer wieder dort hinführten.
Es war von einer sehr hohen, blütenreichen, wundervoll duftenden Hecke umgeben und im Garten waren diverse Brettspiele aufgebaut, was ich ziemlich ungewöhnlich fand. Spiele hatten mich, übrigens auch auf der Erde schon, zwar noch nie sonderlich gereizt, aber so einen Garten hatte ich auf Gor zuvor noch nirgends gesehen. Hauptsächlich zogen mich allerdings meine Fluchtgedanken dorthin, denn das Grundstück grenzte hinter einem sehr hübschen Teepavillon direkt an die Thassa und war durch die hohe Hecke sehr gut vor ungewollten Blicken geschützt. Eine Flucht von dort erschien mir daher um einiges vielversprechender und unbeobachteter als vom Hafen aus, denn ich wollte erst einmal versuchen, diese Insel zu verlassen und vielleicht nach Port Kar zu gelangen. Dort würde ich dann weiter sehen.
Wobei mich die Gerüchte über die Besitzerin dieses Hauses wiederum sehr verunsicherten und sogar ein wenig ängstigten. Gesehen hatte ich sie zwar noch nicht, aber es hieß, sie sei noch strenger als die Sklavenhändlerin. Tja, und eines Tages passierte es dann. Ich sog mal wieder den betörenden Duft die vielen Blüten ein und lugte wie immer äußerst vorsichtig durch die Hecke, um eigentlich vor ungewollter Entdeckung gewappnet zu sein, als mich von der anderen Seite plötzlich über einem Gesichtsschleier zwei blaue Augen erstaunt musterten. Die Besitzerin der Blütenpracht befand sich genau gegenüber auf der anderen Heckenseite und hatte mich nun voll erwischt. In sehr überraschtem, aber erstaunlicherweise überaus freundlichem, fast neugierigem Tonfall, der allerdings auch jede Widerrede von vornherein unmissverständlich ausschloss, zitierte sie mich sofort zu sich in ihren Garten.
Besonders groß bin ich ja sowieso nicht, aber in diesem Moment wurde ich wohl noch etwas kleiner und kniete letztendlich leicht zitternd mit schuldbewusst gesenktem Kopf vor dem Urgestein von Samanu. Es war die Herrin Pinion. Sie baute sich in ihren dicken schwarzen, einem großen Zelt nicht unähnlichen Roben nun drohend vor mir auf und wollte wissen wer ich bin, woher ich komme, wer mein Herr ist, wo er lebt, warum ich nicht bei ihm bin und vor allem was ich ganz alleine vor ihrem Grundstück zu suchen hatte, wenn ich doch in Obhut des Sklavenhauses war und warum ich mich nicht anderweitig nützlich machte. Ich glaube, sie wollte noch viel mehr wissen, aber das habe ich mir vor lauter Aufregung nicht alles merken können.
Auf die Schnelle fiel mir als plausible Begründung für mein Auftauchen nur ein, dass ich alle mir übertragenen Aufgaben bereits erledigt hatte, was ja auch stimmte. Ich stammelte weiter, dass mich die wunderschönen Blüten in ihrer Hecke faszinierten, was ja auch einigermaßen stimmte. Ich hoffte natürlich damit ein wenig gute Stimmung bei der Herrin mit dem angsteinflößenden Ruf zu machen. Die vielen Spiele in ihrem Garten fesselten mich zwar nicht wirklich, aber ich fand sie wirklich interessant und vor allem ungewöhnlich, sodass sie eine weitere, wie ich fand logische und somit gute Begründung für meine Anwesenheit abgaben. Komischerweise schimpfte die Herrin dann überhaupt nicht mit mir. Im Gegenteil, sie schien sich über meinen Besuch und mein Interesse zu freuen und forderte mich nun freundlich auf, eines der Spiele mit ihr zu spielen.
Hatte sie mich etwa durchschaut und wollte mich nun testen? Ich weiß es nicht. Auch wenn ich wie schon gesagt nicht gerade eine Liebhaberin von Spielen bin, war mir dies in dem Moment vollkommen egal und auf jeden Fall das absolut kleinere Übel für mich. Ungeeignet für Spiele jeglicher Art wie ich nun mal bin, verlor ich natürlich haushoch, doch das war mir wirklich wurscht. Hauptsache die Herrin bekam nicht mit, dass mich eigentlich meine Fluchtgedanken zu ihrem Grundstück getrieben hatten. Die Strafe für Weglaufen kannte ich nämlich, zum Glück jedoch nicht aus eigener Erfahrung. Eine solche Bestrafung ist in der Regel äußerst heftig und kann beim ersten Mal aus einer schweren Auspeitschung bestehen. Bei einer Wiederholung ist sie quasi einem Todesurteil gleichzusetzen, denn eine Kajira mit durchschnittenen Sehnen ist zu nichts mehr nutze und somit unbrauchbar.
Es stellte sich nun heraus, dass die Herrin bald Besuch erwartete, und zwar spielbegeisterte Gäste…. Herrschaften, die die Leidenschaft der Gastgeberin teilten und dem einen oder anderen Brettspiel sehr zugetan waren. Das befreite mich zwar vor weiterem Verlieren, allerdings wurde ich nun von der Heckenbesitzerin dazu verdonnert, ihr einen Tee zu kochen… leider ausgerechnet einen Bazitee. Ich wurde ganz blass bei ihrem Wunsch und spürte sofort den dicken Kloß atemraubender Nervosität in meinem wie zugeschnürten Hals, denn ich hatte diesen Tee mit seiner wirklich komplizierten, aufwendigen Art des Servierens noch nie zuvor zubereitet, lediglich ein einziges Mal irgendwo eine Schriftrolle dazu überflogen und befürchtete nun, mir nicht alles richtig gemerkt zu haben.
Ich glaube es erübrigt sich näher zu beschreiben, dass sich meine Aufregung und Nervosität in der fremden Küche dieser strengen Herrin nicht legte, sondern sogar noch wuchs, denn ich wollte mich natürlich gerade ihr gegenüber von meiner oberallerbesten Seite zeigen und vor allem meine gute Ausbildung beweisen, auch wenn ich mir fast mein ganzes Wissen durch das Lesen von irgendwelchen Schriftrollen selbst beigebracht hatte. Eigentlich komisch, mein rotseidenes Herz schlug sonst eigentlich nur bei Herren etwas schneller, aber jetzt war es mir ganz besonders wichtig, gerade dieser Herrin zu gefallen… vielleicht wegen ihrem Ruf? Ich kann es nicht erklären, aber ich legte mich bei der Zubereitung dieses Tees so ins Zeug wie schon lange nicht mehr in meinem Sklavendasein.
Im Großen und Ganzen ist mir die Teezeremonie dann erstaunlicherweise auch einigermaßen gelungen. Ich zitterte zwar immer noch vor Nervosität wie Espenlaub, sodass die feinen, vornehmen Tassen der Herrin leise klirrten, ließ aber zum Glück keine fallen und hatte auch an die entsprechende Anzahl gedacht, einschließlich aller sonstigen Zutaten und Zubehör. Doch dann passierte mir leider ein wirklich kapitaler Fehler. Ich kam in meiner Aufregung plötzlich durcheinander und verwechselte den Wunsch für die Zukunft mit dem für die Gegenwart... oder waren es Gegenwart und Vergangenheit? Egal, es war jedenfalls ein extrem peinliches Missgeschick und das ausgerechnet auch noch vor diesem angsteinflößenden Urgestein von Samanu und ihren Gästen. Ich wäre am liebsten im Gorboden versunken.

Doch die Gäste bemerkten meinen Fehler vermutlich gar nicht oder waren höflich genug, darüber hinweg zu sehen und die angeblich so strenge Herrin war überhaupt nicht streng, sondern äußerst nachsichtig und fast mitfühlend, nachdem ich ihr gebeichtet hatte, dass mir noch nie jemand diese Zeremonie richtig erklärt hatte und worauf es dabei ankommt. Ich glaube sie sagte sinngemäß, dass Fehler einfach passieren, aber Anlass zum Lernen sein sollten, um es das nächste Mal dann besser zu machen.

Seit dieser Ehn sah ich die freundliche Herrin Pinion irgendwie mit anderen Augen... auch wenn ich sie kurz danach wieder ziemlich aus den Augen verlieren sollte… ich lief nämlich wenige Tage später auf einem meiner Erkundungsstreifzüge am Hafen dem Kommandanten von Samanu über den Weg.

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