Mittwoch, 15. Mai 2013

Bramborium um ein Siegel

Natürlich verlief ich mich mal wieder in den engen Straßen von Jorts, nachdem ich das Haus des Lederarbeiters sehr früh am Morgen verlassen hatte. Mein Orientierungssinn schlief vermutlich noch, denn ich hatte wohl insgesamt etwas zu wenig Schlaf bekommen und landete daher sonst wo, nur nicht auf dem kürzesten Weg zur Pumpe hinter dem Gasthaus, wo ich mich schnell waschen wollte, um danach dann meine in der Taverne zurückgelassene Tunika zu holen. Ich hoffe nur, niemand hat mein peinliches im Zickzack laufen gesehen, aber die Gassen waren ziemlich ausgestorben.
 
 
Mein nächster Weg führte mich in der oberklitzekleinen Hoffnung, dass meine Herrin vielleicht mit dem nächsten Schiff zurückkommt, mal wieder zum Hafen… kam sie aber nicht, sodass ich mich schließlich langsam auf den Heimweg zurück ins Dorf aufmachte, übrigens gerade rechtzeitig noch, um zumindest einen Teil der regen Diskussion auf dem Marktplatz nicht zu verpassen. Ich kniete mich ein wenig abseits, um die Herrschaften in ihrem Gespräch nicht zu stören und sperrte meine Ohren auf, während ich die fremde Sklavin eingehend musterte, die von der Kajira des Kriegerbauern aus dem Vosk gefischt worden war und der Anlass für die Aufregung unter den Freien war.
 
Mir kamen sofort irgendwelche Assoziationen über einen aufgescheuchten Vulohaufen bei den hin und her gehenden Spekulationen über die einzuhaltende Frist, wem ein Vorkaufsrecht zusteht, wer überhaupt der derzeitige Besitzer ist und natürlich auch die Seidenfarbe, bis endlich jemand auf die geniale Idee kam, auf die Gravur des Kragens zu schauen und die Sklavin zu befragen. Aber vielleicht habe ich auch einiges missverstanden, da es der Schreiberin plötzlich nach einem Tee gelüstete, sodass sie mich mit dieser Bestellung in Ermangelung ihrer eigenen Kajira leider vom Geschehen entfernte und ich daher den weiteren Werdegang nicht mehr richtig mitbekam… Sklavenschicksal eben, obwohl es ein extrem schneller Tee wurde.^^
 
 
Aber egal, die Priesterkönige schienen an diesem Tag sowieso anderes mit mir vorzuhaben, als die Befriedigung meiner die herrenlose Sklavin betreffenden Neugier. Denn kaum war ich zurück bei den immer noch diskutierenden Herrschaften, kam schon wieder etwas dazwischen… diesmal in Form des greisen Händlers, der sich bereits seit einiger Zeit von meiner Herrin ein Dokument erhoffte. Diesmal war er allerdings in Begleitung eines weiteren Fremden, der mir allerdings irgendwie unheimlich war, sich wegen seiner Blasenschwäche aber zum Glück sofort in den Wald verdrückte.
 
Meine Herrin hatte mir vor ihrer Abreise noch erzählt, worum es dem fremden Händler bei seinem Anliegen an sie ging und sich die Mühe gemacht, für ihn eine entsprechende Schriftrolle aus ihren Unterlagen herauszusuchen. Diese hatte sie mir dann gezeigt, damit ich sie ihm überreichen kann, falls er erneut anreist und sie noch nicht wieder zuhause ist. Trotzdem war ich ein wenig auf der Hut und hinterfragte die Angelegenheit kurz, um wirklich sicher zu gehen, nichts falsch verstanden zu haben. Doch dem war nicht so. Der Herr gab mir die freundliche Auskunft, dass es ihm tatsächlich nur um irgendein Schriftstück mit beliebigem Inhalt geht, Hauptsache es befindet sich das Siegel von Kasra darauf.
 
Na gut, dann sollte er es auch bekommen. Wozu aber das ganze Bramborium um ein Siegel? Keine Ahnung, es hatte sich mir bislang nicht erschlossen und blieb auch weiter unklar, doch das war mir mittlerweile egal. Eine Sklavin muss eben nicht alles verstehen. Nachdem ich im Sauseschritt zum Haus meiner Herrin geflitzt war, um die Schriftrolle mit dem platt gedrückten Wachsklumpen zu holen, traf ich den greisen Händler im Kastengespräch mit dem Händler aus Jorts an, sodass sich die Übergabe dann noch etwas hinzog, denn meine ausgestreckten Hände mit dem Dokument blieben erst einmal hartnäckig unbeachtet.
 
Dank des regelmäßigen Servierens von Getränken mit erhobenen Händen, machte das Ausharren in dieser Haltung meiner durchtrainierten Armmuskulatur jedoch nicht allzu viel aus und in Geduld muss sich eine Kajira sowieso üben können. Letztendlich ging es dem Fremden dann aber nur noch um die Bestätigung der Übergabe durch den jortsschen Händler… oder war es die Bestätigung um welches Siegel es sich handelte? Egal, ich wurde das Papier jedenfalls irgendwann doch noch los und der fremde Händler lud seinen Kastenbruder für die Gefälligkeit zu einem Paga ein.
 
Da Shani sich um die Bedienung der beiden Händler kümmerte, blieb es an mir, die anderen Herrschaften mit Getränken zu versorgen… unter anderem auch den netten Schmied aus Belnend. ;-)
 
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen