Freitag, 17. Mai 2013

Strich durch die Rechnung

Meine Herrin hatte ihr Zarspiel leider verloren und sich noch ein wenig hingelegt, sodass ich leise das Haus verließ, um sie nicht zu stören. Ich wollte nach ihrer Blumenzucht schauen und vor allem nach dem Pfeffer. Doch sie schien nicht mehr schlafen zu können und kam daher ebenfalls vor die Tür, sodass ich ihr die wie ich meinte, merkwürdig aussehenden Blätter des Pfeffers zeigen konnte. Doch da meine Herrin zuvor noch nie Pfeffer gezüchtet hatte und mir nicht sagen konnte wie die aussehen müssen, kamen wir überein, dass sie wohl so ganz richtig sind. Dann kam Besuch, nämlich die Schreiberin, die ich eigentlich ganz gut leiden kann, auch wenn sie eine Herrin ist und das Pfefferthema musste vertagt werden.

Mir gefiel eigentlich nicht besonders, dass sich meine Herrin genau in dem Moment mit ihrem Gast ins Haus zurück, als auf dem Weg etwas Rotgewandetes auftauchte, das sofort meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Doch die Interessen einer Sklavin sind natürlich nicht  weiter von Belang und meine Herrin schien davon leider nichts gesehen zu haben. Ich hoffte natürlich, dass es einer der Krieger war und lag damit tatsächlich auch nicht verkehrt. Es war der Rarius, den ich immer euchzen muss, den ich nun höflich begrüßte. Er war anscheinend nicht im Dienst und hatte zu meiner Freude offensichtlich sogar etwas Zeit für einen kleinen Klöhnschnack mit mir. Doch ich konnte natürlich nicht einfach draußen bleiben, sollte meine Herrin womöglich ihre Besucherin selbst bedienen? Selbstverständlich nicht!

Was für ein Mist, warum war ausgerechnet jetzt die Schreiberin aufgetaucht? Ich wäre so gerne noch vor der Tür geblieben, doch da hatte mir die Besucherin nun einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn es gab inzwischen mit Sicherheit Bedarf an meinen Servierdiensten. Es nützte daher leider nichts, schweren Herzens verabschiedete ich mich von dem gutaussehenden Herrn und huschte zurück ins Haus, wo meine Dienste tatsächlich schon erwartet wurden. Ich tröstete mich vorerst damit, dass ich ihn später ja vielleicht noch im Gasthaus treffen würde, erfuhr jedoch kurz darauf, dass daraus nichts werden würde. Die Schreiberin hatte den Rarius nämlich als Begleitschutz für eine sehr weite, mir unerklärliche Reise angeheuert.

Es ging dabei schon wieder um diesen blöden Wachsklecks mit Siegel und eine damit zusammenhängende Geldangelegenheit, zu der die Schreiberin nun um Beratung ersuchte. Die Herrin konnte von Glück sagen, dass ich so genau wusste, in welcher Kiste sich die ganzen Protokolle befanden, die ich seinerzeit über endlose Ratssitzungen anfertigen musste. Ach nee, ich muss anfertigen DURFTE sagen! Immerhin konnte meine Herrin ihr damit nach so langer Zeit ziemlich genau mitteilen, wann ein bestimmter Krieger der Regent ihres Heimsteins gewesen war... somit waren die Dinger doch noch für etwas gut.

Die Schreiberin hatte es nach diesen Informationen dann auf einmal ziemlich eilig, ihre weite Reise endlich anzutreten. Warum sie eine solche Mühe für eine Freie eines anderen Heimsteins auf sich nehmen wollte, der zusätzlich auch noch mit ihrem eigenen fast verfeindet oder auf jeden Fall nicht gerade freundschaftlich mit Jorts verbunden ist, kann ich nicht nachvollziehen. Aber von solchem politischen Geplänkel versteh ich ja auch nichts.

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