Donnerstag, 20. Juni 2013

Gebäude sind unwichtig, das Herz einer Stadt zählt

„Eigentlich hast du ja gar nichts angestellt“, überlegte meine Herrin nachdenklich, als die Sprache auf meine Abordnung zur Feldarbeit am Ende dieser Hand kam. Sie dachte nun tatsächlich darüber nach, mich dem großen blonden Aufseher doch nicht für 4 Hand zur Verfügung zu stellen, sondern diesmal Katy, damit der Herr mal ein wenig Abwechslung hat. Ich war hin und hergerissen zwischen Hoffnung, da ich ja wusste wie anstrengend es wieder auf den Feldern werden würde, aber auch Enttäuschung, weil ich es einfach sehr mag, diesem Herrn dienen zu dürfen. Daher warf ich schnell ein, dass Katy ja schon den Hauptmann hat, denn der lässt einfach nicht locker, sie zu erwerben.
 
Kaum war die Rede vom Hauptmann, erkundigte sich meine Herrin natürlich, ob er von uns auch gut versorgt wird, da er seit Tagen ja nun schon jede Nacht vor ihrem Haus wacht und dabei bereits eine riesige Grasfläche platt getreten hat. Sämtliche Einladungen meiner Herrin, dass er auch drinnen wachen kann oder ihre vor der Tür befindliche Bank nicht nur zum Anschauen ist, lehnte er allerdings immer dankend ab. Da aus Katy den Hauptmann betreffend mal wieder nichts herauszuholen war, fragte meine Herrin schließlich, ob es noch etwas anderes gibt, was sie wissen sollte. Sie ist nämlich immer gerne über die letzten Geschehnisse unterrichtet, bevor sie sich unter Leute begibt. Ich hatte natürlich nichts zu berichten, da ich ja versuche, auch wenn es mir nicht leicht fällt, mich bei der Haptmannversorgung wegen seines zuvor genannten, offensichtlichen Interesses zurück zu halten. Katy schüttelte ihren Kopf ebenfalls.
 
Merkwürdig war für mich dabei, wie einer Rotseidenen tatsächlich entfallen kann, dass sie einem Herrn die Oberschenkel massieren durfte. Wobei ich darüber ursprünglich eigentlich nichts verlauten lassen wollte. Denn in Anbetracht des männlichen Körperbaus, insbesondere seiner Anatomie im oberen Bereich der Oberschenkel, kann einer Sklavin wohl durchaus passieren, sich an eine angebliche Oberschenkelmassage nicht mehr zu erinnern, wenn sie denn gar keine war. Mir war schon klar, was da vor dem Haus meiner Herrin gelaufen sein musste. Aber selbstverständlich interessiert sich meine Herrin für gerade diese Details sowieso nicht. Dummerweise konnte ich mir leider mal wieder nicht verkneifen zu erwähnen, warum ein Herr logischerweise nicht mehr an Essen und Trinken denken kann, wenn eine feurige Sklavin seine „Oberschenkel“ massiert.
 
Wie nicht anders zu erwarten erntete ich von meiner Herrin auch sofort ein warnendes Schnaufen mit dem Hinweis, sie lege wie immer enorm wenig Wert darauf, dieses Thema noch weiter zu erörtern. Gleichzeitig unterstellte sie mir, dass mir die warmen Außentemperaturen offensichtlich nicht zu bekommen scheinen und erwähnte zu meinem Leidwesen den Badetag für Herrinnen. Eigentlich hatte ich die klitzekleine Hoffnung gehabt, sie würde den vielleicht vergessen. Zum Glück klopfte es genau in dieser Ehn jedoch an der Tür… das Timing des Lederarbeiters hätte in Anbetracht der in mir aufkeimenden Empfindungen wegen des Frauenbadetages eigentlich nicht perfekter sein können.
 
Kein Wunder also, dass ich mir bei seinen höflichen Begrüßungsworten an meine Herrin, er wolle nicht stören, eine etwas vorlaute Verneinung nicht verkneifen konnte, hatte ich doch Befürchtungen er würde sich möglicherweise wieder verdrücken. Wobei ich zumindest mittendrin immerhin noch versuchte, mir schnell die Hand vor den Mund zu schlagen, um wenigstens den Rest nicht mehr von mir zu geben. Es gehört sich einfach nicht für eine Kajira, anstelle ihrer Herrin zu antworten. Doch anscheinend hatte meine Herrin gar keine ernstzunehmenden Badegelüste und meinte nur großzügig, dass Katy und ich zwar sicherlich schwer enttäuscht sind, nun den Frauenbadetag zu verpassen, das aber überleben werden. Natürlich hatte sie Zeit, um sich mit dem Herrn über die Inobhutnahme von Elena zu unterhalten, weil er demnächst anscheinend auf eine längere Reise gehen will.
 
Das Gespräch der beiden Freien wurde mittendrin plötzlich durch eine Art Hilferuf einer Frauenstimme unterbrochen, worauf ich selbstverständlich sofort anbot, mal nachzuschauen was da wohl los war. Leider wurde mir dies jedoch mit dem Hinweis, meine Neugier beißt sich irgendwie mit meiner Angst vor Nordmännern und gefährlichen Waldmonstern von meiner Herrin verwehrt. Kein Wunder daher, dass nach ihrem Erwähnen meines gefährlichen Erlebnisses mit dem 36beinigen Ungeheuer im Wald nun wiederum der Lederarbeiter neugierig wurde, mir merkwürdigerweise die ausführliche Schilderung des gefährlichen Viechs jedoch irgendwie nicht glaubte und sich schließlich besorgt bei meiner Herrin erkundigte, ob ich wirklich gesund bin.
 
Menno, meine Herrin tat so, als wäre sie sich da nicht ganz sicher und meine Gesundheit sei der Grund für sie gewesen, mich mal wieder für eine lange Zeit auf die Felder zu schicken… voller Vertrauen in die großen Fähigkeiten des Aufsehers, mir meinen Kopf etwas zurecht zu rücken und meine angeblich blühende Fantasie zu bändigen. Sie meinte, harte Arbeit und viel frische Luft täten mir bestimmt gut. Während ich nun tatsächlich vorsichtshalber nichts mehr sagte, trotzdem ich mit dem gefährlichen Ungeheuer natürlich recht gehabt hatte, meinte der Lederarbeiter immerhin voller Mitgefühl, es sei schade wenn „das“ nicht wieder weg geht. Er befürchtete sogar, mein Wiederverkaufswert könnte sinken. Pahh, als ob sich jemand dafür interessieren würde, mich zu kaufen!
 
Doch nun sagte meine Herrin etwas, mit dem ich nie in meinem Kajiraleben gerechnet hatte und das mich unheimlich glücklich machte. Sie erwähnte nämlich, dass diese „Dinge“ schon seit Jahren ab und an bei mir kommen, aber auch wieder gehen und dass „dies“ eigentlich meinen besonderen Charme ausmacht!! Wow… solche Worte aus dem Mund meiner Herrin und dann auch noch in meinem Beisein… ich mochte meinen Ohren kaum trauen und nahm mir daher ganz fest vor, sie mal wieder besonders gründlich zu waschen. Übrigens, eine solche Ohrenwäsche werde ich meiner Herrin vielleicht auch angedeihen lassen, sobald ich wieder zu Hause bin.
 
Nachdem der Lederarbeiter schließlich wusste, wie er sich für die Nachbarschaftshilfe meiner Herrin erkenntlich zeigen kann und für einen Paga Richtung Herbergsterrasse verschwunden war, schaute meine Herrin mich nämlich abwartend und irgendwie traurig an. Sie war merkwürdigerweise der Meinung, ich hätte mich lustig gemacht über sie und nicht aus Freude, sondern Schadenfreude gelacht. Dabei war ich mir einer solchen Schuld wirklich nicht bewusst und konnte mir ihre Reaktion daher nur so erklären, dass sie irgendetwas vollkommen falsch verstanden haben musste. Leider erklärte sie mir jedoch nicht mehr, was es konkret gewesen war, sondern rannte ohne weitere Worte aus dem Haus und ließ mich mit einem dicken Kloß aus Betroffenheit und dem Gefühl gleich weinen zu müssen zurück.
 
Kein Wunder also, dass ich mit tief gesenktem Kopf und hängenden Schultern hinter meiner Herrin herlief, auf der Terrasse auch nur kurz die Anwesenden Herren grüßte, ohne sie wirklich wahrzunehmen und dann gleich weiter in die Küche schlurfte, um unbemerkt meine aufsteigenden Tränen noch schnell wegzuwischen und meiner Herrin wenigstens eine kleine Freude mit ihrer heißgeliebten Milch zu machen… natürlich mit einem Extralöffel Honig und zusätzlich einem kleinen Teller mit Käse und einigen Früchten. Meine Beklommenheit legte sich erst, nachdem ich all meinen Mut zusammengenommen und nach dem Servieren zögerlich die Hand meiner Herrin berührt hatte, mit der sie sich auf ihrem Kissen seitlich abstützte, während sie ihre Milch trank. Was für eine Freude, ihre Hand zuckte nicht weg! Nein, meine Herrin zog sogar ihren Mittelfinger unterraus, um ihn sanft oben auf meine Hand zu legen… wollte sie mir damit vielleicht zeigen, dass sie nicht mehr sauer auf mich ist und auch nicht mehr traurig?
 
Nun wagte ich auch meinen Kopf zu heben und musterte möglichst unauffällig den fremden Herrn am Tisch, nach dessen Heimstein sich der Händler gerade erkundigte. Ungläubig riss ich meine Augen auf, während ich gleichzeitig wildes Herzklopfen bekam und mir der Atem vor Freude stockte, als ich sah wer es war. Es war ein Herr, den ich schon sehr lange kenne und den ich einfach sehr gerne mag, der aber leider irgendwann plötzlich verschwunden war. Er erzählte nun, wie lange er mittlerweile auf Reisen ist und dass er seine Stadt inzwischen nicht mehr wiedererkennt, weil anscheinend sehr viel gebaut und verändert worden war.
 
„Gebäude sind unwichtig, es ist das Herz einer Stadt, was zählt“ erwiderte meine Herrin und stellte dem nach beendetem Waffentraining inzwischen hinzu gekommenen Hauptmann den Gast als einen Freund vor. Mir wurde richtig warm ums Herz als der Hauptmann danach in ihre Richtung auf seine typisch brummige Art erwiderte „deine Freunde sind meine Freude“. Dieser Satz machte mich richtig glücklich und bestätigte mir erneut, wie gut und richtig die Entscheidung meiner Herrin gewesen war, in Jorts zu bleiben… auch wenn es nach dem Waffentraining durchaus kräftig nach verschwitztem Hauptmann stinken kann.
 
Nachdem meine Herrin sich schließlich zur Ruhe begeben hatte, nahm ich ihren Wunsch besonders ernst, dass Katy und ich uns wie jede Nacht noch um die Rundumversorgung des vor dem Haus Wache stehenden Hauptmanns kümmern sollten. Egal wie sehr dieser Krieger nach Schweiß stank, beim Anblick der noch auf dem Teller befindlichen Früchte war in mir eine Idee gereift, zu der ich Katy ebenfalls verdonnerte. Eigentlich wollte sie erst nicht, zierte sich mal wieder fast wie eine Weißseidene und zu sagen habe ich ihr ja auch nichts, da sie ja nicht an der Handelskette meiner Herrin ist. Doch ich war offensichtlich sehr überzeugend und hoffe nun, wir haben dem Hauptmann eine kleine Freude gemacht.
 
Mein letzter Gedanke vor dem Einschlafen flog dann aber von dem Rarius vor dem Haus meiner Herrin noch einmal hinüber ins Gästehaus. Hoffentlich reist der Herr nicht gleich am frühen Morgen schon wieder weiter!

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