Dienstag, 4. Juni 2013

Gefährtenschaft mit Pfeffer

An diesem Tag sollte nun die Vertragsunterzeichnung der neuen Gefährtenschaft des Hauptmanns und eines weiteren Kriegers sein. Warum im Doppelpack? Keine Ahnung, außer dass wohl alle Beteiligten dachten, alles sei ein Abwasch und nur eine Feier. Nun gut, das stimmte zwar, dafür zog sich jedoch die ganze, sowieso langweilige Vertragsgeschichte endlos in die Länge und viel sehen konnte ich außer Röcken und Umhängen sowieso nichts. Einziges Highlight waren eigentlich einige stramme Männerwaden, die ich ausgiebig von hinten betrachten und miteinander vergleichen konnte. Nee, stimmt ja gar nicht… lustig war auch, dass die Schreiberin den Hauptmann fast mit der falschen Frau vergefährtet hätte. Aber der hatte natürlich aufgepasst.

Voller Neid beobachtete ich aus dem Augenwinkel irgendwann, dass sich der Brauereikrieger Richtung Buffet verkrümelte. Vermutlich wollte er der Erste sein vor dem großen Ansturm auf die leckeren Sachen oder hatte wahrscheinlich Befürchtungen, sein Ale könnte bei der endlosen Warterei zu warm werden… aber ich kann ja keine Gedanken lesen. Mir knurrte eigentlich auch schon der Magen, doch ob ich überhaupt etwas von den Grillspießen abbekommen würde, war fraglich bei meiner Herrin, die am liebsten Süßes mit Schokolade isst. Ok, ich gebe ja zu… ich liebe natürlich ebenfalls die süßen Köstlichkeiten, aber so ein knuspriger Fleischspieß hätte natürlich was.
 
Leider musste das Buffet noch länger warten, weil meine Herrin natürlich erst einmal gratulieren wollte, nachdem die Verträge endlich mit einem guten Kalana begossen und unterschrieben worden waren… oder sagt man unterkreuzt, wenn jemand nicht schreiben kann? Egal, der Wein der Liebe wurde natürlich auch nicht über das Papier gegossen sondern getrunken… ganz besonders übrigens vom Hauptmann, der einen ordentlichen Zug davon genommen hat. Ob er sich vielleicht noch ein wenig Mut antrinken musste?
 
Mit großem Staunen sah ich, wie meine Herrin dem Hauptmann mit ihren Glückwünschen einen kleinen Zweig überreichte, an dem einige schotenartige Früchte hingen. Mit leicht angespanntem Blick, denn viel mehr sieht man bei ihrer Gesichtsgardine ja nicht, erzählte sie ihm, dass sie geerntet hat und nun unsicher ist, ob das wirklich Pfeffer ist. Während ich vor Spannung vergaß zu atmen und die Luft anhielt, sodass ich dabei fast platzte, streckte der Herr brummend seine Hand aus, stopfte sich mit Todesverachtung eine dieser Schoten in den Mund, kaute sie durch, verzog jedoch sofort das Gesicht und spuckte das Ganze postwendend wieder aus mit den Worten: „Das IST Pfeffer.“
 
 
 
Wir strahlten natürlich alle sofort um die Wette, weil mit diesem Urteil nun der endgültige Beweis erbracht war, dass in Jorts tatsächlich Pfeffer wächst. Damit war der Verbleib meiner Herrin und meiner entschieden. Nun wurde auch der Weg zum Buffet endlich freigegeben, wo der Brauereikrieger bereits eine ziemliche Schneise auf dem Fleischteller hinterlassen hatte, indem er sich die lecker aussehenden Spieße sozusagen quer durch die Zähne zog. Aber es war so viel von allem da, dass außer mir wohl niemand hungern musste.
 
 
 
Wobei, eine angebissene Praline bekam ich doch und… naja… später leider auch etwas Ärger mit meiner Herrin. Ich war nämlich so sehr in den Anblick des in merkwürdigen Rätseln sprechenden Hauptmanns versunken gewesen, dass ich mich ganz aus Versehen, also wirklich ohne es zu merken, am Fleischspieß meiner Herrin bedient habe! Zum Glück war die Strafe aber eigentlich gar keine Strafe, zumindest keine neue, denn ich muss weiterhin den ekeligen Sklavenbrei essen, wie sonst auch.

1 Kommentar:

  1. Luc sagt:

    Siehst du, gut, dass ich das mit dem Pfeffer empfohlen hatte ;-)

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