Samstag, 22. Juni 2013

Reif für die Felder?

Welch eine Freude… er ist tatsächlich nicht gleich früh am nächsten Morgen weitergereist! Nein, der Herr Schreiber saß zusammen mit dem Händler und der Sängerin auf der Terrasse und hatte bei Shani anscheinend gerade einen Blackwine in Auftrag gegeben, so aromatisch wie es aus dem Nebenraum duftete. Um mich ebenfalls nützlich zu machen und zu helfen, huschte ich schnell in die Küche. Shani war wohl ganz froh über mein Auftauchen, denn so konnte ich mich um die kalte Milch für die Sängerin kümmern und sie sich den Weg in den Keller sparen.
 
Die Terrasse füllte sich nach und nach mit Freien, die alle bedient werden mussten, sodass es Shani und mir nicht langweilig wurde, ich mein Augenmerk allerdings auch leider nicht allzu oft auf den Schreiber richten konnte, der von der Sängerin in Sachen ihres verschollenen Gefährten ziemlich mit Beschlag belegt wurde. Die Herrin hatte wohl die Hoffnung immer noch nicht aufgegeben, dass er irgendwann zurückkommt. In Anbetracht der inzwischen verstrichenen, recht langen Zeit war der Schreiber jedoch um einiges realistischer als die Sängerin und vermutete ihren Gefährten inzwischen verwesend in irgendeinem Graben liegend, sprach auch andauernd von seinem Nachlass.
 
Das war offensichtlich zu viel für die verwitwete Herrin, denn sie sauste plötzlich nach draußen. Ach nee, ich glaube ihr fluchtartiges Verlassen kam erst als der Schreiber bei dem Lederarbeiter eine Bekleidung aus Leder für seine Truhe bestellte. Dummerweise hatte er diese jedoch nicht dabei, sondern erzählte, dass sie bei einem Talunastamm geparkt ist… zusammen mit dem in der Truhe befindlichen Kopf einer Sklavin.
 
Er berichtete von einem Überfall mit nur kurzem Gefecht, nach dem er vor der Wahl gestanden hatte, Kopf der Kajira und seine Truhe oder sein Kopf sowie Truhe und Kajirakopf. Die Entscheidung war wohl recht leicht gewesen, aber die Truhe vermisste er nun doch und hätte sie gern zurück. Den Inhalt braucht er allerdings nicht mehr, denn der war ihm lieber als er noch am Hals dran war. Anscheinend erhoffte er sich Unterstützung bei seinen Gesprächspartnern, doch irgendwie konnte sich niemand für die Wiederbeschaffung der Kiste begeistern.
 
Ich hatte mir inzwischen einen perfekten Platz ergattert um den Gesprächen der Freien zu lauschen, während ich gleichzeitig von einer rauen Kriegerbauerhand verwöhnt wurde, die meine Pobacke kräftig durchknetete. Gleichzeitig konnte ich den gutaussehenden Schreiber wunderbar beobachten… natürlich möglichst unauffällig. Daher bekam ich sofort mit, dass er seinen Blackwine ausgetrunken hatte. Da sich inzwischen die Kajira des Kriegerbauern um ihren Herrn kümmerte, nutzte ich diese schon lange herbeigesehnte Gelegenheit natürlich sofort, um zu dem Schreiber hinüber zu rutschen, denn vielleicht hatte er ja weitere Wünsche.
 
Hatte er… er wollte sich gerne die Beine vertreten und zwar bei einer Stadtführung… mit mir! Ich konnte mein Glück kaum fassen, war aber so ehrlich den Herrn noch zu fragen, ob er auch genug Zeit hat und gestand ihm dann, dass ich mich oft verlaufe. Lächelnd erwiderte er jedoch, dass ihn der direkte Weg sowieso nicht interessiert. Es wurde übrigens nur eine Teilbesichtigung von Jorts… irgendwie zog es den Herrn nämlich doch recht bald zurück ins Gästehaus, das wir übrigens erstaunlich schnell fanden. Noch schneller allerdings entledigte er sich seiner Kleidung und merkte danach dann an, wie kalt es im Haus angeblich war. Naja… natürlich nur kurzfristig………
 
Leider war der Herr zu später Ahn nicht mehr dazu zu bewegen seine Felle noch einmal zu verlassen… klar, die weite Reise forderte nun wohl endgültig ihren Tribut in Form sägender Geräusche. Erstaunlicherweise war auf der Terrasse aber noch eine Menge los, da die Krieger gerade zurück kamen von ihrem Ausflug nach Enkara und natürlich ziemlichen Durst hatten. Heimischer Paga in richtiger Bechergröße oder kühler Lieblingskalana mit Feuer serviert sind einfach was Feines für ausgetrocknete Kriegerkehlen.
 
Das vergessene Kleid meiner Herrin war dann irgendwie verwirrend für mich… oder lag das doch an dem Herrn von Dark? Ganz unverhofft tauchte nämlich meine Herrin noch auf. Darüber habe ich mich natürlich riesig gefreut… auch wenn ich leider Schuld hatte, dass ihr ein Reservekleid fehlte. Wobei ich ihr wirklich recht geben musste, so oft wie sie schon an einem Fähranleger ins Wasser gefallen ist, braucht sie immer Reservekleider.
 
Immerhin war ich wenigstens noch nicht ganz nackt und schaffte es auch mein Tunikaoberteil nicht verkehrt herum anzuziehen, denn der Befehl des Kriegers lautete ja „Und dich Dina sehe ich gleich noch... ohne den Fetzen da!“ Ich bin wirklich glücklich, eine so verständnisvolle Herrin zu haben, denn ich servierte ihr das bestellte Wasser dann in meiner immer noch anhaltenden Verwirrung von der falschen Seite. Ich glaube, ich bin wirklich urlaubsreif… ähmm…reif für die Felder wollte ich natürlich sagen.

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