Mittwoch, 19. Juni 2013

Vergebliche Lauschversuche

Mist, nicht mal ein klitzekleines bisschen Zeit für ein wenig Kajiratratsch mit Hadi über die Badegepflogenheiten ihres Herrn blieb mir, schon maulte mein Obhutherr lautstark über den Marktplatz nach einer Bedienung. Dabei schlug er so heftig auf den Tisch, dass ich trotz der Entfernung zur Terrasse förmlich zusammenzuckte und mich schleunigst aufmachte, um nach seinen Wünschen zu fragen. Während er mit dem Lederarbeiter darüber sinnierte, wie abgelenkt der vermutlich sein würde, wenn er sich mit mir im Alkoven der Taverne vergnügt… pahh, als ob der Hauptmann sich über das „wie sehr“ ein Urteil erlauben konnte… bestellte er bei mir erstaunlicherweise ein Wasser… weder Kalana noch Paga! Ich glaube, so erschrocken wie der Lederarbeiter ihn bei dieser Bestellung anschaute, dachte der vermutlich, der Hauptmann sei krank. Doch dem war nicht so, er wollte ausnahmsweise wohl mal nüchtern bleiben.
 
Vor allem wollte er, dass ich mir Zeit lasse mit seinem Wasser und nebenbei dem Gespräch in der Taverne lausche, denn er hoffte durch mich zu erfahren, was dort besprochen wurde. Ups, solch ein ungewöhnlicher Befehl war mir noch nie erteilt worden. Dementsprechend neugierig war ich natürlich darauf, wer sich dort überhaupt aufhielt. Es waren der Händler und… mir blieb vor Schreck fast das Herz stehen… ein Attentäter mit dem Dolch auf der Stirn, der sich vor einigen Tagen ein Zimmer in der Herberge genommen hatte! Trotzdem grüßte ich natürlich freundlich und wuselte dann leise summend geschäftig hinter dem Tresen herum. Dabei tat ich so, als sei ich total harmlos und desinteressiert an den Herren, spitzte aber meine Ohren, dass ich das Gefühl bekam, sie würden immer länger werden.
 
Tja, alles vergeblich… die beiden Herren unterbrachen sofort ihr Gespräch über irgendeine hohe Kaste und einen Todesstoß durch Verlassen eines Heimsteins… oder so. Ich kapierte echt nicht, worüber sich die beiden tatsächlich unterhalten hatten, auch wenn ich das Einfüllen von Wasser in eine Schale so unendlich lange in die Länge zog, dass ich in der Zeit eigentlich mehrere Kessel mit Wasser hätte kochen können. Dabei meinte ich, den taxierenden Blick des Schwarzgekleideten, den er mir bei meinem Betreten der Taverne zugeworfen hatte, nun bohrend auf meinem Rücken spüren zu können, sodass ich schließlich unter dem offensichtlich genervten Blick von Shani doch das Weite suchte. Ich konnte mir gar nicht erklären, warum die mich so angiftete. Sie schlug ihrem Herrn sogar vor, mich durch Schließen des Vorhangs fern zu halten!
 
Inzwischen hatte sich meine Herrin zu den Herrschaften auf der Terrasse gesellt und erklärte sich nun genau wie zuvor schon der Lederarbeiter ebenfalls solidarisch mit dem Hauptmann, bestellte also ebenfalls ein Wasser. Ich machte mich für diese Bestellungen also erneut auf in den Nebenraum und hoffte, nun vielleicht etwas mehr über die Unterhaltung der beiden Herren in Erfahrung bringen zu können. Falsch gehofft… Shani die falsche Ost hatte mich natürlich schon von weitem nahen gesehen und machte sofort wieder ihren Herrn auf mich aufmerksam. Ich war mir ziemlich sicher, dass sich der Attentäter vor meinem Auftauchen noch nicht mit dem Händler über irgendwelche Diskussionsrunden in angeblich entspannender Umgebung einer Akademie unterhalten hatte. Mein zweiter Versuch zu lauschen war also genauso fehlgeschlagen wie der erste.
 
Mittlerweile war auf der Terrasse wohl ein wenig Frust aufgekommen wegen der immer noch vorhandenen Unkenntnis, worüber der Händler mit einem Attentäter zu verhandeln hat. Nur logisch also, dass ich dafür herhalten musste. Dem Hauptmann war sein Trinkgefäß zu klein, er hätte sein Wasser lieber in einem Becher gehabt und zwar randvoll, da es ja umsonst ist und der Lederarbeiter meinte ein Lebewesen in seinem Trinken entdeckt zu haben. Menno… ich hatte das Wasser doch nicht aus dem Badehaus geholt! Außerdem schau ich sowieso immer kritisch, ob nicht irgendwelche Wasserflöhe darin herumzappeln. Lange Rede kurzer Sinn, ich kam nicht drum herum weiteres Wasser zu holen. Dagegen half auch nicht die Angeberei des Hauptmanns, der sogar schon Wasser aus Pfützen geschlürft hatte, einschließlich der darin befindlichen Tiere, die zuvor gerade erst vom Baum gefallen waren.
 
Lauschversuch Nr. 3 begann wieder einem warnenden Schnaufen von Shani für ihren Herrn, der darauf mitten im Satz verstummte, sodass ich mir gar keine Mühe mehr gab und schleunigst zurück sauste, um dem Lederarbeiter nun ein Wasser ohne Kleinstlebewesenfleischzulage zu servieren. Versuch Nr. 4 gestaltete sich dann jedoch gänzlich anders. Allerdings nicht, weil ich diesmal ein Ale für den Brauereikrieger holen wollte, sondern weil mich der Attentäter auf eine sehr herrische Art und Weise, die keinen Widerspruch duldete, zu sich winkte, sodass ich vor Unbehagen leicht zitternd vor ihm auf die Knie sank.
 

Sofort packte er mit hartem Griff in meinen Kragen und stellte mir die merkwürdige Frage, ob ich weiß, wie man einen solchen Stahlkragen ganz leicht abnehmen kann. Na logisch wusste ich das… mit einem Schlüssel natürlich! Trotzdem musste der unheimliche Kerl mir noch mehr Angst einjagen und verkündete, es ginge noch einfacher mit einem Messer, indem man einfach den Hals der Trägerin durchschneidet. Leider konnte ich mir nicht verkneifen noch einzuwerfen, dass mit einem Schlüssel nicht so viel Schweinkram entsteht und meine Herrin daher diese Methode bevorzugt. Ich gebe zu, das war dumm von mir, denn nun versuchte der gefährlich aussehende Schwarze den Namen auf meinem Kragen zu entziffern und befahl mir in 5 Ehn zurückzukommen, weil er nun doch einen Wunsch hatte, den ich ihm erfüllen sollte.
 
Was war ich froh, dass ich noch eine kleine Gnadenfrist erhalten hatte und mich erst mal verdünnisieren konnte. Da waren mir Shanis offensichtliche Wichtigtuerei, ihre inzwischen obergiftigen Blicke, mit denen sie mich großzügig bedachte und ihr Getuschel mit ihrem Herrn in dem Moment jedenfalls total egal. Ich sauste wie der Blitz zu meiner Herrin zurück und vergaß dabei vollkommen, dass ich immer noch einen leeren Becher in der Hand hielt, in den ich eigentlich Ale für meinen zweiten Obhutherrn füllen wollte. Meine Herrin war nicht gerade begeistert über meinen verwirrenden Bericht und wollte mich eigentlich nicht zu dem Attentäter gehen lassen, um irgendeinen noch nicht genannten Wunsch zu erfüllen. Schließlich sei ich keine Herbergssklavin und Shani kniete schließlich untätig daneben.
 
Doch andererseits gehört meine Herrin nicht zu denen die weglaufen und wollte natürlich erfahren, was für einen Wunsch der Herr hatte. Mir bleib schließlich also nichts übrig, als meinen ganzen Mut zusammen zu nehmen und doch noch mal nach nebenan zu huschen. Uff, ich glaube mein Herz war kurz vor dem Zerspringen, so wild wie es klopfte, als ich mich möglichst anmutig erneut neben den Attentäter kniete, der mich dabei mit weiteren taxierenden Blicken anschaute, die mir auf äußerst unangenehme Weise durch und durch gingen.
 
Puhh, noch habe ich überlebt, bin ja aber auch nur eine unwichtige Kajira und brauchte meiner Herrin nur den Wunsch des schwarzgekleideten Herrn ausrichten. Meine Angst ist dadurch jedoch noch größer geworden… diesmal aber um meine Herrin, denn ich soll dem Attentäter das Haus meiner Herrin zeigen! Was war ich froh, als der Hauptmann ankündigte, eine weitere Nacht Wache vor dem Haus meiner Herrin zu halten.
 

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