Dienstag, 30. Juli 2013

Aufwühlende Erlebnisse

Während ich mich ein wenig räkelte und streckte nachdem ich aufgewacht war, schaute ich mich erstaunt um und wusste zuerst gar nicht wo ich war. Doch dann fiel mir das Geschehen vom Vortag sofort wieder ein. Ich hatte wegen dem unerwarteten Stadtbesuch eines gefährlichen Larls bei dem netten Sklavenhändler übernachten dürfen, dessen Stimme sich nun von unten in mein Aufwachen gemischt hatte. Oh je, hatte ich etwa verschlafen? Schnell rappelte ich mich auf… ordnete die ziemlich zerwühlten Felle noch wie es sich gehört und sauste hinunter ins Erdgeschoss des Sklavenhauses, wo meine Tunika immer noch als kleines Kleiderhäufchen neben der Eingangstür lag.
 
Ich hatte Glück, war also noch nicht in Ungnade bei dem offensichtlich sehr früh aufstehenden Sklavenhändler gefallen, der nun gerade dabei war, eine mir unbekannte Kajira zu unterrichten. Beschäftigt wie er war, wollte ich ihn dabei lieber nicht stören und fragte daher, ob ich mich entfernen durfte. Durfte ich, allerdings nur kurz, um ihm aus dem Gasthaus ein Wasser zu holen. Das war selbstverständlich schnell gemacht, auch wenn ich das Trinkgefäß auf dem Rückweg so konzentriert balancierte, dass ich ein wenig vom direkten Kurs zum Sklavenhaus ab kam und fast den Brunnen gerammt hätte… aber immerhin nur fast und ich glaube, der klitzekleine Umweg niemandem weiter aufgefallen.
 
Bei meiner Rückkehr mit dem Wasser hatte der Sklavenhändler inzwischen Besuch von dem kastenobersten Händler in Jorts Besuch bekommen. Hier in Jorts ist die Kaste der Sklavenhändler übrigens eine Unterkaste der Händler. Ich verzichtete deswegen beim Servieren des Wassers lieber auf großes Tamtam, denn ich wollte das Gespräch der beiden Herren nicht unnötig stören, indem ich versuchte, die Aufmerksamkeit des Sklavenhändlers auf mich zu ziehen, auch wenn mir dies durchaus gefallen hätte. Aber ich weiß eben, wann es passt und wann nicht. Diese Entscheidung war offensichtlich sehr im Sinne des Sklavenhändlers gewesen, wie ich seinem freundlichen Blick entnehmen konnte, mit dem er mich belohnte.
 
Schnell nutzte ich daher seine kurze Aufmerksamkeit für die Frage, ob er mich noch benötigte oder ob ich mich denn nun entfernen durfte. Tja, und dann ist mir leider ein Missgeschick passiert. Die beiden Männer unterhielten sich inzwischen weiter, sodass ich annahm, der Sklavenhändler würde mir durch ein kurzes Nicken seine Zustimmung geben, dass er meine Dienste nicht mehr braucht. Es war mir nämlich wichtig, nachzuschauen, ob meine Herrin vielleicht schon zurück war. Leider kam ich jedoch nur bis vor die Tür, als mich auch schon die laute Stimme des Sklavenhändlers stoppte und zurück ins Haus befahl. Sein ungehaltener Blick war eindeutig, sein Fingerzeig noch mehr.
 
Mir war sofort klar, warum der Herr so sauer reagierte. Ich kniete mich mit tief gesenktem Kopf stumm nieder, denn das Gespräch der beiden Freien über irgendeinen Vertrag glaube ich, war noch nicht beendet. Selbstverständlich hütete ich mich, auch nur einen Pieps von mir zu geben, um nicht noch mehr in Ungnade zu fallen und übte mich dann in Geduld, bis der Händler irgendwann mit einem unterschriebenen Papier von dannen zog, das Shani irgendwo einsortieren sollte. Als plötzlich die Stiefel des Sklavenhändlers in meinem Blickwinkel auftauchten, ich wagte nämlich immer noch nicht aufzuschauen, sondern betrachtete konzentriert das Fell unter meinen Knien, wappnete ich mich innerlich auf eine Strafpredigt.
 
Doch es kam anders. Ich musste erst einmal meine Arme für mindestens 10 Ehn über meinen Kopf erheben und darüber nachdenken, was für einen Fehler ich gemacht hatte… natürlich stumm. „Ja Herr“ waren die beiden einzigen Worte, die noch über meine Lippen kamen, bevor ich diesen Befehl befolgte. Obwohl ich überhaupt keine Bedenkzeit brauchte, denn mir war ja mit dem Zurückpfeifen sofort klar geworden, was mein Fehler gewesen war, hütete ich mich selbstverständlich, dies zu diesem Zeitpunkt schon kund zu tun. Damit hätte ich vermutlich alles noch schlimmer gemacht und noch mehr Schande über meine Herrin gebracht.
 
Während die Ehn endlos dahinstrichen, ignorierte mich der Sklavenhändler vollkommen und setzte einfach in aller Ruhe seinen Unterricht fort. Obwohl meine Arme durch das häufige Emporstrecken von Trinkgefäßen beim Servieren einigermaßen durchtrainiert sind, wurden sie mit fortschreitender Zeit in dieser Haltung dann aber doch schwer. Trotzdem disziplinierte ich mich und hielt sie immer wieder hoch, wenn sie auf meinen Kopf zu sinken drohten, bis ich schließlich versuchte, mich von meiner misslichen Lage abzulenken. Ich kann zwar überhaupt nicht dichten, aber mit meinen erhobenen Händen kam mir plötzlich ein Kinderlied von der Erde in den Sinn.
 
Natürlich habe ich nicht vor mich hin gesummt... das hätte den Herrn bestimmt (genau wie in der Vergangenheit auch schon meine Herrin) nur auf die Idee gebracht, mir Gesangsunterricht zu verordnen. Nein, in diesem Lied kam vor „alle meine Entchen schwimmen auf dem See, schwimmen auf dem See“. Daraus machte ich einfach „eine dumme Dina hockt hier stumm herum, hockt hier stumm herum“. Weiter kam ich allerdings nicht, der Teil mit "Händchen in die Höh" musste vorerst vertagt werden. Aber das war wohl auch ganz gut bei meinen nicht vorhandenen Dichtkünsten. Meine Bedenkzeit war nämlich plötzlich zu Ende und der Sklavenhändler baute sich nun erneut vor mir auf. Er erlaubte mir, meine Arme wieder zu senken.
 
Ich senkte allerdings nicht nur meine Arme, sondern neigte meinen gesamten Oberkörper so weit nach vorne, bis meine Stirn den Boden berührte. In dieser Stellung bat ich den Herrn demütig um Verzeihung, weil ich sein Nicken irrtümlich als Erlaubnis angesehen hatte, das Sklavenhaus verlassen zu dürfen und ich zu spät bemerkt hatte, dass mir dies gar nicht erlaubt worden war. Ich beteuerte, dass ich stets mein allerbestes geben werde, dazulernen möchte und gelobte, in Zukunft geduldiger zu sein und falls mir etwas nicht eindeutig klar ist, notfalls erneut nachzufragen.
 
Was der Herr mir dann erklärte ging mir durch und durch und ließ mein Herz bis in die Haarspitzen wild klopfen... vor allem, weil er dabei seinen Finger sanft unter mein Kinn drückte und mich an meinem Kragen dicht zu sich heran zog, sodass ich in seine Augen schauen durfte, die mich gar nicht mehr loslassen wollten. Er erklärte mir, was tief drinnen in mir ist und was passieren wird, wenn ich diese Kraft frei lasse. Keine Strafe, die Angst erzeugt, kann dies ermöglichen, sondern nur ich alleine kann das und natürlich die Hand, die mich führt und mir Halt gibt, während ich meinen Stolz, meine Hingabe und meine Demut gebe.
 
Nachdem er mich noch ermahnt hatte immer daran zu denken, dass ich mit Haltung ein Bild meiner Herrin bin und nicht ein schleichendes Urt… eine Sklavin schleicht sich nicht davon… hauchte er mir einen Kuss auf die Nasenspitze. Danach durfte ich lossausen und nach meiner Herrin schauen, die ich inzwischen zu Hause vermutete. Logischerweise hatte ich es nun ziemlich eilig und grüßte die Herrschaften auf der Terrasse auch nur schnell im Vorbeiflitzen, sodass ich meine dort sitzende Herrin fast nicht bemerkt hätte! Wie gut, gerade eben noch konnte ich die Kurve kratzen. Nicht auszudenken, wenn unser Wiedersehen noch einige Ehn länger auf sich hätte warten lassen, war es doch schon schlimm genug, dass ich bei ihrer Rückkehr nicht zu Hause gewesen war.
 
Die Terrasse war richtig gut besucht, nur worum sich das Gespräch tatsächlich gedreht hat, ist nicht wirklich bei mir angekommen. Der Lederarbeiter war zu meiner Freude ebenfalls von seiner Reise wohlbehalten zurück und hatte irgendein Dokument über ein weißes Fell dabei, das sich in Turmus befindet und anscheinend sehr wertvoll ist... also das Fell glaube ich... oder war es doch das Dokument? Egal, für mich war die Hauptsache, dass meine Herrin gesund heimgekehrt war. Darüber war ich total glücklich. Gleichzeitig war ich jedoch ganz durcheinander, denn nach meinen aufwühlenden Erlebnissen im Sklavenhaus, die ich meiner Herrin später selbstverständlich sofort gebeichtet habe, tobte ein Sturm von Gefühlen in mir und verstopfte irgendwie meine Ohren.

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