Mittwoch, 31. Juli 2013

Besuch eines Bakahkriegers

Meine Herrin war nach den Anstrengungen ihrer Reise noch ziemlich müde, sodass ich erst einmal alleine ihr Haus verließ, nachdem ich alle meine häuslichen Aufgaben erledigt hatte, einschließlich der Reinigung ihrer Kleider. Die erst kürzlich gut überstandene Gefahr durch den Larl saß mir allerdings noch ziemlich im Nacken, sodass ich mich ordentlich sputete, um schnell unter Menschen zu kommen. Vermutlich war ich mal wieder etwas zu ängstlich, denn die Wachen in Jorts sind zurzeit natürlich besonders aufmerksam, hatten das Viech allerdings bislang noch nicht erlegt. Hoffentlich hat es sich wieder tief in den Wald zurückgezogen und taucht nicht so bald wieder auf.
 
Zum Glück traf ich an der Ecke des Marktplatzes gleich auf den Hauptmann und Katy, die gerade dabei waren, den Speiseplan für die nächsten Tage festzulegen... naja, es war wohl eher der Hauptmann, der festlegte. Jedenfalls kam es dem Hauptmann und seinen Fleischgelüsten offensichtlich gut zupass, dass Hadi gerade auftauchte, um den Käsevorrat in der Herberge zu ergänzen. So konnte er sich nach einer ausführlichen Beratung mit ihr, bei der ich natürlich auch den einen oder anderen Kommentar abgab, gleich mit einem ordentlichen Schinken eindecken, den sie danach schnell noch vom Hof holte.
 
Die kleine Versammlung vor der Terrasse des Gasthauses wurde wie immer nach und nach größer. Eine der Wachen kam hinzu, um dem Hauptmann Bericht zu erstatten. So erfuhr ich, dass von dem gefährlichen Raubtier auch weiterhin nichts in Sicht war, nicht mal Spuren… eine Information, die mich einigermaßen erleichtert aufatmen ließ. Inzwischen war zu meiner großen Freude auch meine Herrin zu uns gestoßen. Danach kam Shani mit total wichtigem Gesichtsausdruck angeflitzt und kniete sich sofort mit fragendem Blick vor meine Herrin. Sie hatte von ihrem, warum auch immer, offensichtlich mehr oder weniger nervösen Herrn den Auftrag bekommen, sich bei meiner Herrin danach zu erkundigen, ob es Probleme mit dem Bakah geben könnte, der sich zurzeit in der Stadt aufhielt. Er sei ein ehemaliger Sheikh dieses Stammes.
 
Bakahsheikh??? Bei der Nennung dieses Namens horchte ich natürlich auf, da ich lange bei diesem Nomadenstamm bei meinem zweiten Herrn in der Tahari gelebt hatte. Aber auch Katy schaute neugierig auf, was mich nicht weiter wunderte, denn ich kannte sie ja seit meiner Zeit bei den Bakah. Meines Wissens zerstreuten sich die Bakah jedoch wie Wüstensand irgendwann in alle Winde. Als Shani dann auch noch den Namen des Bakahkriegers nannte, lachte meine Herrin lauf auf und ich begann mich riesig zu freuen. Es war mein ehemaliger Herr!!! Ach was war ich meiner Herrin dankbar dafür, dass sie mich so gut kennt und genau wusste, was danach in mir vorging. Sie schickte mich schmunzelnd mit Shani hinüber zum Spielehaus, damit ich meinen ehemaligen Herrn begrüßen konnte.
 
 
Toll sah er aus mein Exherr… auch wenn er selber fand, dass ihm die grauen Fäden in seinen Haaren nicht so gut stehen. Ich glaube, so wie er mich anschaute, freute er sich über unser Wiedersehen genauso sehr wie ich. Welche Befürchtungen Shanis Herrn denn nun tatsächlich geplagt hatten, bekam ich jedoch nicht mehr heraus. Auf jeden Fall beruhigte er sich schnell, nachdem ich meinen ehemaligen Herrn nun mit Beschlag belegte und verzog sich dann auf die Terrasse des Gasthauses. Doch das bekam ich alles nicht mehr so wirklich mit, da ich nur noch Augen für meinen früheren Herrn hatte. So wie er mich anschaute, war ich mir ziemlich sicher, dass er mich immer noch mochte.
 
Der wollte natürlich genau wissen, wie es dazu gekommen ist, dass meine Herrin ihrem früheren Heimstein abgeschworen hatte und nun Bürgerin von Jorts geworden war, aber auch, ob es mir gut geht. Eigentlich eine lange Geschichte, von der ich ihm in Kurzform nur das Wichtigste erzählte… vor allem wie wohl ich mich in Jorts fühle, wie nett alle Bürger und Kajirae sind und wie außerordentlich gut der Pfeffer hier wächst. Ein wenig hin- und hergerissen wirkte er dann, als ich ihm vorschlug, für einen weiteren Paga vielleicht hinüber in die Herberge zu wechseln, denn mich plagte inzwischen ein leicht schlechtes Gewissen, weil ich mich noch überhaupt nicht um meine Herrin gekümmert hatte. Ihm war natürlich klar, dass ich mich im Beisein meiner Herrin nicht mehr so eng an ihn anschmiegen würde und er erst mal auf weitere sanfte Berührungen von mir verzichten musste.
 
 
Doch Durst und Neugier auf die anderen Bürger von Jorts und natürlich Höflichkeit, vor allem auch gegenüber meiner Herrin, siegte natürlich. Zum Glück hatte Shani meine Herrin bereits versorgt, was ich eigentlich auch nicht anders erwartet hatte… gut erzogen wie Shani ja nun mal ist. Erstaunlicherweise hatte meine Herrin diesmal jedoch einen Larmasaft ihrer sonst so heißgeliebten Honigmilch vorgezogen. In Anbetracht der sommerlich hohen Temperaturen war das natürlich eine sehr gute Entscheidung und ich hatte schon wieder etwas dazu gelernt über meine Herrin… eine Kajira lernt eben nie aus, auch wenn es nur darum geht, mit wie viel Wasser oder pur und ob mit oder ohne Zucker meine Herrin ihren Saft bevorzugte.
 
So gut gelaunt, wie es auf der Terrasse herging, nahm ich an, dass der Paga schon ganz gut geflossen war und die Zungen ordentlich gelöst hatte. Als der Lederarbeiter dann auch noch eine Geschichte über seinen angeblich neuesten Auftrag zum Besten gab, war das Gelächter der angeheiterten Freien kaum noch zu bremsen. Alle nahmen wohl an, er wollte einen Spaß machen. Doch er behauptete weiter, für eine freie Frau tatsächlich einen mit Leder bespannten Sonnenschirm herstellen zu müssen… ein Auftrag, der bei dem offensichtlichen Sonnenstich dieser in meinen Augen sowieso überkandidelten, sich wichtig nehmende Dame eigentlich zu spät kam. Aber egal, vielleicht habe ich da auch etwas falsch verstanden.
 
Gut war jedenfalls, dass ich als Brauereiaushilfskajira eingewiesen worden war, denn plötzlich war das Pagafass leer, nachdem ich dem redseligen Lederarbeiter noch ein weiteres Mal die Luft aus seinem Pagabecher gelassen hatte. Das war natürlich ein absolutes Unding, wie der Hauptmann fand… also das leere Fass. Zum Glück erlaubte er Katy, mir zu helfen aus der Brauerei ein neues Fass heran zu rollen. Zu zweit geht das wirklich einfacher als alleine. Ein Problem ergab sich nur, wie sollten wir es in der Taverne angekommen letztendlich hoch hieven? Auf dem Boden stehend ist nämlich der Zapfhahn so niedrig, dass man mit Bechern nicht drunter kommt. Das Fass war nur nicht gerade leicht… fand ich jedenfalls.
 
Katy meinte zwar, wir würden es schaffen, aber ich blieb nach einer kurzen Hebeprobe ziemlich skeptisch. Mir wurde sofort klar, warum sie so zuversichtlich war, was unsere Kräfte anbelangte. Es war nun nämlich an mir, die Überzeugung eines der Herren zu übernehmen, uns mit dem Fass behilflich zu sein. Auch wenn ich es bedauerte, dass meine Herrin sich inzwischen zurück gezogen hatte, war das in diesem Fall natürlich sehr günstig für mich, denn ich hatte logischerweise vor, sämtliche rotseidenen Register zu ziehen, um mein Ziel zu erreichen.
 
Brauchte ich aber gar nicht. Mein früherer Herr war bereits so vorgeglüht durch mich und das Angebot meiner wie immer sehr großzügigen Herrin, sie benötige mich an diesem Abend nicht mehr, dass er ohne sich noch allzu lange zu sträuben, das schwere Fass einfach auf das andere oben drauf stellte und mir dann befahl, ihm ein Zimmer zu zeigen… ein Befehl, den ich selbstverständlich nur zu gerne erfüllte! ;-))

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