Montag, 29. Juli 2013

Besucher

Nach einem kleinen Abstecher Richtung Hof bzw. zum Gatter mit den Bosk und Verr nahm ich am gestrigen Tag logischerweise die Abkürzung zwischen dem Haus des Hauptmanns und der Heilerei, um zum Marktplatz bzw. zur Herberge zu gelangen, wo ich mich ein wenig nützlich machen wollte. Fenris böses Fauchen und Knurren konnte mich diesmal nicht erschrecken… auch nicht sein nicht gerade stubenreiner Gestank, da in meine Nase zuvor schon der ziemlich kräftige Geruch der Boskfladen gedrungen war, die zwar eingezäunt, aber in der Wiese genau neben dem Haus meiner Herrin vor sich hin dampften. Aber ich will nichts Schlechtes über dieses Naturprodukt sagen, denn die Blumen meiner Herrin profitieren natürlich vom Mist der Tiere und wachsen und gedeihen nach wie vor prachtvoll... besonders der Pfeffer übrigens!
 
Vor der Terrasse traf ich auf den Hauptmann, seine Gefährtin und Shani, die gerade von einem fremden Herrn und seiner Kajira begrüßt wurden. Ich erfuhr, dass der Fremde ein dem Hauptmann und Shani bekannter Sklavenhändler aus dem Norden und nun wohl eine neue Bleibe sucht, nachdem er sich in seinem Dorf anscheinend mit seinem Bruder überworfen hat. Die kleine Gruppe verlagerte sich alsbald auf die Terrasse, nachdem sich der wegen irgendetwas ziemlich schlecht gelaunte Händler und Katy ebenfalls dazu gesellt hatten und es allen Freien plötzlich nach einem Getränk gelüstete. Katy und Shani kümmerten sich natürlich um ihre Herren, nur die fremde Sklavin komischerweise nicht. Sie bediente als erstes die Hauptmannsgefährtin, wodurch mir dann die Ehre zuteilwurde, dem Sklavenhändler einen Kalana bringen zu sürfen.
 
Selbstverständlich habe ich mir dabei größte Mühe gegeben. Nicht nur, um den gutaussehenden Herrn ein wenig zu testen und seine Vorlieben und Neigungen besser einschätzen zu können, sondern natürlich um meiner Herrin Ehre zu bereiten, indem ich meine gute Erziehung zeigte, was mir wohl auch ganz gut gelungen ist. Lustigerweise bezeichnete mich der mit meinen Diensten offensichtlich sehr zufriedene Herr erneut als „kleines schwarzes Zottelhaar“… so hatte er mich nämlich auch bei meinem Gruß auf dem Marktplatz schon genannt… fragte dann aber nach meinem Namen, während er mich mit wohlwollenden Blicken musterte. Leider verschwand der Händler jedoch kurz darauf mit diesem interessanten Besucher erst einmal ins Sklavenhaus, da er wohl die Gelegenheit erkannt hatte, sich nicht mehr um die Stadtkette kümmern zu müssen, wenn der fremde Herr in Jorts ansässig wird.
 
Komischerweise sah der Hauptmann in dem Sklavenhändler die Chance, mich zukünftig nicht mehr in Obhut nehmen zu müssen, wenn ich „so weiter mache“. Als ob ich ihm jemals zur Last gefallen bin, wenn meine Herrin auf einer Reise ist oder auf ihrem Landsitz weilt! Empört schnappte ich nach Luft, fragte dann aber doch noch genauer nach, was er denn mit „wenn du so weiter machst Dina“ gemeint haben könnte. Das klang für mich nämlich so, als hätte ich mir irgendetwas zuschulden kommen lassen! Nur was? Ich war mir echt keines Fehlers bewusst! Zum Glück hatte ich den Kriegerbauern auf meiner Seite, denn der zog ein mindestens genauso erstauntes Gesicht wie ich bei diesen Worten des Hauptmanns. Doch wir hatten offensichtlich beide etwas falsch verstanden… es gab gar nichts an mir zu mäkeln. „Keine Sorge, du benimmst dich schon gut“, brummte mein Obhutherr und war anscheinend doch ganz zufrieden mit mir.
 
Der Händler hatte seine schlechte Laune übrigens bei seiner Rückkehr auf die Terrasse überwunden und war anscheinend ganz zufrieden über die zukünftige Zusammenarbeit mit dem neuen Sklavenhändler, der über seinen Verbleib in Jorts ebenfalls bestens gelaunt schien. Ich bin mir nicht sicher, ob es an den Vereinbarungen mit dem Händler lag oder doch an meiner Art und Weise, ihm noch einen Paga zu servieren. Jedenfalls machte er erneut deutlich, wie sehr er mit meinen Diensten zufrieden war und wies mich sogar an, in seiner Nähe knien zu bleiben. Dem kam ich natürlich nur allzu gerne nach, denn die Berührungen dieses Herrn waren äußerst angenehm… ließen mein Sklavenfeuer auflodern, als schließlich nur noch Herren am Tisch saßen. Leider wurde mein Anschmiegen an seinen Rücken jedoch jäh unterbrochen.
 
Gerade als ich noch etwas dichter an ihn heran gerutscht war, erblickte ich plötzlich vor der Terrasse ein großes, dunkles, wildes Tier, das mir mit gefährlich gebleckten Reißzähnen direkt ins Gesicht schaute und seine Nase witternd in die Höhe hielt. Es war ein großer Larl, der offensichtlich auf der Suche nach Nahrung nun um die Terrasse herumstrich und mich in mittlere Panik ausbrechen ließ, hatte ich doch erst vor noch nicht allzu langer Zeit im Wald Bekanntschaft mit einem riesigen, schrecklich gefräßigen Sleen gemacht und die Terrasse hatte nur eine niedrige Brüstung, keine Fenster und auch keine Tür! Kein Wunder also, dass ich mich nun fest an den neuen Sklavenhändler klammerte, der sich in Jorts in Sicherheit gewähnt und bedauerlicherweise sein Schwert im Sklavenhaus gelassen hatte. Wer konnte auch damit rechnen, dass mitten in der Stadt, denn Jorts ist ja kein kleines Dorf, ein solches Viech auftaucht!
 
Zum Glück verschwand das Viech zwischen den Häusern, sodass sich der Hauptmann von Katy seinen Speer aus dem Haus holen lassen konnte. Ich weiß nicht, ob ich so mutig gewesen wäre und ob ich mit meinen vor Angst schlotternden Knien diesen Sprint so schnell geschafft hätte wie Katy. Aber die Gelegenheit war wohl ganz günstig gewesen, da sich das gefährliche Raubtier inzwischen an der Kailla des Händlers gütlich tat, also erst mal beschäftigt war… zumindest rief das irgendjemand und veranlasste damit den Händler nun fluchtartig die Herberge durch die Hintertür zu verlassen. Danach habe ich ihn nicht wiedergesehen und auch Shani nicht. Ich hoffe nur, die beiden sind nicht auf die Speisekarte des gefährlichen Biests geraten.
 
Der Hauptmann war echt zu bewundern, so unerschrocken wie er sich auf die Suche nach dem Raubtier machte, während ich mich schnell ins sichere Sklavenhaus verdrückte, denn das war dicht bei und hatte eine Tür, die man verriegeln konnte. Katy wies ich natürlich an, mir zu folgen. Im Sklavenhaus war dann eine gute und vor allem sichere Gelegenheit für Katy und mich gegeben, um das weitere Geschehen aus der Ferne durchs Fenster zu beobachten. Der Sklavenhändler hatte sich inzwischen ebenfalls bewaffnet und war wieder hinaus gestürmt, um dem Hauptmann zu helfen… allerdings nicht ohne uns zu befehlen, im Haus zu bleiben. Klar, gegen diesen Befehl hatte ich absolut nichts einzuwenden und blieb erleichtert wo ich war.
 
Schließlich kamen die beiden Herren zurück… fast unverletzt. Der Hauptmann hatte leider einige Kratzer am Bein abbekommen, um die sich Katy nun schnell kümmerte, während der Sklavenhändler mich anwies, auf diesen Schreck schnell noch einen Krug Paga zu holen… sozusagen aus medizinischen Gründen. Während bei dem Hauptmann der Paga eine erstaunlich entspannende Wirkung hatte und er sich mit Katy alsbald nach Hause begab, war die Wirkung dieses starken Schnapses auf den Sklavenhändler eher… hhmmm… anregend und neugierig würde ich sagen, so wie er mich musterte und mir schließlich befahl, meine Kleidung abzulegen.
 
„Nichts lieber als das“, dachte ich bei mir, machte aber aus meinem Entkleiden noch ein bisschen aufreizendes Tamtam, denn ich wollte den Herrn natürlich eine kleine Kostprobe meiner rotseidenen Fähigkeiten geben. Vielleicht würde es mir damit ja gelingen, für diese Nacht einen sicheren Schlafplatz in seinen Fellen zu bekommen? Ich glaube, mein Vorhaben ist ganz gut gelungen, denn kaum war ich nackt, schickte er mich auch schon nach oben in seine Felle! ;-)

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