Mittwoch, 24. Juli 2013

Lieblingsbesuch, Verhandlungen und Gefummel

Ein wenig enttäuscht war ich ja schon, nachdem meine Herrin mich für vier Hand an den großen blonden Aufseher ausgeliehen hatte und sie bei meiner Ankunft zurück in Jorts dann leider nicht zu Hause war. Dass sie kurz nach meiner Rückkehr eine Reise antreten wollte, fiel mir irgendwann zwar ganz vage wieder ein, allerdings erinnerte ich nicht, dass ich sie vorher gar nicht mehr sehen würde. Aber egal… es hat auch was ohne sie und nun hat sie also eine weitere Hand Erholung von mir. Mir blieb daher nichts anderes übrig, als mich alleine auf den Weg zur Herberge zu machen bzw. nach dem Hauptmann, meinem Obhutherrn Ausschau zu halten... falls er das denn immer noch ist?
 
Möglicherweise hatte sich dies inzwischen geändert, denn ich hatte von meiner Herrin eine Notiz erhalten, dass Katy inzwischen in seinem Besitz war… seine endlosen Bemühungen um diese Kajira waren also anscheinend von Erfolg gekrönt worden. In Anbetracht von Katys mir teilweise nicht so wirklich verständlichem Benehmen, war ich logischerweise ziemlich neugierig darauf, ob sie sich inzwischen ein wenig berappelt hatte und hoffte, vielleicht Näheres von ihr zu erfahren… vor allem natürlich, wie es ihr bei ihrem neuen Herrn gefällt!
 
Gut gelaunt und mit einer großen Portion Wissensdurst darüber, was sich in meinen vier Hand Abwesenheit so alles in Jorts ereignet hatte, erreichte ich wie so oft vermutlich etwas schräge vor mich hin trällernd den Marktplatz und wurde auch sogleich fündig. Katy entdeckte ich zwar nicht, dafür aber ihren Herrn und mit vor Freude wildem Herzklopfen, meinen Lieblingsschreiber! Eigentlich habe ich ja keine Lieblingsherren mehr bzw. ich verwende diese Bezeichnung seit ungefähr einem Jahr nicht mehr. Nur bei diesem Herrn kann ich einfach nicht anders, als ihn als meinen Lieblingsschreiber zu bezeichnen... das ist einfach so.
 
Die beiden Männer unterhielten sich bei meinem Auftauchen über den Neuerwerb meines Obhutherrn oder vielmehr über den noch nicht gezahlten Preis dafür. Meine Ankunft am Marktplatz hätte also nicht perfekter sein können... natürlich nicht wegen meiner Neugier über diesen Kauf! Das war selbstverständlich Wissensdurst, damit ich meiner Herrin später darüber berichten kann und natürlich weil es mir eine wirkliche Freude war, dem Hauptmann einen Stehpaga servieren zu dürfen, nachdem die beiden Herren sich etwas Richtung Schmiede verzogen hatten, um dort ungestörter über Katys Preis verhandeln zu können.
 
Die Verhandlung gestaltete sich jedoch schwierig, insbesondere für mich. Erst wurde ich dazu aufgefordert, mich darüber zu äußern, welchen Preis denn meine Herrin für Katy verlangt hätte. Natürlich wand ich mich nicht wie ein Aal und redete auch nicht gefühlte ahnlang wie eine Gianni um den heißen Brei herum und brachte die Herren damit nicht wirklich weiter, sondern informierte sie ausführlich über bei diesem Geschäft zu berücksichtigenden Aspekte, damit es für beide Seiten zu einem guten Handel wird. Ok, ich gebe ja zu, ich hoffte mit meinen Informationen letztendlich um die Nennung eines Preises herum zu kommen, denn meinem Lieblingsschreiber wünschte ich natürlich von ganzem Herzen Verkaufserfolg, damit er gegenüber seinem Heimstein richtig gut dasteht, aber mein Obhutherr sollte selbstverständlich auch nicht zu viel bezahlen!
 
 
Ich war also ganz schön in der Zwickmühle, doch mein Vorhaben ging letztendlich auf. Die Herren sahen ein, dass sie so nicht weiter kamen und forderten mich schließlich auf, ihnen die Preise in der Herberge von Jorts für Paga und Kalana zu nennen. Leider hatte ich die ganz spontan total vergessen... ein Umstand übrigens, über den ich nicht so wirklich beschämt war, da es mir zur Herberge flitzend nun gelang, den Herren zumindest kurzfristig aus den Augen zu gelangen. Ich musste sogar noch ein weiteres Mal los, nämlich bei dem jorts’schen Händler den Obersupervorzugspreis eines Fasses Kalana für den Hauptmann erfragen. Ich vermute, dem etwas verwirrt auf mich wirkenden Händler war die Tragweite seiner Preisnennung gar nicht klar… allerdings eher nicht wegen des hingebungsvollen Serves von Shani, sondern weil er vielleicht wie ich den Geist sah.
 
Die beiden Herren wurden sich nach meiner Information über den Fasspreis dann erstaunlich schnell einig und da ich inzwischen den Faden bei diesem Geschäft verloren hatte, nutzte ich die Gelegenheit, die inzwischen neben ihrem Herrn kniende Katy über meine Geistentdeckung in der Herberge zu informieren. Ich glaube jedenfalls, die Erscheinung war einer, auch wenn ich mir Geister bislang eigentlich eher halbdurchsichtig vorgestellt hatte und nicht so schwarz. Andernfalls wäre die Witwe nämlich gar keine und ihr Gefährte auch nicht tot, sondern lebendig, also nicht verschollen... oder so. Egal, ich meinte jedenfalls den Geist des verstorbenen Gefährten der Sängerin auf der Herbergsterrasse gesehen zu haben. Was letztendlich an dieser Erscheinung aber tatsächlich dran war, erfuhr ich nicht mehr, da ich meinen Lieblingsschreiber nun zum Hafen begleiten durfte, wo er seine erst kürzlich erworbene Kajira bei seiner Ankunft deponiert hatte. Aber was ist schon ein Geist gegen einen solchen Mann!
 
 
Danach durfte ich meinen Lieblingsschreiber zur Schreibstube führen, wo er  für den Hauptmann ein Papier über den Besitzerwechsel von Katy aufsetzen wollte. Selbstverständlich dauerte eine solche Beurkundung etwas länger, sodass mir in der Zwischenzeit die große Ehre zuteilwurde, ihm ein Wasser servieren zu dürfen. Merkwürdigerweise war dieses ziemlich warm, obwohl es aus dem tiefen Brunnen von Jorts kam und ich auch nicht herumgetrödelt hatte… ein Phänomen, das meinen Lieblingsschreiber jedoch zu erfreuen schien, so wie er darüber schmunzelte. Naja… rotseiden angewärmtes Wasser ist auch sehr gesund!
 
 
Die Übergabe der Verkaufsurkunde an den Hauptmann gestaltete sich leider schwieriger als geplant, da dieser inzwischen verschwunden war. Während mein Lieblingsschreiber daher seinen Gaumen mit einem Kalana erfreute, machte ich mich auf die Suche nach meinem Obhutherrn und entdeckte letztendlich vor dem Haus des Lederarbeiters merkwürdige Handlungen. Hauptmann und Lederarbeiter fummelten intensiv an Katys Nase herum... der Lederarbeiter sogar mit irgendeinem spitzen Gegenstand, während Katy ohne mit der Wimper zu zucken den Kopf in den Nacken legte und Elena das Geschehen von unten betrachtete, also verkehrt herum. Sie baumelte nämlich mit den Füßen nach oben vom Vorbau des Sattlerhauses herunter und sollte offensichtlich den Zustand einer gut abgehangenen Kajira erreichen, sodass ich meinen Kopf ziemlich neigen musste, damit ich sie wieder richtig herum sah.
 
Später auf der Terrasse durften wir dann alle ein neues Schmuckstück an Katys Nase bewundern... einen Boskring, wegen dem das ganze Gefummel anscheinend stattgefunden hatte. Der Hauptmann scheint einen solchen Ring in der Nase seines Besitzes offensichtlich zu mögen... nur kam es mir irgendwie so vor, als ob Katy nicht wirklich stolz darauf war, ihrem Herrn mit diesem Teil durch ihren Nasensteg eine Freude zu bereiten... aber vielleicht täusche ich mich da auch? ;-))

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