Mittwoch, 14. August 2013

Entwischt

Kaum hatte ich am nächsten Tag die am Brunnen versammelten Freien begrüßt, als ich hinter mir Schritte hörte und zwei tiefe Stimmen, von denen die eine mir mittlerweile sehr gut bekannt war und die anderen… ja, nach einer kurzen Verzögerung wusste ich dann wieder wem sie gehörten. Es waren der Brauereikrieger und der kasratische Hauptmann a.D. mit seiner Gefährtin im Gefolge. Leider war mir jedoch keine Zeit vergönnt, um den Hauptmann a.D. etwas ausgiebiger zu mustern, denn ich hatte ihn ja Ewigkeiten nicht mehr gesehen, weil er bei meinem Anblick sogleich kundtat, er hätte ein Vulo mit mir zu rupfen. Anstatt Begrüßung… oder habe ich die vielleicht vor Schreck vergessen?... egal, er eröffnete mir jedenfalls breit grinsend, wie wunderbar es sei, mich nun zu treffen, denn er wolle mich am Hafen in eine Kiste stecken und mir für irgendeine Überfahrt die Haare scheren, damit ich in irgendwelchen Pagakaschemmen diene.
 
Obwohl es mir so vorkam, als würde mein Herzschlag vor Schreck aussetzen, reagierte ich bei dieser Drohung natürlich umgehend. Ich versteckte mich schutzsuchend sofort hinter dem stattlichen Brauereikrieger und schmiegte mich vor Angst zitternd ganz dicht an seine muskulöse Kriegerwade an. Mir war natürlich sofort klar, dass ich vermutlich wenig Chancen hatte, diesen merkwürdigen Hauptmannsgelüsten zu entgehen… bestenfalls würde es mir gelingen, eine kleine Verzögerung heraus zu schinden. Leider schwante mir sofort ganz vage, warum der Herr möglicherweise sauer auf mich war. Wenn das tatsächlich stimmte, waren seine Kriegerohren tatsächlich so gut wie befürchtet gewesen und sein Gedächtnis offensichtlich noch besser.
 
Aber es kam ganz anders. Die Priesterkönige müssen ein Einsehen mit mir gehabt haben. Der Brauereikrieger eröffnete mir nämlich, dass er meine Dienste auf einer Handelsreise benötigte und zwar sofort. Puhh, nichts lieber als das! Ich fragte nicht mehr wieso, weshalb, warum und ob meine Herrin darüber Bescheid weiß, sondern verabschiedete ich mich sofort von allen Herrschaften und sauste eilig zum Hafen… zumindest das erste Stück, um möglichst schnell aus dem direkten Zugriff des Hauptmanns a.D. zu kommen. Dann wartete ich selbstverständlich auf den Rarius und lief hinter ihm her, so wie es sich für eine Sklavin gehört.
 
 
Einziger Nachteil dieser Reise war, es ging dem Brauereibesitzer nicht um meine rotseidenen Dienste, sondern blöderweise ganz besonders um mein Talent im Fassrollen. Wobei sich diese beschwerliche Tätigkeit zum Glück im Rahmen hielt bzw. mangels Verkauf sogar ausfiel… die Priesterkönige waren wirklich auf meiner Seite. Naja, ein wenig Leid tat mir mein Obhutherr und Brauereikrieger schon, dass er seinen ersten Handelspartner an dessen Heimstein nicht antraf. Leider war unsere danach folgende, wirklich beschwerliche Reise durch die heiße Wüste, bei der mir zuletzt sogar zwischen den Zähnen Sand knirschte, ebenfalls erfolglos. Als wir schließlich eine Oase erreichten, trafen wir dort leider nur eine Kajira an.
 
 
Es war ein echt tolles Gefühl, irgendwann wieder im Hafen von Jorts anzukommen. Nach der öden, heißen Wüste, in der pasangweit kein Baum und Strauch wuchs, wurde uns richtig bewusst, wie grün es zu Hause ist… auch wenn sich der Brauereibesitzer wohl ein wenig über den Fährmann geärgert hat, der uns in seinem Suffkopp nicht so wirklich schnell übersetzte. Ich war natürlich ziemlich froh, dass die Fässer vorerst am Hafen bleiben konnten und ich sie nicht zurück in die Brauerei rollen musste, da demnächst wohl eine weitere Verkaufsreise geplant ist. Mal sehen, ob ich wieder mit darf, wenn meine Herrin mich nicht benötigt… sie ist in so einem Fall ja immer sehr großzügig mit dem Verleihen ihres Besitzes.
 
Ich traf meine Herrin bei meiner Rückkehr auf dem Marktplatz an. Sie hatte sich schwer in Schale geschmissen mit einem prunkvollen Umhang in ihren Kastenfarben… vermutlich wegen des kasratischen Hauptmanns a.D., mit dem sie sich bei meinem Eintreffen am Brunnen unterhielt. Die weiten bauschigen Falten dieses Umhangs kamen mir natürlich äußerst gelegen, um dahinter vorsichtshalber in Deckung zu gehen, denn die Drohung mit Kiste und Haareschneiden hatte ich nicht vergessen. Doch bevor der Krieger sich alsbald wegen irgendwelcher unaufschiebbaren zu erledigenden Dinge entschuldigte… so wichtig und unabkömmlich war er übrigens schon immer gewesen… gab er Entwarnung. Seine Drohungen waren gar nicht ernst gemeint gewesen, er hatte mich nur ein wenig ärgern und erschrecken wollen. Na toll… ein Spaß auf meine Kosten und ich war drauf reingefallen.
 
 
Meine Herrin nutzte die Gelegenheit und setzte das Gespräch mit der kasratischen Hauptmannsgefährtin noch fort, nicht nur um diese Herrin etwas besser kennenzulernen und einschätzen zu können, sondern auch um die eine oder andere Neuigkeit zu erfahren und sich mit ihr über Pfeffer und Heimsteine zu unterhalten. Mir blieb nichts anderes übrig, als stumm daneben zu knien und mich in Geduld zu üben. Dabei fing ich natürlich auch den einen oder anderen Gesprächsfetzen von der Terrasse auf, wo es anscheinend um einige leckere Kostproben geräucherten Schinkens vom Hof ging, bis sich die Männer mit ihren Kajirae in die Taverne verlagerten und ich leider nichts mehr mitbekam.
 

 Erschreckend wurde für mich zu später Ahn dann eine sehr emotionale nachbarschaftliche Begegnung, bei der ich schließlich meine Tränen nicht mehr zurück halten konnte. Aber ich werde darüber lieber Stillschweigen bewahren, denn der Dampf war irgendwann offensichtlich abgelassen und die Verabschiedung fiel zu meiner großen Erleichterung um ein Vielfaches freundlicher aus als die Begrüßung, nachdem einige Missverständnisse ausgeräumt werden konnten… es ist eben manchmal nicht so einfach mit den Ich- und Du-Botschaften, mit dem Hören und Verstehen sowieso.

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