Dienstag, 20. August 2013

Gerade noch

…die Kurve gekriegt, wenn auch nur knapp.
 
Meine Herrin hatte noch zu tun und konnte sich deswegen auch nicht der geplanten Reise des jortsschen Sklavenhändlers nach Enkara anschließen. Mich schickte sie allerdings schon mal vor die Tür, damit ich mich nützlich machen konnte… sofern meine Dienste überhaupt irgendjemand benötigte. Eigentlich nahm ich an, dass sich die meisten Bürger vermutlich der vorgenannten Reisegesellschaft angeschlossen hatten und trödelte daher recht gemächlich Richtung Marktplatz.
 
Mein Weg führte mich wie fast immer am Haus des Hauptmanns vorbei und wie fast immer wanderten meine Blicke zu seinen Fenstern mit den ständig geschlossenen Vorhängen. Natürlich schaue ich zu den Fenstern nicht aus Neugier, sondern weil mir dabei immer in den Sinn kommt, wie dämmrig es drinnen sein muss und dass im Dunkeln alle Giannis grau sind. Eine Interpretation dieses Sprichwortes verkneife ich mir selbstverständlich.
 
Da ich den Hauptmann an diesem Tag alleine vor dem Brunnen stehen sah, nutzte ich die günstige Gelegenheit, um nach dem Motto „wer nicht fragt bleibt dumm“ in Erfahrung zu bringen, ob es vielleicht einen Grund für die dauerhaft geschlossenen Vorhänge gibt. Hah, den gibt es tatsächlich! Allerdings hat er nichts damit zu tun, dass es ihm im Haus zu dunkel ist und auch nicht mit Farblosigkeit oder Gleichheit. Nein, der Hauptmann will in den eigenen Wänden unbeobachtet sein und nicht, dass genau in dem Moment jemand zum Fenster hinein schaut, wenn er sich am A… also wenn er sich irgendwo kratzt.
 
Ich hatte meine Antwort, dass ein Bad gegen einen unkontrollierbaren Kratzanfall durchaus helfen kann noch kaum ausgesprochen, als ich auch schon angeherrscht wurde, was ich denn damit andeuten will. Ups, obergefährliches Terrain... es lag mir natürlich vollkommen fern, einem Freien zu unterstellen, er bade zu selten, zumal ich dem Herrn ja vor einer Ewigkeit sogar schon mal beim Baden behilflich sein durfte! Außerdem betonte er doch glatt, er bade regelmäßig!!
 
Ich gestehe, das Eintreffen von Dark und ihrem Herrn, der sich ziemlich wütend darüber äußerte, wie sehr ein Kapitän an diesem Tag Wert auf Pünktlichkeit gelegt und er dadurch das Schiff verpasst hatte, war echt meine Rettung gewesen und ließ meine unangemessene Folgefrage an den Hauptmann hoffentlich untergehen. Ich flüsterte natürlich sofort mit Dark und gestand ihr, wie froh ich über ihr Auftauchen und vor allem das ihres Herrn war, der mich vermutlich knapp vor dem nächsten Fettnäpfchen gerettet hatte.
 
Logischerweise liefen Darks Fantasien bei dieser Information nun auf Höchsttouren. Sie erhoffte sich von mir natürlich spannende Neuigkeiten über interessante Herren, wie z.B. den Händler aus Teveh, der es ihr sehr angetan hat. Übrigens sind nicht nur unsere Geschmäcker bei Männern sehr ähnlich… unsere Gedanken komischerweise auch! Gleichzeitig überlegte sie nämlich noch, ob ich womöglich den Hauptmann ins Bad hatte locken wollen, nur seine Gefährtin mir dabei vielleicht einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte.
 
Leider wurde ich durch eine meine Herrin betreffende Rückfrage des Hauptmanns in diesem Moment schlagartig daran erinnert, dass ich etwas ziemlich Wichtiges vergessen hatte, sodass ich ihn schnell um Erlaubnis bat, mich noch einmal entfernen zu dürfen.
 
 
Tja, und dann geschahen echt obermerkwürdige Dinge, an denen ich aber wirklich total unschuldig gewesen bin… oder habe ich etwa nur geträumt, dass in Jorts plötzlich eine mordsmäßig dicke Stadtmauer errichtet wird? Komischerweise war nämlich später von den riesigen Mauersteinen nichts mehr zu sehen, die zuvor noch den gesamten Hang hinter dem Haus meiner Herrin gepflastert hatten… höchst eigenartig!! ;-)))

 

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