Donnerstag, 1. August 2013

Hypochonder oder doch vergiftet?

„Schon wieder eine Reisesklavin?“ fragte ich mich mit gerunzelter Stirn, als ich das Mädchen sah, das vor dem neuen Sklavenhändler von Jorts kniete. Es sollte jedoch noch schlimmer kommen als ursprünglich befürchtet… viel schlimmer sogar. Shani schien ähnliche Gedanken zu haben und flüsterte mir zu, dass diese Reisekajira gejarlt hatte, also sogar eine Reisebond war und ob ich gesehen habe, dass sie Haarnadeln im Haar trägt. Darauf verdrehte ich erst einmal gemeinschaftlich mit ihr meine Augen und beobachtete dann weiter, was mit dieser offensichtlich nicht gerade wertvollen, uninteressanten Ware weiter geschah.
 
Der Sklavenhändler entfernte die Haarnadeln und gab sie Shanis Herrn, bevor er die Reisebond an die Stadtkette nahm und hinter sich her ins Sklavenhaus zog. Nach dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“, erhoffte sich der Händler von dem Verkauf der Nadeln an irgendeine freie Frau bestimmt ein paar Tarsk. Doch dann nahm das Schicksal leider seinen Lauf und es kam richtig schlimm. Shani hatte zuvor zwar schon den Verdacht geäußert, dass die Haarnadeln hoffentlich nicht vergiftet sind…nur erschien uns das dann doch sehr unwahrscheinlich, wie sollte ausgerechnet eine Sklavin an Gift gekommen sein?
 
 
Da meine Herrin sich mit diesen vergifteten Waffen von freien Frauen natürlich auskennt, war es nur logisch, dass der Händler ihr die Nadeln zeigte, indem er sie ihr mit der flachen Hand entgegenstreckte… leider ohne jegliche Schutzmaßnahmen. Meine Herrin war zum Glück vorsichtiger und nahm sie dem Händler mit einem Tuch ab, um sie genauer zu betrachten. Während sie nun ihre Überlegungen und Erläuterungen zum Thema Vergiftung von sich gab und mir auch erklärte, dass ihr Gegengift nur gegen das Gift in ihren eigenen Haarnadeln wirkt, mit hoher Wahrscheinlichkeit aber nicht gegen ein anderes, bekam Shanis Herr plötzlich Schweißausbrüche.
 
Ich gebe zu, ich musste innerlich grinsen bei dieser Reaktion des Herrn und fragte mich, ob er wohl ein Hypochonder ist. Meine Herrin machte auf mich ebenfalls den Eindruck, als würde sie ihn nicht so ganz ernst nehmen, ließ sich das aber selbstverständlich nicht anmerken. Nur als der Händler dann äußerte, ihm sei ganz schwummerig, wusste ich sofort, was nun kommen würde, denn ich kenne meine Herrin ja nicht erst seit gestern und weiß aus eigener Erfahrung, wie sie manche „Krankheiten“ zu heilen versteht. Und so kam es auch. Sie forderte den Lederarbeiter und mich auf, Shanis Herrn auf dem Weg ins Heilerhaus zu stützen.
 
Komischerweise wankte unser Patient nun tatsächlich ein wenig und stützte sich schwer auf mich, ließ sich aber trotzdem einigermaßen willig ins Behandlungszimmer bugsieren, wo er sich dann allerdings sträubte, sich auf die Liege zu legen… er sei ja noch nicht tot, müsse also nicht auf einem Seziertisch liegen! Doch resolut wie meine Herrin nun mal ist, forderte sie ihn energisch auf, sich endlich hinzulegen… dumme Sprüche könne er auch noch im Liegen machen… bei allem was sie über Medizin weiß, hätte er sowieso nur wenig Überlebenschancen, zumal Jorts derzeit keine Heilerin hat.
 
 
Dann musste ich etwas furchtbar Stinkendes suchen und wurde tatsächlich auch irgendwann fündig, auch wenn der Lederarbeiter meinte, es würde reichen, den Hauptmann zu holen, der an diesem Tag seinem geliebten Waffentraining frönte, also mal wieder mit gezücktem Schwert über die Wiese tobte. Zum Glück fand ich ein Fläschchen, das ohne Verschluss einen wirklich stechenden Geruch ausströmte, der meine Herrin und mich nach einer Schnupperprobe sofort zurück zucken ließ. Es muss wohl tatsächlich sowas wie Riechsalz gewesen sein. „Das zusammen mit einem Einlauf und einem Lebertran-Salz-Gemisch zum Trinken und alles wird gut“, war der Kommentar meiner Herrin auf diesen Fund. Ich hatte also tatsächlich richtig gelegen mit meinen Vorahnungen, wie sie dem Händler wieder auf die Füße helfen wollte.
 
Dem Lederarbeiter leuchtete die Behandlungsmethode ebenfalls sofort ein. Shanis Herrn sozusagen innerlich durchzuspülen, also nach oben und unten zu entleeren, erschien ihm als sinnvolle und aussichtsreiche Behandlungsmethode. Er meinte, so würden bestimmt alle Gifte ausgespült werden und zwar ziemlich schnell. Klar würde das schnell gehen, das hatte meine Herrin vor langer Zeit alles schon erprobt… leider an mir! Die darauffolgenden Reaktionen des Patienten waren eigentlich auch schon mal gar nicht so schlecht, ließen aber immer noch etwas zu wünschen übrig, da er immer noch nicht aufsprang, sondern lediglich die Hände abwehrend erhob und mit erstaunlich schwacher Stimme argumentierte, er bräuchte das alles nicht, er hätte das Gift schließlich nicht getrunken.
 
Na gut, vielleicht sollte man ihn zusätzlich noch zur Ader lassen, schlug ich vor. Meiner Herrin und dem Lederarbeiter erschienen dieser Vorschlag, vergiftetes Blut aus ihm ablaufen zu lassen, ebenfalls sehr logisch… nur befürchtete meine Herrin langsam, wir müssten womöglich erneut umziehen, falls der Händler unsere Behandlung überleben sollte. Trotzdem bereitete ich den Einlauf schon mal vor, den natürlich nicht meine Herrin, sondern ich dem Herrn verabreichen sollte und gab auf Geheiß meiner Herrin noch einen kräftigen Schuss grünen Paga dazu, damit die innere Desinfektion des Vergifteten auch wirklich sichergestellt war. Der Lederarbeiter ließ derweil schon mal ein paar Tropfen Händlerblut in eine Schüssel laufen und meine Herrin band den Arm vorsorglich ab, damit sich nicht noch mehr Gift im Körper des merkwürdigerweise immer schwächer werdenden Herrn verteilte.
 
 
Meine Hoffnung, der Händler hätte irgendwann genug von unseren Hobbyheileraktivitäten, würde sich plötzlich berappeln und von der Liege springen, wurde schlagartig zunichte gemacht und ich bekam einen großen Schock! Der Sklavenhändler hatte nämlich der Bond inzwischen befohlen, sich mit einer ihrer Haarnadeln zu stechen. Damit sollte eigentlich der endgültige Beweis der Harmlosigkeit dieser Nadeln erbracht werden und eine sofortige Wunderheilung des Händlers erfolgen. Diese Maßnahme endete jedoch in allgemeinem Entsetzen. Die Bond murmelte noch leise etwas von Sleengift, fiel dann um und zeigte ziemlich bald fast keine Lebenszeichen mehr. Oh je, der Händler hatte sich tatsächlich vergiftet!
 
In unserer Hilflosigkeit ohne richtige medizinische Kenntnisse, blieb uns nun nichts anderes übrig, als eilig einen der Krieger loszuschicken, damit er hoffentlich noch rechtzeitig eine auswärtige Heilerin heran schafft. Hoffentlich stirbt der Händler nicht inzwischen, wenn das länger dauert!!

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