Freitag, 30. August 2013

Marktplatz- und Terrassengespräche

Als ich am nächsten Morgen wach wurde, ziemlich gut ausgeschlafen meine Augen aufschlug und anfing, mich genüsslich noch in dem weichen Fell zu räkeln, wurde mir plötzlich bewusst, dass ich gar nicht zu Hause war und musste mich erst einmal orientieren. Ach ja, ich hatte in der Festung bei Darks Herrn schlafen dürfen, nur war sein Platz im Fell bereits leer. Hatte ich etwa verschlafen? Ein Blick aus dem Fenster zum erstaunlich hoch am Himmel stehenden Zentralgestirn machte mir klar, dass dies wohl der Fall war. Mir fiel sofort wieder ein, dass der Herr mir irgendwann ins Ohr geraunt hatte, dass er aufbrechen musste… erst zu seinem Landsitz, um Darks Putzerfolge zu kontrollieren und um sie dann mit nach Lydius zu nehmen, wo er eine Einladung zum in der kommenden Hand anstehenden Se‘Kara aussprechen wollte.
 
Oh je, nun wurde es aber Zeit für mich… nicht auszudenken, wenn meine Herrin bereits auf mich wartete! Außerdem drückte meine Blase und zog mich Richtung heimisches Buschwerk, denn einen Nachttopf konnte ich in der Festung nicht finden und meinen Po einfach zwischen den Zinnen außenbords zu halten, erschien mir bei der Höhe doch sehr gewagt. Ich konnte mich nämlich nicht allzu gut festhalten, weil die Mauern der Festung so dick waren. Mein Orientierungssinn war an diesem Tag übrigens ausgesprochen gut… vielleicht sollte ich öfter ausschlafen?... sodass ich ohne mich zu verlaufen den Marktplatz erreichte. Wobei das in diesem Fall eigentlich blöd war, denn dadurch hatte ich die direkt vor der Festung liegende Gelegenheit zum Gebüsch aufsuchen verpasst. Doch da mich die Wache so ekelig angerülpst hatte, gönnte ich dem Kerl meinen Anblick keine Ihn länger als nötig und sauste schnell Richtung Marktplatz.
 
Eigentlich wäre das auch unproblematisch gewesen, wenn ich nicht dem Hauptmann und dem Euchzer auf dem Marktplatz direkt über den Weg gelaufen wäre. Der Hauptmann beschuldigte mich diesmal übrigens ausnahmsweise mal nicht des Herumlungerns, sondern dass ich die anderen Einwohner vertrieben habe. Stimmte natürlich nicht, die waren auf irgendwelchen Reisen oder einfach noch in ihren Häusern… warum steht der Hauptmann auch immer so früh auf! Die beiden Krieger wollten von mir natürlich wissen, wieso ich an diesem Tag aus einer anderen Richtung kam, hatten letztendlich aber bei meinem Hin- und Hergetrippel ein Einsehen mit meiner Not und erlaubten mir schnell ins Gebüsch zu verschwinden, damit es auf dem Marktplatz keinen Dinasee gibt. Pahh…es war zwar dringend, aber selbstverständlich wies ich einen Vergleich mit den Bosk weit von mir, die ohne Rücksicht auf Verluste ihre Hinterlassenschaften überall fallen und laufen lassen… im Gegensatz zu mir vor kurzem eben auch direkt neben dem Dorfbrunnen.
 
Ich war noch nicht lange wieder zurück bei den beiden Rarii und wollte mich gerade erkundigen, ob sie vielleicht ein Getränk wünschen, als meine Herrin sich dazu gesellte. Darauf verlagerten sich alle Freien auf die Terrasse, denn im Sitzen trinkt es sich doch etwas bequemer. Ich bekam also ein wenig zu tun und durfte nicht nur die Milch für meine Herrin kochen, sondern dem Hauptmann einen Schalenpaga servieren und dem Euchzer einen Kalana, denn die Kajirae der beiden Herren waren anscheinend noch mit anderen Aufgaben beschäftigt. Puhh… es ist mir tatsächlich gelungen, den Euchzer nicht zu duzen, sodass ich diesmal um eine Strafe herum gekommen bin. Bei dem Hauptmann ging es natürlich nicht ohne einen Knuff in meine kitzelige Seite, sodass mir etwas Paga aus der sehr voll geschenkten Schale über meine Hände lief, was dann selbstverständlich mit einem Kopfditscher belohnt wurde. Kajiraschicksal eben… dabei hatte ich es gut mit ihm gemeint. Hat er eben selbst Schuld, wenn ich nächstes Mal seine Pagaschale einfach weniger vollschenke.
 
Inzwischen waren übrigens auch Dark und ihr Herr eingetroffen… ihr Herr allerdings mittelprächtig frustriert, weil seine Reise nach Lydius umsonst gewesen war. Die Stadt war nämlich zum dritten Mal komplett ausgestorben gewesen, sodass er die Einladung für die Feiern zum Se‘Kara nicht überbringen konnte und seinen früheren Heimstein einfach nicht mehr wiedererkannte. Zum Glück tröstete ihn der von Dark mit dem Wunsch servierte Kalana, er möge die verbrauchte Energie der letzten Nacht und der überflüssigen Reise wieder auffüllen, recht schnell und seine galante Art kehrte zurück. Während der jetzt also nicht mehr frustrierte Herr sich meiner Herrin gegenüber nun sehr positiv über meine Hilfsbereitschaft in der letzten Nacht äußerte, nutzten Dark und ich die günstige Gelegenheit natürlich sogleich für ein wenig Getratsche und bestätigten uns gegenseitig darin, wie wohltuend und vor allem stärkend die Wirkung dieses Weins auf ihren Herrn immer ist.
 
 
Irgendwann erkundigte sich der Hauptmann interessiert bei meiner Herrin, warum sie davon Abstand genommen hatte, ihren Anspruch auf die verletzte entlaufene Sklavin anzumelden, die ich nun aus dem Kennel holen sollte. Er überlegte anscheinend, ob diese Kajira womöglich für seine Gefährtin geeignet ist und wollte von meiner Herrin wissen, wie gut ihr Ausbildungsstand ist und vor allem, wie hoch oder vielmehr wie niedrig sie den Kaufpreis für dieses Mädchen ansetzen würde. Während meine Herrin dem Hauptmann ihre Gründe darlegte, warum sie diese Kajira nicht an der Kette haben will, wurde mir aufgetragen, die Sklavin aus dem Kennel zu holen, die sich dort inzwischen ziemlich lautstark bemerkbar machte. Zum Glück versprach sie mir nicht nur nicht wieder wegzulaufen, da sie ja angeblich gar keine Weglaufkajira ist, sondern hielt sich auch daran.
 
 
In Anbetracht der finanziellen Situation des Hauptmanns durch seine anspruchsvolle Gefährtin, die wegen ihrer Schwangerschaft offensichtlich jede Hand neue Kleider braucht, weil die anderen schon wieder nicht mehr passen, machte meine Herrin dem Hauptmann ein wirklich großzügiges Angebot, ihm Katy abzukaufen. Doch obwohl er noch nicht so ganz glücklich mit seiner neuen Kajira ist, wollte er darüber nicht mit sich reden lassen und war sehr zuversichtlich, dass er sie noch so hinbekommen wird, wie er sie haben möchte. Nun wollte er jedoch erst einmal die ehemalige Sklavin meiner Herrin testen und befahl ihr, ihm einen weiteren Paga zu servieren, denn den anderen hatte er bereits hinuntergekippt. Wer ein richtiger Hauptmann ist, trinkt das scharfe Zeugs eben wie Wasser und hat irgendwann dann auch die richtige Schwere für die Felle. ;-))

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