Freitag, 9. August 2013

Merkhilfe à la Pinion

Nachdem ich eine unbequeme Nacht in Elenas Vogelkäfig verbringen durfte, war die Wut des Lederarbeiters zum Glück verraucht. Er sah zwar immer noch nicht ein, dass er sich bezüglich meines Verbleibs im Gefahrfall nicht wirklich eindeutig geäußert hatte, aber wie heißt es? Genau, Freie haben immer Recht… damit muss eine Sklavin nun mal leben.
 
Nach meinem mit Hingabe servierten Paga war er dann sogar einigermaßen gut gelaunt glaube ich, auch wenn er natürlich betonte, dass er meinen Fehler nicht vergessen würde. Mir war es daher nur genehm, dass er Gesellschaft von dem zu euchzenden Krieger bekam und mit der Gelegenheit, sich bei ihm genauer nach dessen Gefangennahme und Verletzungen durch irgendwelche Waldfrauen am Vortag zu erkundigen, war er einigermaßen von mir abgelenkt. Nachdem ich dem Krieger seinen Kalana serviert und dabei sogar an das Euchzen gedacht hatte, erlaubte er mir großzügig, nachzuschauen ob meine Herrin vielleicht schon von ihrem auswärtigen Kastengrillessen zurück ist.
 
War sie… sie war sogar schon wieder dabei ihr Haus zu verlassen, denn mit einem erstaunten „Huch“ flog mir plötzlich die Haustür entgegen, als ich sie gerade öffnen wollte. So eilig, wie ich es hatte ins Haus zu kommen, wäre ich fast gegen meine Herrin geprallt, konnte aber gerade noch abbremsen. Ich glaube, so wie sie mich anlächelte freute sie sich, mich zu sehen. Ihr gefielen auch die Farben meiner Tunikakombination aus Blau für einen meiner Lieblingsherren, Rot für die Krieger und natürlich Blau zusammen mit dem gelblichen Seil um meine Hüften für die Kastenfarben meiner Herrin.
 
Nur logisch also, dass ich ihre gute Laune schnell ausnutzte und ihr beichtete, wie wütend ich den Lederarbeiter mit meinem unbeabsichtigten Missgeschick gemacht hatte. Auch wenn sie den Vorfall nur noch kurz hinterfragte und nicht weiter kommentierte, war ihr deutlich anzusehen, dass für mich nun Vorsicht angesagt war… das dicke Ende würde wohl gleich kommen. Kam es auch, und zwar in Form von zwei Decken die ich mir aus dem Haus holen sollte. Aber das war noch nicht alles. Danach ging es ohne weitere Erläuterungen zur Herberge. Während ich mit den unter den Arm geklemmten Decken hinter meiner Herrin her lief, verkniff ich mir selbstverständlich jede Frage danach, was es denn nun mit den Dingern auf sich hatte, denn das würde ich mit Sicherheit bald erfahren… und so war es auch.
 
Nach kurzer Begrüßung des Lederarbeiters und seines Gesprächspartners, der anscheinend immer noch auf die Ankunft einer Heilerin wartete, um seine Waldfrauenblessuren behandeln zu lassen, zitierte meine Herrin mich in den hinteren Teil und zeigte mir, wo ich die nächsten Tage schlafen sollte… unter der Treppe, die zu den oben liegenden Gästezimmern hinauf führt. Sie betrachtete diesen Schlafplatz als bestens geeignete Merkhilfe, damit ich in Zukunft genau weiß, was IN der Herberge bedeutet und wo die ist.
 
Während ich danach mit der Zubereitung der Milch beschäftigt war, erkundigte sich meine Herrin natürlich, was denn überhaupt los gewesen war, sodass ich meine Ohren ziemlich spitzte, um ebenfalls etwas genaueres darüber zu erfahren. Denn was für Verletzungen der Krieger außer seinem vermutlich etwas geknickten Stolz denn nun tatsächlich davon getragen hat, wusste ich immer noch nicht. Leider runzelte meine Herrin jedoch ihre Stirn, als es interessant wurde und meinte, vielleicht doch besser nicht die ganze Geschichte hören zu wollen.
 
Mist, mich hätte wirklich interessiert, was passiert war, als die Waldmädchen einen großen Krieger sehen wollten. Naja, eine Ahnung hatte ich natürlich und so wie der Lederarbeiter lachte, lag ich mit meiner Ahnung vermutlich auch nicht falsch. Mist war auch, dass meine Herrin leider auch an diesem Tag wieder viel zu tun hatte und die Herberge genau in dem Moment ausgerechnet verlassen musste, als die angekündigte Heilerin eintraf, da sie für einige Tage auf ihren Landsitz wollte. Immerhin war es diesmal die Ärztin aus Belnend, also eine richtige Heilerin. Ich nahm daher an, der Herr und der große Krieger würden wohl in gut ausgebildeten Händen sein. 
 
Natürlich habe ich meiner Herrin schnell beim Packen ihrer Sachen geholfen und sie zum Hafen begleitet, denn das Schiff würde bestimmt nicht warten, nur weil sich meine Herrin verspätet. Danach zog es mich aber wieder in die Stadt, vor allem Richtung Heilerhaus. Neugier steht einer Kajira zwar nicht, aber ich war ja auch nicht wirklich neugierig, sondern nur wissbegierig und wollte mal schauen, wie eine richtige Heilerin praktiziert, insbesondere wie sie ihre Instrumente desinfiziert.
 
 
Leider waren am ersten Fenster die Vorhänge zugezogen, am zweiten das Sims viel zu hoch für mich. Tja, und am dritten Fenster konnte ich zwar etwas sehen, aber nicht die Desinfektionsmethoden dieser Herrin. Und da ich ja wirklich nicht neugierig bin, habe ich mich dezent wieder zurückgezogen.

Doch eigentlich gab es nicht mehr viel zu tun für mich, da etliche Bürger einer Einladung gefolgt waren und nicht in Jorts weilten, sodass ich schließlich mein hartes Lager unter der Treppe aufsuchte.
 
 
 

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