Dienstag, 6. August 2013

Rambeerenstrafe

Neuerdings scheine ich mich echt zur Frühaufsteherin zu entwickeln. Jedenfalls bin ich meist um etliche Ehn oder teilweise sogar mehr als eine Ahn vor meiner Herrin in der Stadt, um mich dort nützlich zu machen, sofern die Dienste einer Kajira benötigt werden… selbstverständlich aber immer erst, nachdem ich alle meine Aufgaben und Pflichten erledigt habe. Die Terrasse des Gasthauses war an diesem Tag bereits gut besucht, wobei der Hauptmann irgendwie auf dem Sprung zu einer Reise war. Ich glaube, er wartete nur noch auf Katy, die er zurück in sein Haus geschickt hatte, damit sie sich noch ein wenig mehr herausputzte. Er wollte in der Fremde anscheinend wohl etwas mit seinem Besitz angeben. Gemeinsam mit dem Lederarbeiter sollte es in Sachen dieses merkwürdigen, angeblich so kostbaren weißen Fells nach Turmus gehen.
 
 Da der Brauereibesitzer ebenfalls anwesend war, nutzte ich die gute Gelegenheit, ihn über das erst kürzlich aus seinem Lager in die Taverne herüber geschaffte Pagafass zu informieren, da ich ihn seitdem leider noch nicht wieder gesehen hatte. Ich glaube, er war ganz angetan von seiner Brauereiaushilfskajira. Besonders zugesagt hat ihm nicht nur die Höhe der mit dieser Lieferung eingenommenen Kupfer, sondern besonders die Lage des Zapfhahns, da das Fass ja auf das alte oben drauf gestapelt worden war. Er meinte, genau diese Zapfhahnhöhe sei perfekt und wie für ihn bzw. seine Körpergröße gemacht, um sich den Paga direkt in den Mund laufen zu lassen. Leider hatte er jedoch noch irgendetwas zu erledigen und nahm daher keine Kostprobe mehr aus dieser ergonomisch günstigen Höhe… hatte bedauerlicherweise auch keine Zeit für ein schnelles, von mir serviertes Ale.
 
 
Nachdem also der Brauereikrieger sowie Hauptmann und Lederarbeiter die Terrasse verlassen hatten und meine Herrin immer noch nicht erschienen war, kam nun der freundliche Sklavenhändler als erster in den Genuss meiner Servierdienste, denn der inzwischen eingetroffene Händler wurde selbstverständlich von Shani bedient. Er war übrigens wieder ganz der Alte… seine Genesung nach dem Verabreichen des Gegengifts hatte wirklich hervorragend geklappt. Die fremden Ärzte verstanden offensichtlich was vom Heilen einer solchen Vergiftung. Zumindest habe ich keine Schlappheit mehr oder irgendwelche öffentlich sichtbaren Ausfallerscheinungen und unerklärlichen Schweißausbrüche an Shanis Herrn bemerkt. Ob er gesundheitlich aber wirklich wieder ganz der alte ist, nachdem er vor wenigen Tagen noch mehr oder weniger durch die Herberge torkelte... vor allem, ob er in JEDER Hinsicht wieder hergestellt ist, kann wohl nur Shani beurteilen.


 
Meine Herrin kam schließlich genau zum richtigen Zeitpunkt in der Herberge an, nämlich nachdem ich dem Sklavenhändler und seiner mir bislang unbekannten Tochter ihren Rambeerensaft serviert hatte. Wegen der sommerlichen Temperaturen schloss meine Herrin sich spontan dem fruchtigerfrischenden Getränkewunsch der beiden Verwandten an und nahm ausnahmsweise mal Abstand von ihrer geliebten Honigmilch. Das war mir natürlich ganz recht, denn es schüttelt mich auch nach inzwischen bestimmt tausend oder mehr servierten Milchschalen in den vielen Jahren bei meiner Herrin immer noch, wenn ich die ekelige Haut oben drauf schwimmen sehe… und gerade die findet sie ja so besonders lecker! Außerdem nutzte ich an diesem Tag jede Gelegenheit, in der Küche von den ausgedrückten Rambeeren zu naschen, die ich zuvor für den Saft zermatscht hatte. Zum Glück hat mich dabei niemand erwischt.
 
Nachdem alle Herrschaften schließlich mit Getränken versorgt waren, konnte ich ein wenig meinen Gedanken nachhängen, die sich wie fast immer um den einen oder anderen Herrn auf meiner Favoritenliste drehten. Ich lauschte den Gesprächen am Tisch daher nur nebenbei mit halbem Ohr. Komisch war nur, dass ich kaum begonnen hatte, in den Erinnerungen an einen bestimmten Herrn vom früheren Heimstein meiner Herrin zu schwelgen, als die Sprache plötzlich auf die kasratische Seuche kam. Auch wenn Jorts zum Glück weit weg liegt und meine Herrin keinerlei Absichten hat, an den Fayheen zu reisen, war ich doch froh, ihr und selbstverständlich auch den beiden anderen Herrschaften mit dem Saft eine Extraportion gesunde Vitamine serviert zu haben. Als ehrbare freie Frau desinfiziert sich meine Herrin selbstverständlich nicht innerlich mit Paga, so wie der Händler und der inzwischen aus Turmus unverrichteter Dinge zurückgekehrte Lederarbeiter. Turmus war bis auf einzelne Einwohner ausgestorben gewesen, die dem Sattler jedoch nicht weiter helfen konnten.
 
Leider passierten mir dann mehrere Fehler. Um mich von meiner Sorge um einen meiner Lieblingsherren abzulenken, ich hatte nämlich Angst, dass er sich womöglich mit der Seuche infiziert haben könnte, auch wenn er zum Glück viel auf Reisen ist, konzentrierte ich mich voll auf die Gespräche am Tisch. Anscheinend habe ich dabei ab und an zu laut gedacht. OK, ich gestehe, ich konnte mehrfach irgendwie nicht meine Klappe halten. Nur logisch also und auch verdient, dass ich von meiner Herrin mit entsprechenden Blicken verwarnt wurde. Mir kam daher der Wunsch meiner Herrin, ihr nach dem Saft nun eine Rambeere zu servieren, sehr gelegen. Ja, sie bestellte tatsächlich EINE Beere, also nicht zermatscht und nicht als Saft, sondern eine einzelne Frucht im Ganzen. Da ich Bedenken hatte, dieses Einzelstück würde mir auf dem Weg zwischen Anrichte und Tisch vom Teller kullern, verzichtete ich lieber auf einen solchen Untersatz und transportierte sie vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger.
 
Ich nahm an, meine Herrin würde bestimmt ein Einsehen haben, weil ich die Beere in die Finger nahm, denn eine Frucht, die mit Flusen vom Boden garniert ist, wäre bestimmt nicht nach ihrem Geschmack. Doch schon auf dem Weg zurück zur Terrasse kam mir die Erkenntnis, dass die Rambeere womöglich gar nicht für meine Herrin bestimmt ist. Andererseits war mir jedoch auch klar, dass mein Geplapper mit Sicherheit nicht durch den Genuss solch einer leckeren Frucht belohnt werden würde. Ich ahnte daher schon ein wenig, dass mir wegen vorlautem Benehmen vermutlich eine Strafe bevorstand. Es war daher nicht weiter verwunderlich, dass ich mir in meiner Hoffnung auf Strafmilderung beim Servieren dieses Einzelstücks besondere Mühe gab, meiner Herrin meine Erkenntnis und Einsicht über meinen Fehler kund zu tun und gleichzeitig Besserung zu geloben.
 
Doch es half nicht allzu viel… die Rambeere war tatsächlich für mich bestimmt. Sie war eine weitere von diversen, überaus kreativen Strafen meiner Herrin, die sie mir in der Vergangenheit schon für meine Vergehen verabreicht hatte und für die ich immer noch so dankbar bin, dass ich wahrscheinlich keine davon vergessen habe. Diese bestand nun darin, die echt oberköstliche, supersaftige Beere in den Mund zu nehmen, wobei ich sie jedoch nicht aufessen oder zerkauen durfte. Was für eine Gemeinheit… ähhmmm… Ehre wollte ich natürlich sagen… so bestraft zu werden! Die Frucht war sozusagen ein Knebelersatz und meine Herrin wollte später natürlich kontrollieren, ob ich ihre Anweisungen tatsächlich auch befolgt und die Beere nicht doch aufgegessen hatte.
 
Na gut, ich gebe zu, die Rambeere war tatsächlich so eine große Ablenkung für mich, dass ich keinen Piep mehr zur Unterhaltung der Freien beitrug, die komischerweise ab diesem Zeitpunkt immer schleppender wurde. Während ich voller Dankbarkeit über die Bestrafung ausgiebig mit der Frucht in meinem Mund beschäftigt war, sie hin und her schob, mit meiner Zunge umgarnte, daran saugte und mir dabei vorzustellen versuchte, es sei gar nichts Essbares zum Durchkauen und Herunterschlucken, mich also intensiv in Selbstbeherrschung übte, wurden die Gespräche immer zäher, sodass sich die Runde auf der Terrasse zu meiner großen Erleichterung schließlich auflöste, während ich die Beere aber immer noch im Mund hatte.
 
Zu Hause angekommen musste ich tatsächlich als erstes meinen Mund öffnen, damit meine Herrin kontrollieren konnte, ob ich ihren Befehl befolgt hatte, was wie gesagt der Fall war. Auch wenn ich mittlerweile das Gefühl hatte, dass die Rambeere trotz intensiver Produktion von Spucke inzwischen auf die Größe einer getrockneten Rosine zusammen geschrumpft war, war meine Herrin mit meiner Leistung zufrieden und erlaubte mir dann lächelnd, die Rambeeren-Rosine aufzuessen... ich glaube, so köstlich hat mir noch nie eine Beere geschmeckt!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen