Dienstag, 27. August 2013

Schufterei als Heilerkajira

Ich wusste schon, warum ich mich an diesem Tag zwischen den Häusern herum schlich, auch wenn ich dabei von Fenris angefaucht wurde. Um erst einmal zu schauen, was sich auf dem Marktplatz so tat und vor allem wen ich dort antreffen würde, ist der Gestank von Fenris manchmal das kleinere Übel. Leider hatte ich nicht damit gerechnet, dass der Hauptmann sich plötzlich umdrehen könnte, denn eigentlich war sein Augenmerk auf eine Sklavin gerichtet gewesen, die der Brauereikrieger anscheinend gefunden hatte und der mein Interesse galt. Er unterstellte mir herumzulungern, sodass ich nicht drum herum kam, mich grüßend schnell zu den Herrschaften zu begeben. Andernfalls wäre ich von ihm wohl zum Putzen des Sleenkäfigs verdonnert worden.
 
Immerhin konnte ich jetzt die Sklavin näher in Augenschein nehmen und stellte fest, dass es eine entlaufene Kajira meiner Herrin war. Meine Herrin hatte seinerzeit aus bestimmten Gründen, die hier jedoch nicht weiter von Interesse sind, davon Abstand genommen, sie wieder einfangen zu lassen. Das Mädchen behauptete nun allerdings, nicht weggelaufen, sondern auf Reisen zu sein, hatte angeblich inzwischen einen Herrn gehabt, der allerdings ertrunken war und an dessen Namen sie sich merkwürdigerweise nicht erinnern konnte. Ach ja, und dieser unbekannte Herr hatte ihr einen Selbstauflösekragen umgelegt, der ganz plötzlich auf mysteriöse Weise, sozusagen ganz von alleine verschwunden war… ihr Hals war nämlich nackt.
 
Selbstverständlich ließ sich der Hauptmann von einem solchen Ammenmärchen nicht täuschen. Während die Weglaufkajira nun darum bettelte, weiterziehen zu dürfen, denn sie war sich plötzlich ganz sicher, nicht nur ihren Herrn sondern bestimmt auch den so spurlos verschwundenen Kragen wiederzufinden, befahl er mir, die Lebertran-Salz-Spezialmischung meiner Herrin zu holen, um dem Gedächtnis der Sklavin ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Ich gebe zu, in Anbetracht der Tatsache, wie mich dieses Mädchen manchmal genervt hatte, war ich nicht wirklich mitfühlend, ihr eine Portion von dieser Leckerei einflößen zu dürfen, denn der Hauptmann erhoffte sich, dass ihr die Wahrheit dabei wieder einfallen würde.
 
Da ich noch genau erinnerte, was dieses Zeugs mit meinem Mageninhalt bei meiner einmaligen Verkostung angestellt hatte und vor allem wie schnell, war es nur logisch, die Herren hinsichtlich der möglichen Begleiterscheinungen und erforderlichen Reaktionen vorzuwarnen, bevor ich der Sklavin die Nase zuhielt, damit ich ihr von dem Gedächtnis-Nachhelftrank etwas einflößen konnte. Es war ein Unterfangen der etwas schwierigeren Art. Obwohl der Hauptmann laut und deutlich gesagt hatte, was für eine Mischung ich holen sollte, war die Kajira plötzlich der Meinung, dass sie vergiftet werden sollte. Was für ein Quatsch, um sich minderwertiger Ware zu entledigen wissen Freie andere Methoden.
 
Aber egal, anscheinend gelang es mir wohl trotz zusammen gepresster Lippen, tatsächlich ein wenig von diesem Spezialtrank in das Mädchen hinein zu bekommen. Offensichtlich jedoch nicht genug, denn außer Husten und kurzem Würgen passierte erst einmal nichts. Ich nahm natürlich an, dass sie gleich rückwärts essen würde und ging sofort in Deckung, doch die Entlaufene nutzte diese Gelegenheit, um sich schnell aus dem Staub zu machen und bestätigte erneut, wie flink sie sein kann, wenn es darum geht wegzulaufen.
 
Während nun die beiden Krieger der Kajira eilig hinterher hetzten, erkundigte sich der dank meiner guten Pflege in den letzten Tagen zum Glück wieder einigermaßen genesene Lederarbeiter interessiert, was es denn mit dem soeben durchgeführten Experiment auf sich gehabt hatte. Leider musste ich ihm gestehen, dass die Spezialmischung in diesem Fall nicht zur Aufbesserung des Gedächtnisses beigetragen, sondern eher die Schritte der Sklavin beflügelt hatte. Dummerweise hatte sie jedoch nicht damit gerechnet, dass die beiden Krieger hinter ihr herlaufen würden und vor allem nicht, dass sie bei ihrer Flucht einen Schuss in den Bauch erhalten würde.
 
 
Spätestens jetzt war in meinen Augen ihr Ende als Sleenfutter so gut wie besiegelt, doch der gutmütige Brauereikrieger meinte tatsächlich, ich soll mal versuchen, sie wieder hinzubekommen. Nanu, ich bin doch keine Heilerkajira und selbstverständlich auch keine Ärztin! Leider war die seit kurzem in Jorts weilende Heilerin nur nicht da, sodass ich aus dieser Nummer, die sich als eine ziemliche Schlepperei entpuppte, nicht so schnell heraus kam. Die Verletzte war viel schwerer als ein Fass Paga, in ihrer Ohnmacht leider auch noch total unhandlich und ließ sich dummerweise nicht rollen wie ein Fass.
 
Anstatt erst einmal nachzuschauen, ob die Ärztin anwesend ist, wurde mir nun befohlen, die Kajira ins Heilerhaus zu schaffen, wo die Tür natürlich verschlossen war. Am liebsten hätte ich die Sklavin dort einfach liegen gelassen, doch der Brauereikrieger bekam die Tür auf wundersame Weise irgendwie auf, sodass ich das Mädchen auch noch auf den Behandlungstisch legen musste… ach nee, ich glaube das machte der Brauereikrieger dann doch selbst. Leider war ich dann alleine mit ihr. Während das aufgebrochene Schloss für die Freien zum Gesprächsthema Nr. 1 wurde, habe ich der Verwundeten bzw. inzwischen vermutlich fast Toten ein paar Tücher auf die Wunde gedrückt und ihr einen notdürftigen Verband angelegt… alles wahrscheinlich nicht gerade heilermäßig, aber wie gesagt… ich bin ja auch keine Kajira einer Heilerin.
 
Danach kam einer der Herren auf die glorreiche Idee, dass die Entlaufene nun doch im Kennel besser aufgehoben ist… puhhh, also wieder zurück das Ganze. Eigentlich hatte ich schon befürchtet, dass ich gleich den immerhin kürzeren Weg zum Sleenkäfig einschlagen konnte, denn ohne ärztliche Hilfe hatte ich nicht viel Hoffnung, dass die offensichtlich doch sehr schwer verletzte Kajira noch am Leben war. Falsch gedacht, sie kam nach ein wenig Wangeklopfen sogar wieder zu Bewusstsein und verlangte leise nach Wasser. Keine Ahnung, ob bei ihrer Verletzung trinken nicht sogar schädlich war… zumindest bekam ich sie danach zusammen mit Shani wenigstens noch lebendig zurück in den Kennel, wo Shani sich ihrer dann annahm.
 
Meine Herrin hatte sich inzwischen zu meinem anderen Patienten auf die Terrasse gesellt und war nun natürlich daran interessiert zu erfahren, um welche ihrer entlaufenen Kajirae es sich bei der im Kennel handelte, denn bei den vielen 99ern waren dies ja nicht wenige. Wieso diese beim Einfangen nun jedoch ausgerechnet einen Bauchschuss abbekommen hatte, erschien uns nicht wirklich plausibel, denn die jortsschen Krieger sind normalerweise sehr geschickt und trainieren ja auch regelmäßig. Aber egal, meine Herrin brachte es schließlich ganz gut auf den Punkt, es ist unwichtig ob eine Sklavin durch einen Bauchschuss, das Durchschneiden ihrer Kniesehnen oder durch ihr allgemeines Verhalten nichts taugt… nutzlos ist nutzlos.
 
 
Leider hatte ich bei meinen Heilerkajiratätigkeiten nicht mitbekommen, was der Lederarbeiter zu meiner Herrin über meine Leistungen in den letzten Tagen gesagt hatte. Eigentlich war ich mir sicher gewesen, ihm sehr gut und vor allem mit sehr viel Hingabe gedient zu haben, nur fing er jetzt leise an zu grummeln, als meine Herrin meine Dienste erwähnte und mich dabei ernst anschaute. Oh je, ich bin mir sicher, dass ich förmlich zusammenschrumpfte, während es in mir zu arbeiten begann. Errötend senkte ich meinen Kopf und erkundigte mich vorsichtig, ob ich erfahren darf, was ihm nicht gefallen hat. Mit weiterhin ernstem Blick und leichtem Schulterzucken meinte meine Herrin jedoch nur, dass ich darüber lieber erst einmal nachdenken sollte, damit es mir vielleicht von alleine wieder einfällt.
 
Mist, mir fiel echt nicht ein, was ich mir möglicherweise zu Schulden hatte kommen lassen in meinen Bemühungen ihn wieder aufzupäppeln. Eigentlich blieb auch nur meine Pflege seiner Wunde und seine Versorgung mit Essen und Trinken nach, denn über gewisse andere Details hatte der Herr bestimmt nicht mit meiner Herrin gesprochen. Außerdem war ich mir obersicher, dass es da keine Beanstandungen gegeben haben kann! Ich zermarterte jedenfalls ganz schön kräftig mein Hirn, bis meine Herrin endlich ein Einsehen hatte und mir schließlich seufzend mitteilte, dass der Lederarbeiter wohl nicht völlig unzufrieden mit mir gewesen war.
 
Ups, war das etwa ein Lob gewesen? Doch es kam sogar noch besser! Der Lederarbeiter widersprach meiner Herrin nämlich umgehend und wiederholte seine Aussage, dass meine Pflege hervorragend gewesen war. Dabei zwinkerte er mir auf eine Art zu, die es schon wieder in mir kribbeln ließ! Davon merkte meine Herrin natürlich nichts, da sie von solchen Dingen einfach nichts versteht. Allerdings fiel ihr sofort auf, dass ich wieder größer geworden war, denn sie brummelte leise vor sich hin: „Jetzt habe ich den Salat, die nächsten 2 Ahn wird sie vor Stolz kaum den Boden mit den Füssen berühren.“ Die Antwort des Herrn, eine schwebende Kajira hätte aber doch auch was, konnte ich nur kichernd ergänzen: „Zumindest macht sie keine Fußabdrücke Herr!“

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen