Donnerstag, 29. August 2013

Strafbelohnung

Ich wurde vom Hauptmann schon wieder mit „Dina nicht rumlungern!“ begrüßt und am gestrigen Trainingstag brüllte er dies sogar quer über die Wiese, damit es auch ja alle hören konnten. Menno… ich lunger nie herum und drück mich eigentlich auch nicht vor irgendwelchen Aufgaben, wie mir kurze Zeit später Darks Herr unterstellen wollte! Nein, ich war wirklich schwer mit Drücken beschäftigt, nämlich mit dem meiner Daumen für die jortsschen Krieger auf dem Trainingsplatz! Nur wurde dies weder vom Hauptmann so richtig anerkannt, noch von Darks Herrn. Diesen beiden Rarii galt nämlich mein ganzer Drückeinsatz, denn ich habe ja zwei Daumen… wobei ich eingestehen muss, dass es für den Hauptmann besser geklappt hat. Wahrscheinlich muss ich meine Technik noch etwas verbessern oder hilft vielleicht schon, einfach nur die Belegung meiner Daumen zu tauschen?
 
Ich traute mich an diesem Tag übrigens nicht quer über die Wiese, weil das Training bei meiner Ankunft schon voll in Gange war. Bei den wild hin und her rennenden Kämpfern erschien es mir wirklich zu gefährlich, zur Festung hinüber zu laufen. Natürlich wollte ich keine Zielscheibe abgeben und selbstverständlich nicht umgehauen werden, auch wenn einer der Herren irgendwann anmerkte, er könne sich über die weiche Qualität des Grases nicht beklagen. Hinzu kam noch, dass die beiden vor der Festung hockenden Kajirae anscheinend gerade irgendwelche Meditationsübungen machten… zumindest sah es so aus, sodass an den üblichen Kajiratratsch vermutlich sowieso nicht zu denken war. Ich fand jedenfalls meine Position an der Hausecke strategisch ganz gut und konnte mich dort still für mich alleine dem Schauspiel der trainierenden Männer hingeben.
 
 


Naja, so ganz still war es dann aber doch nicht, als plötzlich etliche Pfeile äußerst dicht um mich herum pfiffen und meinen Sitzplatz quasi einzäunten. Der Hauptmann konnte offensichtlich nicht umhin, mir sein Können mit dem Bogen zu beweisen… wahrscheinlich in Anbetracht seiner Topform durch mein Daumendrücken in einem Anfall von Übermut, denn es war ihm gelungen, seinen Gegner immer wieder ins wie gesagt weiche Gras beißen zu lassen. Wobei ich zugeben muss, es war mir natürlich nicht unangenehm, auf diese etwas ungewöhnlich Art die Aufmerksamkeit des Hauptmanns auf mir zu spüren und großes Vertrauen in diesen Herrn habe ich ja schon ganz lange, denn ihm verdankte ich meine Rettung damals im Lydiuskrieg.
 
Natürlich behielt ich die um mich herum im Boden steckenden Pfeile nicht als Souvenirs, sondern brachte sie dem Kunstschützen und Helden des Tages zurück, als die Herren eine kurze Trainingspause einlegten. Bei dieser Gelegenheit konnte ich dem Hauptmann dann auch mitteilen, dass ich nicht nur unter die Tuniken der Rarii geschaut, sondern mich vor allem aufopferungsvoll mit meinen Daumen für ihn und Darks Herrn eingesetzt hatte. Als die Männer dann noch eine Abschlussrunde antraten, nutzte ich nun endlich die Gelegenheit, mir die fremde Kajira einmal genauer anzuschauen, die mir irgendwie vage bekannt vorkam… allerdings nicht wegen ihrer gymnastischen Übungen.
 
Es war tatsächlich ein Mädchen, das vor vielen Jahren ab und an meine Wege gekreuzt hatte… zwar immer nur sehr kurz, da unsere jeweiligen Herren nie dem gleichen Heimstein angehört hatten. In Sachen Flausen beibringen und Felle hatte sie inzwischen anscheinend einen ziemlichen Ruf erlangt. Komischerweise fing Darks Herr bei dieser Anmerkung seines Trainingspartners plötzlich und mir gänzlich unerklärlich an zu lachen und meinte doch tatsächlich, er wüsste nicht, wer gerade wem Flausen beibringt… manchmal sprechen Krieger einfach in Rätseln! Leider konnte ich nicht mehr genauer in Erfahrung bringen, was die Kajira denn damit gemeint hatte, dass sie sogar noch schlimmer als ihr Ruf ist. Wobei Darks Herr der Meinung war, dass die Schlimmsten die Besten sind… er kannte die Kajira wohl bereits?
 
 
Inzwischen hatte sich übrigens auch meine Herrin zu uns gesellt, sodass ich die Tratscherei erst einmal aufgeben musste, denn mein Platz ist selbstverständlich an ihrer Seite. Außerdem habe ich mir zur Regel gemacht, ihr meine Fehler oder in diesem Fall mein Versagen im Daumendrücken gleich zu beichten, nämlich noch bevor sich jemand über mich bei ihr beschwert. Ich denke bei den vielen Grashalmen, die immer noch im Haar von Darks Herrn hingen, war diese Entscheidung echt oberangebracht gewesen, auch wenn er bei meiner Beichte gutmütig lachte. Meine Strafbelohnung folgte prompt… ich bekam für den Rest des Tages einen Daumenzuschwachgedrückt-Wiedergutmachungsherrn, nämlich den von Dark, die an diesem Tag leider nicht in Jorts war, sondern noch mit dem gründlichen Hausputz auf dem Landsitz ihres Herrn beschäftigt.
 
Ich war so perplex und natürlich hochbeglückt über meine Strafbelohnung, dass ich schnell „Ja meine Herrin… sofort… mein Wunsch ist mir Befehl!“ stammelte und erst als meine Herrin kichernd erwiderte „DAS glaube ich sofort, gut dass mein Wille dein Wille ist“ wurde mir klar, was ich da von mir gegeben hatte. Der Krieger schaltete sofort auf Verständnis für das Problem meiner Herrin um, die jetzt doch tatsächlich behauptete, ich wäre nach dem Kriegertraining immer so unausgeglichen, dass sie mich kaum gebrauchen könnte. Er meinte dazu nur, Dark und ich unterscheiden uns nur so viel, wie die Anfangsbuchstaben unserer Namen. Auch wenn ich mich über diese Anerkennung natürlich riesig gefreut habe, weiß ich genau, dass ich mit Dark nie werde mithalten können!
 
Wie üblich ging es nach dem Waffentraining natürlich nicht ins Badehaus… wo kämen wir denn auch hin, wenn der aromatische Schweißgeruch der Krieger plötzlich fehlen würde! Nein, es zog allen Freien auf die Terrasse, die sich dann wie immer schlagartig mit weiteren Bewohnern füllte, die gar nicht dem Waffentraining zugeschaut hatten. Während sich Shani, ganz besonders hingebungsvoll übrigens die fremde Kajira und ich uns nun um das Durstlöschen der vielen Freien kümmerten, wurden die neuesten Neuigkeiten über Pfefferanbau, das Entwenden eines Schlüssels, ein äußerst lukratives Geschäft des Lederarbeiters als Regenschirmhändler, Steuern, die Freudentränen einer verrückten Herrin, neue Moden, fischige Kastratensuppe und… und… und... erörtert. So wie die Gespräche hin und her waberten, bekam ich wahrscheinlich das Meiste nicht richtig mit, aber das muss eine Sklavin ja auch nicht.
 
Etwas ruhiger wurde es erst, nachdem es plötzlich besonders laut geworden war. Der Hauptmann gab nämlich plötzlich sehr laut seinen Unmut darüber von sich, dass in eine Pagaschale mehr Paga hinein passt als in einen Pagabecher. Davon hatte er bislang nichts gewusst und in der Annahme, es sei genau umgekehrt, immer einen Becher für seinen Paga verlangt… der Lederarbeiter übrigens auch. Wobei der letztere mit seinen Handwerkerfingern anscheinend keine Schale anfassen mag und daher den Becher wegen des Henkels bevorzugt. Die Empörung der beiden Bechertrinker war jedenfalls groß, weil sie sich benachteiligt fühlten. Zwecks Überprüfung der Menge bestellten beide nun Schalen mit Paga, der Hauptmann trank den Schnapps auch daraus, nur der Lederarbeiter machte einen ziemlichen Aufstand, weil er grundsätzlich nicht aus Schalen trinkt. Mir blieb nichts anderes übrig, als den Inhalt der Schale in seinen Becher umzuschütten…mit dem Erfolg, dass ein paar Minitröpfchen daneben gingen.
 
Nun war erst richtig was los, das für mich leider ziemlich fies endete. Ein Tuch zum Auslutschen oder mein Aufschlecken der Tropfen kam für den erbosten Lederarbeiter nicht in Frage. Nein, er wollte mich bestrafen und befahl mir, meine Schenkel zu spreizen, tunkte dann seinen Finger in den daneben gelaufenen Schnaps und strich ihn mir mit dem Hinweis, Darks Herr würde sich über diesen Geschmack bestimmt freuen, an eine Stelle, die ich hier wohl nicht näher zu beschreiben brauche. Das schlagartig einsetzende Brennen, das mir durch und durch ging, ließ mich jedenfalls heftig keuchen. Leider ereignete es sich jedoch im Beisein meiner Herrin und wurde letztendlich von ihrer sehr schnellen und sehr kurz angebunden Verabschiedung gekrönt, bevor sie empört nach Hause rauschte… ich natürlich hinterher.
 
Was für ein Mist. Ich hatte zwar dem Befehl eines Freien gehorcht, nur meine Herrin fühlte sich durch den Lederarbeiter brüskiert. Eigentlich war es sogar obermistig für mich, denn bevor ich mich schließlich in die Festung zu Darks Herrn aufmachte, bekam ich noch einen klaren Befehl von meiner Herrin, wie ich mich gegenüber dem Lederarbeiter zukünftig zu verhalten habe. Tja, typisches Sklavenschicksal eben… hart und ungerecht… das Leben einer Kajira ist manchmal wirklich nicht leicht! Es gibt eben nicht nur Strafbelohnungen, sondern auch Strafen!

1 Kommentar:

  1. *grinst* OH JA! Manchmal ist das Leben wirklich hart als Kajira. Aber meistens ziemlich prima.

    Wobei der Lederarbeiter scheint sich ja echt zu Deinem Schicksal zu entwickeln.

    Und nicht nur Dina und Dark beginnen mit D, sondern auch Dreamteam *lacht* Auch wenn es mir ja lieber ist, wenn DU putzen musst und ICH in den Fellen diene, kommt es erstens anders als man zweitens denkt. Aber ich werde mich weiter anstrengen und irgendwann werde ich so gut sein, dass Deine Herrin ein Angebot auch für mich abgibt!
    Ich war ja ganz neidisch als sie gestern für Katy geboten hat, denn das Interesse Deiner Herrin ist ein Qualitätsstempel! ...wobei ich aber dann hoffe, dass mein Herr mich nicht verkauft. Also darf das Angebot nicht zu gut sein, denn in dem Kriegerherzen wohnt bei meinem Herrn ein gar nicht so kleiner Händler!

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