Freitag, 16. August 2013

Abnutzungserscheinungen?

…keine Spur!
 
Der Händler aus Teveh schnarchte frühmorgens dermaßen laut in mein Ohr, dass ich einfach nicht mehr schlafen konnte, egal wie kuschelig und schön es war, von seinen starken Armen umschlungen zu werden. Mir blieb bei diesem Getöse nichts anderes übrig, als schließlich aufzustehen. Nach einigen erfrischenden Körperhygienemaßnahmen wollte ich eigentlich nach Hause trödeln. Doch ich entdeckte auf dem Marktplatz den Brauereikrieger und gesellte mich zu ihm, da ich mir ziemlich sicher war, dass meine Herrin noch schlief und meine Dienste noch nicht benötigte.
 
Der Krieger war über mein Auftauchen offensichtlich ganz erfreut, denn er erwartete einen Gast. Eigentlich hörte sich das nicht nach viel Arbeit für mich an. Tut eine Kajira nicht alles, um Herrn zu erfreuen? Außerdem erhoffte sich der Rarius eine kleine Trainingsrunde mit seinem Freund. Doch es kam ganz anders. Der Besuch tauchte als ganze Familie in Jorts auf und die Terrasse füllte sich natürlich nicht nur mit den Gästen des Brauereikriegers, sondern nach und nach auch mit einigen Bewohnern aus Jorts… leider alle ohne Kajirae, sodass ich sozusagen das Ganze hatte und letztendlich acht Freie mit Getränken versorgen musste… oder waren es sogar noch mehr?
 
Egal, auch wenn mir der Kopf schon ein wenig brummte bei den vielen unterschiedlichen Bestellungen… Ale, Ale mit Wasser, Kalana, Kalana mit Wasser, Klanasaft, Kalnasaft mit Wasser, Wasser mit Kalanasaft und Wasser pur… war das alles natürlich kein Problem für mich und ich glaube, die Herrschaften waren zufrieden. Einzig zum Schluss vertüdelte ich mich etwas. Ich wünschte einer der fremden Herrinnen beim Servieren ihres Getränks nämlich, der verdünnte Kalansaft möge sie erfreuen… nur hatte die Herrin mit Wasser verdünntes Ale bestellt! Doch ich hatte Glück, es war nur ein Versprecher, denn eine Schnupperprobe am Trinkgefäß bestätigte, es war doch verwässertes Ale drin.
 
 
Irgendwie nett fand ich ja, wie besorgt sich der Sklavenhändler darüber äußerte, dass ich die einzige Sklavin war, die sich um das Wohl der Herrschaften kümmerte… doch wirklich helfen konnte er mir dann leider auch nicht, da sein Mädchen noch andere Aufgaben zu erledigen hatte. Ich denke aber, ich konnte ihm glaubwürdig versichern, dass ich alles gut im Griff hatte und die einzige Abnutzungserscheinung mein kleiner Versprecher gewesen war, den die Herrin mir jedoch verziehen hatte. Dennoch sicherte er mir zu, seine Kajira in die Herberge zu schicken, sobald sie abkömmlich ist.
 
Da alle Freien irgendwann versorgt waren, hatte ich ehrlich gesagt kein schlechtes Gewissen, die Herberge zu verlassen, denn ich musste natürlich noch nach meiner Herrin schauen. Leider war die jedoch schon wieder so in ihre Arbeit vertieft, dass sie auch an diesem Tage darauf verzichten wollte, ihr Haus zu verlassen. Keine Ahn später zeigte sich übrigens erneut, wie großzügig sie mit ihrem Besitz immer ist, wenn sie meine Dienste nicht benötigt… in diesem Fall, als mein Oberlieblingshändler aus Teveh bei ihr auftauchte, um seine gute, langjährige Freundin zu besuchen.
 
Ich vermutete, er hatte nicht nur einen Freundschaftsbesuch vor, sondern wollte mich wieder einmal ausleihen. Und so war es auch. Seine nächste Reise sollte wegen einer Nasenringbeschaffung nach Belnend gehen, wo ein Kunstschmied wohnte. Ich konnte mein Glück kaum fassen, ich durfte tatsächlich mit! Nur logisch also, dass Proviant, Wasser und einige Kleidungsstücke schnell im Rucksack verstaut waren, damit es losgehen konnte. Die schwere Entscheidung, welche Tunika die beste ist und meine ganze Schönheit so richtig gut zur Geltung bringt, vertagte ich einfach, indem ich eine mehr einpackte, denn ich musste den Rucksack eh tragen. Außerdem steht mir sowieso alles!
 
 
Die Reise gestaltete sich ohne weitere Zwischenfälle, sodass wir wohlbehalten in Belnend ankamen und dort mit einer lauten Fanfare, allerdings auch mit dem Ausruf „Achtung!“ begrüßt wurden. Umsichtig wie mein Oberlieblingsherr immer ist, sprang er in Erwartung einer sich nähernden Gefahr sogleich zur Seite, um sich in einer Ecke hinter der Stadtmauer in Sicherheit zu bringen und befahl mir, es ihm gleich zu tun. Nicht auszudenken, wenn wir unser Ziel zwar heil und gesund erreicht hatten, dann jedoch unter eine Kutsche oder das niedersausende Fallgitter geraten wären. Zum Glück stellte sich dieser Ruf aber schnell als Überreaktion einer besonders eifrigen Wache heraus und mein Leihherr wurde überaus freundlich vom belnender Hauptmann willkommen geheißen, der mir ja schon lange kein Unbekannter mehr ist, insbesondere nach einem Erlebnis vor den Büschen von Jorts, in denen sich meine Herrin gerade umzog.
 
 
Ebenfalls bekannt war mir die nette Heilerin… nicht nur, weil sie ab und an in Jorts ist, sondern ganz besonders, weil sie mir in Turmus zwei Kajirakringel für meine Herrin geschenkt hatte, von denen ich mir nach Ablieferung einen mit Katy teilen durfte! Während mein Leihherr von dem Hauptmann erfuhr, dass der Kunstschmied bedauerlicherweise seinen Wohnsitz inzwischen woandershin verlagert hatte, erkundigte sich die Heilerin bei mir, warum meine Herrin nicht mitgereist ist und war erstaunt, dass ich eine Ausleihkajira bin. Sie fragte mich, ob meine Herrin nicht Befürchtungen habe, ich könnte vom Ausleihen abnutzen.
 
 
Wieder einmal zeigte sich, wie gut sich diese Ärztin mit den Veranlagungen von Kajirae auskennt, in denen das Sklavenfeuer geweckt wurde. Sie bestätigte nämlich die Auffassung meiner Herrin, dass es nicht gut ist, wenn ein rotseidenes Mädchen ausschließlich ein Leben als Turmsklavin führen muss und befürwortete es sehr, dass meine Herrin ihr Eigentum an Herren verleiht. Mit Bedauern meinte sie, das ich aber wohl nicht zu verkaufen sei, denn genau so eine Sklavin wie mich könnte sie gut gebrauchen, um sie den Männern mal vor die Füße zu werfen, damit sie die Kerle mit ihrem Feuer ablenkt, wenn es nötig sein sollte. Ich glaube, so oder so ähnlich drückte sie sich aus.
 
Irgendwie kam es mir so vor, als würde der Hauptmann dem Gespräch der Heilerin mit mir sehr interessiert lauschen, bekam aber darüber leider nichts genaueres mehr heraus, da er meinen Leihherrn dann auf die Terrasse vor der Herberge einlud. Wie gut, dass ich mich seit dem damaligen Aufenthalt meiner Herrin in Belnend in der Küche noch ganz gut auskannte, sodass ich mich ein wenig nützlich machen konnte. Etwas kompliziert wurde es erst, als die Heilerin mir auftrug Kalanakäse zu holen, denn einen solchen Käse hatte ich noch nie gesehen. Sie wollte meinem Leihherrn nämlich einige Happen davon zur Verkostung anbieten... nach dem Motto „mit Käse fängt man Händler“. Dank ihrer Beschreibung war das Auffinden des rosafarbenen Käses jedoch kein Problem, sodass mein Leihherr recht schnell in den Genuss dieser Delikatesse kam.
 
Als Charmeur der er ja nun mal ist, lobte er die Käseleckerei letztendlich in den höchsten Tönen, nachdem er den ersten Happen eine gefühlte Ewigkeit ohne zu kauen im Mund ließ. Während die Herrin in Erwartung seiner Meinung fast platzte vor Wissbegier, machte er es richtig spannend. Es sah aus, als würde er den Käse im Mund schmelzen lassen, bis er ihn schließlich herunter schluckte und sein Urteil abgab…irgendwas mit süßem Kalana der sich gut von dem würzigen Käse abhebt, der beim Zergehen auf der Zunge mit den Geschmacksnerven spielt und den man nicht zu schnell essen darf, weil sonst die vielen Geschmacksfacetten dieses Käses nicht voll zum Tragen kommen… oder so. Mir schmeckte der Käse jedenfalls auch!
 
 
Mal sehen, wann es meinen Leihherrn das nächste Mal nach Belnend zieht… wobei ich mir nicht sicher bin ob es wegen dem Käse oder wegen der Heilerin sein wird! ;-))

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