Dienstag, 13. August 2013

Zu Risiken und Nebenwirkungen…

lesen Sie die… und fragen Sie Ihren Heiler oder…
 
Nein, an diesem Tag ging es nicht schon wieder ins Haus der grünen Kaste und es drehte sich auch nichts um Medikamente, sondern um goreanische Risiken und Nebenwirkungen in einem kleinen D… namens Jorts und einer Stadt mit weiblicher Regentin auf Lebenszeit.
 
Nach meiner trotz der zwei zugestandenen Decken doch recht harten Nacht unter der Herbergstreppe, wachte ich recht früh auf, auch wenn für mich das harte Schlafen nichts Neues war. Es war vermutlich eher die ungewohnte Umgebung, die mich meinen Schönheitsschlaf so zeitig beenden ließ. Da zu diesem Zeitpunkt im Gasthaus jedoch niemand meine Dienste benötigte, ich aber natürlich nach meiner Herrin schauen musste, sauste ich schnell für ein kurzes erfrischendes Bad an den Vosk und dann eilig nach Hause. Es war eine gute Entscheidung, nicht länger in dem herrlich warmen Wasser zu schwimmen, denn erstaunlicherweise war meine Herrin bereits aufgestanden.
 
Immer noch in großer Sorge um das einzige Überbleibsel eines Blumengeschenks des ersten Händlers, das vor einigen Tagen ja leider ziemlich stark unter den Nebenwirkungen eines Boskunfalls gelitten hatte, erkundigte sie sich bei mir sogleich nach der Befindlichkeit des kleinen Rosentriebs, den wir liebevoll aufzupäppeln gedachten. Leider konnte ich aber nur mitteilen, dass zwar wohl noch Hoffnung besteht, also der Trieb noch nicht vergammelt und auch nicht mulschig ist, sich allerdings auch noch keine neuen Wurzeln gebildet hatten. Unser ganzes kritisches Betrachten und sehnsüchtiges Suchen nach kleinen Gewächsen an diesem dünnen Stiel nützte jedenfalls nichts… wir mussten uns einfach weiter gedulden.
 
Kein Wunder also, dass in meiner Herrin die Rachegelüste gegen die Boskkuh wieder aufflammten und sie sich erneut überlegte, von ihrem Nachbarn das Viech für den Grill auf dem SeKara-Fest einzufordern… selbstverständlich würde sie es auf dieser Festivität dann auch mit einer Blume hinter dem Ohr schmücken. Gleichzeitig fiel ihr dann jedoch ein, dass ihre Milchversorgung natürlich trotz lecker gegrilltem „Boskfleisch mit Blümchen“ weiterhin gewährleistet sein muss und preschte auch gleich mit nicht mehr zu bremsenden Milchgelüsten Richtung Herberge.
 
Die Terrasse war inzwischen wie fast immer sehr gut besucht, obwohl anscheinend einige Freie sogar schon wieder weg bzw. noch gar nicht anwesend waren. Während ich mich nach der allgemeinen Begrüßung schnell um die Milchzubereitung kümmerte, spitzte ich natürlich wie gewohnt meine Ohren und erfuhr dadurch eine interessante Neuigkeit. Der Händler informierte meine Herrin über etwas, das mich sogar schlagartig das Ablecken des köstlichen Honiglöffels vergessen und schleunigst mit dem dampfenden Gefäß zurück zum Tisch sausen ließ, um möglichst nichts zu verpassen.
 
 
Meine Herrin nahm zwar an, der Händler wollte ihr mitteilen, dass die Sache mit der Boskkuh bereits geklärt sei und sie zu SeKara serviert werden würde, doch es drehte sich nicht um die Nebenwirkungen des Viehtriebs in der letzten Hand, sondern um meinen früheren Lieblingshauptmann. Er hatte inzwischen eine Gefährtin, war zurzeit in Jorts und für einige Tage sogar ein Haus gemietet… interessant! Als der Lederarbeiter sich dann genauer nach dem ihm unbekannten Krieger erkundigte, wurde es jedoch erst richtig interessant.
 
Wir erfuhren nämlich, dass der ursprünglich hochgestellte Rarius derzeit ohne Amt ist und nun eine neue Aufgabe sucht! Allerdings wurde er nicht rausgeworfen, sondern hatte anscheinend seinen Dienst quittiert… sagte der Händler. Leider hatte der Krieger an diesem Tag jedoch aus welchem Grund auch immer keine Zeit sich ins Gasthaus zu setzen, sodass meine Herrin, die vermutlich ebenso wie ich fast vor Neugier platzte, mit der Gefährtin des Hauptmanns a.D. vorlieb nehmen musste. Oder sollte in diesem Fall „fast vor Neugier platzen“ etwa nicht auf meine stets untadelige Herrin zutreffen?
 
Egal, mir ging es jedenfalls so. Daher war ich echt froh, dass sie nun nicht nur die Gefährtin genauer in Augenschein nahm, sondern sie auch ausfragte. Sie hatte offensichtlich zuerst angenommen, das Paar sei anlässlich der frischen Gefährtenschaft auf einer Rundreise, wurde jedoch eines anderen belehrt. Damit wurde es dann leider sehr kompliziert für mich und ich befürchte, ich konnte mir wahrscheinlich nicht alles merken. Seinem Heimstein hatte der Hauptmann a.D. jedenfalls nicht abgeschworen, zumindest noch nicht. Anscheinend hatte das Quittieren seines Dienstes etwas damit zu tun, dass er als Legat in Turmus weilte, dort an irgendwelchen Beratungen des Ubars gegen Cos teilgenommen hatte und sein Heimstein deswegen der Meinung gewesen war, dass sich seine ganzen Ämter und Beratungen wohl irgendwie gebissen haben… oder so ähnlich.
 
Während einer der anwesenden Krieger dies alles für einen Heimstein, der von einer Frau regiert wird, als nicht unerwartet kommentierte und von sich gab, dass Politik nun mal eine Hure sei, meinte meine Herrin nur, es ist eine interessante Forderung an einen Mann, der so in seinem Amt aufgeht und sich immer für den Heimstein entschieden hat. Tja, nun war er jedenfalls in Jorts und seine Gefährtin berichtete weiter, dass ihm sein Rat an meine Herrin mit dem Pfeffer wohl nicht mehr aus dem Kopf gegangen war, er ständig davon erzählt und natürlich sehr genau weiß, wo der wächst. Mal sehen, wann er den in Jorts inzwischen sogar außerordentlich gut wachsenden Pfeffer besichtigen wird!
 
Über Pfeffer, ob dieser eine Kletterpflanze, ein Busch oder doch eher eine im Busch rankende Kletterpflanze ist, wandten sich die Gespräche schließlich anderen Nebenwirkungen zu, da der Vater werdende Hauptmann sich inzwischen zu dem Blumenzüchter-Botanik-Kränzchen dazu gesellt hatte. Die Sache mit einer Entschädigung wegen des Boskunfalls und seiner Nebenwirkungen war zwischen meiner Herrin und ihrem Nachbarn übrigens auch geklärt. Dem Lederarbeiter waren die Landwirtschaftsgespräche des Blumenzüchtervereins, so bezeichnete er die anwesenden Herrschaften mittlerweile grummelnd, offensichtlich sowieso etwas zu viel geworden. Doch zum Glück ließ er sich nach dem Hinweis des Hauptmanns schnell beruhigen, dass dieser nichts züchten will, bestenfalls Sklavenblumen.
 
Mit dem Erwähnen, die besagte Boskkuh, die die Blumen meiner Herrin als Hocker benutzt hatte sei trächtig, waren übrigens die Entschädigungsgelüste meiner Herrin schlagartig in Verständnis umgeschwenkt. Nur zu gut erinnerte sie sich an die Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen der Schwangerschaft einer Heilerin damals auf Samanu. Doch mit ihren nun folgenden Ausführungen, wie launisch, mürrisch, zickig und vor allem umbaufreudig diese Herrin gewesen war, wurde der Hauptmann immer blasser und mir wurde klar, meine Herrin wusste gar nicht, dass er Vater wird. Während der Krieger vom Hof dem Hauptmann nun herzhaft lachend und ziemlich schadenfroh empfahl, vielleicht lieber in der Festung zu schlafen, brachte ich meine Herrin daher leise flüsternd schnell auf den neuesten Stand.
 
Doch nach einem überraschten Glückwunsch an den Hauptmann tat das ihren Schilderungen keinen wirklichen Abbruch. Im Gegenteil, nun erläuterte meine sich richtig ins Zeug legende Herrin dem angehenden Vater die Möbelumräum-Wandumbau- und Dacheinsturzaktionen ihrer schwangeren damaligen Freundin noch ausführlicher… tat Statik und Stabilität seines Hauses als pingelige Kleinigkeiten ab, wenn die werdende Mutter seines Kindes unglücklich ist, für die sie selbst sogar ein paar Blumen opfern würde… nämlich falls das Dach des Hauptmannshauses schließlich den Hang hinunter rutscht und auf ihren Beeten landen sollte.
 
Der Übergang meiner Herrin zu ernsthaften Verkuppelungsversuchen zwischen den Herrschaften in Jorts war dann irgendwie fließend... sich selbst nahm sie zu meinem Leidwesen natürlich davon aus. Mir wurde erneut klar, dass ich leider keine Gefährtenschaft mehr bei meiner Herrin erleben werde… egal wie sehr ich mir manchmal einen Herrn wünsche. Vermutlich waren alle anwesenden Herren ohne Gefährtin ziemlich erleichtert darüber, als sie sich schließlich zurück zog und sich vollkommen einig darüber, wie gut sie es ohne eine Gefährtin haben. Während ich meiner Herrin wie immer hinterher hastete, hörte ich noch den Ratschlag des Hauptmanns an den Lederarbeiter: „Val, unterschreib bloß nichts, wenn du was getrunken hast!“

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