Dienstag, 17. September 2013

Begrüßungsprügel

scheinen wohl neuerdings in Mode zu kommen? Nein, eigentlich nur die letzten beiden Tage und selbstverständlich auch nicht unter den jortsschen Kriegern. Ich bin mir sehr sicher, dass diese eigenartige Form der Begrüßung keine Sitte bleibt, nachdem der Landstreicher weiter gezogen ist. Vermutlich war ihm die Auswahl an prügelnden Männern in Jorts Fähre zu gering oder ein kräftiger Kinnschieber vom kasratischen Hauptmann a.D. doch zu schmerzhaft? Außerdem ist ihm hier auch keine Frau ohne Zunge begegnet, für die er sogar den doppelten Preis bezahlt hätte oder sagte er ohne Gehirn? Egal, es gab offensichtlich niemanden in Jorts, wegen dem oder der dieser heruntergekommene Söldner ein Verweilen länger in Betracht zog. Da man Reisende ja bekanntlich nicht aufhalten soll, unternahm auch keiner der Bürger irgendwelche Anstrengungen ausgerechnet einen Landstreicherkrieger aufzuhalten.
 
 
Ebenfalls schon wieder abreisebereit war leider der Brauereibesitzer, allerdings nicht auf der Suche nach Prügeln oder stummen Frauen. Nein, er war wohl gerade erst von einer Getränkeauslieferung zurück gekommen und wollte nun eine Ladung Fässer in den Norden bringen. Der Verkauf seiner Brauereierzeugnisse floriert offensichtlich weiterhin sehr gut. Sein Anblick trieb mir allerdings leicht den Schweiß aus den Poren, denn ich fragte mich, wie er es bei dem schönen milden Wetter in Jorts in seinen dicken Klamotten aushielt. Im hohen Norden mag warme Kleidung durchaus angebracht sein, aber zu Hause? Nun gut, Freie sind teilweise wohl ziemliche Frostködel, denn meine Herrin trägt ja auch ständig diese ganzen Kleiderschichten und am Liebsten zusätzlich sogar noch einen Umhang, badet entweder gar nicht oder dann in wohltemperiertem Wasser, während ich so gut wie nackt und barfuß herumlaufe, im Vosk bade und trotzdem nie friere. Aber ich bin ja auch nur eine einfache Kajira.
 
Nur zu gerne kam ich übrigens dem Befehl des Hauptmanns nach, mir den Brauereikrieger noch einmal genau anzuschauen. Der Hauptmann hatte offensichtlich Befürchtungen, dass wir den Herrn gar nicht mehr wiedererkennen, wenn er nach dieser möglicherweise sehr langen Reise zurückkommt. Ich stellte mich dafür natürlich direkt vor ihn, damit mir möglichst kein Detail entgehen würde und begann mit meiner genauen Musterung von unten beginnend… wanderte mit meinen Augen zuerst zu seinen Füßen, die in dicken Stiefeln steckten, danach langsam höher über seine muskulösen Männerbeine, die leider in Hosen steckten, sodass meine sonst üblichen Fantasien irgendwie blockiert waren, auch wenn ich versuchte, den Stoff in seinem Schritt mit meinen Blicken zu durchbohren, was mir natürlich nicht gelang. Na gut, die darunter befindlichen Details interessierten den Hauptmann hinsichtlich des Wiedererkennens wohl eh nicht so sehr, denn ich sollte mir ja sein Gesicht merken.
 
Als meine Blicke langsam höher wanderten und den breiten Oberkörper des gut gebauten Herrn erreicht hatten, der übrigens zusätzlich zu einem dicken Oberteil auch noch in einen dunklen Umgang gehüllt war, bekam ich aufgrund meiner Körpergröße leider schon fast Genickstarre, sodass ich in Ermangelung einer Kiste, auf die ich hätte klettern können, den Herrn nun bat, sich zu mir herunter zu beugen, damit ich mir sein Gesicht, seine blauen Augen, die schönen roten Haare und den wilden Bart genau einprägen konnte. Er runzelte zwar erst einmal leicht die Stirn, kam meiner Bitte dann aber schmunzelnd tatsächlich nach. Komisch, ich glaube, den Bart hatte er sonst nicht und die darin eingeflochtenen Ringe logischerweise auch nicht. Alles in allem, war es mir jedenfalls eine große Ehre, mir diesen äußerst interessanten, gut aussehenden Mann genau einprägen zu dürfen, den ich bestimmt wiedererkennen werde. Hauptsache er kommt gesund zurück!
 
Kaum war der Brauereikrieger in Richtung seines Fasslagers abmarschiert, um alles für die geplanten Auslieferungen klar zu machen, tauchte meine Herrin auf. Sie war endlich zurück von ihrem Landsitz und gelüstete sogleich nach einem Sitzkissen auf der Terrasse, ihrer Milch und vor allem nach Neuigkeiten darüber, was sich in Jorts während ihrer Abwesenheit alles ereignet hatte. Die Milch war wie immer schnell gemacht ohne überzukochen, erhielt von mir allerdings vorsorglich einen dritten Löffel Honig zur Nervenstärkung. Diese Vorsorge war wohl auch ganz gut, denn so berührten meine Herrin meine vermutlich mal wieder etwas wirren Erzählungen über ihren neuen Nachbarn, die Schwert- und Faustprügeleien unter den Männern und was sich sonst noch so alles ereignet hatte nicht wirklich. Außerdem vermutete ich, sie war mit ihren Gedanken bereits bei der heute anstehenden Kastenreise, auf die sie mich leider mal wieder nicht mitnimmt.
 
Besonders neugierig war sie natürlich auf das Geschenk des Lederarbeiters, dass sie bei ihrer Rückkehr überhaupt nicht bemerkt hatte, obwohl es ganz offen auf dem kleinen Schrank neben der Haustür lag. Naja, sie war wohl wegen ihrer Milch in Eile gewesen. Der Herr Sattler wollte sich nämlich mit einem Ledergürtel dafür erkenntlich zeigen, dass meine Herrin mich und meine Dienste schon mehrfach an ihn verliehen hatte. Ich gestehe, ein wenig war es mir ein innerer Genuss, sie nach dieser Information vor Neugier fast platzen zu sehen, auch wenn sie dies natürlich nie zugeben würde. Ich war jedenfalls eindeutig im Vorteil, weil ich den Gürtel ja am Vortag aus der Werkstatt des Lederarbeiters abholen und nach Hause bringen durfte, ihn also bereits kannte.
 
Mist, ausgerechnet als sich die Gespräche dann um die Sklavenauktion auf dem Se’Kara Markt drehten und von Katy verlangt wurde, sich mit Shani zu vergleichen, zog es meine Herrin nach Hause zu ihrem Geschenk. Aber egal, ich weiß, dass beide Kajirae ihre Stärken aber auch ihre Schwächen haben und mag sie einfach so wie sie sind.

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