Mittwoch, 4. September 2013

Fast einen Strafzettel kassiert

…und außer Spesen nichts gewesen.
 
Kaum hatte ich mich am nächsten Tag bestens gelaunt und nichts Böses ahnend zu dem Hauptmann gesellt, als er mich auch schon mit verwarnendem, ziemlich ernstem Blick anschaute, obwohl ich mir überhaupt keiner Schuld bewusst war! Leider stellte sich jedoch sehr schnell heraus, was ihm nicht gefiel, sodass mein kesser Blick sich schlagartig in einen schuldbewussten verwandelte und ich mit glühenden Wangen schnell meinen Kopf senkte.
 
Ich hatte doch tatsächlich am gestrigen Tag den Aufsteller mit der Einladung für den Se’Kara Markt an der Ecke des Heilerhauses, also am RAND des Marktplatzes vergessen! Tststs… wie hatte das nur geschehen können? Kaum auszudenken, was alles hätte passieren können, wenn ein Boskwagen dort nicht hätte passieren können, nur weil so ein Klappschild FAST im Weg stand!! Hatten mich meine Bezirzungsversuche des Hauptmanns und mein Anhimmeln meines Leihherrn etwa so durcheinandergebracht? Nein, das kann nur der leckere Duft der gebratenen Vulos gewesen sein, der mich das Wegräumen irgendwie vergessen ließ.
 
Um gerade noch so mit einer Verwarnung wegen falschen Parkens beim Hauptmann davon zu kommen, machte ich mich selbstverständlich sofort an die Arbeit, das unhandliche Klappschild zur Seite zu räumen, auch wenn ich es als Gedächtnisstütze dort ganz gut platziert fand. Leider passierte mir dabei noch ein klitzekleines Missgeschick, denn das Klappschild, das wie sein Name schon sagt geklappt werden konnte, machte diesem Namen alle Ehre und klappte mit lautem Rums zusammen, sodass es platt auf dem Boden lag… immerhin ohne meine Finger einzuklemmen oder mir dabei auf den Fuß zu fallen.
 
Auch wenn das ganze Malheur direkt vor der Heilerei geschah, legte ich nämlich absolut keinen gesteigerten Wert darauf, die Praxis der Ärztin nun in eigener Sache von innen zu sehen… egal wie nett und befähigt die grüne Herrin auch ist. Zum Glück nahm von den Freien kaum jemand Notiz davon, sodass ich das Schild schließlich vor der Tür des Hauptmannshauses abstellen konnte.
 
Der Hauptmann war damit zwar immer noch nicht so richtig zufrieden und befürchtete nun, seine Gefährtin könne womöglich beim Verlassen seines Hauses darüber stolpern, sah dann aber ein, dass ich irgendwo die Gedächtnisstütze hinstellen musste, da sie sonst ja keine mehr ist. Ich hatte zu dem Zeitpunkt nämlich immer noch die Hoffnung, Katy das sperrige Teil aufs Auge oder vielmehr unter die Arme drücken zu können, da ich ja schon das andere Gepäck im großen Rucksack tragen musste. Während ich nun also nur noch auf meinen Leihherrn und Katy wartete, nutzte ich die Zeit für eine kleine, schnelle Tratschrunde mit Hadi, die die neue Stadtsklavin noch gar nicht kannte.
 
 
Leider stellte sich mit dem Eintreffen meines Leihherrn dann heraus, dass Katy nicht mitkommen würde, sodass ich das Aufstellschild doch selber tragen musste. Ach ja, immerhin stellte sich auch heraus, dass meine Einschätzung der nicht vorhandenen Stolpergefahr durch das Schild neben der Hauptmannstür richtig gewesen war. Die Hauptmannsgefährtin hatte es nämlich zuvor trotz ihrer Schwangerschaft ohne darüber zu stolpern umrundet. Naja… so sehr ist ihr Sehwinkel bauchbedingt wohl auch noch nicht eingeschränkt.
 
Das erste Ziel unserer Reise war jetzt Anango und nicht mehr Lydius. Mein Leihherr hatte vor unserer Abreise anscheinend noch eine Nachricht erhalten, dass wir gar nicht erst den weiten Weg nach Lydius anzutreten brauchten, weil es weiterhin ausgestorben war. Vermutlich waren alle Bewohner bereits auf dem Weg ins Sardar? Keine Ahnung, in Anango sah es jedenfalls nicht besser aus… gähnende Leere, nicht ein einziger Einwohner war zu sehen. Kein Wunder also, dass wir nach einer kurzen Inspektion der verlassenen Taverne versuchten, das gleiche Schiff noch zu erreichen, bevor der Kapitän wieder ablegte, damit wir nicht in der Einöde ausharren mussten.
 
Doch plötzlich machten wir am Horizont eine Bewegung aus und entdeckten einen Herrn und eine Herrin, die sich äußerst gemächlich zumindest bis in Hörweite in unsere Richtung bewegten. Erleichtert stellte ich nun erst einmal das Klappschild ab und lauschte dann den Fragen meines Leihherrn bezüglich eines Schmieds in Sachen Nasenring. Die lange Suche nach einem Kunstschmied schien mit diesem Herrn nun endlich ein Ende zu haben, denn der Herr teilte uns mit, genau ein solcher zu sein. Wobei er offensichtlich nicht gerade erfreut darüber war, möglicherweise einen versilberten Nasenring verkaufen zu können und auch nicht bereit, meinem Leihherrn einen Ring zu zeigen, damit dieser sich ein Bild von der Qualität der Ware machen konnte.
 
Im Gegenteil, der Schmied wurde immer ablehnender und war schließlich anscheinend so genervt, dass ein fremder Händler mit einem Geschäft drohte, dass er an seinen Schwertknauf griff und wir uns schleunigst wieder aufs Schiff begaben. Das Schild hatte ich übrigens vergeblich mitgeschleppt, denn die beiden Freien hatten es nicht mit einem einzigen Blick gewürdigt und sowieso mit keiner Wimper gezuckt, als ich es mitten auf dem Weg neben mir aufgestellt hatte. Bei dem vermutlich leseunkundigen Schmied eigentlich nicht weiter verwunderlich, aber bei der offensichtlich der Kaste der Schreiber angehörenden Herrin fand ich das Verhalten schon sehr sonderbar. Na gut, vielleicht hatte sie die hohe Kaste auch einfach durch einen Gefährtenschaftsvertrag erlangt?
 
Mein Fazit war jedenfalls, außer Spesen nichts gewesen… dennoch mag ich einfach die gelegentlichen Schiffsreisen mit meinem Oberlieblingsherrn, stelle aber vor allem immer wieder fest, wie schön es zu Hause in Jorts Fähre ist!

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