Mittwoch, 11. September 2013

Mutige vor

 
…war wohl das Motto des nächsten Tages, an dem ich wegen der aufregenden Aktivitäten am Vorabend fast verschlafen hätte. Das jortssche Zelt hatte sich nämlich bereits geleert, als ich endlich wach wurde und sogar meine Herrin frönte nicht mehr ihrem Schönheitsschlaf. Eilig schlang ich ein paar Seiden geschickt um meine Hüften und drapierte noch ein Tuch über meine kleinen Brüste, damit sich meine Herrin nicht durch zu viel Sklavenhaut gestört fühlen konnte… zumindest wenn sie mich von der richtigen Seite anschaute. Dann machte ich mich schleunigst auf die Suche nach ihr, kam allerdings nur bis zum Nachbarzelt. Dort lief mir nämlich ein sehr netter Herr über den Weg, den ich seit der Zeit als meine Herrin noch einem anderen Heimstein angehörte, in sehr guter Erinnerung habe.
 
Offensichtlich freute er sich ebenso wie ich über unser Wiedersehen und horchte mich ein wenig aus, wollte vor allem wissen, wem ich denn inzwischen gehöre. Ich denke, ich werde wohl nicht vergessen, wie er vor vielen Monden auf einem Stegfest mit mir getanzt hatte. Ich war dort natürlich nämlich wie immer barfuß gewesen und auch wie heute immer noch kürzer als der Herr. In Anbetracht seiner angeblich schlechten Tanzkünste bekam er damals Befürchtungen, dass er mir mit seinen dicken Stiefeln möglicherweise auf die Füße treten könnte, sodass er mich kurzerhand einfach anhob, auf seine Stiefelspitzen oben draufstellte und so die Gefahr von Plattfüßen durch mögliche Stiefeltritte einfach beseitigte.
 
Da der Herr eigentlich ebenfalls die Arena suchte, in der ich meine Herrin bereits vermutete, weil dort das Tarnrennen demnächst beginnen sollte, nahm ich ihn einfach in Schlepp, d.h. ich durfte vorweg laufen, damit er sich auf dem kurzen Weg dorthin ein wenig an meinen aufreizend wiegenden Hüften erfreuen konnte. Leider war der Weg dann doch recht kurz, aber meine Herrin war tatsächlich in der Arena und ebenfalls angetan über das Wiedersehen mit diesem freundlichen Handwerker. Doch da nach und nach immer mehr Zuschauer eintrafen, um sich das Tarnrennen anzuschauen und auch bereits die ersten dieser riesigen Vögel auf ihren Sitzstangen landeten, blieb nur noch Zeit für einen kurzen Klönschnack mit ihm.
 
 
Inzwischen forderte der Hauptmann nach einer kleinen Begrüßungsrede die anwesenden Krieger nämlich auf, sich mit ihm im Tarnflug zu messen. Komisch, irgendwie wurde es bis auf die herumalbernden Kajirae auf einmal sehr still, denn es meldete sich niemand. Ungläubig rieb ich meine Augen und schaute mir die vielen anwesenden Krieger genau an. War denn außer dem Hauptmann kein weiterer Tarnreiter am Sardar? Ich konnte mir das ehrlich gesagt nicht vorstellen, andererseits aber auch nicht, dass sich einer dieser wagemutigen Tarnreiter vor einem solchen Wettkampf drücken würde.
 
Tatsache war jedenfalls, dass sich schließlich nur ein einziger Krieger meldete, aber auch ein mutiger Händler aus Enkara, der wohl schon immer mal einen dieser Riesenvögel fliegen wollte und nun nach einer kurzen Einweisung die Gelegenheit für seinen Jungfernflug mit dem Tarn nutzte. Ich gestehe, ich hatte noch versucht, den kastenersten Händler aus Jorts zu überreden. Meine Hoffnung war nämlich gewesen, dass die zahlreichen anwesenden Krieger durch den Mut der Händler so beschämt worden wären, dass sie sich doch noch zum Wettflug aufgerafft hätten. Leider scheiterte ich damit jedoch kläglich, aber der jortssche Händler blieb wenigstens unverletzt, denn ein Flug mit diesen schwer zu händelnden Riesenvögeln ist natürlich kein Zuckerschlecken.
 
Alle Achtung… ich weiß nicht, in was dieser wagemutige Anfängertarnreiterhändler zuvor hineingetreten war, aber falls es Tarnsch… gewesen ist, muss die ihm besonderes Glück gebracht haben, denn der Herr überlebte nicht nur seinen halsbrecherischen Flug durch den Parcours der über dem Marktgelände aufgebauten großen Tarnringe, sondern konnte sogar den Wettkampf für sich entscheiden und wurde stolzer Besitzer einiger Fässer Paga aus Jorts. Anscheinend gibt es unter den Händlern ungeahnte, ganz besonders mutige Naturtalente.
 
Da sich inzwischen eine riesige Menschenmenge an der Arena versammelt hatte, nutzte meine Herrin die Gelegenheit, um den anwesenden freien Frauen die Regeln für das parallel stattfindende Spiel der Gewogenheit zu erklären. In diesem Spiel müssen Herrinnen sich um die Gunst von Männern bemühen. Natürlich ist dies für eine prüde Freie nicht so ganz einfach und eine Art diplomatischer Eiertanz, da sie selbstverständlich kein sklavenhaftes Verhalten an den Tag legen wird, um einen Herrn für sich zu gewinnen. Dementsprechend waren die ersten Bemühungen der Damen auch reichlich verklemmt, doch so nach und nach wurden sie mutiger und verhandelten immer geschickter, sodass schließlich alle freien Frauen mehrere Herren für sich einnehmen konnten, die jedoch immer nur einer Frau ihre Gewogenheit geben durften.
 
Doof fand ich nur, dass meine Herrin, der schon mehrfach nachgesagt worden war, die spitzeste Zunge von Gor zu haben, nicht teilnehmen konnte, denn sie hatte sich leider als Schiedsrichterin zur Verfügung gestellt. Wenn ich jetzt nicht vollkommen daneben liege, gewann letztendlich die freundliche Heilerin aus Belnend dieses Spiel ziemlich überlegen. Wie sie das aber geschafft hatte, ist mir dann jedoch irgendwie entgangen, denn plötzlich bebte der Boden leicht unter meinen nackten Füßen, weil eine Reitergruppe aus Blenend auf ihren gefährlich aussehenden Thalarions am Festgelände ankam.
 
Natürlich war ich nicht die Einzige, die sich diese gefährlichen Viecher anschaute, leider jedoch die einzige Kajira, die bei der Frage wo die Tiere denn untergebracht werden können, nicht so wie Dark neben mir schnell zurückwich. Meine Herrin war irgendwo mit den Damen beschäftigt, ich hatte also keinen Rock zur Verfügung, hinter dem ich mich schnell hätte verstecken können.

Während Dark so aussah, als ob sie die Viecher mit den spitzen Zähnen durch hypnotische Blicke zähmen oder sogar verschwinden lassen wollte, blieb mir nichts anderes übrig, als meinen ganzen Mut zusammenzunehmen, denn irgendjemand musste sich doch kümmern! Ich erhielt also die große Ehre, dem Hauptmann von Belnend und seinen Thalarionreitern mit vor Angst leicht zitternden Knien hinter den Zelten einen Platz für ihre Reittiere zuzuweisen.
 
Aber ich habe überlebt… stand wohl nicht auf dem Thalarionspeiseplan! Der belnender Hauptmann eröffnete mir nämlich nach meiner vorsichtigen Frage über die Ernährung der Tiere, dass es Fleischfresser sind, sie allerdings vor einem Rennen sowas Süßes wie mich nicht bekommen dürfen… dann sind sie anscheinend zu träge. ;-)

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