Dienstag, 3. September 2013

Preisschock

In der Hoffnung, dass der Händler und guter Freund meiner Herrin aus Teveh seine Ankündigung wahr machen und mich erneut auf eine seiner Handelsreisen mitnehmen würde, packte ich sehr zeitig meinen Rucksack und hatte dann wie immer noch jede Menge Zeit totzuschlagen. Nur normal also, dass ich noch schnell den Marktplatz ansteuerte, wo ich am Brunnen den Hauptmann mit zwei von seinen jortsschen Kriegern antraf... den Brauereikrieger und den Euchzer. Als hätte der Letztere bereits auf mich gewartet, schickte er mich nach meiner freundlichen Begrüßung sogleich in die Tavernenküche, um dort einer seiner Sklavinnen zur Hand zu gehen. Leider sagte er mir jedoch mit keinem Ton, warum. Na gut, muss er ja auch nicht und es steht jedem Freien natürlich zu, mich zu irgendwelchen Arbeiten einzuspannen, außer wenn meine Herrin anderes bestimmt hatte. Doch da mein Leihherr noch nicht eingetroffen war, passte es eigentlich ganz gut.
 
 
Allerdings nur eigentlich, denn Rawi schien es überhaupt nicht in den Kram zu passen, dass ich auftauchte ((Sie war AFK, sodass ich leider nicht mal herausbekam, was sie dort überhaupt in der Küche machte)). Ihr Herr schaute mich zwar reichlich erstaunt an, als ich so schnell wieder auf dem Marktplatz auftauchte, doch da in diesem Moment endlich mein Leihherr eintraf, den ich natürlich freudestrahlend erst einmal begrüßte, verzichtete er wohl darauf, meinen Rückzug aus der Küche genauer unter die Lupe zu nehmen. Außerdem wurde sein Augenmerk kurz darauf sowieso abgelenkt. Nein, nicht nur seine Blicke wurden abgelenkt, sondern auch seine Nase. Rawi schleppte nämlich ein Tablett an mit einer großen Portion köstlich riechender, knusprig gebratener Vulos und veranlasste damit ihren Herrn, sich auf der Terrasse niederzulassen, um sich dort den Bauch mit einem der Vögel vollzuschlagen.
 
 
Der Hauptmann bekam zwar ebenfalls einen gierigen Blick, wollte anscheinend aber vorher noch meinen Leihherrn etwas über seine Reiseroute aushorchen und nutzte dann auch gleich die Gelegenheit, als er hörte, dass es u.a. auch nach Lydius gehen soll. Das war nämlich eine weitere Chance, um dort in dieser ständig ausgestorbenen Stadt vielleicht doch noch eine Einladung für den Se’Kara Markt los zu werden. Leider war es jedoch nicht nur eine leichte Schriftrolle, denn er schickte mich nicht ins, sondern hinter das Schreiberhaus, um ein hölzernes Werbeschild zu holen, auf dem die Schriftrolle befestigt war. Mist, ich würde also außer dem Rucksack noch mehr zu schleppen haben und hoffte natürlich sofort, dass Katy wieder mitkommt. Wenn ich schon das andere Gepäck auf den Schultern tragen muss, wollte ich nun natürlich versuchen, ihr wenigstens das Holzdingens aufzudrücken. Doch von Abreise war vorerst noch keine Rede, sodass ich das Schild erst einmal erleichtert neben mir auf dem Marktplatz platzierte.
 
 
 
 
Die Neugier des Hauptmanns war nämlich noch nicht befriedigt. Während er mir zu meiner großen Freude schon wieder den unverhofften Genuss zuteilwerden ließ, meine Haare ab und an durchzuwuscheln… leider blieb allerdings auch ein Kopfditscher nicht aus… versuchte er unbedingt noch herauszufinden, was mein Leihherr denn für seine Gefährtin beschaffen sollte. Das hatte er vor einiger Zeit ja schon bei mir probiert, doch es war mir einigermaßen gelungen, so lange wie eine Gianni um den heißen Brei herumzureden, bis ihm irgendetwas wichtiges dazwischen kam. Ich glaube er musste seinen Wachdienst antreten, sodass ihm nichts anderes übrig blieb, als seine Neugier vorerst zu vertagen. Seine Gefährtin hatte zwar nicht ausdrücklich gesagt, dass ihr Auftrag geheim ist, aber ich hatte mich dennoch etwas gewunden, denn vielleicht wollte sie den Hauptmann ja auch mit dem Nasenring als Geschenk überraschen? Diese Überraschung hatte ich ihr natürlich nicht vermiesen wollen. Außerdem hätte er sie ja eigentlich auch selbst fragen können.
 
 
Als die Herrin sich nun dazu gesellte, stellte sich jedoch heraus, dass der silberne Nasenring gar keine Überraschung werden sollte, dafür aber, dass sie sich über die voraussichtlich anfallenden Beschaffungskosten durch meinen Leihherrn keinen Kopf gemacht hatte. Die Herrin hatte anscheinend überhaupt nicht darüber nachgedacht, dass ein solch exklusives Schmuckstück aus reinem Silber die finanziellen Möglichkeiten des Hauptmannshaushalts bei weitem überziehen könnte. Ich muss gestehen, ich war jetzt heilfroh, nicht mehr neben dem Krieger zu knien, da ich inzwischen natürlich der Hauptmannsgefährtin Platz gemacht hatte. Seine Gesichtsfarbe hatte nämlich bei dem Preisschock von über einem oder sogar mehreren Silber nach anfänglichem Weiß auf mittlerweile Dunkelrot gewechselt und sich damit gefährlich der Farbe seiner Tunika angepasst. Sämtliche Erläuterungen meines Leihherrn brachten zwar zutage, dass die Kosten nicht zu hoch gegriffen sind, allerdings auch die Stornierung des Auftrags… offensichtlich sehr zur Freude von Katy, die wohl immer noch nicht allzu begeistert darüber ist, einen solchen Schmuck für ihren Herrn zu tragen. Ich hoffe nur, dem Hauptmann hat sein inzwischen kalt gewordenes Vulo trotzdem noch geschmeckt. 

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