Freitag, 13. September 2013

Rückkehr nach Hause

Der große Se’Kara Markt am Sardar war zu Ende. Während die vielen Händler ihre Stände abbauten und die Waren auf ihren Wagen für die Heimreise verstauten, nutzte ich die Gelegenheit um noch ein letztes Mal über den Markt zu schlendern. Besonders die Rutsche hatte es mir ja angetan. Doch es nützte nichts, der Abschied von diesem tollen Festgelände nahte unwiderruflich. Die Kleiderkisten meiner Herrin waren längst gepackt und wurden von den Lastenträgern bereits Richtung Jorts geschafft. Nur meine Herrin war noch mit irgendwas beschäftigt, sodass ich mir schließlich noch eine kleine Pause auf dem weichen Heuhaufen gönnte, von dem ich einen guten Blick zum jortsschen Zelt hatte, sodass ich mitbekommen würde, wenn meine Herrin denn endlich abreisebereit war.
 
Ich glaube, sie sah diesen Heuhaufen bei unserer Abreise zum ersten Mal, machte mir aber keinen Vorwurf wegen meines bequemen Sitzplatzes, sondern schmunzelte nur darüber und wies mich dann an, meinen Rucksack zu schultern. Einige Bürger aus Jorts waren in Begleitung einiger Krieger zwar schon abgereist, aber etliche hatten sich nun um den Hauptmann versammelt, der uns gemeinsam mit dem Kriegerbauern sicher und ohne weitere Zwischenfälle nach Hause geleitete, abgesehen von einigen müden Füßen.
 
 
Nach so vielen Tagen in der Fremde, war die Rückkehr nach Jorts für mich wie immer etwas ganz besonderes. Es war einfach ein schönes Gefühl, wieder zu Hause zu sein. Ich vermute, allen Mitreisenden ging es ähnlich, denn unsere kleine Reisegruppe verstreute sich recht schnell, weil jeder erst einmal nachsehen wollte, ob zu Hause wirklich alles in Ordnung ist… so auch meine Herrin, die sich darüber wunderte, wie groß ihre Blumen inzwischen geworden waren, allerdings leider auch das Unkraut. Ganz besonders neugierig waren wir natürlich darauf, wie es unserem kleinen Rosenableger inzwischen ergangen war.
 
Ich wagte jedoch nicht, in den Becher hinein zu sehen. Oben herum kam mir der kleine Trieb zwar recht kräftig vor, aber wie sah es mit seinen Wurzeln aus? Als meine Herrin mir dann befahl, ihn aus dem Becher zu nehmen, damit wir sehen können, wie es um ihn bestellt ist, schloss ich vorsichtshalber lieber meine Augen und streckte das zarte Gewächs meiner Herrin einfach hin… sie ist schließlich die Blumenzüchterin. Den Anblick von mulschigen Wurzeln wollte ich mir wirklich nicht antun und hielt in Erwartung ihres Kommentars mit klopfendem Herzen dann wahrscheinlich sogar die Luft an.
 
 
Nach den Worten meiner Herrin „so schlecht sieht der gar nicht aus, wir sollten ihn einpflanzen“, atmete ich erleichtert aus und öffnete natürlich auch sofort meine Augen wieder. Sie hatte tatsächlich Recht, die Wurzeln hatten sich während unserer Abwesenheit ganz gut entwickelt. Eilig holte ich einen passenden kleinen Blumentopf, in den ich den kleinen Trieb zusammen mit guter Komposterde einpflanzte. Meine Herrin hatte sich inzwischen ein geschütztes Plätzchen an der Hausecke ausgesucht und wies mich an, den Topf dort etwas einzugraben. Mal sehen, wie es der kleinen Rose an diesem geschützten Ort gefällt. Zumindest droht ihr dort wohl keine Gefahr, von einem Boskkuhhintern platt gesessen zu werden!
 
Natürlich war zum Abschluss des Tages dann noch eine Schale heiße Honigmilch auf der Herbergsterrasse angesagt, die ich meiner Herrin selbstverständlich erst bereitete, nachdem ich meine erdverschmierten Finger gewaschen hatte. Ich wurde von dem Hauptmann sogar gelobt für meine Reinlichkeit, nachdem er anscheinend beobachtet hatte, dass ich mir noch einen kleinen Rest Erde unter dem Fingernagel herauspuhlte. Allerdings hatte er mich im Gegensatz zu meiner Herrin offensichtlich noch gar nicht richtig angeschaut. Sie wies ihn nämlich darauf hin, dass meine Sauberkeit mein Gesicht noch nicht erreicht hatte.
 
Ohje, erschrocken wischte ich mir sofort mit der sauberen Handfläche über mein Gesicht und war mittelprächtig geschockt, wie meine Hand danach aussah. So wie meine Herrin schmunzelte, hatte sie offensichtlich nicht erst jetzt bemerkt, dass ich wie ein Kleinkind aussah, dass im Sand gespielt hat. Menno, hätte sie mir das nicht auch etwas eher sagen können? Peinlich berührt sauste ich selbstverständlich wie der Blitz zur Hintertür hinaus, um an der Pumpe schnell die Erdspuren aus meinem Gesicht zu entfernen.

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