Donnerstag, 12. September 2013

Thalarionrennen

Der letzte Tag des großen Se’Kara Marktes am Sardar Gebirge war angebrochen. Auch an diesem Tag ließ ich meine Blicke wieder neugierig über das große Festgelände und die vielen Menschen schweifen, denn ich hatte immer noch nicht die Hoffnung aufgegeben, vielleicht einen ganz bestimmten Herrn zu entdecken. Doch diese Freude sollte mir leider wieder nicht vergönnt sein. Zum Glück lenkte mich ein Ausrufer mit der Ankündigung des großen Thalarionrennens zum Abschluss des Marktes ziemlich schnell von meinen leicht trübsinnigen Gedanken ab, denn an diesem Rennen durften auch freie Frauen und Kajirae teilnehmen.
 
Sogar der Lederarbeiter hat sich getraut!
Allerdings war ich mir nicht sicher, ob ich mich trauen würde, mich auf eines dieser Viecher zu setzen und vor allem wusste ich nicht, wie ich überhaupt in den Sattel gelangen sollte… von der Steuerung des Tiers mal ganz abgesehen. Meine Herrin schien ähnliche Überlegungen anzustellen, entschloss sich jedoch spontan zu einem Proberitt und befahl mir, ihr beim Aufsteigen behilflich zu sein. Erstaunlicherweise hielt das Thalarion sogar still während ich meine Hände zu einer Art Steigbügel faltete, damit meine Herrin dort hineinsteigen konnte, um sich mit elegantem Schwung und wehenden Röcken in den Sattel zu schwingen.
 
Tja, sollte ich vielleicht auch? Ein wenig Vertrauen in die Reitthalarions hatte ich ja inzwischen gewonnen, weil mich der belnender Hauptmann zur Versorgung der Tiere verdonnert hatte und dabei festgestellt, dass sie gar nicht so gefährlich waren, wie sie mit ihren spitzen Zähnen aussahen. Immer noch leicht mit mir hadernd, machte ich meinen Proberitt dann letztendlich davon abhängig, ob es mir gelingen würde, das Tier überhaupt an die Arenamauer zu bugsieren, die ich mangels Kajira als Aufstiegshilfe benutzen wollte. Erstaunlicherweise klappte das sogar einigermaßen und ich saß plötzlich im Sattel eines Thalarions.
 
Leider hatte das bockige Viech jedoch seinen eigenen Kopf und wollte irgendwie nicht so wie ich. Immerhin gelang es mir dann aber doch, es zum Laufen zu bewegen, indem ich ihm kräftig meine Hacken in die Flanken drückte und gleichzeitig ordentlich an den Zügeln zog. Trotzdem wurde es absolut keine Glanzleistung von mir, denn ich konnte das störrische Tier lediglich dazu bewegen, einen gemächlichen Trott im Zickzack hinzulegen. Das Thalarion war wirklich ein sehr eigenwilliges Exemplar seiner Spezies, hatte offensichtlich überhaupt keine Lust zum Rennen und blieb zwischendurch immer wieder stehen, schupperte sich an der hohen Mauer und versuchte mich dadurch loszuwerden oder startete sogar seinen Rückwärtsgang.
 
Puh, ich war wirklich mutig, denn ich meldete tatsächlich als Teilnehmerin an… Dabeisein ist nun mal alles und außerdem muss ja auch jemand verlieren. Ich kenne meine Stärken, aber auch meine Schwächen und habe überhaupt kein Problem damit, absolut keine Superkajira zu sein, die alles kann. Da mir nach dieser Proberunde also bereits ein beruhigender letzter Platz unter den zahlreichen Teilnehmern sicher war, war ich total relaxed und vor allem erleichtert, wegen des KO-Prinzips nur ein einziges Mal an den Start zu müssen. Und richtig toll fand ich natürlich, dass ich in der Auslosung meine Herrin als Gegnerin bekam.
 
Erstaunlicherweise klappte es mit dem Aufsteigen beim zweiten Mal dann schon etwas besser, nur erwischte ich leider wieder das Zickzack-Thalarion. Immerhin gelang es mir jedoch, das Viech fünf unendlich lange Runden überwiegend im Vorwärtsgang zu reiten und dabei trotz etlichen Reibereien mit den Mauern sogar die ganze Zeit im Sattel und dabei auch noch unverletzt zu bleiben. Eigentlich war ich auch ein kleines bisschen stolz auf mich, da ich mich im Gegensatz zu vielen anderen Kajirae getraut hatte, auch wenn die Erleichterung, endlich wieder festen Boden unter meinen nackten Füßen zu spüren, wirklich überwog.
 
Meine Herrin war jedenfalls etliche Runden schneller als ich gewesen und freute sich damit eine Runde weiter zu sein, während ich natürlich besonders stolz auf sie war, aber vor Erleichterung nicht noch einmal antreten zu müssen fast platzte. Reitqualitäten besitze ich jedenfalls wirklich keine… zumindest keine auf einem bockigen Zickzack-Thalarion. Sieger des Rennens wurde erstaunlicherweise schon wieder der Händler aus Enkara, der am Vortag bereits das Tarnrennen gewonnen hatte. Dieser Händler scheint tatsächlich ein Naturtalent zu sein und hat offensichtlich eine sehr gute Hand für Tiere.
 
Dem Zweitplatzierten passierte beim Start des entscheidenden Rennens das Pech, dass sein leicht störrisches Tier nicht so schnell beschleunigte wie das Thalarion seines Gegners. Im Laufe der Rennen hatte sich nämlich gezeigt, wer beim Start die Nase vorne hatte wurde eigentlich auch Sieger bei den Zweikämpfen. Der Zweite war optisch übrigens ein ziemlicher Kontrast zu dem kostbar gekleideten Händler, nämlich eher ungepflegt mit wildem Bartwuchs, kam mir jedoch komischerweise vage bekannt vor, nur wusste ich ihn einfach nicht einzuordnen. Ich hatte zwar während den Ausscheidungsrennen genügend Zeit gehabt, um ausgiebig darüber zu grübeln, nur konnte ich mich nicht erinnern, jemals zuvor einem so nach Fisch und ich weiß nicht nach was noch alles stinkenden Herrn begegnet zu sein. Mal sehen, vielleicht kommt mir die Erkenntnis ja noch?
 
Siegerehrung
Richtig spannend wurde es für Dark und mich dann ganz besonders bei der Entscheidung über den dritten Platz des Tahalrionrennens, denn hierfür traten meine Herrin und Darks Herr gegeneinander an. Wir drückten jede übrigens unsere Daumen für beide, aber trotzdem um die Wette… ich natürlich den Daumen für meine Herrin etwas mehr und Dark den für ihren Herrn. Ich vermute übrigens, dass unsere Herrschaften gleich schnell waren und dass Darks Herr meine Herrin einfach gewinnen ließ. Nur ob das aus Höflichkeit geschah oder weil er den Preis für den dritten Platz bereits vorher schon kannte, das weiß ich leider nicht, es gab nämlich… ich glaubte übrigens nicht richtig gehört zu haben… ein Thalarion!!! Weitere Kommentare hierzu verkneife ich mir hier jetzt lieber… oder habe ich das Thalarion im Blumenbeet meiner Herrin etwa nur geträumt?
 
Zerknüllte Abschiedsrede
Nicht geträumt habe ich jedoch, dass meine Herrin plötzlich und vor allem wohl etwas zu spontan, die Schlussworte für diesen wirklich tollen Markt am Sardar sprach. Ich vermute, sie musste einfach ihrer Begeisterung über diese tolle Veranstaltung Luft machen, wollte damit aber wohl auch dem jortsschen Händler helfen. Er war nämlich nach der Siegerehrung aufs Podest gestiegen und erweckte damit zwar den Eindruck, als wolle er alle Anwesenden mit einer Abschiedsrede beglücken, nur hatte es ihm offensichtlich dann doch erst einmal die Sprache verschlagen, weil er seine Zettel noch sortieren musste, was meine Herrin nur anscheinend leider nicht mitbekommen hatte.
 
Letztendlich blieb ihm nichts anderes übrig, als mit leicht zerknirschtem Gesicht einen Großteil seiner Rede zusammen zu knüllen und in elegantem Bogen in die Feuerschale zu werden… was der Reihe nicht enden wollender Danksagungen jedoch keinen wirklichen Abbruch tat!
 
Fazit: Es war dank der vielen großen und kleinen Helfer und vor allem durch die fröhliche, gelöste Stimmung am Sardar ein wirklich obersupertolles Se’Kara Fest!!!

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