Mittwoch, 30. Oktober 2013

Ein guter Tag für Jorts

Während meine Herrin noch ein wenig ausruhte, suchte ich mir eine der besseren Seiden heraus, denn es stand heute der Heimsteinschwur des Lederarbeiters an. Ewig lange hatte der Herr mittlerweile gezögert, bis er nun anscheinend so weit war, diesen Schritt zu gehen und seinen Heimstein in Rive de Bois endgültig zu verlassen, an dem er so viel Leid erfahren hatte. Ich fand es gut, dass er sich mit diesem Entschluss sehr viel Zeit genommen hat, denn von meiner Herrin weiß ich ja, wie wichtig Goreanern ihr Heimstein ist. Im Gegensatz hierzu war er in einer anderen Sache ja äußerst, vielleicht sogar ein wenig zu schnell?
 
Doch darüber, wer mit wem und wie flott sich vergefährtet, steht mir als Kajira natürlich kein Urteil zu und außerdem scheint nach dem Schleierkrawall der Segen zwischen dem Lederarbeiter und seiner Zukünftigen wohl etwas in Schieflage geraten zu sein… dachte ich jedenfalls. Beim Verlassen des Hauses meiner Herrin fiel mein erster Blick auf die so zahlreich blühenden blauen Blumen unter dem großen Baum vor der Haustür. Da diese Farbe wunderbar zu meinen Seiden an diesem Tag passte, pflückte ich spontan eine Blüte und steckte sie mir hinten in meine mit einer Klemme leicht gebändigten Locken, bevor ich danach Richtung Marktplatz sauste. Vielleicht gab es vor der Zeremonie ja noch etwas zu tun für mich.
 
Das war auch tatsächlich so. Als Erstes durfte ich dem zurzeit wegen des Schiffsbaus in Jorts weilenden Bootsbauer und der neuen Schreiberin etwas zu trinken servieren. Danach war aber immer noch ungefähr eine halbe Ahn Zeit bis zur Feierlichkeit. Ich bekam das mit, weil der inzwischen eingetroffene Händler und Verantwortliche für die Zeremonie, den Hauptmann wegen des Heimsteins angesprochen hatte, der immer noch nicht aus dem Versteck geholt worden war. Doch der Hauptmann tönte großspurig herum, eine halbe Ahn wäre für ihn noch eine Ewigkeit, in der er sogar einen Krieg führen könnte. Die Schreiberin bekam das wohl ebenfalls mit, denn sie nutzte die Wartezeit, um mich mit der Frage zur Heilerin zu schicken, ob diese vielleicht Zeit für sie hätte, was jedoch nicht der Fall war.
 
Natürlich nutzte ich die Gelegenheit quer über den Marktplatz zu laufen, um mich dem gutaussehenden Bootsbauer dabei ein wenig zu präsentieren. Damit die dünnen, um meine Hüften geknoteten Seiden aufflogen und kurz meinen nackten Po freigaben… im Beisein der Schreiberin wäre mehr selbstverständlich nicht angebracht gewesen ohne sie zu brüskieren… drehte ich mich recht schwungvoll um und lief dann ziemlich langsam, jedoch nicht trödelnd, dafür aber mit besonders aufreizend wiegenden Schritten zur Heilerin hinüber. Wie schön, dass ich ein wirklich gutes Gehör habe. Ich höre nämlich sogar das Schnarchen des Bootsbauers durch den Fußboden des Gästezimmers auf der Terrasse und bekam nun die Bemerkung des Herrn über meinen Kajiragang mit, von dem er offensichtlich recht angetan war.
 
Ich hatte jedoch leider keine Zeit mehr, ihn noch ein wenig zu bezirzen, da sich der Marktplatz inzwischen mit weiteren Bewohnern gefüllt hatte, die alle an der Zeremonie teilnehmen wollten. Zu meiner Freude waren auch Dark und ihr Herr eingetroffen, der mir zur Begrüßung zwar nur knapp zunickte, dafür allerdings auf die ihm typische Art durch mein Haar wuselte… eine Geste, die ich immer sehr genieße. In diesem Fall war ich jedoch etwas hin und her gerissen zwischen Genuss und plötzlich aufkeimender Angst um die kleine Blume, die ich mir ins Haar gesteckt hatte. Erschrocken bat ich Dark, sich meinem Problem anzunehmen, von dem ich hoffte, dass es gar keins war.
 
War es zum Glück auch nicht… oder irgendwie doch. Darks Herr hatte vorteilhafterweise anscheinend um meinen Blumenschmuck herum gewuschelt, dafür aus meinen Haaren aber ein Vulonest gemacht… so bezeichnete Dark meine Frisur nämlich. Zusätzlich setzte sie sogar noch einen drauf und eröffnete mir, sowas wie eine Frisur habe sie auf meinem Kopf überhaupt nicht gefunden und versetzte mich in leichtes Entsetzen. Mist, Mist, Mist, mittlerweile war es zu spät um an meinen Haaren noch viel zu richten und zu striegeln, denn inzwischen strebten alle Freien in Richtung Schreibstube, allen voran der äußerst fein gekleidete Lederarbeiter, der seiner komplett weiß gekleideten Zukünftigen erstaunlich galant seinen Arm reichte, so als ob es gar keinen Schleierkrawall gegeben hatte. Bei dem Kleid der Bäckerin kam mir in den Sinn, ob ich womöglich etwas durcheinander oder nicht mitbekommen hatte? Sollte jetzt bereits die Feier zur Gefährtenschaft der beiden stattfinden und nicht der Schwur des Herrn auf den Heimstein von Jorts oder sogar beides?
 
Da meine Herrin immer noch nicht erschienen war, überlegte ich kurz, noch einmal zu ihr zu sausen, damit sie dieses möglicherweise anstehende Doppelereignis nicht verpasst. Doch ich entschloss mich dann, ihr lieber einen Platz frei zu halten, denn sie wusste ja von dem Termin. Meine Platzreservierung war bei den Zelten der anderen Herrinnen, also ihren weit aufgebauschten Röcken, wohl auch eine ganz gute Idee gewesen, denn meine Herrin kam leider erst mit etwas Verspätung an, nachdem der Händler mit seinen einleitenden Worten bereits begonnen hatte. Es ging übrigens doch nur um den Heimsteinschwur. Peinlicherweise platzte mir vor Begeisterung über ihr Auftauchen ein viel zu lautes „Tal meine Herrin!“ heraus, das erfreulicherweise aber lediglich ein irritiertes Kopfruckeln des Händlers in meine Richtung zur Folge hatte, bevor er unbeeindruckt mit seiner Ansprache fortfuhr.
 
 
Wie in Jorts üblich, formulierte der Lederarbeiter seinen Schwur auf den Heimstein mit eigenen Worten und sprach nicht einfach irgendwelche Standardformulierungen nach, wie es in anderen Städten teilweise gehandhabt wird. Schon bei dem Schwur meiner Herrin fand ich, dass dies ein sehr schöner Brauch ist, auch wenn nicht jeder so viele Worte hat wie meine Herrin. Aber sagt man nicht „in der Kürze liegt die Würze“? Auch wenn ich nur eine Sklavin bin, mich rührten die Worte des Lederarbeiters doch sehr, mit denen er recht kurz aber wie ich fand auch sehr stimmig zum Ausdruck brachte, was ihn zu diesem Schritt, auf den Heimstein von Jorts zu schwören, bewogen hatte. Kein Wunder also, dass ich mir eine Träne nicht verkneifen konnte, die ich aber zum Glück während der nun folgenden Gratulationen mit dem Rock meiner Herrin dezent und schnell wieder trocknen konnte, bevor es zu einem fröhlichen Umtrunk in die Herberge hinüber ging.
 
Schade nur, dass die Krieger und vor allem der Hauptmann nicht dabei sein konnten… aber die Sicherheit von Jorts geht nun mal vor. Außerdem hätten die Kissen auch nicht gereicht, denn meine Herrin musste schon mit einem anderen Vorlieb nehmen und Darks Herr auch, was die gute Stimmung jedoch in keiner Weise schmälerte, denn wie sagte der Händler? „Es war ein guter Tag für Jorts und der Rest des Abends ebenso“. Kein Wunder… er hatte ja auch mit beiden Händen die leckeren Käse- und Wursthäppchen in sich hinein geschaufelt! ;-))

Dienstag, 29. Oktober 2013

Krawall

 
…einer Freien, die anscheinend nicht so genau weiß, ob sie nicht doch lieber unfrei sein will?
 
Eigentlich war es eine recht entspannte Klöhnrunde auf dem Marktplatz, die sich gut gelaunt über die letzten Neuigkeiten austauschte. Nachdem der Händler mir aufgetragen hatte, ich möge meine Herrin darüber informieren, dass am Ende der nächsten Hand in Jorts ein größerer Markt stattfinden würde ((10.11.)), versuchte er mit dem Hauptmann zwar gemeinsam, allerdings vergeblich, dessen offensichtlich nicht allzu gutem Namensgedächtnis ein wenig auf die Sprünge zu helfen.
 
Es war wirklich ein äußerst schwieriges bis unmögliches Unterfangen, weil der Krieger sich anfangs nur noch auf das „a“ am Ende des Namens erinnern konnte, bis ihm später dann einfiel, dass die Endung „fra“ gewesen sein musste, was jedoch auch nicht weiterhalf, sodass sie das Thema beenden mussten. Außerdem hatte sich inzwischen die Kajira des Kriegerbauern dazu gesellt und übergab der Hauptmanngefährtin einige Lebensmittel, die dem Hauptmann natürlich wieder viel zu teuer waren, weil er ja wegen seines knappen Solds und dem bevorstehenden Familienzuwachs gerne auf Mitleid macht.
 
Mit dem Auftauchen der kaum zu erkennenden, offensichtlich aber sehr schlecht gelaunten Bäckerin, veränderte sich dann die bis dahin gute Stimmung ziemlich schlagartig. Ich fragte mich, ob ihr vielleicht gerade die Backwaren angebrannt waren? Oder hatte der neueste Ratsbeschluss ihre Laune verdorben? Der Rat hatte nämlich beschlossen und dies per Aushang schriftlich bekannt gegeben, dass freie Frauen in Jorts in der Öffentlichkeit Schleier zu tragen haben. Andernfalls setzen sie sich der Gefahr von Peitschenhieben auf dem Block aus.
 
Bislang war eine solche Bekanntmachung nie erforderlich gewesen, doch mit den derzeit recht zahlreichen Gästen und einigen peinlichen Entgleisungen der Bäckerin, sollte mit dem Beschluss wohl wieder für mehr Schicklichkeit und Moral in Jorts gesorgt werden. An den mir inzwischen zu Ohren gekommenen Gerüchten, diese Herrin hätte sich öffentlich ihres Schleiers entledigt und damit nicht nur den Lederarbeiter, ihren zukünftigen Gefährten, sondern auch andere Freie ziemlich auf die Palme gebracht, musste also tatsächlich etwas dran gewesen sein.
 
An diesem Tag war sie nun allerdings vollkommen züchtig verschleiert und hatte ihre Haare sogar mit einem Tuch bedeckt, dafür aber wie gesagt eine Laune, die mieser eigentlich nicht hätte sein können. Vielleicht hatte der Lederarbeiter sie nach ihrem sklavenhaften, zänkischen Aufstand am Vortag links liegen lassen, anstatt sie weiter zu hofieren und sich lieber mit seinem Umzug in ein anderes Haus befasst? Zutrauen würde ich ihm das, denn ich glaube, er gehört zu den eher konservativen Goreanern und steht genau wie meine Herrin auf der Seite der Schleierbefürworter! Die Herrin konnte sich eigentlich glücklich schätzen, noch nicht vergefährtet zu sein!
 
Für die Bäckerin war das Schleierthema nämlich trotz Ratsbeschluss anscheinend immer noch nicht durch, denn sie wollte nun von dem Hauptmann wissen, wie er sie überhaupt hatte erkennen können. Doch der erwiderte lediglich trocken: „An deinen Augen“. Die Herrin war jedoch weiter auf Streit aus, zeterte inzwischen wie ein Fischweib lautstark über den Rat und beleidigte den Hauptmann, der sie allerdings mit sehr barschen Worten in ihre Schranken als Niedrigkastige wies, die nicht seinem Heimstein angehört. Darauf wusste die auf Krawall Gebürstete tatsächlich nichts mehr zu erwidern.
 
Nur logisch also, dass nun die Kajirae herhalten mussten. Als Opfer für ihren Schleierfrust kam ihr daher die sehr spärlich bekleidete Hadi genau richtig, denn sie echauffierte sich jetzt empört darüber, warum sie als Freie den Anblick nackter Kajiae ertragen muss, wenn von ihr gefordert wird, sich wie eine Mumie zu verhüllen… was übrigens nicht stimmte, der Beschluss besagte nur etwas über die Gesichtsgardinenpflicht.
 
Leider ist dieser noch Freien bis zuletzt nicht wirklich klar geworden, was sie mit ihrem Benehmen aufs Spiel gesetzt hat. Ich fand jedenfalls den Vorschlag meiner Herrin gar nicht schlecht, ihr einfach mal für einige Tage einen Kragen umzulegen und sie in der Herberge arbeiten zu lassen. Hinterher wüsste man auf jeden Fall, wie sie tickt. Besonders gut gefiel mir diese Idee eigentlich, weil Hadi und ich dann bestimmt eine Menge Möglichkeiten bekommen würden, uns für die Gemeinheiten dieser Zicke zu rächen. ;-))

Montag, 28. Oktober 2013

Spirituelles mit und ohne Erkenntnisse

Mist, bei meiner Heimkehr am frühen Morgen stellte ich fest, Fenris war immer noch vor dem Haus meiner Herrin angekettet und schob dort Wache. Anscheinend hatte der Hauptmann nach seinem Nachtdienst noch keine Zeit gefunden, ihn zurück in den Käfig zu verfrachten. Wobei es mir diesmal fast so vorkam, als würde mich das gefährliche Raubtier mit einer gewissen Wiedersehensfreude anknurren und nicht nur aus hungriger Ungehaltenheit. Natürlich sah ich ein, er konnte nichts dafür, dass sein Besitzer immer sehr beschäftigt ist, sodass also auch an diesem Tag mein Weg erst einmal zum stinkenden Vorratsfass führte, da ich mich erneut für Fenris sein Frühstück zuständig fühlte. Ich hoffe nur, er dankt es mir irgendwann, vor allem weil der Hauptmann gelegentlich immer wieder das Thema „Fenris hat noch keine Geruchsprobe von Dina“ anschneidet und dass die noch recht lange auf sich warten lässt. Dumm nur, dass füttern leider nicht zählt.
 
Nachdem ich den Sleen versorgt, mich schnell gewaschen und mir eine saubere Tunika angezogen hatte, um den Verwesungsgeruch seines ekeligen Fleisches aus meiner Nase zu bekommen, warf ich einen Berg Rep-Tücher und die Spezialpaste für Kupfer in einen Eimer, um der esoterischen Selbstfindung und Seelenreinigung der Sängerin auf die Sprünge zu helfen. Als erstes steuerte ich natürlich den Marktplatz an, traf dort allerdings nicht auf die Sängerin, sondern den Hauptmann. Er informierte mich, die Herrin sei vermutlich in ihrem Haus anzutreffen, an dem ich soeben vorbeigelaufen war. Ich musste also wieder zurück.
 
Bei meinem Anblick fiel dem Hauptmann übrigens sofort wieder ein, dass nach der Reparatur der Haustür meiner Herrin sein Sleen vor ihrem Haus inzwischen ja nicht mehr benötigt wurde. Eigentlich kam ich mir zwar ein wenig lächerlich vor, mit meinem Eimer hin und her zu laufen, fand es aber aus Höflichkeit geboten, den Hauptmann zu begleiten. Ich glaube, so ganz ungelegen kam ihm meine Gesellschaft dann wohl doch nicht, denn er befahl mir, meinen Eimer vorerst abzustellen, als wir über das nach der Sleenfütterung erforderliche Baden ins Gespräch kamen. Dann begann er mich ein wenig auszuhorchen. Anfangs dachte ich tatsächlich, es ginge um mich, weil ihm aufgefallen war, wie gerne ich Männern diene, wenn meine Herrin nicht da ist. Hatte er womöglich den Eindruck bekommen, dass ich mich manchmal Herrinnen gegenüber etwas verhaltender benehme?
 
Ich hoffte natürlich, dass dies nicht der Fall war, denn eine Sklavin ist Besitz ohne Rechte… „wünsch dir was“ gibt es nicht. Eine Kajira hat Freie zu erfreuen… Herren und Herrinnen gleichermaßen, auch wenn sie innerlich glüht und ihr Sklavenfeuer nur sehr schwer und manchmal auch gar nicht zu zügeln ist. Es war wirklich nicht einfach für mich, die richtigen Worte dafür zu finden, was oft in mir vorgeht, denn vor meiner Herrin war ich ja Eigentum von Männern gewesen und befürchte, dass ich wohl eine ziemlich schlechte Turmsklavin abgebe. Letztendlich stellte sich dann jedoch heraus, dass anscheinend nicht nur die Sängerin auf einem inneren spirituellen Erkenntnisweg war, sondern der Hauptmann ebenfalls, dem es selbstverständlich überhaupt nicht um mich ging, sondern darum, seine eigene Sklavin besser zu verstehen. 
 
Während ich nun meinen Eimer wieder aufnahm und sehr nachdenklich endlich zum Haus der Sängerin trottete, wurde mir bewusst, dass ich wahrscheinlich keine allzu große Hilfe gewesen war, da ich nur von meinen eigenen Gefühlen sprechen konnte und zu diesem Mädchen leider auch nicht wirklich einen guten Draht habe. Zum Glück konnte ich jedoch meine trübsinnige Stimmung verscheuchen und kam schnell wieder auf andere Gedanken, da die Herrin tatsächlich zu Hause war und voller Tatendrang bereits auf mich gewartet hatte. Meinen Erklärungen zur Pflege der Schätzchen, also den Kesseln des Brauereibesitzers, stand daher nichts mehr im Wege. Komischerweise tauchte dort kurz nach dem Brauereikrieger auch der Hauptmann auf... vielleicht führt ihn sein Rundgang während der Wache immer dort vorbei?
 
 
Egal, der erste Tag der Herrin von insgesamt drei Hand innerer Selbstfindung und Seelenreinigung konnte jedenfalls beginnen… hoffentlich wurde er auch mit der einen oder anderen spirituellen Erkenntnis gekrönt und hatte nicht nur ergeben, wo sich Spinnen am liebsten verstecken.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Vertrauen

Meine Herrin hatte ihr Haus recht früh verlassen, um gleich mit der ersten Fähre zu ihrem Landsitz zu fahren. Ich hatte also mal wieder sturmfreie Bude und diesmal wegen dem Loch in der Tür sogar eine dauergelüftete. Leider kam jedoch nicht nur die gute Luft von Jorts ins Haus, sondern auch der strenge Geruch Wachsleens. Abgesehen von dem Gestank, war die Nacht dank der Fürsorge des Hauptmanns ohne unangenehme Zwischenfälle verlaufen. Ich hatte mich auch wie befohlen gleich um Fenris gekümmert, nachdem ich vom Hafen zurück war und ihm vor allem sein Ekelfleisch gegeben, damit er mich nicht mehr so giftig anknurrte. Danach stank er zwar noch mehr als vorher, vor allem sein Mundgeruch konnte einen blass werden lassen, doch ich verzichtete lieber darauf, ihm die spitzen Zähne zu putzen.
 
Ich war gerade am Überlegen, ob es tatsächlich ein Missbrauch des Vertrauens meiner Herrin in mich ist, noch ein wenig auf ihrem weichen Fell einem zusätzlichen Schönheitsschlaf zu frönen, bevor ich mich nützlich machte, als es unten plötzlich laut und deutlich an der Tür klopfte und mich erschrocken zusammenzucken ließ. Vorsichtig schaute ich erstmal aus dem Fenster, doch Fenris zeigte keine nennenswerte Regung. Es musste also jemand sein, der ihm anscheinend bekannt war, sodass ich mich sputete, schnell die Tür zu öffnen… also den Rest der Tür, den man noch öffnen konnte. Vor mir stand der Kriegerschmied, der seinen Werkzeugkarren bereits wieder neben dem Haus abgestellt hatte und mir nun eröffnete, unsere Haustür endgültig reparieren zu wollen.
 
 
Natürlich war ich begeistert, wie flott die Reparatur vonstattenging, denn alle vorgefertigten Teile einschließlich Schloss passten ohne Probleme. Außerdem lernte ich wieder etwas dazu, nämlich dass man Holz haltbarer macht, wenn man es mit Thalarionöl einölt. Richtig erstaunt war ich jedoch, was der hilfsbereite Herr mir auf meine Frage erwiderte, was er denn nun für die Reparatur bekäme. Ihm genüge ein Dank und vielleicht ein Becher Met, da es für ihn eine Selbstverständlichkeit ist, sich untereinander zu helfen. Leider musste ich ihn jedoch enttäuschen, denn Met gibt es nun mal nicht in Jorts und das einzige Fass, das sich hierher vor längerer Zeit verirrt hatte, war von mir bereits vor etlichen Hand verkauft worden. Zum Glück war der Herr aber auch mit einem Ale zufrieden.
 
Als ich den Marktplatz erreichte, stellte ich erfreut fest, dass sich der Hauptmann dort aufhielt, denn ich wollte ihm möglichst schnell von der reparierten Tür berichten, damit ich Fenris und gleichzeitig die Luftverpestung vor dem Haus meiner Herrin wieder loswurde. Mit der heilen Tür war er ja nicht mehr als Wache erforderlich. Leider konnte ich die frohe Botschaft über die Reparatur jedoch nicht sofort loswerden, da der Hauptmann gerade mit der Tochter des Kriegerschmieds im Gespräch war, die anscheinend gerne als Jägerin für die Stadt arbeiten würde.
 
 
An dem Sprichwort „mit Speck fängt man Urts“ war mal wieder etwas dran, denn die Jägerin war gerade dabei, mit einer Tabukkeule inklusive Huf, für gute Luft beim Hauptmann zu sorgen. Wobei ich das mit der guten Luft allerding nur symbolisch meine, denn die Keule hatte sie im Wald gefunden und wollte sie anscheinend dem Sleen des Hauptmanns zukommen lassen. Sie war zuvor anscheinend bereits von ein paar Giannis weichgekaut worden und von Fliegenmassen vorverdaut. Aber egal, Fenris steht einfach auf verwestes Ekelfleisch. Pech war nur, dass ausgerechnet ich dieses Bestechungspräsent vom Zelt der Jägerin zum Vorratsfass des Sleen schleppen durfte.
 
Ich mag die Natur wirklich und liebe nicht nur die herrlich duftende Luft im Wald, vorausgesetzt sie wird nicht von einem stinkenden Sleen oder einer fast vergammelten Keule verpestet. Es ist einfach schön, barfuß über weiches Moos zu laufen und im Wald leckere Beeren zu sammeln oder auch mal eine kleine Blume zu pflücken. Wobei ich nach meinen Erfahrungen im Lydiuskrieg jedoch genau weiß, dass ich nicht im Wald leben möchte. Für meine Herrin wäre das ja sowieso nichts, aber mir würden vor allem die Dienste für Herren fehlen und das gelegentliche Wärmen ihrer Felle.
 
Die Jägerin wies mich übrigens an, wie ein Schatten hinter ihr zu bleiben und eröffnete mir, sie würde nicht hinter mir herlaufen, wenn ich mich verirre. Anscheinend hatte sie wohl kein Vertrauen in meinen Orientierungssinn. Wahrscheinlich nahm sie an, ich sei eine verwöhnte Stadtprinzessin, die noch nie im Wald gewesen ist. Kein Wunder also, dass ich mich ziemlich ins Zeug legte, um ihr das Gegenteil zu beweisen. Mist, auf dem letzten Stück verlor ich aber doch etwas die Orientierung, weil die Herrin blöderweise durch ein fast undurchdringliches Dickicht lief. Zum Glück pfiff sie aber nach mir, sodass ich schließlich doch noch ihr Camp fand.
 
Auf dem Rückweg sollte ich dann vorgehen, natürlich mit der Keule im Schlepp. In Anbetracht der vielen Fliegen, die immer noch das Fleisch und leider auch mich umschwirrten, hätte ich an ihrer Stelle nicht die Nachhut gebildet. Aber ich vermutete, die jagende Herrin wollte mich testen, ob ich tatsächlich wieder zurück finden würde und nicht nur davon herumgetönt hatte, sodass ich einfach einen mir bereits bekannten Pfad mit weniger dichtem Gebüsch für den Rückweg wählte, denn an der Stelle wo ihr Zelt stand, war ich zuvor schon mehrfach gewesen. Sie war wohl tatsächlich leicht angetan von meinem Zurückfindebeweis.
 
Leider hatte der Hauptmann inzwischen seine Wache antreten müssen, sodass ich mich frisch gewaschen und umgezogen bei dem Brauereikrieger zurück meldete, der ja mein zweiter Obhutherr ist, wenn der Hauptmann Dienst hat. Er war offensichtlich sehr erfreut über mein Auftauchen und befahl mir umgehend mit ihm mitzukommen. Selbstverständlich machte mein rotseidenes Kajiraherz natürlich sofort wieder einen kleinen Hüpfer, denn für meinen Geschmack hatte ich an diesem Tag genug von Herrinnen, auch wenn eine Jägerin natürlich nicht mit der schleiertragenden Spezies vergleichbar ist.
 
Doch bevor ich tatsächlich die Felle des Herrn anwärmen durfte, machte er zu meinem Erstaunen noch einen Umweg zum Haus der Sängerin, um mir einen ungewöhnlichen Auftrag für den nächsten Tag zu geben. Allerdings muss ich darüber Stillschweigen bewahren, da irgendwelche… ich glaube der Herr sprach von esoterischen Selbstfindungsgründen und irgendeiner Seelenreinigung oder so ähnlich… also jedenfalls die Leidenschaft der Herrin für diese Esodinge nicht bekannt werden sollen. Auch wenn ich gestehen muss, dass ich bei diesem Auftrag etwas skeptisch bin, habe ich mich natürlich sehr über das Vertrauen des Herrn gefreut und werde mir allergrößte Mühe geben, ihn nicht zu enttäuschen.

Freitag, 25. Oktober 2013

Nacht der offenen Tür

Ohje, fast hätte ich nicht dran gedacht, dass ich an diesem Tage dran war, für das Essen der Kranken im Heilerhaus zu sorgen, denn ein gutaussehender Fremder zog erst einmal mein Interesse auf sich, als ich den Marktplatz erreichte. Dem Gespräch zwischen ihm und dem Hauptmann konnte ich entnehmen, dass endlich der Bootsbauer aus dem Norden eingetroffen war, auf den der Hauptmann schon einige Zeit gewartet hatte. Die Arbeiten für den Schiffsneubau mussten allerdings noch bis zum nächsten Morgen warten, da der Schiffsbauer erst mal sein Gepäck unterbringen wollte.
 
Es war mir selbstverständlich eine sehr große Ehre, dem Herrn die Zimmer im Gasthaus zeigen zu dürfen. Vor allem war es eine wirklich perfekte Gelegenheit für mich, ihm auf der Treppe nach oben eine kleine Freude mit meinem genau vor seinen Augen wackelnden, wohlgerundeten Po zu machen, die er zu meiner Freude auch prompt mit einem Klaps auf selbigen honorierte. Nachdem sich der Bootsbauer dann für ein Zimmer entschieden und mich noch einmal sehr aufmerksam und durchaus wohlwollend gemustert hatte, wies er mich an, mich möglichst in der Nähe zu halten, da er mich später vielleicht zum Anwärmen seiner Felle brauchte.
 
Doch als Erstes musste ich mich nun um die Versorgung der Patientin kümmern, die allerdings ihrem Genesungsschlaf frönte, sodass mich die Heilerin anwies, die dampfende Suppenschale einfach auf ihren Schreibtisch zu stellen. Während ich noch überlegte, ob es nicht besser wäre, die heiße Suppe mit einem Teller abzudecken, damit sie besser warmhält, hörte ich es aus dem Nebenraum bereits neugierig rufen… dabei war ich wirklich leise gewesen. Doch die Herrin war nicht durch das dezent klirrende Geschirr geweckt geworden, sondern weil ihr der Magen knurrte, sodass meine Suppe offensichtlich genau richtig kam. Mit Erstaunen sah ich, dass die Heilerin ihr inzwischen erlaubt hatte, sich zum Essen in einem Rollstuhl vor die Tür zu setzen, damit sie ein wenig von dem Trubel auf dem Marktplatz mitbekam.
 
 
Inzwischen war auch meine Herrin aufgetaucht, um sich an diesem Tag für ihre Milch mal wieder unter die Bewohner von Jorts zu mischen. Puhh, jede Menge Freie hatten anscheinend den gleichen Gedanken gehabt, zwar ohne Milchgelüste, dafür aber mit Appetit auf knochentrockene Kekse der Sorte Zähneausbeißer, die nur noch eingestippt genießbar waren. Die Terrasse wurde jedenfalls immer voller. Auch der Krieger, der sich bereit erklärt hatte, die Haustür meiner Herrin zu reparieren, war anwesend und hatte noch nicht vergessen, was er mir am Vortag zugesagt hatte. Da der Hauptmann diesmal nicht zum Waffentraining rief und sowieso schon seit Tagen ein wenig in Sorge um die Sicherheit meiner Herrin war, durfte ich dem Herrn nun den Haustürschaden zeigen.
 
 
Ehrlich gesagt, habe ich vorher nicht so wirklich glauben können, dass ein Mann des Schwertes aus der roten Kaste viel Ahnung von Türreparaturen haben kann. Doch ich wurde eines Besseren belehrt. Der Krieger erzählte mir nämlich, er käme aus dem Norden, wo er nicht nur als Schmied ausgebildet worden war, sondern zusätzlich auch noch als Holzfäller. Als er dann auch noch einen Karren mit jeder Menge Werkzeug heranrollte, wurde mir mit großer Erleichterung klar, meine Herrin würde demnächst wieder eine funktionsfähige Tür haben und sämtliche Provisorien mit untergeklemmtem Brett und vorgeschobenen Schränken überflüssig werden.
 
 
Nicht geahnt hatte ich allerdings, dass die Tür vor ihrer endgültigen Reparatur vorher noch kaputter gemacht werden musste. Bei aller Professionalität, mit der der Kriegerschmied das Schloss und die demolierten Bretter ausbaute, sah der Schaden hinterher ehrlich gesagt erst richtig schlimm aus. Die Tür war fast nicht mehr da, weil nun ein riesiges Loch in ihr klaffte, durch das ich fast hindurch gepasst hätte. Auch wenn ich mich ziemlich ins Zeug legte, um dem Kriegerschmied mein Können in einer Schmiede, insbesondere meine Fähigkeiten beim Blasen des Schmiedefeuers vorzuführen… darin hatte ich nämlich dank des früheren Nachbarn meiner Herrin jede Menge Übung… ließ er sich nicht darauf ein, noch an diesem Tag mit den Schmiedearbeiten zu beginnen.
 
Mir blieb nichts anderes übrig, als meiner Herrin schließlich zu beichten, dass die Türreparatur ein gutes Stück vorangekommen war, auch wenn es derzeit mit den fehlenden Brettern nicht danach aussah. Ich versuchte sie zu trösten, dass viel frische Luft ja sehr gesund ist und besonders die gute Luft von Jorts. Immerhin hatte mir der Herr zugesichert, dass die Tür schnell fertig sein würde, nachdem er sich von meinem Können als Schmiedekajira überzeugt hatte. Meine Herrin kommentierte meinen wie ich fand wirklich äußerst beruhigenden Bericht über den Zustand ihrer Haustür irritierenderweise jedoch nur mit „Gut, dass ich morgen wieder auf den Landsitz fahre. Du schläfst diese Nacht wieder vor der Tür und schreist laut, wenn jemand kommt.“
 
Mist, sowohl der Lederarbeiter als auch der Hauptmann waren gegen mich, bezeichneten mich als halbe Portion und trauten mir nicht zu, Schränke verschieben zu können. Von meinen Wachqualitäten waren sie auch nicht zu überzeugen, sodass die Überlegungen um die Sicherheit meiner Herrin in dieser Nacht der offenen Tür hin und her gingen. Leider fand ich nur jeden weiteren Vorschlag noch schlimmer als den vorherigen. Und als es dann richtig fies wurde, stimmte meine Herrin ausgerechnet zu. Sie sah es doch tatsächlich als sehr gute Lösung an, ausgerechnet Fenris, den Sleen des Hauptmanns vor ihrem Haus als Wache anbinden zu lassen!
 
Na toll, es war jedenfalls echt eklig, den stinken Eimer mit vergammeltem, halb verwestem Fleisch für Fenris tragen zu müssen. Zum Glück brauchte ich dafür nur eine Hand und konnte mir mit der anderen meine Nase zuhalten. Dass ich danach nur noch stark näselnd sprechen konnte war mir ziemlich egal. Natürlich habe ich argumentiert was ich nur konnte und mich ordentlich ins Zeug gelegt, um das Sleenfutter erst am nächsten Morgen holen zu müssen, da ich befürchtete, der Gestank würde bestimmt durch die Fugen des Hauses ziehen und durch die kaputte Tür mit dem halbierten Türblatt ja sowieso.
 

Leider war das Argument des Hauptmanns letztendlich jedoch nicht zu schlagen gewesen, wie ich denn um den möglicherweise sehr hungrigen und dann extrem schlecht gelaunten Fenris am nächsten Morgen herumkommen will, um sein Futter zu holen. Ich hoffe nur, alles klappt tatsächlich wie geplant und vor allem, dass der Hauptmann Fenris die richtigen Beschwörungsworte ins Ohr geflüstert hat, die Blumen meiner Herrin bei dem Gestank nicht eingehen oder ihre wunderschönen Farben womöglich verblassen!^^

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Schuld oder nicht Schuld… was für eine Frage!

Meine Herrin bemerkte, dass ich immer hibbeliger wurde, je näher die Ahn des jede Hand stattfindenden Waffentrainings nahte. Auch wenn sie als freie Frau ohne Gefährten nicht wirklich nachvollziehen kann, was ich so toll an kämpfenden Kriegern und Männern sowieso finde, erlaubte sie mir trotzdem zum Trainingsgelände zu laufen… natürlich erst nachdem ich alle meine häuslichen Aufgaben erledigt hatte. Sie selbst wollte später dann nachkommen.
 
Ich hoffte natürlich, nicht nur tolle Blicke auf die trainierenden Krieger, ihre Muskeln und vielleicht unter die eine oder andere Tunika zu erhaschen, sondern auch auf einen ausgiebigen Tratsch mit Dark, die ja leider immer nur in der Mitte der Hand in Jorts ist, weil ihr Herr das Landleben so sehr mag. Vorher nutzte ich jedoch die Gelegenheit, einen der Krieger, den der Hauptmann mir vor kurzem genannt hatte, auf dem Marktplatz noch wegen des kaputten Türschlosses anzusprechen. Anscheinend will er sich der Sache nun wohl annehmen. So ganz klar äußerte er sich jedoch nicht, weil das Kriegertraining gerade anfing. Mal sehen, ob und wann er tatsächlich Zeit für eine Schlossreparatur findet, denn meine Herrin ist nicht allzu begeistert darüber, dass ich entweder ein Brett unter den Griff klemme oder den kleinen Schrank vor die Tür schiebe, damit sie kein Haus der offenen Tür hat.
 
Tatsächlich traf ich Dark wie erhofft vor der Festung an, wo sie mit einer fremden Sklavin bereits am Schnattern war. Nein, eigentlich war sie dabei, die Kajira mitfühlend zu bedauern, weil diese offensichtlich unter schrecklichen Krämpfen litt und sich ständig fürchterlich verbog und zappelte. Es stellte sich jedoch heraus, dass dieses Mädchen immer so herumhampelt und von sich eingenommen wie sie war, fand sie ihre Verrenkungen sogar schön. Es schien ihr wohl überaus wichtig zu sein, als Tänzerin ihren Körper auf diese Weise gelenkig zu halten. Aber egal, Dark und ich waren uns jedenfalls vollkommen einig darüber, dass unsere Besitzer uns schon lange in irgendeinem Gewässer versenkt hätten, wenn wir nicht so perfekt in der Lage wären, vollkommen ruhig und still hinter ihnen zu knien… Geschmäcker sind eben verschieden.
 
Meine Herrin kam eigentlich genau richtig, denn Darks Herr behauptete in einer Trainingspause gerade, ich sei schuld daran, dass sein Gegner so energisch zugeschlagen hatte und ihn andauernd ins Gras beißen ließ. Zu meiner Freude erwiderte sie darauf jedoch, dass ich nur dann Schuld habe, wenn sie es erlaubt. Leider folgte der Dämpfer sofort, denn schon im nächsten Satz machte sie für Darks Herrn natürlich schnell einen Rückzieher, weil sie ja große Stücke auf ihn hält. Plötzlich war sie nämlich der Meinung, es gäbe Beschwerden über meine Leistungen bei der Entspannung von Ersten Schwertern. Eigentlich sollte sie mich inzwischen besser kennen… ich bin überzeugt, solche Beschwerden kamen noch nie über mich… nicht mal wenn ich mich nicht allzu sehr angestrengt habe, weil der Schwertbesitzer offensichtlich mit seinen Gedanken ganz woanders war. Aber egal, in diesem Fall wusste ich sicher, genau dieses Schwert besonders gut entspannt zu haben, denn ich hatte das wie immer mit großer Hingabe und lichterloh brennendem Sklavenfeuer getan!
 
Eigentlich mag ich Dark ja sehr, aber manchmal kann sie auch ein echtes Miststück sein. Meine angebliche Schuld wegen der Konditionsschwäche ihres Herrn und dem vielen Gras zwischen seinen Zähnen gefiel ihr nämlich sofort, denn sie meinte doch tatsächlich, ob ich nicht grundsätzlich immer die Schuld haben könnte, also auch wenn sie eigentlich Schuld hat. Sie war ganz angetan von diesem Vorschlag, wurde von ihrem Herrn dafür jedoch mit einer Kopfnuss belohnt. Was für ein Glück, dass meine Herrin nun erwiderte, zum Ausgleich hätte Dark dann bei ihr immer Schuld. Nach einer kurzen Diskussion, welche von uns beiden bei wem in welcher Reihenfolge schuldig ist, kamen unsere Besitzer auf die Idee, ob es nicht sogar möglich sei, sich bei der Schuldfrage die Arbeit zu teilen… worauf meine Herrin schnell vorschlug, Darks Herr könne gerne den Ärger mit uns übernehmen und sie die angenehmen Zeiten.
 

Irgendwie war ich ganz froh, als ein weiterer Trainingsgegner Darks Herrn zurück auf die Wiese zog und wir uns aufs Zuschauen und brav neben meiner Herrin knien, beschränken konnten. Hoffentlich ist ihr überhaupt aufgefallen, wie ordentlich und gesittet sich die beiden Ds benehmen können…ohne herum zu zappeln, ohne auf Tarsks zu reiten und ohne Sleens in Tavernen zu locken, sondern einfach nur schön aussehen! Oder hatte sie womöglich doch nur Augen für Darks Herrn?... daran war ich bestimmt auch Schuld... falls sie es erlaubt! ;-)

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Frust & Co.

…oder wie anstrengend freie Frauen sein können.
 
Kaum hatte ich an diesem Tag den Marktplatz erreicht, wurde ich auch schon von zwei freien Frauen mit Beschlag belegt, die es nach einem Getränk auf der Herbergsterrasse gelüstete. Am liebsten hätte ich mich natürlich noch ein wenig zu den drei Kriegern gesellt, um eine günstige Gelegenheit abzuwarten, den Hauptmann auftragsgemäß an das kaputte Schloss im Haus meiner Herrin zu erinnern. Er wollte in dieser Sache nämlich den neuen Krieger ansprechen, da der anscheinend Erfahrungen mit solchen Reparaturen hatte und in Jorts zurzeit ja leider kein Schmied ansässig ist. Aber egal, es würde sich bestimmt noch eine andere Gelegenheit dafür ergeben.
 
Leider ergab sie sich dann aber doch nicht mehr und ich vergaß die lädierte Tür vollkommen, da sich die Terrasse recht schnell füllte und ich ganz gut zu tun bekam. Außerdem musste ich der Bäckerin im Heilerhaus ja auch noch ihr Essen servieren... Shani und ich wechseln uns zurzeit nämlich mit der Patientenverpflegung ab. Über die Operation der Bäckerin, kursierten inzwischen schon jede Menge Gerüchte in Jorts, nur wusste leider niemand etwas Genaueres. Bei der Anlieferung des Mittagessens schlief die Kranke leider und war komplett zugedeckt gewesen, sodass mein Informationsdurst nicht gestillt werden konnte. Dafür war sie dann umso aktiver, als ich ihr das Abendessen brachte… ihr schien inzwischen wohl schon die Decke auf den Kopf zu fallen.
 
Mist, auch diesmal konnte ich keinen Blick auf die Wunde werfen, denn die Patientin wurde sofort von der Heilerin zugedeckt und zusätzlich ein komisches Gestell über ihren Oberschenkel geschoben, sodass ich annahm, das sei eine Art Serviertischchen, um im Bett besser essen zu können. Wie gut dass ich vorsichtshalber noch einmal nachfragte, bevor ich das Tablett mit dem Essen darauf einfach abstellte. Das Teil war nämlich gar kein Tisch, sondern diente dem Schutz der Operationswunde wurde mir von der Heilerin erklärt und durfte nicht belastet werden. Ich erfuhr von der Bäckerin danach aber immerhin, dass ihr ein Geschwür entfernt worden war und sie… ich konnte es kaum glauben… tatsächlich für zehn Tage das Bett in der Krankenstation hüten musste. Aha, bei einem so langen Zeitraum wurde mir natürlich sofort klar, warum sie so herumzeterte.
 
 
Erst wollte sie als Nachtisch einen frischen Kuchen haben… als Bäckerin hätte sie eigentlich wissen müssen, dass es keinen gab… lehnte mein Angebot, ihr ein paar trockene Kekse zu bringen jedoch schnippisch ab. Dann gelüstete es sie nach Kompott, ich bot ihr Früchte ohne Kompott an. Doch auch damit war sie nicht zufrieden. Zum Glück war sie dann mit meinem Vorschlag, ihr etwas Larmamus zu kochen, gnädigerweise einverstanden und erkundigte sich nun bei mir, wo denn ihr zukünftiger Gefährte überhaupt steckte und warum er sie noch nicht besucht hatte. Ich verkniff mir eine Erwiderung, die mir eigentlich schon auf der Zunge lag und schwenkte um. Unter dem Gesichtspunkt, jetzt kommt die zeternde Herrin vielleicht endlich auf andere Gedanken, war ihre Frage eigentlich perfekt.
 
Ein wenig ausgeschmückt, um die Herrin nicht nur mit ein paar Fakten abzuspeisen und so vor allem nicht erneut ihren Unmut zu provozieren, sondern noch besser zu ihrer Unterhaltung beizutragen, denn ich konnte durchaus verstehen, dass sie sich von sämtlichem Geschehen in Jorts ein wenig isoliert fühlte, gab ich zum Besten, dass der Herr Lederarbeiter sie nicht besuchen kann, weil er von der neuen Schreiberin mit Beschlag belegt wurde. Ohje, mit dieser Information, ihr Zukünftiger sitzt zurzeit neben der Schreiberin auf der Terrasse und die beiden unterhalten sich sehr angeregt, hatte ich nun richtig etwas angerichtet… die Herrin bekam nämlich einen hochroten Kopf und empörte sich ausgiebig über diese Zusammenkunft, sodass ich gar nicht mehr dazu kam, ihr den Grund des Gespräches zwischen den beiden zu berichten.
 
Aber egal, ich bekam tatsächlich noch mehr Mitleid mit der Bäckerin und versuchte sie nun damit auf andere Gedanken zu bringen, indem ich ihr Hoffnung auf baldige Genesung machte. Vielleicht darf sie ja sogar früher als angekündigt das Bett verlassen? Als gutes Beispiel erwähnte ich mein Branding, was ja höllisch wehgetan, aber zum Glück keinerlei Bettruhe erfordert hatte und zeigte der Herrin voller Stolz, wie schön die Dina auf meinem Oberschenkel trotz Bewegung geworden war. Uff… ich hörte die Kranke danach nur noch „verschone mich mit dem Anblick deines Brandings… mach mir endlich das Larmamus… aber HARTA!“ kreischen und war dann wie der Blitz raus aus der Krankenstation.
 
Ich bin mir inzwischen übrigens nicht mehr sicher, ob der Lederarbeiter die Wahl seiner Gefährtin nicht doch lieber noch einmal überdenken sollte. Meine Herrin meinte zwar vor kurzem, dass er ab und an eine Frau mit Haaren auf den Zähnen braucht, aber ich finde genau wie der Hauptmann, Haare auf dem Kopf sind viel schöner. Freie Frauen ansich sind ja schon so eine Sache, nur eine kranke Freie toppt das Ganze wirklich noch. Kein Wunder also, dass ich mir reichlich Zeit ließ, der Herrin das frisch gekochte Larmamus zu bringen. Nicht auszudenken, wenn sie in ihrem Frust & Co. zu hastig, ohne vorher ausgiebig zu pusten, davon essen würde!
 
Aber eigentlich auch egal, habe ich nicht sowieso immer schuld? Meine Erleichterung war jedenfalls riesig, die Nachspeise auf dem Schreibtisch der Heilerin deponieren zu dürfen, denn inzwischen war ja der Zukünftige dieser schwierigen Freien bei seiner Angebeteten! ;-))

Dienstag, 22. Oktober 2013

Anglerglück

Der Schreck durch den Sleenangriff war nach der Ablenkung in den Fellen des Brauereikriegers und ausgiebigem, sehr erholsamem Schlaf in der nächsten Nacht einigermaßen verdaut, sodass ich an diesem Tag meinen ganzen Mut zusammen nahm, um mein Anglerglück im Vosk zu versuchen. Ich wollte meine Herrin nämlich mit lecker gebratenem Fisch überraschen, wenn sie von ihrem Landsitz zurückkam. Natürlich war ich nach meinen Erfahrungen auf wen man so alles am Vosk treffen kann, besonders vorsichtig und zuckte bei jedem Knacken, Rascheln im Unterholz und sonstigen Geräuschen zusammen, schaute mich auch ständig um… immer auf der Hut vor einem Sleen.
 
Doch diesmal stand ich offensichtlich nicht auf dem Speiseplan einer solchen Bestie. Trotzdem war ich selbstverständlich bestens vorbereitet und hatte mir überlegt, dass ich meine Angel im Notfall als Waffe benutzen konnte. Im Fall eines Angriffs wollte ich sie dem gefräßigen Ungeheuer nämlich in sein riesiges Maul zwischen die 100.000 spitzen Zähne keilen, ihm damit eine Maulsperre verpassen. Doch dazu kam es zum Glück nicht, die Priesterkönige bescherten den gefährlichen Raubtieren mit den vielen Beinen anscheinend Appetitlosigkeit, mir jedoch Anglerglück, denn ich zog kurz hintereinander zwei richtig dicke Brocken aus dem Vosk.
 
 
Eigentlich dachte ich, alle guten Dinge sind drei, doch es wollte kein weiterer Fisch anbeißen, sodass ich letztendlich aber doch mehr als zufrieden, allerdings in flottem Tempo mit meinen Fischen den Rückzug antrat. Immer noch auf der Hut, schaute ich mich auf dem Rückweg wieder ständig um und war schließlich unendlich erleichtert, das Haus meiner Herrin wohlbehalten erreicht zu haben. Da das Schloss leider noch kaputt ist, keilte ich schnell das bereit gestellte Brett unter den Türgriff und schaute sicherheitshalber noch einmal vorsichtig aus dem Fenster. Doch es war immer noch kein Sleen in Sicht. Anhand des neben der Tür abgestellten Gepäcks stellte ich nun allerdings fest, dass meine Herrin inzwischen zurückgekommen sein musste, aber wohl bereits die Herberge aufgesucht hatte.
 
Meine Vermutung war richtig gewesen… meine Herrin war tatsächlich auf der Terrasse und zwar im Klöhnschnack mit der Hauptmannsgefährtin, schaute allerdings mittelprächtig irritiert erst auf die Angelrute und dann auf die beiden an der Umhängetasche angebundenen Fische auf meinem Rücken ((danke Archon für dieses supertolle Geschenk! :-))). Sie hatte bislang ja noch nichts von der Attacke auf ihr Eigentum gehört, meinte nach meinem Bericht dann aber schmunzelnd, ob ich tatsächlich annehme, so geübt und kaltblütig zu sein, um mich mit einem dünnen Stock gegen einen Sleen zur Wehr setzen zu können?
 
Natürlich hatte sie wie immer Recht, fand allerdings meine Idee, dem Sleen im Ernstfall doch lieber die Fische vors Maul zu werfen, ziemlich gut und schaute mich mit einer Art belustigtem Blitzen in ihren blauen Augen an, bevor sie überaus angetan zum Ausdruck brachte, dass ich ziemlich gut auf ihren Besitz aufpasse… eine Aufgabe, die mir irgendwie sehr am Herzen liegt. Die Vorwarnung meiner Herrin über eine mögliche Reserviertheit des Händlers wegen der Tanzunterbrechung durch die mich verfolgende zähnefletschende Sleenbestie hätte vom Timing übrigens nicht besser sein können, denn kaum hatte ich geendet, tauchte der Händler auf und ließ sich auf sein Stammkissen plumpsen.
 
Der Herr war jedoch keineswegs reserviert. Im Gegenteil, er schien mir sogar fast wohlgesonnen zu sein, denn er erkundigte sich nur, ob die an meiner Tasche immer noch hängenden Fische etwa noch lebendig sind. Ups, die beiden hatte ich ganz vergessen, als ich mich zwischen ihn und die Hauptmannsgefährtin quetschte, um die Herrin nach ihrem Getränkewunsch zu fragen. Doch der Händler nahm mir den Anblick meines Fangs aus nächster Nähe nicht krumm… zumal es mir ganz ohne besondere Achtsamkeit gelungen war, also mehr oder weniger zufällig, keine Fischschuppen auf seine weiße Kleidung zu schmieren. Naja, ich erwähnte ja schon… die Priesterkönige waren an diesem Tag auf meiner Seite.
 
Kein Wunder also, dass die Freien schließlich auch meinen lecker zubereiteten, goldbraun gebratenen Fischfilets sehr zusprachen… einzige Ausnahme war allerdings der Hauptmann, der grundsätzlich keinen Fisch isst. Aber der hatte bei seiner Ankunft anscheinend auch kalte Füße, da er auf Sandalen in den Norden gereist war und nicht allzu gute Laune, weil es dort wohl nur Met zu trinken gegeben hatte. Ich konnte ihn zwar schnell von einem Paga auf Kosten des Lederarbeiters überzeugen, aber nicht davon, bei dem leckeren Fisch zuzulangen, der ihn ja ebenfalls nichts kostete. Wobei ihn das Thema Essen immer wieder erneut zu beschäftigen schien… insbesondere Essen, das im Rahmen von Feiern umsonst ist, denn davon stehen demnächst einige an.
 
Zur Überraschung der anwesenden Herrschaften und aus vorgenanntem Grund zur besonderen Freude des Hauptmanns, kündigte der Lederarbeiter nämlich an, dass er endgültig in Jorts sesshaft werden möchte und erkundigte sich, welche Formalitäten für seinen Heimsteinschwur erforderlich sind. Die erste hatte er mit dem Ausgeben eines Pagas an den Hauptmann schnell erfüllt, aber auch der Rest war schnell geklärt. Es wurde aber noch besser. Mit leicht gerötetem Kopf druckste der Herr noch etwas herum, ließ letztendlich dann aber die Gianni aus dem Sack und informierte alle, dass er sich eine Gefährtin zu nehmen gedenke… nämlich die Bäckerin.
 
Uiihhh, hatte die Herrin sich den Lederarbeiter tatsächlich geangelt! Dabei hatten die beiden doch eigentlich nur gestritten und aneinander vorbei geredet! Ich glaube, dem Fastgefährten kam die Ankündigung der auf der Terrasse auftauchenden Ärztin ganz gut in den Kram, dass er seine Auserwählte jetzt im Heilerhaus besuchen durfte. Sie informierte ihn auch, die Operation sei gut verlaufen, die Patientin müsse nur die nächsten Tage stramm liegen. Ups, was für einem Eingriff hatte sich die Bäckerin denn unterziehen müssen? Dass es irgendwas an ihrem Bein war, hatte ich vor einigen Tagen ja schon in Erfahrung gebracht und mir dabei auch meinen Teil gedacht, insbesondere wenn ich die wunderschöne Dina an meinem Schenkel betrachtete, auf die ich unheimlich stolz bin. Blöderweise bekam ich auch an diesem Tag leider nichts Genaueres mehr heraus… schade, schade, schade. ;-)

Sonntag, 20. Oktober 2013

Gerade noch gerettet

Eigentlich war ich auf dem Weg in die Stadt gewesen, doch ein kleines Steinchen, das sich in meine Fußsohle gebohrt hatte, ließ mich auf halber Strecke stoppen. Während ich es herauspuhlte, hörte ich plötzlich einzelne Gesprächsfetzen, die meine Aufmerksamkeit Richtung Brauerei lenkten. Dort entdeckte ich den Brauereikrieger, den ich an seinen herrlichen roten Haaren schon von weitem erkannte und seine nicht mit ihm verwandten Freunde, die sich vor kurzem hier in Jorts niedergelassen hatten. Es waren sein Schwertbruder nebst Gefährtin und die etwas ungewöhnliche Tochter, die mit ihrem leicht zerlumpten, unverschleierten Äußeren nicht so wirklich herrinnenlike ist.
 
 
An diesem Tag trug sie nun auch noch den Kopf eines Sleen aufgespießt auf einem Speer mit sich herum. Mein Auftauchen kam dem Brauereikrieger und der Tochter seines Freundes anscheinend ganz gelegen, denn ich wurde sofort befragt, ob dieser Sleenkopf möglicherweise Fenris gehörte. Auch wenn ich meistens einen möglichst großen Bogen um den Sleen des Hauptmanns mache, konnte ich dem Krieger nun jedoch bestätigen, dass dieser Kopf auf einem anderen Viech gesessen haben musste. Fenris war jedenfalls noch komplett. Das war wohl auch ganz gut so, denn ich vermutete, der Hauptmann würde nicht gerade begeistert sein, einen Teil seines Sleens aufgespießt zu sehen. Leider erschloss sich mir nicht mehr, warum wieso und weshalb dieser Sleenkopf auf dem Speer steckte, da ich mich erst einmal um den Getränkenachschub und vor allem um das zweite Ale des Brauereibesitzers kümmern musste.
 
Als sich der Kreis der Freien am Feuer des Brauereikriegers zu vorgerückter Ahn schließlich langsam auflöste, erlaubte mir der Rarius schmunzelnd, erneut seine Felle zu wärmen, sobald ich die Trinkgefäße gesäubert hatte. Nichts lieber als das! Kein Wunder also, dass ich mich mit der Erledigung meiner Aufgaben ordentlich sputete. Trotzdem machte ich auf dem Rückweg von der Herberge noch einen kleinen Umweg zum Vosk für ein kurzes abendliches Bad, um den Herrn mit einer frischgebadeten Dina zu erfreuen. Leider nahm ich diesmal jedoch eine andere Badestelle als sonst, da sich zwei gefährlich aussehende Riesenschildkröten in der Bucht tummelten, das Unglück aber trotzdem seinen Lauf.
 
 
Ich hatte noch nicht einmal meine Tunika abgestreift, als mich plötzlich ein gefährliches Knurren und Fauchen erschreckte. Genau vor mir sah ich ein weit aufgerissenes Maul mit gefletschten, spitzen Zähnen. Ohne lange nachzudenken nahm ich Reißaus. Meine Blitzreaktion hat mir wahrscheinlich das Leben gerettet, denn es war ein Waldsleen, der offensichtlich Appetit auf mich verspürte. Während sich losrannte schrie ich zwar laut um Hilfe, nur wer sollte mich hören? Ich war außerhalb der Stadt und die Bewohner wahrscheinlich alle in ihren Häusern. Daher waren flinke Beine und Füße angesagt, die mich tatsächlich auch in rekordverdächtiger Zeit sicher ins Haus meiner Herrin brachten. Aber rennen konnte ich eigentlich schon immer ganz gut… dachte ich jedenfalls, als ich schnaufend die Tür hinter mir zuschlug, dabei leider jedoch vergaß, sie zu verriegeln.
 
Es war mir nämlich nicht gelungen, das Vieh abzuhängen. Wild und vor allem wütend fauchend donnerte der Sleen mit seiner ganzen Kraft von außen gegen die Tür, die leider plötzlich nachgab. Ich kreischte natürlich voller Panik laut auf und schrie erneut um Hilfe, als das Monster mit den vielen Beinen an mir vorbei ins Haus meiner Herrin stürmte. Nur hörte mich auch diesmal niemand, sodass ich keinen anderen Weg sah, als eilig erneut das Weite zu suchen und zur Herberge zu laufen… das Biest leider immer noch hinter mir her. Ich hoffte inständig, dort noch den Händler und den fremden Krieger anzutreffen, auch wenn es nicht die feine Art ist, einfach mit einem Sleen im Gefolge ohne große Vorwarnung in der Taverne aufzutauchen. Nur wie sollte ich vorwarnen? Schreien lag nicht mehr drin, meine Luft brauchte ich jetzt wirklich zum Rennen!
 
 
Puhhh, die Rechnung ging zum Glück auf. Während ich in die Taverne flitzte und mich schnell hinter dem Händler versteckte, vertrieb der Krieger den Sleen, sodass das Eigentum meiner Herrin gerettet wurde. Die beiden Kajirae konnten schließlich ihren Tanz fortsetzen und ich musste zur Strafe neuen Paga servieren, den die Männer bei dem Sleenangriff logischerweise verschüttet hatten. Doch das tat ich selbstverständlich gerne. Dank des Kriegereinsatzes hatte ich überlebt, wenn auch nur knapp, den beiden Herren und ihren Kajirae zwar den Abend etwas versaut… doch das war mir in dieser Situation ehrlich gesagt total egal! ;-))

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Die letzten Tage...

Meine Herrin quält sich schon die ganze Hand mit irgendwelchem Kram herum, der ihr leider keine Zeit lässt, um sich in der Stadt sehen zu lassen oder sich eine Milch auf der Terrasse zu gönnen ((kein Internet :-()). Da ich ihr dabei nicht helfen kann, schickt sie mich ständig alleine vor die Tür, damit ich mich in der Stadt nützlich mache und trinkt ihre Milch dann einfach zuhause, was natürlich auch geht und kein Problem ist.
 
Am ersten Tag dieser Hand bin ich übrigens nicht weit gekommen, da ich unter dem großen Baum neben den Blumenbeeten meiner Herrin Hadi bemerkte, die mit der Larmaernte beschäftigt war. Nur logisch also, dass ich für einen kleinen Kajiratratsch bei ihr anhielt, denn von ihrem Herrn war weit und breit nichts zu sehen. Sie hatte tatsächlich einige Neuigkeiten über die Sängerin und deren inzwischen schon wieder verschollenen und mittlerweile sogar für tot erklärten Gefährten zu berichten, von denen ich zuvor nur ein paar Gerüchte gehört hatte. Hadi konnte mir zwar nicht sagen, wie es zum Ableben des Herrn gekommen war, wusste jedoch Interessantes über das anscheinend neue Lieblingsgetränk der Sängerin, mit dem diese sich über ihren Verlust offensichtlich hinweg getröstet hat… um es mal vorsichtig auszudrücken.
 
 
Während Hadi und ich uns ausgiebig darüber austauschten, was für ein tolles Gefühl es ist, barfuß das weiche Gras zu spüren und uns unendlich leid taten und bedauerten, nicht ständig nackt herumlaufen zu dürfen… ich ja sowieso nicht wegen meiner Herrin und Hadi leider auch nicht immer… wurden wir plötzlich durch eine tiefe Männerstimme unterbrochen, die uns darin bestätigte. Es war der Lederarbeiter, der anscheinend noch einen abendlichen Spaziergang zum Vosk unternommen hatte und nun auf dem Rückweg war. Unser Anblick hatte ihn anscheinend erfreut und ganz besonders natürlich der von der nackten Hadi. Doch nachdem der Streit mit Hadis Herrn für ihn sehr schmerzhaft geendet hatte, zeigte er nun vorsichtshalber kein ernsthaftes Interesse mehr an ihr und ging zu später Ahn schließlich alleine seines Weges, denn ich musste mich ja noch um meine Herrin kümmern.
 
Am zweiten Tag dieser Hand schickte meine Herrin mich am Ende des Tages erneut alleine los und diesmal erreichte ich sogar den Marktplatz. Leider hatte der Hauptmann immer noch Spätwache, wurde allerdings würdig von dem Brauereikrieger beim Steine platt treten vertreten. Mein Auftauchen hätte anscheinend nicht besser sein können, denn der Krieger benötigte eine Kajira für eine Aleverkostung, weil er einer mir unbekannten Herrin in Blau und einer weiteren, noch sehr jungen seine Schätzchen zeigen wollte… also die Brauereikessel. Vorher schickte mich der Bauereibesitzer allerdings noch zur Herberge, um den Gefährten der blau gekleideten Herrin ebenfalls auf ein Ale oder ein anderes Getränk in der Brauerei einzuladen.
 
Ohje, ich glaube der Gefährte hatte keine allzu gute Laune an diesem Tag. Zusätzlich schien es ihm offensichtlich überhaupt nicht in den Kram zu passen, dass seine Alte nicht bei ihm war. So nannte er die Herrin tatsächlich, obwohl ich fand, dass sie überhaupt nicht alt aussah. Jedenfalls trug er mir auf, ihr zu bestellen, wo und vor allem wie schnell er sie zu sehen wünscht, was ich selbstverständlich auch tat. Allerdings hatte er wohl nicht mit der Sturheit seiner Gefährtin gerechnet, denn die gewünschte Reaktion blieb bei der Herrin vollkommen aus… sie blieb einfach wo sie war und setzte in aller Ruhe ihr Gespräch mit dem Brauereibesitzer und die Ale-Probe fort.
 
Der Herrin schien das Ale ziemlich gut zu schmecken, dummerweise hatte sie aber wohl nicht mit der berauschenden Wirkung dieses Getränks gerechnet, sodass sie nach dem zweiten Becher bereits recht undeutlich sprach und schließlich wegduselte. Zum Glück konnte ich die Dame aber noch so weit wieder reanimieren, um sie irgendwie in ein Zimmer der Herberge zu schaffen. Es war kein ganz leichtes Unterfangen, klappte jedoch trotz Torkelei einigermaßen gut, nachdem ich ihr einen Arm fest um die Taille geschlungen und mir zusätzlich ihren Arm stützend um meine Schulter gelegt hatte. Ich hoffe nur, dass ihr das Ale insgesamt doch einigermaßen gut bekommen ist, abgesehen von dem bisschen Schwächeln, denn während meine Herrin am nächsten Tag bereits ihre Milch auf der Terrasse zu sich nahm, kam die Ale-Verkosterin von einem Spaziergang zurück. Sie machte sogleich Anstalten, sich auf ihr Zimmer zurück zu ziehen, erinnerte sich dann aber plötzlich daran, dass sie mit dem Händler etwas besprechen wollte und vereinbarte schnell noch einen Termin mit ihm, bevor sie sich dann doch in ihr Zimmer zurückzog.
 
 
Übrigens wäre die Milch meiner Herrin fast ein Reinfall geworden…es war nämlich kein Honig in der Küche, obwohl ich den Schrank, wo der Honigtopf eigentlich immer aufbewahrt wird, bis in seine tiefsten Tiefen durchsucht habe. Während ich einzelne Wortfetzen von Darks Herrn über gepfefferte, geteerte und gefederte Exoten einfing, auf die ich mir allerdings keinen Reim machen konnte, aber eigentlich auch nicht wirklich wollte, denn ich war mit meiner vergeblichen Suche schwer beschäftigt und meine Verzweiflung wurde immer größer, je länger der Honig nicht auftauchte. Letztendlich blieb mir nichts anderes übrig, als meiner Herrin eine ungesüßte Milch zu servieren… zum Glück nur fast. Denn als ich ihr gerade mit Bedauern die Schale entgegen strecken wollte, hört ich Shani die Sängerin etwas über die Süße ihres Tees fragen und glaubte zu träumen, denn der Honigtopf stand direkt neben mir auf einem Tablett auf dem Tisch. Puhh, den hatte ich total übersehen! So nahm das Schreckliche dann doch noch ein gutes Ende.
 
Ob die Priesterkönige dem Lederarbeiter genauso wohlgesonnen waren, habe ich am gestrigen Abend dann leider nicht mehr endgültig mitbekommen, da es meine Herrin zu früh in ihr Haus zog… nämlich als es gerade besonders spannend war. Aber der Reihe nach. Ich glaube, der Besuch auf der Terrasse begann für den Lederarbeiter ganz einträglich, denn er erhielt von dem Händler zwei Silbertarsk aus der Stadtkasse für die Missachtung seines Vorkaufsrechts an einer Sklavin und genoss mit zufriedenem Schmunzeln erst einmal still seinen Paga. Leider mischte er sich dann aber ein in die Diskussion über Puddingteilchen und was da drauf gehört und was nicht. Zuckerguss und Marmelade klang für ihn offensichtlich nach sehr klebrigen Fingern. Vielleicht hätte er das nicht tun sollen? Denn letztendlich entstand zwischen ihm und der Bäckerin ein hitziges Gespräch über klebrigen oder nicht klebrigen Met und vor allem Klebeerfahrungen mit Paga.
 
Ein Wort gab das andere. Es wurde immer spannender, denn beide redeten aneinander vorbei wo sie nur konnten. Aber vielleicht habe ich das auch alles nur nicht richtig verstanden? Egal, jedenfalls amüsierte sich der Lederarbeiter offensichtlich sehr über die Bäckerin und lobte die sich immer mehr ereifernde Herrin für das Funkeln ihrer schönen Augen, das ihm anscheinend sehr gefiel. Irgendwie klar, dass die Herrin nun noch wütender wurde und dem Herrn schließlich unterstellte, er wolle sie versklaven. Richtig hochnäsig behauptete sie aber, überhaupt nicht verärgert zu sein, da sie sowieso über den Dingen stehe… worauf der Lederarbeiter nun die Weltkenntnis und Souveränität der Herrin anerkannte, sich dabei aber komischerweise hinter seinem Pagabecher versteckte, um sein Schmunzeln zu verbergen.
 
 
Leider kann ich mich nicht mehr so genau daran erinnern, was die beiden sich noch alles an den Kopf schmissen und unterstellten, wobei selbstverständlich keine Becher oder Schalen geflogen sind. Ach ja, es ging auch um Trockenheit. Unklar blieb mir nur, ob der Herr tatsächlich die Backwaren der Lady meinte. Jedenfalls kam irgendwann von ihr die Aufforderung, er könne sich jetzt ruhig aussprechen, sie sei ganz Ohr, denn bei ihr ist nichts trocken… er könne auch ruhig mal probieren. Ich traute meinen Ohren kaum, der Lederarbeiter fragte nun seufzend: „Lady, wenn es denn unbedingt sein muss… wollt ihr meine Gefährtin werden?“ und bekam prompt zur Antwort: „Ja, ich will… wann Sir?“
 
Der Herr wirkte nun gänzlich verwirrt auf mich und ließ sich erstmal einen weiteren Paga bringen. Selbstverständlich in dieser Situation ohne großes Tamtam, da er den stärkenden Schluck wirklich dringend nötig hatte und ihn auch sofort gierig hinunter stürzte, bevor er in der Lage war nachzufragen: „Wie meinen Lady?“ sodass die Bäckerin lächelnd wiederholte, wann er ihr Brot probieren will. Falls es dann den Geschmack des Herrn trifft und nicht zu trocken ist, denn er mag ja nichts Trockenes, will sie einen Vertrag mit ihm aufsetzen.
 
Mist, die weiteren Verabredungen für den Vertrag bekam ich wie gesagt nicht mehr mit und weiß nun nicht, ob der Antrag überhaupt einer gewesen ist, sodass ich demnächst bestimmt frisches Brot für meine Herrin kaufen muss… auch wenn sie gar nicht zu Hause, sondern auf ihrem Landsitz sein wird.

Freitag, 11. Oktober 2013

Ausnahmen

Ein vor der Herberge abgestellter Karren zog sofort mein Interesse auf sich, nachdem ich den Hauptmann und seine Gesprächspartner freundlich gegrüßt hatte. Es befanden sich nämlich einige Kisten, Körbe und Säcke mit überaus lecker aussehenden Kalanatrauben darauf. Kein Wunder also, dass sich meine Hand sozusagen automatisch ausstreckte, um ausnahmsweise eine dieser Trauben zu mopsen. Dank meiner guten Erziehung habe ich dann selbstverständlich von einer Verkostung Abstand genommen, denn mir ist ja bekannt, welch grauenvolle Strafe auf Diebstahl steht.
 
Außerdem wurde ich sowieso abgelenkt, weil der gut aussehende, stattliche Brauereikrieger hinzu kam und von einem mir unbekannten Fremden mit "Bruder" angesprochen wurde. Aha, der Brauereibesitzer hatte also Verwandtschaftsbesuch. Wobei sich die beiden Brüder überhaupt nicht ähnlich sahen und sich offensichtlich auch nicht so nahe standen, um gemeinsam im Haus des Brauereikriegers zu übernachten, denn der Bruder und seine Gefährtin ließen sich schließlich von Shani einige Mietshäuser zeigen.
 
Nachdem ich dem Brauereikrieger ein Ale servieren durfte, erzählte er mir auf meine Frage zu seinem Bruder und dessen Gefährtin schmunzelnd, dass der Fremde gar kein Verwandter von ihm ist, sondern nur ein Schwertbruder, der bislang im Norden gewohnt hatte. Ups, da war mir ja mal wieder ein Patzer unterlaufen, denn in Jorts sprechen sich die Krieger nicht mit "Bruder" an, nur weil sie der gleichen Kaste angehören und die gleichen Waffen tragen. Deswegen hatte der Herr also auch nicht eingesehen, die beiden Nordleute in seinem Haus einzuquartieren!
 
Inzwischen hatte sich der Händler ebenfalls auf der Terrasse niedergelassen, allerdings ohne Shani, sodass ich mich zu der höflichen Frage verpflichtet fühlte, ob ich ihm an diesem Tag ausnahmsweise mal seinen Paga servieren durfte oder ob er lieber auf seine Sklavin warten wollte. Komischerweise forderte er mich auf, erst einmal das "ausnahmsweise" zu erklären und mir wurde klar, ihm war überhaupt nicht bewusst, dass ich dies für mich wirklich eine absolute Ausanahme war und ich dies in Jorts noch nie getan hatte... glaube ich jedenfalls. 
 
Warum auch, er hat schließlich eine eigene Kajira, die auch an diesem Abend natürlich gleich wieder da sein würde. Trotzdem durfte ich ihm nun einen Paga servieren. Ich ließ dabei aber lieber sämtliches Tamtam weg, um Shanis Platz schnell wieder zu räumen. Meine Herrin brauchte meine Dienste nämlich inzwischen ebenfalls und auch der Lederarbeiter wartete auf ein Getränk, da er ja immer noch ohne Kajira ist, nachdem der Händler sein Vorkaufsrecht vernachlässigend einfach eine Sklavin in den Norden verkauft hatte. Naja, ein Vorkaufsrecht besagt noch nicht, dass der Lederarbeiter das Mädchen auch tatsächlich gekauft hätte. Außerdem gab es da noch einige andere Gründe für.
 
Dem seit einigen Tagen durch die Gaststube streichenden kleinen Gianni schien meine Bedienreihenfolge übrigens nicht so ganz zu passen, denn in der Hoffnung auf etwas zu essen mauzte es herzergreifend und wuselte nicht nur um meine Füße herum, sondern sprang sogar auf die Anrichte, um sich selbst zu bedienen, wo ich es natürlich schnell herunter scheuchte. Kein Wunder also, dass es selig schnurrte und sich zufrieden an mich schmiegte, als es irgendwann dann doch ausnahmsweise etwas Fleisch bekommen hatte, denn es wird noch eine Menge lernen müssen, vor allem das Jagen von Urts, wenn es nicht demnächst als Muff enden will.
 
 

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Opfer

Am Tag unserer Rückkehr war Jorts irgendwie ausgestorben, da die meisten Bewohner offensichtlich in ihren Häusern zu tun hatten. Auch der Hauptmann war erstaunlicherweise nirgends zu sehen und hatte seine Lieblingsbeschäftigung „Steine platt treten“ anscheinend bereits eingestellt. Oder war er etwa schon Vater geworden und mit dem Wechseln vollgesch… Windeln beschäftigt? Ach nee, dafür hat er ja seine Kajira und außerdem erfuhr ich später, dass das Doppelpack seiner Vaterfreuden noch nicht die Welt Gors erblickt hatte.
 
Auf der Bank vor dem Heilerhaus entdeckten wir nämlich jemanden in Grün. Es war die Ärztin, die den Hauptmannszwillingen wie gesagt noch nicht auf die Welt geholfen hatte und offensichtlich einem kleinen Plausch mit dem Lederarbeiter nicht abgeneigt war, denn sie erhob sich sofort. Naja, wer kann schon einer so freundlichen Einladung zu einem Getränk beliebiger Wahl auf der Terrasse der Herberge widerstehen. Diese Freizügigkeit hätte durchaus teuer werden können, wenn die Wahl der Herrin auf Blackwine gefallen wäre. Doch in diesem Fall hatte der Lederarbeiter Glück und kam der Herrin aus ganz anderem Grund vielleicht sogar wie gerufen, da sie nun jemanden hatte, um sich über ein paar Ärgernisse der letzten beiden Hand Luft zu machen.
 
Während ich mich um die Getränke kümmerte, erzählte die Heilerin erst einmal von tagelangem, äußerst ergiebigem Regen in Jorts, den ich dank des perfekten Timings meiner Ausleihzeit zu meiner Freude verpasst hatte. Doch dann kam sie recht schnell auf einen neuen, aus dem Norden angereisten Bewohner zu sprechen, der bei ihr wohl ziemlich angeeckt war, weil er anscheinend nicht zu Fuß unterwegs ist, sondern mit einem Kailla und immer über den Marktplatz reitet.
 
 
Grundsätzlich konnte ich nichts wirklich Verwerfliches daran finden, außer es wird jemand über den Haufen geritten. Für mich besteht nämlich kein gravierender Unterschied zwischen einem Reitkailla und von irgendwelchen Viechern gezogenen Händlerwagen, die gelegentlich auch schon auf dem Platz geparkt wurden. Apropos Haufen… die stinkenden Hinterlassenschaften dieser Zugtiere sind manchmal wirklich nicht so ganz ohne, im Gegenteil und nicht gerade eine Freude für uns Kajirae, die sich mit der Beseitigung dann abärgern dürfen!
 
 
Wie gerufen tauchte übrigens der Reiter samt Kailla plötzlich vor der Terrasse auf, nachdem er wieder über den Marktplatz geritten war, sodass sich die Heilerin erneut echauffierte und Ansätze machte, ihren Streit mit diesem Herrn fortzusetzen. Allerdings verstummte sie dann doch, da sich die beiden Männer erst einmal miteinander bekannt machten und es schließlich so aussah, als ob der Lederarbeiter, der ja Schirrmacher und Sattler ist, demnächst von dem Kaillareiter einen Arbeitsauftrag bekommen würde.
 
 
Ich gestehe, ich habe die Gespräche der Freien mehr oder weniger an mir vorbeiziehen lassen, denn inzwischen war es ziemlich spät geworden. Die Anstrengungen der Reise schienen nicht nur bei mir, sondern schließlich auch bei dem Lederarbeiter ihren Tribut zu fordern, sodass ich froh war, in sein Haus zum Anwärmen seiner Felle geschickt zu werden, denn meine Herrin erwartete ich erst am nächsten Tag von ihrem Landsitz zurück.
 
Dort hatte sie sich zwischenzeitlich tatsächlich aufgehalten, war danach aber auch für ihre Kaste in Sachen Effektivitätssteigerung unterwegs gewesen… was auch immer das ist. Zum Glück muss ich von solchen Dingen nichts verstehen. Meine Herrin kam in Jorts jedenfalls mittelprächtig genervt an, sodass nach unserer ersten Wiedersehensfreude eindeutig Milch mit einem Extralöffel Honig zur Nervenberuhigung angebracht war. Außerdem musste sie wohl auch überprüfen, ob ich während meiner Ausleihzeit nichts verlernt hatte.
 
Keine Ahnung, was sie auf die Idee gebracht hatte, ich sei während den letzten zwei Hand von dem Lederarbeiter verwöhnt worden. Aber egal, zukünftig sollte ich hinterher wohl besser deutlich machen, wie schwer das Leben einer Leihkajira sein kann… allerdings wohldosiert, denn ich muss natürlich aufpassen, dass mein Gejammer nicht nach hinten los geht und meine Herrin mich womöglich gar nicht mehr verleiht.
 
Um mir irgendwelche, natürlich nicht vorhandenen Flausen & Co. nach meinen Diensten beim Lederarbeiter ganz schnell wieder auszutreiben, kam ihr leider ein Unterrichtsangebot des Hauptmanns sehr zu pass. Selbstverständlich fühlte ich mich gewaltig geehrt, nun endlich das Schlachten, Ausnehmen und Häuten eines süßen, kleinen Kaninchens mit weichem Fell und langen Schlappohren lernen zu dürfen und wunderte mich natürlich auch nicht darüber, warum es nicht reicht, wenn sich der Kriegerbauer und seine Kajirae damit auskennen!
 
Nein, mein Verständnis für den durch die nahende Zwillingsgeburt offensichtlich inzwischen ziemlich verwirrten Hauptmann war riesengroß und wirklich kaum zu bremsen… nur meine Füße wollten irgendwie nicht so wie ich. Shani war übrigens das andere Ausbildungsopfer, denn die Kajira des Hauptmanns hatte angeblich wichtigere Aufgaben zu erledigen. Dabei bin ich mir fast sicher, dass sie vom Schlachten ebenfalls null Ahnung hat.
 
Komischerweise klebte Shani genau neben mir ebenfalls auf der Terrasse fest, sodass wir uns erst mal ausgiebig gegenseitig bedauern mussten. Nur mit allergrößter Mühe waren unsere Füße dazu zu bewegen, in die Küche zu laufen, um die beiden kleinen süßen Viecher ihrem Schicksal beim Hauptmann zu übergeben. Natürlich war ich äußerst dankbar, dass meine Herrin mir diesen schweren Gang durch oberböse Giftblicke, strenges Räuspern und ihren ungeduldig auf den Boden tippenden Fuß letztendlich sehr erleichterte.
 
Merkwürdig war nur, wie froh und erleichtert mir bei dem Befehl des Hauptmanns ums Herz wurde, vor dem Unterricht noch einen Eimer Wasser holen zu dürfen. Gleichzeitig sollte ich Rawi’s Herrn fragen, ob seine Sklavin ebenfalls an dieser Zusatzausbildung teilnehmen durfte, was natürlich bejaht wurde. Bemüht wie ich ja nun mal bin kam ich diesem Auftrag selbstverständlich überaus eifrig nach. Nur leider nahm das Unglück in der Küche währenddessen seinen Lauf, denn kaum griffen die Pranken des Hauptmanns nach dem ersten Karnickel, entwischte das andere Opfer anscheinend und Shani sauste wie der Blitz hinterher, um es wieder einzufangen… war also ebenfalls weg.
 
Glück für den Hauptmann, aber Pech für meinen Magen war nur, dass Rawi sich mit dem Schlachten offensichtlich bereits auskannte und mir letztendlich genaue Anweisungen gab, was ich zu tun hatte. Ich muss gestehen, meine Ohren begannen immer gewaltiger zu rauschen und ich hörte alle Erklärungen irgendwie nur wie durch Watte, sodass ich jetzt nicht mehr so genau weiß, was ich alles gelernt habe. Außerdem musste ich zwischendurch zweimal nach draußen und die Blumen mit meinem Mageninhalt düngen. Wenigstens bin ich bei dem ganzen Gemetzel nicht ohnmächtig geworden… sogar ohne starken, stützenden Kriegerarm.
 
Leider war für meine nicht gerade dem goreanischen Schönheitsbild entsprechende, viel zu schlanke Figur dieser Diätunterricht nicht wirklich zuträglich. Aber meine Herrin hatte weder Mitleid noch Einsehen, mich von ähnlichen Ausbildungen fern zu halten. Sie ordnete einfach an, ich sollte zukünftig einfach erst nach dem Unterricht etwas essen.

Dienstag, 8. Oktober 2013

Hier mal ein paar Beweise

über das wirklich harte Los einer Leihkajira, die jetzt zu hören bekommt, sie habe sich zwei Hand herumgetrieben und sei in dieser Zeit von morgens bis abends verwöhnt worden.
 
War nämlich gar nicht so, auch wenn irgendwer doch nun tatsächlich behauptete, meine Schilderungen klingen nicht nach Arbeit, sondern eher nach Urlaub.
 
Pahh, seht selbst… ;-))
 
Straßen mussten sauber gefegt werden...
 
denn nach Se'Kara fallen nun mal die Blätter.
Dieser Wagen ist natürlich für den Hauptmann-Nachwuchs
nicht nur 
wegen seiner Farbe gänzlich ungeeignet, sondern
auch viel zu schmal für zwei kleine Schreihälse.^^
 
Obwohl sich die Arbeit in der Schreibstube in Grenzen hielt,
wurden die Schreiben motorisiert zugestellt!
 
Einmal schien das Zentralgestirn tatsächlich nicht...
 
Wäschewaschen war daher etwas weniger schweißtreibend,
das Aufhängen auf die Leine jedoch sehr absturzgefährdet!
 
Meine abendliche Körperhygiene- und Fitnessstrecke in der
herrlich warmen, manchmal auch spiegelglatten kroatischen
Thassa nach einem anstrengenden, arbeitsreichen Tag ;-))