Dienstag, 22. Oktober 2013

Anglerglück

Der Schreck durch den Sleenangriff war nach der Ablenkung in den Fellen des Brauereikriegers und ausgiebigem, sehr erholsamem Schlaf in der nächsten Nacht einigermaßen verdaut, sodass ich an diesem Tag meinen ganzen Mut zusammen nahm, um mein Anglerglück im Vosk zu versuchen. Ich wollte meine Herrin nämlich mit lecker gebratenem Fisch überraschen, wenn sie von ihrem Landsitz zurückkam. Natürlich war ich nach meinen Erfahrungen auf wen man so alles am Vosk treffen kann, besonders vorsichtig und zuckte bei jedem Knacken, Rascheln im Unterholz und sonstigen Geräuschen zusammen, schaute mich auch ständig um… immer auf der Hut vor einem Sleen.
 
Doch diesmal stand ich offensichtlich nicht auf dem Speiseplan einer solchen Bestie. Trotzdem war ich selbstverständlich bestens vorbereitet und hatte mir überlegt, dass ich meine Angel im Notfall als Waffe benutzen konnte. Im Fall eines Angriffs wollte ich sie dem gefräßigen Ungeheuer nämlich in sein riesiges Maul zwischen die 100.000 spitzen Zähne keilen, ihm damit eine Maulsperre verpassen. Doch dazu kam es zum Glück nicht, die Priesterkönige bescherten den gefährlichen Raubtieren mit den vielen Beinen anscheinend Appetitlosigkeit, mir jedoch Anglerglück, denn ich zog kurz hintereinander zwei richtig dicke Brocken aus dem Vosk.
 
 
Eigentlich dachte ich, alle guten Dinge sind drei, doch es wollte kein weiterer Fisch anbeißen, sodass ich letztendlich aber doch mehr als zufrieden, allerdings in flottem Tempo mit meinen Fischen den Rückzug antrat. Immer noch auf der Hut, schaute ich mich auf dem Rückweg wieder ständig um und war schließlich unendlich erleichtert, das Haus meiner Herrin wohlbehalten erreicht zu haben. Da das Schloss leider noch kaputt ist, keilte ich schnell das bereit gestellte Brett unter den Türgriff und schaute sicherheitshalber noch einmal vorsichtig aus dem Fenster. Doch es war immer noch kein Sleen in Sicht. Anhand des neben der Tür abgestellten Gepäcks stellte ich nun allerdings fest, dass meine Herrin inzwischen zurückgekommen sein musste, aber wohl bereits die Herberge aufgesucht hatte.
 
Meine Vermutung war richtig gewesen… meine Herrin war tatsächlich auf der Terrasse und zwar im Klöhnschnack mit der Hauptmannsgefährtin, schaute allerdings mittelprächtig irritiert erst auf die Angelrute und dann auf die beiden an der Umhängetasche angebundenen Fische auf meinem Rücken ((danke Archon für dieses supertolle Geschenk! :-))). Sie hatte bislang ja noch nichts von der Attacke auf ihr Eigentum gehört, meinte nach meinem Bericht dann aber schmunzelnd, ob ich tatsächlich annehme, so geübt und kaltblütig zu sein, um mich mit einem dünnen Stock gegen einen Sleen zur Wehr setzen zu können?
 
Natürlich hatte sie wie immer Recht, fand allerdings meine Idee, dem Sleen im Ernstfall doch lieber die Fische vors Maul zu werfen, ziemlich gut und schaute mich mit einer Art belustigtem Blitzen in ihren blauen Augen an, bevor sie überaus angetan zum Ausdruck brachte, dass ich ziemlich gut auf ihren Besitz aufpasse… eine Aufgabe, die mir irgendwie sehr am Herzen liegt. Die Vorwarnung meiner Herrin über eine mögliche Reserviertheit des Händlers wegen der Tanzunterbrechung durch die mich verfolgende zähnefletschende Sleenbestie hätte vom Timing übrigens nicht besser sein können, denn kaum hatte ich geendet, tauchte der Händler auf und ließ sich auf sein Stammkissen plumpsen.
 
Der Herr war jedoch keineswegs reserviert. Im Gegenteil, er schien mir sogar fast wohlgesonnen zu sein, denn er erkundigte sich nur, ob die an meiner Tasche immer noch hängenden Fische etwa noch lebendig sind. Ups, die beiden hatte ich ganz vergessen, als ich mich zwischen ihn und die Hauptmannsgefährtin quetschte, um die Herrin nach ihrem Getränkewunsch zu fragen. Doch der Händler nahm mir den Anblick meines Fangs aus nächster Nähe nicht krumm… zumal es mir ganz ohne besondere Achtsamkeit gelungen war, also mehr oder weniger zufällig, keine Fischschuppen auf seine weiße Kleidung zu schmieren. Naja, ich erwähnte ja schon… die Priesterkönige waren an diesem Tag auf meiner Seite.
 
Kein Wunder also, dass die Freien schließlich auch meinen lecker zubereiteten, goldbraun gebratenen Fischfilets sehr zusprachen… einzige Ausnahme war allerdings der Hauptmann, der grundsätzlich keinen Fisch isst. Aber der hatte bei seiner Ankunft anscheinend auch kalte Füße, da er auf Sandalen in den Norden gereist war und nicht allzu gute Laune, weil es dort wohl nur Met zu trinken gegeben hatte. Ich konnte ihn zwar schnell von einem Paga auf Kosten des Lederarbeiters überzeugen, aber nicht davon, bei dem leckeren Fisch zuzulangen, der ihn ja ebenfalls nichts kostete. Wobei ihn das Thema Essen immer wieder erneut zu beschäftigen schien… insbesondere Essen, das im Rahmen von Feiern umsonst ist, denn davon stehen demnächst einige an.
 
Zur Überraschung der anwesenden Herrschaften und aus vorgenanntem Grund zur besonderen Freude des Hauptmanns, kündigte der Lederarbeiter nämlich an, dass er endgültig in Jorts sesshaft werden möchte und erkundigte sich, welche Formalitäten für seinen Heimsteinschwur erforderlich sind. Die erste hatte er mit dem Ausgeben eines Pagas an den Hauptmann schnell erfüllt, aber auch der Rest war schnell geklärt. Es wurde aber noch besser. Mit leicht gerötetem Kopf druckste der Herr noch etwas herum, ließ letztendlich dann aber die Gianni aus dem Sack und informierte alle, dass er sich eine Gefährtin zu nehmen gedenke… nämlich die Bäckerin.
 
Uiihhh, hatte die Herrin sich den Lederarbeiter tatsächlich geangelt! Dabei hatten die beiden doch eigentlich nur gestritten und aneinander vorbei geredet! Ich glaube, dem Fastgefährten kam die Ankündigung der auf der Terrasse auftauchenden Ärztin ganz gut in den Kram, dass er seine Auserwählte jetzt im Heilerhaus besuchen durfte. Sie informierte ihn auch, die Operation sei gut verlaufen, die Patientin müsse nur die nächsten Tage stramm liegen. Ups, was für einem Eingriff hatte sich die Bäckerin denn unterziehen müssen? Dass es irgendwas an ihrem Bein war, hatte ich vor einigen Tagen ja schon in Erfahrung gebracht und mir dabei auch meinen Teil gedacht, insbesondere wenn ich die wunderschöne Dina an meinem Schenkel betrachtete, auf die ich unheimlich stolz bin. Blöderweise bekam ich auch an diesem Tag leider nichts Genaueres mehr heraus… schade, schade, schade. ;-)

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