Mittwoch, 23. Oktober 2013

Frust & Co.

…oder wie anstrengend freie Frauen sein können.
 
Kaum hatte ich an diesem Tag den Marktplatz erreicht, wurde ich auch schon von zwei freien Frauen mit Beschlag belegt, die es nach einem Getränk auf der Herbergsterrasse gelüstete. Am liebsten hätte ich mich natürlich noch ein wenig zu den drei Kriegern gesellt, um eine günstige Gelegenheit abzuwarten, den Hauptmann auftragsgemäß an das kaputte Schloss im Haus meiner Herrin zu erinnern. Er wollte in dieser Sache nämlich den neuen Krieger ansprechen, da der anscheinend Erfahrungen mit solchen Reparaturen hatte und in Jorts zurzeit ja leider kein Schmied ansässig ist. Aber egal, es würde sich bestimmt noch eine andere Gelegenheit dafür ergeben.
 
Leider ergab sie sich dann aber doch nicht mehr und ich vergaß die lädierte Tür vollkommen, da sich die Terrasse recht schnell füllte und ich ganz gut zu tun bekam. Außerdem musste ich der Bäckerin im Heilerhaus ja auch noch ihr Essen servieren... Shani und ich wechseln uns zurzeit nämlich mit der Patientenverpflegung ab. Über die Operation der Bäckerin, kursierten inzwischen schon jede Menge Gerüchte in Jorts, nur wusste leider niemand etwas Genaueres. Bei der Anlieferung des Mittagessens schlief die Kranke leider und war komplett zugedeckt gewesen, sodass mein Informationsdurst nicht gestillt werden konnte. Dafür war sie dann umso aktiver, als ich ihr das Abendessen brachte… ihr schien inzwischen wohl schon die Decke auf den Kopf zu fallen.
 
Mist, auch diesmal konnte ich keinen Blick auf die Wunde werfen, denn die Patientin wurde sofort von der Heilerin zugedeckt und zusätzlich ein komisches Gestell über ihren Oberschenkel geschoben, sodass ich annahm, das sei eine Art Serviertischchen, um im Bett besser essen zu können. Wie gut dass ich vorsichtshalber noch einmal nachfragte, bevor ich das Tablett mit dem Essen darauf einfach abstellte. Das Teil war nämlich gar kein Tisch, sondern diente dem Schutz der Operationswunde wurde mir von der Heilerin erklärt und durfte nicht belastet werden. Ich erfuhr von der Bäckerin danach aber immerhin, dass ihr ein Geschwür entfernt worden war und sie… ich konnte es kaum glauben… tatsächlich für zehn Tage das Bett in der Krankenstation hüten musste. Aha, bei einem so langen Zeitraum wurde mir natürlich sofort klar, warum sie so herumzeterte.
 
 
Erst wollte sie als Nachtisch einen frischen Kuchen haben… als Bäckerin hätte sie eigentlich wissen müssen, dass es keinen gab… lehnte mein Angebot, ihr ein paar trockene Kekse zu bringen jedoch schnippisch ab. Dann gelüstete es sie nach Kompott, ich bot ihr Früchte ohne Kompott an. Doch auch damit war sie nicht zufrieden. Zum Glück war sie dann mit meinem Vorschlag, ihr etwas Larmamus zu kochen, gnädigerweise einverstanden und erkundigte sich nun bei mir, wo denn ihr zukünftiger Gefährte überhaupt steckte und warum er sie noch nicht besucht hatte. Ich verkniff mir eine Erwiderung, die mir eigentlich schon auf der Zunge lag und schwenkte um. Unter dem Gesichtspunkt, jetzt kommt die zeternde Herrin vielleicht endlich auf andere Gedanken, war ihre Frage eigentlich perfekt.
 
Ein wenig ausgeschmückt, um die Herrin nicht nur mit ein paar Fakten abzuspeisen und so vor allem nicht erneut ihren Unmut zu provozieren, sondern noch besser zu ihrer Unterhaltung beizutragen, denn ich konnte durchaus verstehen, dass sie sich von sämtlichem Geschehen in Jorts ein wenig isoliert fühlte, gab ich zum Besten, dass der Herr Lederarbeiter sie nicht besuchen kann, weil er von der neuen Schreiberin mit Beschlag belegt wurde. Ohje, mit dieser Information, ihr Zukünftiger sitzt zurzeit neben der Schreiberin auf der Terrasse und die beiden unterhalten sich sehr angeregt, hatte ich nun richtig etwas angerichtet… die Herrin bekam nämlich einen hochroten Kopf und empörte sich ausgiebig über diese Zusammenkunft, sodass ich gar nicht mehr dazu kam, ihr den Grund des Gespräches zwischen den beiden zu berichten.
 
Aber egal, ich bekam tatsächlich noch mehr Mitleid mit der Bäckerin und versuchte sie nun damit auf andere Gedanken zu bringen, indem ich ihr Hoffnung auf baldige Genesung machte. Vielleicht darf sie ja sogar früher als angekündigt das Bett verlassen? Als gutes Beispiel erwähnte ich mein Branding, was ja höllisch wehgetan, aber zum Glück keinerlei Bettruhe erfordert hatte und zeigte der Herrin voller Stolz, wie schön die Dina auf meinem Oberschenkel trotz Bewegung geworden war. Uff… ich hörte die Kranke danach nur noch „verschone mich mit dem Anblick deines Brandings… mach mir endlich das Larmamus… aber HARTA!“ kreischen und war dann wie der Blitz raus aus der Krankenstation.
 
Ich bin mir inzwischen übrigens nicht mehr sicher, ob der Lederarbeiter die Wahl seiner Gefährtin nicht doch lieber noch einmal überdenken sollte. Meine Herrin meinte zwar vor kurzem, dass er ab und an eine Frau mit Haaren auf den Zähnen braucht, aber ich finde genau wie der Hauptmann, Haare auf dem Kopf sind viel schöner. Freie Frauen ansich sind ja schon so eine Sache, nur eine kranke Freie toppt das Ganze wirklich noch. Kein Wunder also, dass ich mir reichlich Zeit ließ, der Herrin das frisch gekochte Larmamus zu bringen. Nicht auszudenken, wenn sie in ihrem Frust & Co. zu hastig, ohne vorher ausgiebig zu pusten, davon essen würde!
 
Aber eigentlich auch egal, habe ich nicht sowieso immer schuld? Meine Erleichterung war jedenfalls riesig, die Nachspeise auf dem Schreibtisch der Heilerin deponieren zu dürfen, denn inzwischen war ja der Zukünftige dieser schwierigen Freien bei seiner Angebeteten! ;-))

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