Sonntag, 20. Oktober 2013

Gerade noch gerettet

Eigentlich war ich auf dem Weg in die Stadt gewesen, doch ein kleines Steinchen, das sich in meine Fußsohle gebohrt hatte, ließ mich auf halber Strecke stoppen. Während ich es herauspuhlte, hörte ich plötzlich einzelne Gesprächsfetzen, die meine Aufmerksamkeit Richtung Brauerei lenkten. Dort entdeckte ich den Brauereikrieger, den ich an seinen herrlichen roten Haaren schon von weitem erkannte und seine nicht mit ihm verwandten Freunde, die sich vor kurzem hier in Jorts niedergelassen hatten. Es waren sein Schwertbruder nebst Gefährtin und die etwas ungewöhnliche Tochter, die mit ihrem leicht zerlumpten, unverschleierten Äußeren nicht so wirklich herrinnenlike ist.
 
 
An diesem Tag trug sie nun auch noch den Kopf eines Sleen aufgespießt auf einem Speer mit sich herum. Mein Auftauchen kam dem Brauereikrieger und der Tochter seines Freundes anscheinend ganz gelegen, denn ich wurde sofort befragt, ob dieser Sleenkopf möglicherweise Fenris gehörte. Auch wenn ich meistens einen möglichst großen Bogen um den Sleen des Hauptmanns mache, konnte ich dem Krieger nun jedoch bestätigen, dass dieser Kopf auf einem anderen Viech gesessen haben musste. Fenris war jedenfalls noch komplett. Das war wohl auch ganz gut so, denn ich vermutete, der Hauptmann würde nicht gerade begeistert sein, einen Teil seines Sleens aufgespießt zu sehen. Leider erschloss sich mir nicht mehr, warum wieso und weshalb dieser Sleenkopf auf dem Speer steckte, da ich mich erst einmal um den Getränkenachschub und vor allem um das zweite Ale des Brauereibesitzers kümmern musste.
 
Als sich der Kreis der Freien am Feuer des Brauereikriegers zu vorgerückter Ahn schließlich langsam auflöste, erlaubte mir der Rarius schmunzelnd, erneut seine Felle zu wärmen, sobald ich die Trinkgefäße gesäubert hatte. Nichts lieber als das! Kein Wunder also, dass ich mich mit der Erledigung meiner Aufgaben ordentlich sputete. Trotzdem machte ich auf dem Rückweg von der Herberge noch einen kleinen Umweg zum Vosk für ein kurzes abendliches Bad, um den Herrn mit einer frischgebadeten Dina zu erfreuen. Leider nahm ich diesmal jedoch eine andere Badestelle als sonst, da sich zwei gefährlich aussehende Riesenschildkröten in der Bucht tummelten, das Unglück aber trotzdem seinen Lauf.
 
 
Ich hatte noch nicht einmal meine Tunika abgestreift, als mich plötzlich ein gefährliches Knurren und Fauchen erschreckte. Genau vor mir sah ich ein weit aufgerissenes Maul mit gefletschten, spitzen Zähnen. Ohne lange nachzudenken nahm ich Reißaus. Meine Blitzreaktion hat mir wahrscheinlich das Leben gerettet, denn es war ein Waldsleen, der offensichtlich Appetit auf mich verspürte. Während sich losrannte schrie ich zwar laut um Hilfe, nur wer sollte mich hören? Ich war außerhalb der Stadt und die Bewohner wahrscheinlich alle in ihren Häusern. Daher waren flinke Beine und Füße angesagt, die mich tatsächlich auch in rekordverdächtiger Zeit sicher ins Haus meiner Herrin brachten. Aber rennen konnte ich eigentlich schon immer ganz gut… dachte ich jedenfalls, als ich schnaufend die Tür hinter mir zuschlug, dabei leider jedoch vergaß, sie zu verriegeln.
 
Es war mir nämlich nicht gelungen, das Vieh abzuhängen. Wild und vor allem wütend fauchend donnerte der Sleen mit seiner ganzen Kraft von außen gegen die Tür, die leider plötzlich nachgab. Ich kreischte natürlich voller Panik laut auf und schrie erneut um Hilfe, als das Monster mit den vielen Beinen an mir vorbei ins Haus meiner Herrin stürmte. Nur hörte mich auch diesmal niemand, sodass ich keinen anderen Weg sah, als eilig erneut das Weite zu suchen und zur Herberge zu laufen… das Biest leider immer noch hinter mir her. Ich hoffte inständig, dort noch den Händler und den fremden Krieger anzutreffen, auch wenn es nicht die feine Art ist, einfach mit einem Sleen im Gefolge ohne große Vorwarnung in der Taverne aufzutauchen. Nur wie sollte ich vorwarnen? Schreien lag nicht mehr drin, meine Luft brauchte ich jetzt wirklich zum Rennen!
 
 
Puhhh, die Rechnung ging zum Glück auf. Während ich in die Taverne flitzte und mich schnell hinter dem Händler versteckte, vertrieb der Krieger den Sleen, sodass das Eigentum meiner Herrin gerettet wurde. Die beiden Kajirae konnten schließlich ihren Tanz fortsetzen und ich musste zur Strafe neuen Paga servieren, den die Männer bei dem Sleenangriff logischerweise verschüttet hatten. Doch das tat ich selbstverständlich gerne. Dank des Kriegereinsatzes hatte ich überlebt, wenn auch nur knapp, den beiden Herren und ihren Kajirae zwar den Abend etwas versaut… doch das war mir in dieser Situation ehrlich gesagt total egal! ;-))

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen