Dienstag, 29. Oktober 2013

Krawall

 
…einer Freien, die anscheinend nicht so genau weiß, ob sie nicht doch lieber unfrei sein will?
 
Eigentlich war es eine recht entspannte Klöhnrunde auf dem Marktplatz, die sich gut gelaunt über die letzten Neuigkeiten austauschte. Nachdem der Händler mir aufgetragen hatte, ich möge meine Herrin darüber informieren, dass am Ende der nächsten Hand in Jorts ein größerer Markt stattfinden würde ((10.11.)), versuchte er mit dem Hauptmann zwar gemeinsam, allerdings vergeblich, dessen offensichtlich nicht allzu gutem Namensgedächtnis ein wenig auf die Sprünge zu helfen.
 
Es war wirklich ein äußerst schwieriges bis unmögliches Unterfangen, weil der Krieger sich anfangs nur noch auf das „a“ am Ende des Namens erinnern konnte, bis ihm später dann einfiel, dass die Endung „fra“ gewesen sein musste, was jedoch auch nicht weiterhalf, sodass sie das Thema beenden mussten. Außerdem hatte sich inzwischen die Kajira des Kriegerbauern dazu gesellt und übergab der Hauptmanngefährtin einige Lebensmittel, die dem Hauptmann natürlich wieder viel zu teuer waren, weil er ja wegen seines knappen Solds und dem bevorstehenden Familienzuwachs gerne auf Mitleid macht.
 
Mit dem Auftauchen der kaum zu erkennenden, offensichtlich aber sehr schlecht gelaunten Bäckerin, veränderte sich dann die bis dahin gute Stimmung ziemlich schlagartig. Ich fragte mich, ob ihr vielleicht gerade die Backwaren angebrannt waren? Oder hatte der neueste Ratsbeschluss ihre Laune verdorben? Der Rat hatte nämlich beschlossen und dies per Aushang schriftlich bekannt gegeben, dass freie Frauen in Jorts in der Öffentlichkeit Schleier zu tragen haben. Andernfalls setzen sie sich der Gefahr von Peitschenhieben auf dem Block aus.
 
Bislang war eine solche Bekanntmachung nie erforderlich gewesen, doch mit den derzeit recht zahlreichen Gästen und einigen peinlichen Entgleisungen der Bäckerin, sollte mit dem Beschluss wohl wieder für mehr Schicklichkeit und Moral in Jorts gesorgt werden. An den mir inzwischen zu Ohren gekommenen Gerüchten, diese Herrin hätte sich öffentlich ihres Schleiers entledigt und damit nicht nur den Lederarbeiter, ihren zukünftigen Gefährten, sondern auch andere Freie ziemlich auf die Palme gebracht, musste also tatsächlich etwas dran gewesen sein.
 
An diesem Tag war sie nun allerdings vollkommen züchtig verschleiert und hatte ihre Haare sogar mit einem Tuch bedeckt, dafür aber wie gesagt eine Laune, die mieser eigentlich nicht hätte sein können. Vielleicht hatte der Lederarbeiter sie nach ihrem sklavenhaften, zänkischen Aufstand am Vortag links liegen lassen, anstatt sie weiter zu hofieren und sich lieber mit seinem Umzug in ein anderes Haus befasst? Zutrauen würde ich ihm das, denn ich glaube, er gehört zu den eher konservativen Goreanern und steht genau wie meine Herrin auf der Seite der Schleierbefürworter! Die Herrin konnte sich eigentlich glücklich schätzen, noch nicht vergefährtet zu sein!
 
Für die Bäckerin war das Schleierthema nämlich trotz Ratsbeschluss anscheinend immer noch nicht durch, denn sie wollte nun von dem Hauptmann wissen, wie er sie überhaupt hatte erkennen können. Doch der erwiderte lediglich trocken: „An deinen Augen“. Die Herrin war jedoch weiter auf Streit aus, zeterte inzwischen wie ein Fischweib lautstark über den Rat und beleidigte den Hauptmann, der sie allerdings mit sehr barschen Worten in ihre Schranken als Niedrigkastige wies, die nicht seinem Heimstein angehört. Darauf wusste die auf Krawall Gebürstete tatsächlich nichts mehr zu erwidern.
 
Nur logisch also, dass nun die Kajirae herhalten mussten. Als Opfer für ihren Schleierfrust kam ihr daher die sehr spärlich bekleidete Hadi genau richtig, denn sie echauffierte sich jetzt empört darüber, warum sie als Freie den Anblick nackter Kajiae ertragen muss, wenn von ihr gefordert wird, sich wie eine Mumie zu verhüllen… was übrigens nicht stimmte, der Beschluss besagte nur etwas über die Gesichtsgardinenpflicht.
 
Leider ist dieser noch Freien bis zuletzt nicht wirklich klar geworden, was sie mit ihrem Benehmen aufs Spiel gesetzt hat. Ich fand jedenfalls den Vorschlag meiner Herrin gar nicht schlecht, ihr einfach mal für einige Tage einen Kragen umzulegen und sie in der Herberge arbeiten zu lassen. Hinterher wüsste man auf jeden Fall, wie sie tickt. Besonders gut gefiel mir diese Idee eigentlich, weil Hadi und ich dann bestimmt eine Menge Möglichkeiten bekommen würden, uns für die Gemeinheiten dieser Zicke zu rächen. ;-))

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