Freitag, 25. Oktober 2013

Nacht der offenen Tür

Ohje, fast hätte ich nicht dran gedacht, dass ich an diesem Tage dran war, für das Essen der Kranken im Heilerhaus zu sorgen, denn ein gutaussehender Fremder zog erst einmal mein Interesse auf sich, als ich den Marktplatz erreichte. Dem Gespräch zwischen ihm und dem Hauptmann konnte ich entnehmen, dass endlich der Bootsbauer aus dem Norden eingetroffen war, auf den der Hauptmann schon einige Zeit gewartet hatte. Die Arbeiten für den Schiffsneubau mussten allerdings noch bis zum nächsten Morgen warten, da der Schiffsbauer erst mal sein Gepäck unterbringen wollte.
 
Es war mir selbstverständlich eine sehr große Ehre, dem Herrn die Zimmer im Gasthaus zeigen zu dürfen. Vor allem war es eine wirklich perfekte Gelegenheit für mich, ihm auf der Treppe nach oben eine kleine Freude mit meinem genau vor seinen Augen wackelnden, wohlgerundeten Po zu machen, die er zu meiner Freude auch prompt mit einem Klaps auf selbigen honorierte. Nachdem sich der Bootsbauer dann für ein Zimmer entschieden und mich noch einmal sehr aufmerksam und durchaus wohlwollend gemustert hatte, wies er mich an, mich möglichst in der Nähe zu halten, da er mich später vielleicht zum Anwärmen seiner Felle brauchte.
 
Doch als Erstes musste ich mich nun um die Versorgung der Patientin kümmern, die allerdings ihrem Genesungsschlaf frönte, sodass mich die Heilerin anwies, die dampfende Suppenschale einfach auf ihren Schreibtisch zu stellen. Während ich noch überlegte, ob es nicht besser wäre, die heiße Suppe mit einem Teller abzudecken, damit sie besser warmhält, hörte ich es aus dem Nebenraum bereits neugierig rufen… dabei war ich wirklich leise gewesen. Doch die Herrin war nicht durch das dezent klirrende Geschirr geweckt geworden, sondern weil ihr der Magen knurrte, sodass meine Suppe offensichtlich genau richtig kam. Mit Erstaunen sah ich, dass die Heilerin ihr inzwischen erlaubt hatte, sich zum Essen in einem Rollstuhl vor die Tür zu setzen, damit sie ein wenig von dem Trubel auf dem Marktplatz mitbekam.
 
 
Inzwischen war auch meine Herrin aufgetaucht, um sich an diesem Tag für ihre Milch mal wieder unter die Bewohner von Jorts zu mischen. Puhh, jede Menge Freie hatten anscheinend den gleichen Gedanken gehabt, zwar ohne Milchgelüste, dafür aber mit Appetit auf knochentrockene Kekse der Sorte Zähneausbeißer, die nur noch eingestippt genießbar waren. Die Terrasse wurde jedenfalls immer voller. Auch der Krieger, der sich bereit erklärt hatte, die Haustür meiner Herrin zu reparieren, war anwesend und hatte noch nicht vergessen, was er mir am Vortag zugesagt hatte. Da der Hauptmann diesmal nicht zum Waffentraining rief und sowieso schon seit Tagen ein wenig in Sorge um die Sicherheit meiner Herrin war, durfte ich dem Herrn nun den Haustürschaden zeigen.
 
 
Ehrlich gesagt, habe ich vorher nicht so wirklich glauben können, dass ein Mann des Schwertes aus der roten Kaste viel Ahnung von Türreparaturen haben kann. Doch ich wurde eines Besseren belehrt. Der Krieger erzählte mir nämlich, er käme aus dem Norden, wo er nicht nur als Schmied ausgebildet worden war, sondern zusätzlich auch noch als Holzfäller. Als er dann auch noch einen Karren mit jeder Menge Werkzeug heranrollte, wurde mir mit großer Erleichterung klar, meine Herrin würde demnächst wieder eine funktionsfähige Tür haben und sämtliche Provisorien mit untergeklemmtem Brett und vorgeschobenen Schränken überflüssig werden.
 
 
Nicht geahnt hatte ich allerdings, dass die Tür vor ihrer endgültigen Reparatur vorher noch kaputter gemacht werden musste. Bei aller Professionalität, mit der der Kriegerschmied das Schloss und die demolierten Bretter ausbaute, sah der Schaden hinterher ehrlich gesagt erst richtig schlimm aus. Die Tür war fast nicht mehr da, weil nun ein riesiges Loch in ihr klaffte, durch das ich fast hindurch gepasst hätte. Auch wenn ich mich ziemlich ins Zeug legte, um dem Kriegerschmied mein Können in einer Schmiede, insbesondere meine Fähigkeiten beim Blasen des Schmiedefeuers vorzuführen… darin hatte ich nämlich dank des früheren Nachbarn meiner Herrin jede Menge Übung… ließ er sich nicht darauf ein, noch an diesem Tag mit den Schmiedearbeiten zu beginnen.
 
Mir blieb nichts anderes übrig, als meiner Herrin schließlich zu beichten, dass die Türreparatur ein gutes Stück vorangekommen war, auch wenn es derzeit mit den fehlenden Brettern nicht danach aussah. Ich versuchte sie zu trösten, dass viel frische Luft ja sehr gesund ist und besonders die gute Luft von Jorts. Immerhin hatte mir der Herr zugesichert, dass die Tür schnell fertig sein würde, nachdem er sich von meinem Können als Schmiedekajira überzeugt hatte. Meine Herrin kommentierte meinen wie ich fand wirklich äußerst beruhigenden Bericht über den Zustand ihrer Haustür irritierenderweise jedoch nur mit „Gut, dass ich morgen wieder auf den Landsitz fahre. Du schläfst diese Nacht wieder vor der Tür und schreist laut, wenn jemand kommt.“
 
Mist, sowohl der Lederarbeiter als auch der Hauptmann waren gegen mich, bezeichneten mich als halbe Portion und trauten mir nicht zu, Schränke verschieben zu können. Von meinen Wachqualitäten waren sie auch nicht zu überzeugen, sodass die Überlegungen um die Sicherheit meiner Herrin in dieser Nacht der offenen Tür hin und her gingen. Leider fand ich nur jeden weiteren Vorschlag noch schlimmer als den vorherigen. Und als es dann richtig fies wurde, stimmte meine Herrin ausgerechnet zu. Sie sah es doch tatsächlich als sehr gute Lösung an, ausgerechnet Fenris, den Sleen des Hauptmanns vor ihrem Haus als Wache anbinden zu lassen!
 
Na toll, es war jedenfalls echt eklig, den stinken Eimer mit vergammeltem, halb verwestem Fleisch für Fenris tragen zu müssen. Zum Glück brauchte ich dafür nur eine Hand und konnte mir mit der anderen meine Nase zuhalten. Dass ich danach nur noch stark näselnd sprechen konnte war mir ziemlich egal. Natürlich habe ich argumentiert was ich nur konnte und mich ordentlich ins Zeug gelegt, um das Sleenfutter erst am nächsten Morgen holen zu müssen, da ich befürchtete, der Gestank würde bestimmt durch die Fugen des Hauses ziehen und durch die kaputte Tür mit dem halbierten Türblatt ja sowieso.
 

Leider war das Argument des Hauptmanns letztendlich jedoch nicht zu schlagen gewesen, wie ich denn um den möglicherweise sehr hungrigen und dann extrem schlecht gelaunten Fenris am nächsten Morgen herumkommen will, um sein Futter zu holen. Ich hoffe nur, alles klappt tatsächlich wie geplant und vor allem, dass der Hauptmann Fenris die richtigen Beschwörungsworte ins Ohr geflüstert hat, die Blumen meiner Herrin bei dem Gestank nicht eingehen oder ihre wunderschönen Farben womöglich verblassen!^^

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