Donnerstag, 10. Oktober 2013

Opfer

Am Tag unserer Rückkehr war Jorts irgendwie ausgestorben, da die meisten Bewohner offensichtlich in ihren Häusern zu tun hatten. Auch der Hauptmann war erstaunlicherweise nirgends zu sehen und hatte seine Lieblingsbeschäftigung „Steine platt treten“ anscheinend bereits eingestellt. Oder war er etwa schon Vater geworden und mit dem Wechseln vollgesch… Windeln beschäftigt? Ach nee, dafür hat er ja seine Kajira und außerdem erfuhr ich später, dass das Doppelpack seiner Vaterfreuden noch nicht die Welt Gors erblickt hatte.
 
Auf der Bank vor dem Heilerhaus entdeckten wir nämlich jemanden in Grün. Es war die Ärztin, die den Hauptmannszwillingen wie gesagt noch nicht auf die Welt geholfen hatte und offensichtlich einem kleinen Plausch mit dem Lederarbeiter nicht abgeneigt war, denn sie erhob sich sofort. Naja, wer kann schon einer so freundlichen Einladung zu einem Getränk beliebiger Wahl auf der Terrasse der Herberge widerstehen. Diese Freizügigkeit hätte durchaus teuer werden können, wenn die Wahl der Herrin auf Blackwine gefallen wäre. Doch in diesem Fall hatte der Lederarbeiter Glück und kam der Herrin aus ganz anderem Grund vielleicht sogar wie gerufen, da sie nun jemanden hatte, um sich über ein paar Ärgernisse der letzten beiden Hand Luft zu machen.
 
Während ich mich um die Getränke kümmerte, erzählte die Heilerin erst einmal von tagelangem, äußerst ergiebigem Regen in Jorts, den ich dank des perfekten Timings meiner Ausleihzeit zu meiner Freude verpasst hatte. Doch dann kam sie recht schnell auf einen neuen, aus dem Norden angereisten Bewohner zu sprechen, der bei ihr wohl ziemlich angeeckt war, weil er anscheinend nicht zu Fuß unterwegs ist, sondern mit einem Kailla und immer über den Marktplatz reitet.
 
 
Grundsätzlich konnte ich nichts wirklich Verwerfliches daran finden, außer es wird jemand über den Haufen geritten. Für mich besteht nämlich kein gravierender Unterschied zwischen einem Reitkailla und von irgendwelchen Viechern gezogenen Händlerwagen, die gelegentlich auch schon auf dem Platz geparkt wurden. Apropos Haufen… die stinkenden Hinterlassenschaften dieser Zugtiere sind manchmal wirklich nicht so ganz ohne, im Gegenteil und nicht gerade eine Freude für uns Kajirae, die sich mit der Beseitigung dann abärgern dürfen!
 
 
Wie gerufen tauchte übrigens der Reiter samt Kailla plötzlich vor der Terrasse auf, nachdem er wieder über den Marktplatz geritten war, sodass sich die Heilerin erneut echauffierte und Ansätze machte, ihren Streit mit diesem Herrn fortzusetzen. Allerdings verstummte sie dann doch, da sich die beiden Männer erst einmal miteinander bekannt machten und es schließlich so aussah, als ob der Lederarbeiter, der ja Schirrmacher und Sattler ist, demnächst von dem Kaillareiter einen Arbeitsauftrag bekommen würde.
 
 
Ich gestehe, ich habe die Gespräche der Freien mehr oder weniger an mir vorbeiziehen lassen, denn inzwischen war es ziemlich spät geworden. Die Anstrengungen der Reise schienen nicht nur bei mir, sondern schließlich auch bei dem Lederarbeiter ihren Tribut zu fordern, sodass ich froh war, in sein Haus zum Anwärmen seiner Felle geschickt zu werden, denn meine Herrin erwartete ich erst am nächsten Tag von ihrem Landsitz zurück.
 
Dort hatte sie sich zwischenzeitlich tatsächlich aufgehalten, war danach aber auch für ihre Kaste in Sachen Effektivitätssteigerung unterwegs gewesen… was auch immer das ist. Zum Glück muss ich von solchen Dingen nichts verstehen. Meine Herrin kam in Jorts jedenfalls mittelprächtig genervt an, sodass nach unserer ersten Wiedersehensfreude eindeutig Milch mit einem Extralöffel Honig zur Nervenberuhigung angebracht war. Außerdem musste sie wohl auch überprüfen, ob ich während meiner Ausleihzeit nichts verlernt hatte.
 
Keine Ahnung, was sie auf die Idee gebracht hatte, ich sei während den letzten zwei Hand von dem Lederarbeiter verwöhnt worden. Aber egal, zukünftig sollte ich hinterher wohl besser deutlich machen, wie schwer das Leben einer Leihkajira sein kann… allerdings wohldosiert, denn ich muss natürlich aufpassen, dass mein Gejammer nicht nach hinten los geht und meine Herrin mich womöglich gar nicht mehr verleiht.
 
Um mir irgendwelche, natürlich nicht vorhandenen Flausen & Co. nach meinen Diensten beim Lederarbeiter ganz schnell wieder auszutreiben, kam ihr leider ein Unterrichtsangebot des Hauptmanns sehr zu pass. Selbstverständlich fühlte ich mich gewaltig geehrt, nun endlich das Schlachten, Ausnehmen und Häuten eines süßen, kleinen Kaninchens mit weichem Fell und langen Schlappohren lernen zu dürfen und wunderte mich natürlich auch nicht darüber, warum es nicht reicht, wenn sich der Kriegerbauer und seine Kajirae damit auskennen!
 
Nein, mein Verständnis für den durch die nahende Zwillingsgeburt offensichtlich inzwischen ziemlich verwirrten Hauptmann war riesengroß und wirklich kaum zu bremsen… nur meine Füße wollten irgendwie nicht so wie ich. Shani war übrigens das andere Ausbildungsopfer, denn die Kajira des Hauptmanns hatte angeblich wichtigere Aufgaben zu erledigen. Dabei bin ich mir fast sicher, dass sie vom Schlachten ebenfalls null Ahnung hat.
 
Komischerweise klebte Shani genau neben mir ebenfalls auf der Terrasse fest, sodass wir uns erst mal ausgiebig gegenseitig bedauern mussten. Nur mit allergrößter Mühe waren unsere Füße dazu zu bewegen, in die Küche zu laufen, um die beiden kleinen süßen Viecher ihrem Schicksal beim Hauptmann zu übergeben. Natürlich war ich äußerst dankbar, dass meine Herrin mir diesen schweren Gang durch oberböse Giftblicke, strenges Räuspern und ihren ungeduldig auf den Boden tippenden Fuß letztendlich sehr erleichterte.
 
Merkwürdig war nur, wie froh und erleichtert mir bei dem Befehl des Hauptmanns ums Herz wurde, vor dem Unterricht noch einen Eimer Wasser holen zu dürfen. Gleichzeitig sollte ich Rawi’s Herrn fragen, ob seine Sklavin ebenfalls an dieser Zusatzausbildung teilnehmen durfte, was natürlich bejaht wurde. Bemüht wie ich ja nun mal bin kam ich diesem Auftrag selbstverständlich überaus eifrig nach. Nur leider nahm das Unglück in der Küche währenddessen seinen Lauf, denn kaum griffen die Pranken des Hauptmanns nach dem ersten Karnickel, entwischte das andere Opfer anscheinend und Shani sauste wie der Blitz hinterher, um es wieder einzufangen… war also ebenfalls weg.
 
Glück für den Hauptmann, aber Pech für meinen Magen war nur, dass Rawi sich mit dem Schlachten offensichtlich bereits auskannte und mir letztendlich genaue Anweisungen gab, was ich zu tun hatte. Ich muss gestehen, meine Ohren begannen immer gewaltiger zu rauschen und ich hörte alle Erklärungen irgendwie nur wie durch Watte, sodass ich jetzt nicht mehr so genau weiß, was ich alles gelernt habe. Außerdem musste ich zwischendurch zweimal nach draußen und die Blumen mit meinem Mageninhalt düngen. Wenigstens bin ich bei dem ganzen Gemetzel nicht ohnmächtig geworden… sogar ohne starken, stützenden Kriegerarm.
 
Leider war für meine nicht gerade dem goreanischen Schönheitsbild entsprechende, viel zu schlanke Figur dieser Diätunterricht nicht wirklich zuträglich. Aber meine Herrin hatte weder Mitleid noch Einsehen, mich von ähnlichen Ausbildungen fern zu halten. Sie ordnete einfach an, ich sollte zukünftig einfach erst nach dem Unterricht etwas essen.

1 Kommentar:

  1. Das mit deinem Magen kriegen wir schon noch hin, Dina :-D Nächstes Mal musst du ja nicht halten, sondern darfst selbst ausnehmen. Da bist du dann viel zu beschäftigt, um in irgendwelche Blumen zu ko... *hust* ... sie zu düngen.

    Aber du hast schon recht: So süße Hurt sollte man nicht schlachten müssen, das ist barbarisch^^ Die Krieger haben für sowas einfach keinen Sinn *motz*

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