Montag, 28. Oktober 2013

Spirituelles mit und ohne Erkenntnisse

Mist, bei meiner Heimkehr am frühen Morgen stellte ich fest, Fenris war immer noch vor dem Haus meiner Herrin angekettet und schob dort Wache. Anscheinend hatte der Hauptmann nach seinem Nachtdienst noch keine Zeit gefunden, ihn zurück in den Käfig zu verfrachten. Wobei es mir diesmal fast so vorkam, als würde mich das gefährliche Raubtier mit einer gewissen Wiedersehensfreude anknurren und nicht nur aus hungriger Ungehaltenheit. Natürlich sah ich ein, er konnte nichts dafür, dass sein Besitzer immer sehr beschäftigt ist, sodass also auch an diesem Tag mein Weg erst einmal zum stinkenden Vorratsfass führte, da ich mich erneut für Fenris sein Frühstück zuständig fühlte. Ich hoffe nur, er dankt es mir irgendwann, vor allem weil der Hauptmann gelegentlich immer wieder das Thema „Fenris hat noch keine Geruchsprobe von Dina“ anschneidet und dass die noch recht lange auf sich warten lässt. Dumm nur, dass füttern leider nicht zählt.
 
Nachdem ich den Sleen versorgt, mich schnell gewaschen und mir eine saubere Tunika angezogen hatte, um den Verwesungsgeruch seines ekeligen Fleisches aus meiner Nase zu bekommen, warf ich einen Berg Rep-Tücher und die Spezialpaste für Kupfer in einen Eimer, um der esoterischen Selbstfindung und Seelenreinigung der Sängerin auf die Sprünge zu helfen. Als erstes steuerte ich natürlich den Marktplatz an, traf dort allerdings nicht auf die Sängerin, sondern den Hauptmann. Er informierte mich, die Herrin sei vermutlich in ihrem Haus anzutreffen, an dem ich soeben vorbeigelaufen war. Ich musste also wieder zurück.
 
Bei meinem Anblick fiel dem Hauptmann übrigens sofort wieder ein, dass nach der Reparatur der Haustür meiner Herrin sein Sleen vor ihrem Haus inzwischen ja nicht mehr benötigt wurde. Eigentlich kam ich mir zwar ein wenig lächerlich vor, mit meinem Eimer hin und her zu laufen, fand es aber aus Höflichkeit geboten, den Hauptmann zu begleiten. Ich glaube, so ganz ungelegen kam ihm meine Gesellschaft dann wohl doch nicht, denn er befahl mir, meinen Eimer vorerst abzustellen, als wir über das nach der Sleenfütterung erforderliche Baden ins Gespräch kamen. Dann begann er mich ein wenig auszuhorchen. Anfangs dachte ich tatsächlich, es ginge um mich, weil ihm aufgefallen war, wie gerne ich Männern diene, wenn meine Herrin nicht da ist. Hatte er womöglich den Eindruck bekommen, dass ich mich manchmal Herrinnen gegenüber etwas verhaltender benehme?
 
Ich hoffte natürlich, dass dies nicht der Fall war, denn eine Sklavin ist Besitz ohne Rechte… „wünsch dir was“ gibt es nicht. Eine Kajira hat Freie zu erfreuen… Herren und Herrinnen gleichermaßen, auch wenn sie innerlich glüht und ihr Sklavenfeuer nur sehr schwer und manchmal auch gar nicht zu zügeln ist. Es war wirklich nicht einfach für mich, die richtigen Worte dafür zu finden, was oft in mir vorgeht, denn vor meiner Herrin war ich ja Eigentum von Männern gewesen und befürchte, dass ich wohl eine ziemlich schlechte Turmsklavin abgebe. Letztendlich stellte sich dann jedoch heraus, dass anscheinend nicht nur die Sängerin auf einem inneren spirituellen Erkenntnisweg war, sondern der Hauptmann ebenfalls, dem es selbstverständlich überhaupt nicht um mich ging, sondern darum, seine eigene Sklavin besser zu verstehen. 
 
Während ich nun meinen Eimer wieder aufnahm und sehr nachdenklich endlich zum Haus der Sängerin trottete, wurde mir bewusst, dass ich wahrscheinlich keine allzu große Hilfe gewesen war, da ich nur von meinen eigenen Gefühlen sprechen konnte und zu diesem Mädchen leider auch nicht wirklich einen guten Draht habe. Zum Glück konnte ich jedoch meine trübsinnige Stimmung verscheuchen und kam schnell wieder auf andere Gedanken, da die Herrin tatsächlich zu Hause war und voller Tatendrang bereits auf mich gewartet hatte. Meinen Erklärungen zur Pflege der Schätzchen, also den Kesseln des Brauereibesitzers, stand daher nichts mehr im Wege. Komischerweise tauchte dort kurz nach dem Brauereikrieger auch der Hauptmann auf... vielleicht führt ihn sein Rundgang während der Wache immer dort vorbei?
 
 
Egal, der erste Tag der Herrin von insgesamt drei Hand innerer Selbstfindung und Seelenreinigung konnte jedenfalls beginnen… hoffentlich wurde er auch mit der einen oder anderen spirituellen Erkenntnis gekrönt und hatte nicht nur ergeben, wo sich Spinnen am liebsten verstecken.

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