Sonntag, 27. Oktober 2013

Vertrauen

Meine Herrin hatte ihr Haus recht früh verlassen, um gleich mit der ersten Fähre zu ihrem Landsitz zu fahren. Ich hatte also mal wieder sturmfreie Bude und diesmal wegen dem Loch in der Tür sogar eine dauergelüftete. Leider kam jedoch nicht nur die gute Luft von Jorts ins Haus, sondern auch der strenge Geruch Wachsleens. Abgesehen von dem Gestank, war die Nacht dank der Fürsorge des Hauptmanns ohne unangenehme Zwischenfälle verlaufen. Ich hatte mich auch wie befohlen gleich um Fenris gekümmert, nachdem ich vom Hafen zurück war und ihm vor allem sein Ekelfleisch gegeben, damit er mich nicht mehr so giftig anknurrte. Danach stank er zwar noch mehr als vorher, vor allem sein Mundgeruch konnte einen blass werden lassen, doch ich verzichtete lieber darauf, ihm die spitzen Zähne zu putzen.
 
Ich war gerade am Überlegen, ob es tatsächlich ein Missbrauch des Vertrauens meiner Herrin in mich ist, noch ein wenig auf ihrem weichen Fell einem zusätzlichen Schönheitsschlaf zu frönen, bevor ich mich nützlich machte, als es unten plötzlich laut und deutlich an der Tür klopfte und mich erschrocken zusammenzucken ließ. Vorsichtig schaute ich erstmal aus dem Fenster, doch Fenris zeigte keine nennenswerte Regung. Es musste also jemand sein, der ihm anscheinend bekannt war, sodass ich mich sputete, schnell die Tür zu öffnen… also den Rest der Tür, den man noch öffnen konnte. Vor mir stand der Kriegerschmied, der seinen Werkzeugkarren bereits wieder neben dem Haus abgestellt hatte und mir nun eröffnete, unsere Haustür endgültig reparieren zu wollen.
 
 
Natürlich war ich begeistert, wie flott die Reparatur vonstattenging, denn alle vorgefertigten Teile einschließlich Schloss passten ohne Probleme. Außerdem lernte ich wieder etwas dazu, nämlich dass man Holz haltbarer macht, wenn man es mit Thalarionöl einölt. Richtig erstaunt war ich jedoch, was der hilfsbereite Herr mir auf meine Frage erwiderte, was er denn nun für die Reparatur bekäme. Ihm genüge ein Dank und vielleicht ein Becher Met, da es für ihn eine Selbstverständlichkeit ist, sich untereinander zu helfen. Leider musste ich ihn jedoch enttäuschen, denn Met gibt es nun mal nicht in Jorts und das einzige Fass, das sich hierher vor längerer Zeit verirrt hatte, war von mir bereits vor etlichen Hand verkauft worden. Zum Glück war der Herr aber auch mit einem Ale zufrieden.
 
Als ich den Marktplatz erreichte, stellte ich erfreut fest, dass sich der Hauptmann dort aufhielt, denn ich wollte ihm möglichst schnell von der reparierten Tür berichten, damit ich Fenris und gleichzeitig die Luftverpestung vor dem Haus meiner Herrin wieder loswurde. Mit der heilen Tür war er ja nicht mehr als Wache erforderlich. Leider konnte ich die frohe Botschaft über die Reparatur jedoch nicht sofort loswerden, da der Hauptmann gerade mit der Tochter des Kriegerschmieds im Gespräch war, die anscheinend gerne als Jägerin für die Stadt arbeiten würde.
 
 
An dem Sprichwort „mit Speck fängt man Urts“ war mal wieder etwas dran, denn die Jägerin war gerade dabei, mit einer Tabukkeule inklusive Huf, für gute Luft beim Hauptmann zu sorgen. Wobei ich das mit der guten Luft allerding nur symbolisch meine, denn die Keule hatte sie im Wald gefunden und wollte sie anscheinend dem Sleen des Hauptmanns zukommen lassen. Sie war zuvor anscheinend bereits von ein paar Giannis weichgekaut worden und von Fliegenmassen vorverdaut. Aber egal, Fenris steht einfach auf verwestes Ekelfleisch. Pech war nur, dass ausgerechnet ich dieses Bestechungspräsent vom Zelt der Jägerin zum Vorratsfass des Sleen schleppen durfte.
 
Ich mag die Natur wirklich und liebe nicht nur die herrlich duftende Luft im Wald, vorausgesetzt sie wird nicht von einem stinkenden Sleen oder einer fast vergammelten Keule verpestet. Es ist einfach schön, barfuß über weiches Moos zu laufen und im Wald leckere Beeren zu sammeln oder auch mal eine kleine Blume zu pflücken. Wobei ich nach meinen Erfahrungen im Lydiuskrieg jedoch genau weiß, dass ich nicht im Wald leben möchte. Für meine Herrin wäre das ja sowieso nichts, aber mir würden vor allem die Dienste für Herren fehlen und das gelegentliche Wärmen ihrer Felle.
 
Die Jägerin wies mich übrigens an, wie ein Schatten hinter ihr zu bleiben und eröffnete mir, sie würde nicht hinter mir herlaufen, wenn ich mich verirre. Anscheinend hatte sie wohl kein Vertrauen in meinen Orientierungssinn. Wahrscheinlich nahm sie an, ich sei eine verwöhnte Stadtprinzessin, die noch nie im Wald gewesen ist. Kein Wunder also, dass ich mich ziemlich ins Zeug legte, um ihr das Gegenteil zu beweisen. Mist, auf dem letzten Stück verlor ich aber doch etwas die Orientierung, weil die Herrin blöderweise durch ein fast undurchdringliches Dickicht lief. Zum Glück pfiff sie aber nach mir, sodass ich schließlich doch noch ihr Camp fand.
 
Auf dem Rückweg sollte ich dann vorgehen, natürlich mit der Keule im Schlepp. In Anbetracht der vielen Fliegen, die immer noch das Fleisch und leider auch mich umschwirrten, hätte ich an ihrer Stelle nicht die Nachhut gebildet. Aber ich vermutete, die jagende Herrin wollte mich testen, ob ich tatsächlich wieder zurück finden würde und nicht nur davon herumgetönt hatte, sodass ich einfach einen mir bereits bekannten Pfad mit weniger dichtem Gebüsch für den Rückweg wählte, denn an der Stelle wo ihr Zelt stand, war ich zuvor schon mehrfach gewesen. Sie war wohl tatsächlich leicht angetan von meinem Zurückfindebeweis.
 
Leider hatte der Hauptmann inzwischen seine Wache antreten müssen, sodass ich mich frisch gewaschen und umgezogen bei dem Brauereikrieger zurück meldete, der ja mein zweiter Obhutherr ist, wenn der Hauptmann Dienst hat. Er war offensichtlich sehr erfreut über mein Auftauchen und befahl mir umgehend mit ihm mitzukommen. Selbstverständlich machte mein rotseidenes Kajiraherz natürlich sofort wieder einen kleinen Hüpfer, denn für meinen Geschmack hatte ich an diesem Tag genug von Herrinnen, auch wenn eine Jägerin natürlich nicht mit der schleiertragenden Spezies vergleichbar ist.
 
Doch bevor ich tatsächlich die Felle des Herrn anwärmen durfte, machte er zu meinem Erstaunen noch einen Umweg zum Haus der Sängerin, um mir einen ungewöhnlichen Auftrag für den nächsten Tag zu geben. Allerdings muss ich darüber Stillschweigen bewahren, da irgendwelche… ich glaube der Herr sprach von esoterischen Selbstfindungsgründen und irgendeiner Seelenreinigung oder so ähnlich… also jedenfalls die Leidenschaft der Herrin für diese Esodinge nicht bekannt werden sollen. Auch wenn ich gestehen muss, dass ich bei diesem Auftrag etwas skeptisch bin, habe ich mich natürlich sehr über das Vertrauen des Herrn gefreut und werde mir allergrößte Mühe geben, ihn nicht zu enttäuschen.

Kommentare:

  1. Wie lange sind wir beide nun in GOR im Rollenspiel ? Ewigkeiten und an diesem Tag nun zum ersten mal zusammen ein RPchen :-)

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  2. Stimmt... es hat viele Jahre gedauert, bis sich unsere Wege nun gekreuzt haben und es vielleicht auch noch des öfteren tun werden? :-))

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