Samstag, 23. November 2013

Ausnahmsweise mal ruhig

Es war Ende der Hand und ich wie immer ohne meine Herrin. Erstaunlicherweise drang kaum ein Geräusch an mein Ohr, was mich nach dem Trubel der letzten Tage stutzig werden ließ und mich dann letztendlich in die Stadt trieb. Wie meistens lief ich querfeldein den Hang hinterm Haus hinauf, sodass mich mein Weg am Sleenkäfig hinter dem Hauptmannshaus vorbeiführte. Fenris mag mich übrigens immer noch nicht, denn er fauchte mich giftig an. Doch das beruht auf Gegenseitigkeit und da er mir hinter seinen Gittern nichts tun kann, fauchte ich einfach frech zurück, reckte kess meine Nase in die Höhe und trödelte weiter Richtung Marktplatz, um einen Blick auf die Terrasse zu werfen.
 
Es war nicht viel los dort bzw. sah es nicht danach aus, als wären die Dienste einer Sklavin gewünscht. Der einzige Mann wurde von seiner Fastgefährtin gerade fortgezogen, weil sie ihm anscheinend ganz dringend etwas sehr Wichtiges zeigen musste. Ehrlich gesagt tat er mir kein bisschen leid, denn erstens hatte er selbst Schuld, wenn er unbedingt eine Gefährtenschaft mit einer freien Frau eingehen will, die nun schon seit Tagen ein Riesenbramborium um ihre am Ende dieser Hand anstehende Feier machte und zweitens hatte er auch diesmal seine Sklavin wieder in seinem Dorf im Norden gelassen.
 
Ich suchte mir nun erst einmal einen strategisch günstigen Platz am Brunnen, von dem ich einen guten Überblick über den Marktplatz behalten würde und ließ den Eimer in den tiefen Schacht platschen, um ihn danach für einen Schluck frisches Wasser wieder hochzukurbeln. Kaum hatte ich meinen Durst gelöscht, tauchte der Hauptmann mit seiner Sklavin auf. Ich gestehe, ich war nun ein wenig hin und her gerissen, ob ich ihn danach fragen sollte, ob der neue Rekrut zurück ist, weil ich ja noch in Erfahrung bringen musste, ob der Krieger mit meiner Näharbeit zufrieden war. Aber vielleicht war der ja noch in Sachen der roten Kaste unterwegs?
 
War er anscheinend nicht und ich wurde vom Hauptmann auch prompt mit unmissverständlichen Worten zu ihm geschickt. Oh je, hoffentlich passte ihm das neue Oberteil überhaupt, das ich ihm in der gestrigen Nacht noch spät neben seine Tür gelegt hatte, denn für eine Anprobe zwischendurch war ja wegen der Abwesenheit des Herrn keine Gelegenheit gewesen. Da der Krieger ungefähr von gleicher Statur wie mein letzter Herr ist, hatte ich einfach ein altes Schnittmuster von damals verwendet, das ich seinerzeit zusammen mit der kleinen Kiste mit meinen Tuniken in Samanu hatte retten können. Auf dem Weg zum Haus des Kriegers machten sich jede Menge Gedanken in mir breit, die mit einer Horrorvision von geplatzten Nähten endeten.
 
Kein Wunder also, dass meine Schritte nicht nur immer langsamer, sondern auch immer kürzer wurden, bis ich schließlich aber doch vor dem Haus des Herrn stand, mit wild schlagendem Herzen schüchtern an die Tür klopfte und ängstlich lauschte, ob sich drinnen etwas regte. Oh ja, es waren Schritte zu hören und dann öffnete sich auch schon die Tür. Mit erstauntem, aber nicht zornigem Blick wurde ich von dem Rarius ins Haus befohlen und durfte ihm mein Anliegen vortragen. Uff, während ich auf seine Antwort wartete, muss ich vor Angst wahrscheinlich die Luft angehalten haben, doch seine Zufriedenheit mit meiner Arbeit, ließ mich dann sehr schnell und vor allem sehr erfreut weiter atmen.
 
Der Krieger war mir offensichtlich sogar sehr gewogen, denn er tadelte mich auch nicht für meine interessierten Blicke an seinem Mobiliar, die seinen aufmerksamen Kriegeraugen natürlich nicht entgangen waren, obwohl ich versucht hatte, mich möglichst unauffällig umzusehen. Im Gegenteil, ihm schien mein Interesse an der Einrichtung seines Hauses zu gefallen, denn er erlaubte, dass ich mir alles anschaute... auch die vielen Schwerter, die er im Obergeschoss des Hauses gut verschlossen in zwei Gestellen aufbewahrte. Er erklärte mir dazu, dass es teilweise sehr alte Erbstücke seiner Familie sind und damit für eine Schlacht viel zu wertvoll.
 
Die Zeit im Haus des Kriegers verstrich rasend schnell bis der Herr mich leider fortschickte, da die Pflicht ihn rief und er seinen Wachdienst antreten musste. Da mein Rückweg mich logischerweise wieder an der Herberge vorbeiführte, kam ich natürlich nicht ungesehen am Hauptmann vorbei, der mich nun zum Servierdienst hinein wedelte. Leider folgten er und der Brauereikrieger jedoch nicht. Ihnen stand anscheinend nicht der Sinn nach Paga und Ale, sondern nach einer Besprechung, die offensichtlich nicht für die Ohren der Öffentlichkeit gedacht war. Tja, mir blieb daher nichts anderes übrig, als dem Gewedel zu folgen.
 
Doch nachdem der gutaussehende Bootsbauer… der es übrigens im Beisein seiner Fastgefährtin sogar wagte, seine Hand kurz auf meinen Schenkel zu legen… und die Sängerin versorgt waren, gab es nichts weiter zu tun für mich, da der fremde Schmied seine eigene Sklavin dabei hatte und die Bäckerin es neuerdings anscheinend vorzieht, sich selbst zu bedienen... mir soll's recht sein. Nicht so ganz verständlich war mir ehrlich gesagt das Gemecker der Sängerin, die mich ermahnte, nicht mit dem Rücken zu ihr zu knien. Da es in diesem Moment jedoch darum ging, dem fremden Schmied die nötige Ehrerbietung bei der Frage nach einem Getränkewunsch entgegen zu bringen, habe ich sie einfach ignoriert.
 
Wenn ich einen Freien anspreche, dann gebietet es einfach die Höflichkeit, ihn dabei anzuschauen. Das habe ich auch noch von keiner Kajira anders gesehen und meine Herrin hatte mich zuvor auch noch nie darauf hingewiesen, dass sie dieses Verhalten von mir nicht wünscht. Niemand hat Augen im Hinterkopf und auch keinen Hals wie ein Vogel, der um 180 Grad nach hinten gedreht werden kann. Ungünstig war in diesem Fall, dass der Herr fast gegenüber der Herrin Platz genommen hatte und ich ihr daher annähernd den Rücken zukehren musste, weil ich ihn von links angesprochen habe, wie es sich gehört.
 
Selbstverständlich hatte ich nicht vor, dauerhaft schräg mit dem Rücken zu der Sängerin zu knien und zog mich nach der Beantwortung meiner Frage auch sofort wieder in den Hintergrund zurück. Doch wahrscheinlich war das Gequake der Herrin auf den Stress vor ihrer Gefährtenfeier zurückzuführen, denn sie sprach mich letztendlich nicht mehr darauf an. Da niemand mehr Bedarf an meinen Diensten zu haben schien, durfte ich mich an diesem Abend sogar sehr früh zurückziehen, um einem ausgiebigen und vor allem sehr frühzeitigen Schönheitsschlaf zu frönen, den ich mir nach dem Trubel der letzten Hand wohl auch verdient hatte.
 
Außerdem waren die Gespräche oberlangweilig, da die beiden Frauen schon wieder das Lieblingsthema der Bäckerin erörterten, nämlich Gefährtenschaften und Kinderkriegen, bei dem ich schwer an mich halten musste, um mir ein Gähnen zu verkneifen, während der zu bedauernde Bootsbauer mehr oder weniger stumm gute Miene dazu machte. Merkwürdigerweise seufzte er für mich unerklärlich zwischendurch jedoch, dass er immer alleine in seinen Fellen liegen muss. Nanu? Wenn er sich keiner fremden Kajira bedienen möchte, warum nimmt er dann seine eigene Sklavin nicht auf seinen Reisen mit? Manchmal verstehe ich das Verhalten von Männern wirklich nicht... aber zum Glück gibt es auch andere.

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