Sonntag, 24. November 2013

Da scheiden sich die Geister


Gesprächsthema Nr. 1 war gestern die bevorstehende Fastenhand, die vom Rat in Jorts zwar schon vor etlichen Tagen beschlossen und seitdem per Aushang am Eingangspfosten der Terrasse bekanntgegeben wird, nun aber wohl erst die Köpfe der Bewohner erreicht hatte. Dieser Umstand war insofern nicht wirklich verwunderlich, da ja bekanntermaßen die wenigsten Goreaner lesen können. Meine Herrin hatte mir übrigens vor ihrer Abreise zum Landsitz noch die Anweisung gegeben, dass sie in dieser Fastenhand sogar auf den Honig in ihrer Milch verzichten will, um einen alternativen Beitrag zum Verzicht auf Alkohol zu leisten, da sie ja normalerweise keinen Alkohol trinkt.
 
Am gestrigen Tag hatte ich die Ehre erhalten, dem neuen Rekruten einen Paga servieren zu dürfen... ein Dienst, dem ich nur zu gerne nachkam, da ich diesen Herrn wirklich mag. Besonders froh war ich aber, dass er mich anwies, neben ihm zu knien, wenn es nichts weiter für mich zu tun gab. Ohne meine Herrin, die ja wie immer am Ende der Hand auf ihrem Landsitz war, hätte ich mich sonst etwas in den Hintergrund zurückgezogen und von dort aufmerksam beobachtet, ob noch jemand meine Dienste benötigt, hätte mich dort aber vermutlich wie meistens etwas verloren gefühlt und wäre gleichzeitig wahrscheinlich ein wenig neidisch auf die Privatkajirae gewesen, die sich an ihre Herren anschmiegen konnten.
 
 
Von meiner Position neben dem Rarius konnte ich nun ganz gut beobachten, wie der Brauereikrieger auf dem Marktplatz eintraf, allerdings vor dem Aushang stehen blieb und diesen voller Konzentration musterte. Als er schließlich am Terrassentisch Platz nahm, meinte ich deutlich eine steile Falte über seiner Nase zu erkennen und befürchtete, dass es eine Zornesfalte ist, sodass ich mich sputete, ihm ein Beruhigungsale zu servieren. Mit meiner Interpretation seiner Gesichtsmimik lag ich tatsächlich richtig. Der Herr war ziemlich sauer wegen der Fastenanweisung des Rates und beruhigte sich auch nicht wirklich, als der Händler ihm erklärte, er müsse ja nicht hungern, dürfe nur in der kommenden Hand keinen Alkohol trinken und weder Fleisch noch Bohnen essen.
 
Nicht mehr zur Sprache kam, ob sich der Rat Gedanken über eine Entschädigung des Brauereibesitzers gemacht hatte, der durch diesen Erlass natürlich einige Umsatzeinbußen erleiden wird. Es darf eigentlich nicht sein, dass diese Vorgaben des Abgesandten der Wissenden zu erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten eines Heimsteinangehörigen führen. Insofern könnte es sein, dass da das letzte Wort noch nicht gesprochen wurde, doch an diesem Tag sicherlich nicht mehr, so erbost wie der Brauereikrieger kurz darauf dann von dannen stapfte. Wobei ich solche Gespräche natürlich auch nicht mitbekomme. Noch emotionaler entwickelte sich kurz danach ein Gespräch zwischen dem Händler und einem Krieger, der zwar seit einiger Zeit in Jorts wohnt, aber nicht dem jortsschen Heimstein angehört.
 
Dieser Herr meinte sich wegen der bekanntgegebenen Einschränkungen tatsächlich herausnehmen zu können, den Abgesandten der Wissenden, den Rat, den Heimstein von Jorts und nun den Händler beleidigen zu können und zwar auf heftigste Art und Weise. Er tobte, dass die Preisterkönige ihn nicht interessieren und dass er nicht bereit wäre, irgendwelche Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Anscheinend fürchtete der Herr um die Ernährung seiner schwangeren Gefährtin, die allerdings sowieso keinen Alkohol trinkt oder Bohnen isst. Ich vermute, er war vorher schon sauer gewesen, weil sich möglicherweise ein Schmied in Jorts niederlassen will und er nun um seine Nebenbeschäftigung in dieser Kaste fürchtet.
 
Leider hatte der neue Rekrut die Terrasse wegen irgendetwas Wichtigem inzwischen verlassen müssen, sodass ich hinter niemandem mehr in Deckung gehen konnte, als die beiden Männer aufsprangen und es so aussah, als würde es gleich eine Prügelei geben. Dabei wollte ich natürlich auf keinen Fall zwischen die Fronten geraten, denn ich kniete strategisch dummerweise etwas ungünstig. Ein Vorbeiquetschen an den beiden Kampfhähnen erschien mir unklug bis kaum möglich, sodass ich mich vorerst darauf beschränkte, mich möglichst klein zu machen, indem ich mich an die Terrassenbrüstung drückte und mich vor allem irgendwelchen Kommentaren zu dieser Auseinandersetzung enthielt. Im Notfall wäre ich einfach über die niedrige Brüstung gehüpft. Doch dazu kam es zum Glück nicht mehr, da der Hauptmann ein Machtwort sprach, bevor er leider seinen Wachdienst antreten musste und der Händler kurz darauf dann das Weite suchte. In meinen Augen genau die richtige Entscheidung, denn was soll ein unbewaffneter Händler einem Krieger auch entgegen setzen?
 
 
Interessanterweise schickte mich später der Lederarbeiter noch zum Brauereibesitzer, um sich ein Fass Paga in sein Haus liefern zu lassen. Wobei ich selbstverständlich nicht mal im Traum darüber nachdenken würde, ob er damit möglicherweise das Alkoholverbot umgehen will. Der Brauer war jedenfalls sehr erfreut über diesen Verkauf und räumte dem Sattler sogar einen Sonderpreis ein. Aber darüber und überhaupt, habe ich natürlich öffentlich nichts verlauten lassen. ;-)

Kommentare:

  1. *schmunzelt*

    Dina dir ist in dem ganzen Durcheinander ein Fehler unterlaufen. Wobei mir das auch fast passiert wäre. Das mit der Longhall und Odin und so, das war Ares. Jessy kommt aus Torcodino, müsste sich eigentlich mit den Gepflogenheiten des zivilisierten Gors auskennen und hat nur eine Zeit lang im Norden gelebt.

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    1. Ups... ganz vielen Dank Georg! :-)... ich habe es schon geändert.

      Anscheinend hat mir da mal wieder mein Gedächtnis einen Streich gespielt... bin ja leider nicht mehr die Jüngste^^

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