Montag, 4. November 2013

Desinfektion… aber nicht nur äußerlich!

Ich wachte auf und stellte fest, dass ich mich merkwürdigerweise nicht wie sonst räkeln und genüsslich strecken konnte. Nein, ich spürte Stäbe, zwischen denen meine Füße zwar durchpassten, die mein Räkeln aber trotzdem irgendwie sehr einschränkten. Erstaunt rieb ich meine Augen und schaute mich irritiert um. Stimmt ja, ich war gar nicht im Haus meiner Herrin, fiel es mir sofort wieder ein, als ich die ungewohnte Umgebung musterte. Ich hatte in der neuen Anschaffung des Hauptmanns übernachten, nämlich seinen gerade erst gelieferten Sklavenkäfig einweihen dürfen… eine wirkliche Ehre für mich, vor allem nach dem Geschehen im Badehaus am Vortag!
 
Was war passiert? Während ich mit Erleichterung registrierte, dass ich keinen Seifengeschmack mehr im Mund hatte, fiel mir alles wieder ein. Eine ziemlich ungepflegt aussehende, Pfeife rauchende Herrin hatte auf der Terrasse gesessen und sich bei dem Händler über die Konditionen des geplanten Marktes am Ende dieser Hand erkundigt. Worum es dabei genauer ging, erschloss sich mir nicht mehr, da sich das Gespräch mit meinem Auftauchen nun plötzlich darum drehte, dass die Herrin mich kaufen wollte und dem Händler etliche Gold anbot.
 
 
Ich vermute nicht nur mir, sondern auch dem Händler war es ein Rätsel, wie eine dermaßen zerlumpt herumlaufende Person überhaupt so reich sein konnte. Zum Glück war das Thema jedoch schnell durch, nachdem er die Kaufinteressentin darüber informiert hatte, dass ich nicht in seinem Besitz bin. Nachdem er ihr letztendlich dann die Teilnahme am Markt zwar nicht grundsätzlich verweigert, aber mit deutlichen Worten klar gemacht hatte, was mit ihr geschieht, sollte sie zu den Langfingern gehören und zusätzlich noch ein erforderliches Desinfektionsbad vor ihrem erneutem Betreten der Stadt erwähnte, suchte sie erstaunlich schnell das Weite.
 
Desinfektion? Oh je, hatte die Besucherin etwa Untermieter gehabt? Hoffentlich hatte sie die nicht um sich herum großzügig verteilt, denn schließlich war sie direkt an mir vorbeigerauscht bei ihrem Abgang! Neugierig betrachtete ich meine nackten Arme und entdeckte tatsächlich einen klitzekleinen dunklen Punkt auf meiner Haut, den ich allerdings sofort mit dem Finger unauffällig wegschnippte. Was für ein Mist, war das etwa ein Floh gewesen? War es wohl tatsächlich, denn bei genauerer Betrachtung sah das Kissen, auf dem die Herrin gesessen hatte, merkwürdig bewohnt aus.
 
Während Shani auf Befehl ihres Herrn eilig ein Feuer anzündete, kam mir die Aufgabe zu, die ungewollten Bewohner zu entsorgen, indem ich nicht nur das besagte Sitzkissen, sondern auch die beiden daneben schnell in die Flammen zu werfen. Danach suchten wir wegen weiterer zu ergreifender Desinfektionsmaßnahmen die Heilerin auf und bekamen eine Spezialseife für die Vorreinigung und eine ziemlich stinkende Tunke, die danach eine halbe Ahn auf der Haut einwirken musste, bevor man sie mit sauberem Wasser abwaschen durfte. Es gab also reichlich zu tun, allerdings nicht nur mit der Desinfektion der Herberge.
 
 
Wie nicht anders zu erwarten entstand ein ziemlicher Aufruhr unter den Bürgern und Bewohnern von Jorts, da anscheinend jeder auf irgendeine Art und Weise Kontakt mit dieser Person gehabt hatte. Ich wurde losgeschickt, den netten Bootsbauer und die Sängerin zu informieren. Auch sie kamen nicht drum herum, sich dieser Desinfektion zu unterziehen. Wobei sich die meisten Bewohner von Jorts zur Reinigung in ihre eigenen vier Wände zurückzogen, im Gegensatz zu dem Händler, der gemeinsam mit dem äußerst unwirsch grummelnden Hauptmann das Badehaus anstrebte. Shani eilte natürlich hinter ihrem Herrn her. Tja, und mir befahl der offensichtlich schlechtgelaunte Hauptmann, ihm als Badekajira zur Hand zu gehen.
 
Während ich vorher schnell noch frische Sachen für ihn holen musste, was ich zu diesem Zeitpunkt eigentlich eher unlogisch fand, da ich ja noch flohverseucht war, aber Befehl ist eben Befehl, wurde mir natürlich bewusst, welche Ehre es für mich ist, dass die Wahl des Herrn auf mich gefallen war. Ich nahm mir daher ganz fest vor, mich mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln ins Zeug zu legen, um dem wasserscheuen Krieger das Desinfektionsbad so angenehm wie möglich zu gestalten. Allerdings befürchtete ich, damit nicht auf allzu viel Sympathie bei ihm zu stoßen, sodass es nicht einfach für mich werden würde. Außerdem weiß ich, dass sich meine Fähigkeiten nur dann so richtig entfalten, wenn ich spüre, dass mein Tun auch angenommen wird.
 
Es stellte sich auch tatsächlich als etwas schwierigeres Unterfangen heraus, da der Herr die Desinfektionsprozedur anscheinend als günstige Gelegenheit ansah, um sich mit dem Händler nebenbei über Politik zu unterhalten. Offensichtlich hatte er jedoch nicht damit gerechnet, dass dem Händler der Sinn nach ganz anderem stand und dessen Antworten immer zögernder und vor allem immer atemloser kamen, bis das Gespräch schließlich bei dem Händler in Stöhnen überging und dem Hauptmann nichts anderes übrig blieb, als sich doch noch in sein Schicksal in meinen sanften Händen zu ergeben.
 
Dummerweise konnte ich mir beim ich weiß nicht wievielten Höhepunkt des Händlers eine leider sehr unangebrachte Bemerkung nicht verkneifen und versaute damit nicht nur die bis dahin eigentlich doch ganz gute Laune des inzwischen ziemlich entspannten Hauptmanns restlos, sondern handelte mir postwendend eine gerechtfertigte Bestrafung von ihm ein, die der Lebertran-Salz-Lektion meiner Herrin vor etlichen Jahren in nichts nachstand. Er verpasste mir als erstes eine schallende Backpfeife, die mich fast Sterne sehen ließ, packte danach äußerst grob in meine Haare und zerrte mich zum Beckenrand, um mir die ekelige Desinfektionsseife in den Mund zu stopfen. Leider war das aber noch nicht alles.
 
Ohne meine langen Haare loszulassen, riss er mich nun herum und zog mich erneut auf sehr schmerzhafte Art hinter sich her. Während ich vor Schmerz aufschrie und wegen der scheußlichen Seife kurz davor war, meinen gesamten Mageninhalt von mir zu geben, tauchte er nun meinen Kopf mehrfach ins Wasserbecken, allerdings immer nur so lange, dass mir nicht die Sinne schwanden. Als die Spülung nach einer gefühlten Ewigkeit ohne Luft endlich ein Ende hatte, war nicht nur der Seifengeschmack aus meinem Mund verschwunden, sondern auch jegliche Frechheit zu Demut geworden. Ich war äußerlich und innerlich sowas von desinfiziert, dass ich wirklich alles getan hätte, um den Hauptmann zu erfreuen.
 
 
Die Übernachtung im Sklavenkäfig war jedenfalls der pure Luxus, auch wenn man sich nicht richtig ausstrecken kann. ;-))

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